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Russlands Überfall auf die Ukraine20 Tote pro erobertem Quadratkilometer

Russlands Verluste und Kosten im Ukrainekrieg sind kolossal. Erstmals räumt nun der Verteidigungsminister die direkten Kriegskosten ein.

Patrouille in Donezk. Das Foto wurde auf einer vom russischen Verteidigungsministerium organisierten Reise aufgenommen Foto: ap/dpa

Zwei Tage vor Neujahr nahm Russlands Herrscher Wladimir Putin im Kreml die Erfolgsmeldungen seiner Generäle entgegen: 6.640 Quadratkilometer Territorium und 334 Ortschaften hätten seine Truppen innerhalb eines Jahres eingenommen, teilten die Epaulettenträger mit. Nur: Diese Zahlen sind, wie auch die von russischen Kommandeuren behauptete Einnahme stark umkämpfter ukrainischer Städte, nicht wahr.

2025 waren die Verluste für den Kreml so hoch wie nie seit Beginn der Vollinvasion am 24. Februar 2022: Da statt Panzern jetzt Soldaten zu Fuß eingesetzt werden, und dies unter gegenseitiger intensiver Beobachtung durch Drohnen, ist der Blutzoll ungleich höher. Mindestens 100.000 russische Soldaten wurden im vergangenen Jahr getötet, wie von dem oppositionellen russischen Portal Mediazona ermittelt wurde. Sie werteten Todesanzeigen und Daten von Nachlassgerichten aus.

Die makabre Berechnung ergibt demnach mindestens 20 getötete russische Soldaten pro erobertem Quadratkilometer ukrainischen Landes. Denn die renommierten Analysten von Deep State, die täglich genaue Karten mit dem Kriegsverlauf publizieren, haben detailliert das russische Vordringen dokumentiert. Demnach sind die russischen Streitkräfte auf 4.810 Quadratkilometer vorgerückt im vorigen Jahr, inklusive der knapp 500 Quadratkilometer betragenden Rückeroberung der von der Ukraine zuvor eingenommenen russischen Gebiete um Kursk.

Und der vom Kreml immer wieder, vor allem bei den laufenden Gesprächen über eine Waffenruhe betonte angeblich erdrückende Vormarsch ist klein im Vergleich: Nach dem Überfall 2022 hatten russische Soldaten bis zur ukrainischen Gegenoffensive fast 62.000 Quadratkilometer erobert.

Die Kosten des Krieges sind für den Kreml kolossal

Der Kreml kontrolliert nach wie vor nur eine der vier ukrainischen Regionen, die im Oktober 2022 als Subjekte der Russischen Föderation in die russische Verfassung aufgenommen wurden, nämlich 99,6 Prozent von Luhansk. Die Oblaste Donezk, Saporischschja und Cherson sind weiter zu einem erheblichen Anteil unter ukrainischer Kontrolle.

Die menschlichen und fiskalischen Kosten des Krieges sind für den Kreml kolossal. Die Gesamtzahl der seit Februar 2022 getöteten Menschen wird auf 190.000 bis 480.000 geschätzt. Laut der russischen Vizeverteidigungsministerin Anna Ziwiljowa haben 48.000 russische Soldaten zudem den Status „vermisst“.

Auch das dürfte stark untertrieben sein: Vertreter des ukrainischen Projekts „Ich möchte finden“ gaben bekannt, dass sich seit Anfang 2024 mehr als 152.200 Angehörige vermisster russischer Soldaten an sie gewandt haben. Wöchentlich kämen 2.000 Anfragen hinzu. Nur 2 Prozent der Gesuchten würden lebend als Kriegsgefangene gefunden.

Russland zahlt nur an die Angehörigen der als „Grus 200“ zurückgebrachten Leichen die versprochen hohen Prämien. Als „Grus 200“ werden getötete Soldaten im Moskauer Militärjargon bezeichnet, übersetzt „Fracht 200“. Umgerechnet 170.000 Euro hatte Putin 2022 den Hinterbliebenen Gefallener versprochen. Unklar ist, wie viel tatsächlich noch gezahlt wird. Inzwischen würden immer mehr vermutlich gefallene Militärangehörige als „vermisst“ registriert, berichten russische Menschenrechtsorganisationen.

Jede Anwerbung kostet im Durchschnitt 24.000 Euro

Denn allein die Rekrutierung neuer Soldaten kostet den Kreml laut den Anwerbungsbüros für Rekruten umgerechnet 24.000 Euro. Pro Monat werden 30.000 bis 35.000 Männer angeworben.

