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Angriff des US-GesundheitsministersDas Ziel ist Spaltung

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

US-Gesundheitsminister Kennedy attackiert Deutschland in einem fragilen Bereich: der Coronapandemie. Das kann bei Skeptikern verfangen.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. greift die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken verbal an Foto: Evan Vucci/AP/dpa

J etzt also auch im Gesundheitsbereich: In einem Video auf der Plattform X greift US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken wegen der hiesigen Coronastrafverfahren an. Diese seien eine Art politischer Verfolgung von Me­di­zi­ne­r:in­nen und würden die „Autonomie der Patienten“ missachten.

Man kann davon ausgehen, dass diese Attacke bewusst gesetzt ist, die Coronapandemie hat in Deutschland die Gesellschaft stark polarisiert. Das macht sich der Impfgegner Kennedy zunutze. Unter Impf­skep­ti­ke­r:in­nen könnte er mit seinem Angriff erneut punkten – wie einst mit seinen wirren Thesen. So behauptete er, der Microsoft-Gründer Bill Gates habe die Pandemie geplant, und die Corona-Impfung sei die „tödlichste Impfung“, weil sie Autismus auslöse. Das ist alles haltloser Blödsinn, das Ziel seines aktuellen Angriffs ist eindeutig: zu polarisieren und die Gesellschaft (weiter) zu spalten.

Es ist der nächste Schritt der USA, Europa zu destabilisieren. Der amerikanische Kulturkampf gegen die Europäische Union wurde mit dem Auftritt des US-Vizepräsidenten J. D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Jahr unverblümt eingeläutet. Das Ziel ist klar: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Zivilgesellschaften sollen zerstört und rechte Kräfte gestärkt werden.

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Nun kann man die Kompetenzen von Gesundheitsministerin Warken durchaus kritisieren – sie gilt nun mal als eine der fehlbesetztesten Personalien in der Koalition – und gleichzeitig darauf setzen, dass sie in dieser Causa die volle Unterstützung der Bundesregierung erhält. Berlin hat kein Interesse an Fake News à la Kennedy, erst recht nicht an einer fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft. Doch Kennedys schwerer, weil verfänglicher Angriff sollte kraftvoller zurückgewiesen werden als lediglich mit Warkens Antwort an Kennedy, dass in Deutschland eine „verfassungsrechtlich geschützten ärztliche Therapiefreiheit“ gelte. Es geht um viel mehr als um amerikanische Lügen und deutsche Coronaverfahren.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalist:innen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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21 Kommentare

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  • Für die meisten Menschen ist Corona ja längst abgeschlossen und auch ein Stückweit vergessen. Von den absurden Dinge, die da immer wieder behauptet wurden, wie die Millionen Tote durch Impfungen oder dass die freiheitseinschränkenden Maßnahmen natürlich bleiben würden, ist ja auch nichts übrig geblieben.

    Umso überraschender ist es, wenn man plötzlich wieder mit irgendwelchen abstrusen Aussagen belästigt wird. Ich habe da auch so Experten im Kollegen- und Bekanntenkreis, die da manchmal unvermittelt wieder mit anfangen. Früher war das einfacher, da hatte man ja die Standardaussagen, die diesen Quatsch widerlegten, quasi griffbereit, aber inzwischen nicht mehr. Das ist schon nervig und wie man feststellt, ist das Label "Kennedy" offensichtlich auch kein Garant für qualitativ hochwertige Aussagen.

    Dass nicht alles gut gelaufen ist, klar, weiß jeder. Aber das meiste des Kampfgeschwurbels hat sich dann doch als nicht zutreffend herausgestellt.

  • "Kraftvolle Zurückweisung" scheint mir zuviel der Ehre für die inkompetenten Märchen, die Kennedy da verbreitet. Wenn er meint, dass es Sache der deutschen Gesundheitministerin sei, die Strafverfolgung von Urkundenfälschungen zu unterbinden, nur weil die von Ärzten (und zugunsten von Querdenkern) begangen wurden, dann hat er offensichtlich gleich auf drei Ebenen nichts kapiert bzw. stellt sich boulvardtauglich dumm.

    Wer auch immer ihm diesen ausgemachten Blödsinn abkauft, darf also schon getrost als "gefestigt faktenresistent" bezeichnet werden und wird entsprechend seine Meinung auch nicht ändern, wenn jetzt irgendwer den Erklärbär gibt und versucht, ihn "kraftvoll" zu widerlegen. Kennedy wird sich ohnehin nie auf eine Diskussion einlassen, deren Ergebnis dann vielleicht auch Jenen einen Erkenntnisgewinn beschert, die die Autorin hier für "gefährdet" hält, sich von seinen Vorwürfen beeindrucken zu lassen.

    Wirklich "gefährlich" wäre dieser Angriff eh nur, wenn er irgendwen von den Querdenker-VTen überzeugen könnte, die er bedient. Kann er aber nicht. Er ist nur - und das wieder unvermeidlicherweise - trübes Wasser auf die Mühlen Jener, die von diesen VTen längst überzeugt SIND.