Klarer werden indes erstmals die wahren Kosten des Krieges: Verteidigungsminister Andrej Belousow räumte Mitte Dezember ein, dass die Kosten, die „in direktem Zusammenhang mit der speziellen Militäroperation stehen“, 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrügen, das sind 11,1 Billionen Rubel, umgerechnet 120 Milliarden Euro. Das gesamte Militärbudget betrüge 172,4 Milliarden Euro.

Das oppositionelle russische Internetmagazin The Insider hat noch eine makabre Rechnung: „Allein in der Region Donezk bleiben noch etwa 6.000 Quadratkilometer unter der Kontrolle ukrainischer Truppen. Geht es voran wie 2025, würde ihre Eroberung etwa 1,5 Jahre und 120.000 Soldatenleben kosten.“

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29 Kommentare

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  • Makaber, wie in diesem Bericht und den Kommentarspalten Kriegs-Monopoly gespielt wird.



    Verluste werden verrechnet, Szenarien entworfen, als ließe sich menschliches Leid abstrahieren.



    Angesichts realer oder möglicher Toter halte ich Sprachlosigkeit für angemessener als strategische Gedankenspiele.

    Hannah Arendt warnte davor, Denken von der Realität menschlichen Leidens zu lösen. Genau diesen Eindruck hinterlässt die Debatte hier.

    • @Stefan Schmitt:

      Gerade bei der Betrachtung der Zahlen im Hinblick auf die Frage, ob denn die Ukrainer überhaupt eine Chance haben, ist Mitleid mit den Ukrainern und auch mit den russischen Soldaten ein Hauptbeweggrund, so mein Eindruck.

      Da wäre also nichts von der Realität menschlichen Leidens gelöst.

      "Geht es voran wie 2025, würde ihre Eroberung etwa 1,5 Jahre und 120.000 Soldatenleben kosten."

      Ich lese aus dieser Formulierung z. B. kein Kriegsmonopoly raus, sondern Mitleid und Erschrecken über die hohe Zahl.

    • @Stefan Schmitt:

      Gut gesagt.

    • @Stefan Schmitt:

      Hannah Arendt wirkt etwas überheblich, wenn sie so zitiert wird. Mit ihrer "Warnung" sollte niemandem, weder dem Autor noch den Kommentatoren vorgeworfen werden, man debattiere losgelöst vom Leiden getöteter, verwundeter und gefangen genommener Soldaten. Eine so verstandene Hannah Arendt wäre mir sehr unsympathisch. Das Bemühen des Autors und der Kommentatoren ist doch ein ganz anderes: Die Realität, nämlich ein unmenschliches Leiden in einem unmenschlichen Krieg anhand von grausamen Zahlen für unser Gehirn greifbar zu machen. Dass als "Nebenprodukt" die Information für uns abfällt, dass Putin Soldaten und Geld ausgehen könnten, halte ich für legitim und verstehe dies nicht als strategische Gedankenspiele. Jedenfalls nicht an dieser Stelle in der taz.

  • Ich habe kürzlich einen österreichischen Offizier zugehört, der sagte, Russland könne das nur noch 1 Jahr bis 18 Monate aushalten, danach würde die russische Wirtschaft und der Staat anfangen zu kolabieren.



    Ich weiß nicht, wie stimmig diese Annahme ist und wie sie sich zusammensetzt, aber was mir auffällt, ist das Russland kein militärisch besonders gut agierendes Land ist. Letztlich erzeugt Russland ungefähr das BIP von Spanien, hat aber unglaubliche Distanzen und Kosten für Infrastruktur, die in Spanien nur zu einem Bruchteil anfallen.



    Wenn Putin dann noch immer mehr in die Aufrüstung und in die Expansion steckt, muss dies Gründe haben.



    Ich würde vermuten, dass es innenpolitisch schlecht um ihn steht. Er führt doch eigentlich nur einen kleinen Zirkel von Milliardären an, die allesam durch Korruption bekannt geworden sind. Seine Ideologie ist ein wenig kohärente Mischund aus Kommunismus im Retro-Style und Russland-Nationalismus.



    Solange der Krieg noch läuft, kann er damit ein wenig hin- und herschwingen, sollte der Krieg vorüber sein, wird es eng. Dann könnte aber schon bald der nächste Krieg folgen ... wenn dann noch Geld da ist.

  • Ich weiß, alles mit Vorsicht zu genießen.



    Geht man aber vom ISW aus, so sind die Verluste pro qkm² weitaus höher.



    Laut ISW wurden im Jahr 2025 0,8% Gebietsgewinne für die Russen verzeichnet, bei Verlusten an Soldaten von ca. 430.000 - in einem Jahr.

  • "Geht es voran wie 2025, würde ihre Eroberung etwa 1,5 Jahre und 120.000 Soldatenleben kosten."

    Mal unabhängig davon wie belastbar die Zahlen sind, kann man schon jetzt sagen, dass die zunehmende Automatisierung des Krieges durch die Ukraine, gestützt durch die EU, zu immer höheren Verlusten bei der russischen Armee führen wird. Die Russen mögen zwar technologisch zu gewissem Maße mithalten, aber im Gegensatz zu den ukrainischen Soldaten, werden die russischen durch ihren Führer und seine Generäle gezwungen beständig vorzuruecken.

    • @Okti:

      Automatisierung wirkt nicht einseitig, sondern erzwingt Anpassungen auf beiden Seiten. Russland hat Drohnenproduktion, elektronische Gegenmaßnahmen und Taktiken bereits angepasst; technologische Überlegenheit ist kein statischer Zustand.

      Die Darstellung russischer Soldaten als bloß „gezwungen vorzurücken“ ist analytisch verkürzt. Auch autoritäre Armeen reagieren auf hohe Verluste mit Taktikwechseln, etwa durch stärkere Feuerkraft, Stellungsbau oder Abnutzung, statt durch dauerhaftes blindes Vorrücken.

      Zudem werden die Kosten der Automatisierung auf ukrainischer Seite ausgeblendet. Drohnenkrieg und vernetzte Gefechtsführung sind material- und logistikintensiv und stark von westlicher Unterstützung abhängig, die politisch und industriell nicht unbegrenzt skalierbar ist.

      Schließlich bleibt die Zahl „1,5 Jahre und 120.000 Soldatenleben“ spekulativ. Sie suggeriert Planbarkeit in einem Krieg, der sich gerade durch Anpassung und Unvorhersehbarkeit auszeichnet. Solche Prognosen sind eher rhetorische Verdichtung als belastbare Analyse.

  • Der Artikel operiert mit scheinbar präzisen Zahlen („x Tote pro Quadratkilometer“), verschweigt aber die Fragwürdigkeit der zugrunde liegenden Quelle. „DeepState“ ist kein neutraler Beobachter, sondern ein ukrainisches OSINT-Projekt mit klarer politischer Verortung im laufenden Krieg. Das ist legitim – muss aber benannt werden.

    Aus unsicheren Frontverlaufskarten und spekulativen Verlustschätzungen mathematische Kennziffern zu errechnen, erzeugt keine Erkenntnis, sondern eine Scheingenauigkeit, die emotionale Wirkung über analytische Seriosität stellt. Solche Zahlen sind weder verifizierbar noch militärisch belastbar.

    Wer diese Daten ohne deutliche Relativierung präsentiert, übernimmt faktisch Narrative einer Kriegspartei und trägt zur Eskalation des Informationskriegs bei – auch wenn das gut gemeint sein mag. Gerade von einer Zeitung, die für kritische Distanz steht, sollte man mehr Quellenkritik und weniger moralische Statistik erwarten.

    • @Zippism:

      Hätte geholfen den Artikel auch zu lesen. Vom ukrainischen Deep State ist da nicht die Rede.

      Die Erhebungen stammen vom russischen Portal Mazedonia, gegründet von Mitgliedern der Pussy Riots. Ziel ist es der russischen Propaganda Fakten entgegenzustellen, die dürften gerade bei Erhebungen zwar nicht immer den von ihnen bevorzugten wissenschaftlichen Standards standhalten, sind aber dennoch wichtig da sie Tendenzen aufzeigen und russische Fakes aufdecken.

      Ihre Einwände der "Scheingenauigkeit" oder "moralischer Statistik" greifen daher ins Leere.

    • @Zippism:

      Die DeepStateKarte wird von einem über 100-köpfigen Team aus Angestellten und Freiwilligen in Kiew betrieben. Informationen fließen aus Fotos, Videos und Berichten von Frontsoldaten sowie offiziellen Stellen ein. Vor der Veröffentlichung prüft das Team akribisch jedes Detail. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und freiwillige Unterstützung.



      Ob auf dieses Projekt 100%iger Verlass ist, vermag ich nicht zu sagen. Es ist aber sicher zuverlässiger als die Angaben aus Moskau.

    • @Zippism:

      Wo haben Sie von DeepState oder OSINT in dem Artikel gelesen? Es werden von Mediazona ermittelte Zahlen benannt.

      Russland führt seinen völkerrechtswidrigen und neo-imperialistischen Krieg unter massivem Verlusten in den eigenen Reihen und kommen dabei kaum voran. Ihre Infragestellung der Exaktheit der Zahlen ändert daran nichts.

      • @PepperA:

        Der Verweis auf Mediazona ändert den Kern meiner Kritik nicht. Auch Mediazona arbeitet – was transparent benannt wird – mit offenen Quellen, Modellierungen und Hochrechnungen unter Kriegsbedingungen. Diese Zahlen sind wertvoll, aber nicht präzise im statistischen Sinn, sondern mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

        Problematisch wird es dort, wo solche Schätzungen weiterverarbeitet und zu scheinbar exakten Kennziffern („Tote pro Quadratkilometer“) verdichtet werden. Diese rechnerische Präzision suggeriert eine Belastbarkeit, die die Datengrundlage nicht hergibt – unabhängig davon, ob die Quelle DeepState, Mediazona oder eine andere OSINT-Struktur ist.

        Dass Russland einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt, steht außer Frage und wird von mir nicht relativiert. Gerade deshalb sollte journalistische Berichterstattung zwischen politischer Bewertung und methodischer Genauigkeit trennen. Kritik an der Exaktheit von Zahlen ist kein politisches Ablenkungsmanöver, sondern ein Gebot seriöser Quellenkritik – insbesondere im Informationskrieg, in dem Zahlen selbst zu Waffen werden.

  • Die angegebenen Verlustzahlen der Russen halte ich für überhöht. Das Vorgehen der Russen lässt darauf schliessen dass sie sehr vorsichtig sind, und Frontalangriffe usw möglichst vermeiden die mit hohen Verlusten verbunden sind. Das Ziel ist nicht die Eroberung von möglichst viel Gelände, sondern die Abnutzung der ukrainischen Armee. Die irgendwann in nächster Zukunft zuwenige Soldaten für die Frontlinie haben wird. Und evtl auch nicht genug Material. Man schaue sich nur mal das Ende des 1. Weltkriegs im Westen an. Tatsache ist, dass die Russen vorrücken und die Verhandlungsposition der UA sich täglich verschlechtert. Was die Kosten angeht: auch die UA-soldaten bekommen 2-3000 pro Monat. Ok, das bezahlen wir, aber trotzdem.

    • @Gerald Müller:

      Noch nie in der Geschichte haben russische Kommandeure in Kriegen "sehr vorsichtig" agiert. Im Gegenteil. Verluste an russischen Truppen haben diejenigen, die die Befehle geben, noch nie auch nur einen Deut interessiert. Und es gibt keinerlei Hinweise, dass sich daran unter Putin irgendetwas geändert hat.

    • @Gerald Müller:

      Beachten Sie aber bitte auch das (Schnecken)Tempo des russischen Vormarsches und setzen Sie diese „Erfolge“ in Relation zu denen des Großen Vaterländischen Krieges (Juni 1941 - Mai 1945). Dieser Krieg in der Ukraine dauert inzwischen länger an als der gegen die Nazi-Invasoren in der Sowjetunion.



      Sollte eine Situation eintreten, in der auf russischer Seite doch noch Kritik an der Kriegsführung laut wird, könnte das möglicherweise für Putin zur Achillesferse werden. Und zwar von Seiten der nationalistischen Hardliner, die ein noch brutaleres Vorgehen gegen die Ukraine fordern, oder von einer möglichen Friedenspartei (die zugegebenermaßen in Russland derzeit leider nicht ansatzweise sichtbar ist).



      Die Abnutzungsstrategie, von der Sie sprechen, findet allerdings auf beiden Seiten statt. Nicht umsonst halten die Ukrainer so lange es irgend geht an Städten wie Pokrowsk oder Myrnohrad fest: um die russischen Truppen dort zu binden und abzunutzen.



      Wir wissen aber beide, wer hinsichtlich dieser Strategie am längeren Hebel sitzt.

    • @Gerald Müller:

      Frontberichte russischer Soldaten widersprechen Ihnen da vollkommen. Auch russische Militärblogger berichten schon seit längerer Zeit über das erzwungene vorrücken der russischen Armee unter schweren menschlichen Verlusten.



      Es hilft nicht unbedingt alles der russischen Staatspropaganda zu glauben, sondern auch andere russische Quellen zu konsultieren, wenn Sie sich auf russische Quellen stützen wollen.

    • @Gerald Müller:

      Die Verlustzahlen werden von verschiedenen Quellen in dieser Größenordnung angegeben. Russland rückt nur unter massiven Verlusten an eigenen Soldaten vor - und es scheint die Führung nicht weiter zu interessieren.

  • Tatsächlich sind die meisten Zahlen über die Verluste der russichen Streitkräfte Spekulation.

    Vergleichsweise sicher kann man abschätzen wie groß die Verluste maximal sein können, aus Zahlen die vergleichsweise gut gesichert sind.

    Denn es ist gut bekannt z.T. sogar offizelle Zahlen wie viel Mann die russ. Streitkräfte für den Krieg in der Ukraine abgestellt und eingezogen bzw. angeworben haben.

    a.) Bis Ende 2022 wurden rund 150-tausend Mann Bodentruppen für den Krieg in der Ukriane abgestellt.



    Die Ukrane sprach damals offizel von 100-tausend.

    b.) Ganz offizel hat Russland 2023 300-tausend Reservisten eingezogen.

    c.) Schätungen von "westlichen" Stellen und auch offizelle russiche Angaben sprechen von 400-tausend "Freiwilligen" die 2023 und 2024 angeworben worden.

    d.) Da können 2025 nochmal 200-tausend zugekommen sein, diese Zahl ist aber schon weniger sicher.

    Das macht in Summe

    150-tausend



    +300-tausend



    +400-tausend



    +bis zu 200-tausend

    => Rund 1 Million Soldaten die Russland abgestellt hat.

    Laut offizellen ukrainischen Stellen und "westlichen" Experten sind "aktuel" über 700-tausend russ. Soldaten in der Ukraine und mehr als 100-tausend in Russland an der ukr. Grenze.

    • @Jörg Heinrich:

      „Vergleichsweise sicher kann man abschätzen wie groß die Verluste maximal sein können, aus Zahlen die vergleichsweise gut gesichert sind.„



      Und warum machen Sie das nicht?



      „b.) Ganz offizel hat Russland 2023 300-tausend Reservisten eingezogen.“



      Nein, das war im Herbst 2022 (und das waren größtenteils auch keine Reservisten)



      Danach wurden JEDES JAHR (2023, 2024, 2025) um die 400.000 Soldaten angeworben, nach russischen offiziellen Angaben, die von westlicher und ukrainischer Aufklärung als plausibel angesehen werden. Offiziell 1,3 Mio in drei Jahren gesamt, mit den Zwangsmobilisierten 2022 1,6 Mio.



      Der populäre russische Kriegblogger und Propagandist Juri Podolyaka, also niemand der der Feindpropaganda verdächtig ist, hat vor einigen Tagen die Rechnung aufgemacht: er schätzt die Gesamtverluste der Russischen Armee bis Ende 2025 auf 825.000, davon 250.000 bis 350.000 Tote. Außerdem, bis Sommer 2023, 50.000 tote Wagnersöldner und 20.000 Tote in den „Volksarmeen“ von DNR und LNR (danach wurde Wagner aufgelöst und die Volksarmeen wurden als „Freiwilligenkorps“ in die reguläre Armee eingegliedert).

  • Wir dürfen nicht vergessen: Diktatoren sind Menschenleben egal. Denn es geht ja um eine "höhere Sache". Und solange die Bevölkerung das mitträgt gibt's kein Problem. Leider sieht es genau danach aus.



    Zudem: Eine gedanklich militarisierte Bevölkerung die noch nie in einer Demokratie gelebt hat, wie soll die demokratisch, friedlich, rechtsstaatlichen Handeln anstreben? Bin pessimistisch!

  • 5,1% des BIP klingen für mich nicht so beeindruckend.



    Wir geben in Friedenszeiten mehr als die Hälfte aus.

    Zugegebenermaßen werden die Zahlen nicht stimmen, aber als Herleitung für einen baldigen Staatsbankrott können sie schlecht herhalten. Zumal es eine Erfahrungs-Regel gibt, das Kriege nicht wegen Mangel an Geld oder Waffen beendet werden.

    • @Sonntagssegler:

      Die 5,1% beziehen sich schon sprachlich nicht auf das gesamte Militärbudget, sondern nur auf die Kosten die „in direktem Zusammenhang mit der speziellen Militäroperation stehen“

      was auch immer dies heißen mag. Schon das Wort "direkt" ist ein Hinweis.

      Selbst wenn er nicht direkt lügen würde, mit einer solchen Formulierung könnte man ohne Probleme 20% Militärbudget haben.

      Wir in Europa rechnen unsere Militärbudgets traditionell eher groß wegen den NATO-Verpflichtungen.

  • Erst wenn das russische Volk die Dummheit dieses Krieges mit voller Wucht zu spüren bekommt wird sich wohl etwas verändern.

    Die Menschen hätten ja von Deutschlands Niederlage lernen können, aber niemand lernt aus den Fehlern anderer. So muss wohl jeder Mensch erst selbst einmal gegen die Wand fahren um daraus zu lernen.

    Das gilt mittlerweile auch schon wieder für immer mehr Deutsche. Wirklich intelligent sind wir Menschen also offensichtlich nicht.

    • @Bauer Gerry:

      Das erste Opfer jedes Krieges ist die Wahrheit.



      Das russische Volk wird ebenso mit Propaganda manipuliert, wie jedes, an einem Krieg beteiligte Volk. Selbst in unseren Medien geht es nicht immer korrekt zu. Ich erinnere mich noch gut an die Schlagzeilen vor ein paar Jahren "Hat Putin nur noch wenige Wochen zu leben?". Ich will nicht behaupten, dass die Menschen wie sie schreiben "nicht intelligent" sind, ich sage liber, dass die Macht der Medien völlig unterschätzt wird. Eine AfD wäre niemals da wo sie heute ist, hätten die Medien sie nicht dauernd auf dem silbernen Tablett serviert.

      • @Hans Dampf:

        Wäre es Ihnen möglich, Ihr "nicht immer korrekt" in Bezug auf unsere (im übrigen sehr vielfältige) Medien nicht mit der totalitären russischen Meinungskontrolle gleichzusetzen?

      • @Hans Dampf:

        Pressefreiheit und Pluralismus heißt eben auch, dass eine Menge Unfug behauptet werden kann, solange das Klicks bringt und der Ruf sowieso nicht weiter ruiniert werden kann.



        Es gibt aber auch eine Menge Medien, die nicht behauptet haben, Putin habe nur noch wenige Wochen zu leben.

  • Zur Einordnung würde mich interessieren:



    Welchen Prozentsatz ihrer Bevölkerung jeweils verlieren beide Parteien im Krieg pro Monat?

    Praktisch alle Kriegsparteien (in Gegenwart und Vergangenheit) haben eigene Verluste eingeplant. Die "Kunst" dabei ist es jedoch, dass die Gegenseite mehr Schäden erleidet als die eigene.

    • @vøid:

      "Die "Kunst" dabei ist es jedoch, dass die Gegenseite mehr Schäden erleidet als die eigene."



      Das gilt wahrscheinlich nicht nur in absoluten Zahlen, sondern in relativen Bezügen.



      Demnach ist es auch eine Frage der verfügbaren einsatzfähigen Soldaten und ihrer nachfolgenden Jahrgänge als Reserve, wie wahrscheinlich die zynische Berechnung von Militärs belegen wird.



      Dass nordkoreanische Truppen Putin stützen müssen, ist wohl auch in diesem Rahmen ins Kalkül zu ziehen.



      b. morgenpost.de



      "Rückkehr aus Russland



      Drecksarbeit für Putin – Kim Jong-un nutzt Soldaten für Propaganda-Show



      Pjöngjang. Nordkoreanische Soldaten haben für Russland Landminen im Ukraine-Krieg beseitigt. Aus ihrer Rückkehr machte Kim Jong-un eine Propaganda-Show."



      Weiter dort:



      "Die für Nordkorea beispiellose Militärkooperation mit Russland wurde vergangenes Jahr bekannt. Schätzungen des südkoreanischen Geheimdiensts zufolge wurden in mehreren Mobilisierungswellen rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg entsandt. Zudem belieferte Nordkorea die russische Armee mit großen Mengen Munition und Artillerie."



      In der Ukraine gibt es freiwillige Unterstützer, aber das ist meistens nur eine kl. Randnotiz.