  • Da weiß man zumindest, über was die AfD-Auslandsdelegationen so reden.

  • "Doch Kennedys schwerer, weil verfänglicher Angriff sollte kraftvoller zurückgewiesen werden als lediglich mit Warkens Antwort an Kennedy"

    Achja? Weil dadurch Corona Leugner, Querdenker und Impfgegener ihre Meinung ändern? Weil die Worte eines Trump Gesundheitssministers aufgeklärte Menschen zu Impfgegenern machen? Oder warum?



    Kennedy hat auch behauptet, das WLAN Krebs erzeugt, Flourid in der Zahnpasta den IQ verändert und Covid von den Chinesen entwickelt wurde, um die DNA von Weißen und Schwarzen zu verändern. Muss man das auch "kraftvoll zurückweisen"?



    Das Problem ist gar nicht Kennedy oder irgendein anderer Schwurbelminister. Das Problem ist, dass man jeder Grütze, die aus solchen Mündern kommt, soviel Beachtung schenkt.



    Um Vertrauen in der Bevökerung zu stärken, könnte man auch einer allumfassenden Auswertung des Umgangs mit der Epidemie zustimmen. Aber das will man ja eher nicht, weil die Erkenntnisse in einzelnen Punkten eventuell auch Kritikern Recht geben könnten. Da ist es doch einfacher, sich über das Geschwafel eines notorischen Verschwörungstheoretikers zu empören.

  • Der Mann ist doch offensichtlich völlig ungeeignet zur Leitung des Gesundheitssektors der USA. Man hat da doch den "Bock zum Gärtner gemacht".



    Am Ende stellt sich noch heraus, dass der Mann ein Reptiloid ist, der sich im Auftrag von Trump anschickt, die ganze Welt zu beherrschen.

  • Der Mann erfüllte Trumps Kriterien, die für alle seine Kollegen auch galten: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

  • Kennedy, Coronaleugner, Impfgegener, da lautet das Motto wohl: „Bekloppte aller Länder, vereinigt Euch.“

  • Kann man diesem Clown bitte keine Beachtung für sein Geschwurbel schenken?

  • Das Theater um ihn und unter seiner Regie kann niemand aus der Fachwelt, der noch bei Trost ist, ernst nehmen.



    Eigentlich ist eine derartige Kampagne von gebündelten unwissenschaftlichen Äußerungen mit Einmischung in fremde Angelegenheiten nur für den Boulevard wirklich als Unterhaltung geeignet.



    In den sozialen Medien und Netzwerken mag das mehr verfangen, aber dort reagiert man auch bisweilen mit dem Instrument Shitstorm.

  • Ein Blick über den Tellerrand würde nicht schaden. Österreich hat es anders gemacht, Strafen während der Coronazeit wurden zurück genommen und Bußgeldbescheide rückerstattet, während dieser Staat immer noch alle Vergehen bis aufs Letzte verfolgt. Als ob es die RKI Files und die vielen Fehlentscheidungen nie gegeben hätte.

    • @Wilfried Bergmann:

      Bei den angesprochenen Verfahren geht es um Delikte wie Urkundenfälschung, warum sollen die nicht weiterverfolgt werden. Freiheitsstrafen, ggf. auf Bewährung und ein Berufsverbot sind da wohl mehr als angemessen. Nüchtern betrachtet haben diverse Scharlatane versucht, sich während der Corona-Pandemie schamlos zu bereichern, sind aufgeflogen und verurteilt worden, wie viele andere Kriminelle auch.

      • @Flix:

        Danke, sehr richtig.

        Schwurbler und Scharlatane haben als Ärzte Unsinn verbreitet, wider besseres Wissen falsche Dokumente ausgestellt und Menschen gefährdet, und als Richter Recht gebeugt und ihre Kompetenzen weit überschritten. Ich möchte, dass das geahndet wird.

        Die Art und Weise, wie sich eine sehr laute Minderheit hier als absolute Besserwisser und Widerständler geriert, und dabei doch nur wie trotzige kleine Kinder gehandelt hat, darf ruhig kritisch benannt, und Straftäter auch juristisch zur Rechenschaft gezogen werden.

  • Eine Recht auf Lügen und Spalten gibt es nicht. Kennedy kann sich gerne Meriten erwerben, wenn er in der USA die Zucker-, Auto- und Tablettenmafia bändigt.



    Von Covid versteht er hingegen womöglich noch nicht so viel.

  • Ein Blödmann lässt irgendwas verlauten? Das sollte uns nicht jucken. Und es ist keine Nachricht wert.

    • @Semon:

      Wenn er der Gesundheitsminister einer Weltmacht ist und er mit seinen Äußerungen erstaunlich vielen aus dem Herzen spricht, dann ist es unbedingt eine Nachricht wert.

      Ich lebe übrigens in einer Ecke, wo noch immer jeden Montag Coronamaßnahmengegner demonstrieren.

      Mittlerweile haben sie teilweandere Themen, etwa Pazifismus.

      Das Thema ist also noch lange nicht durch.

      • @rero:

        Das stimmt zwar, aber ehrlich gesagt war die gesundheit*politische* Kompetenz der USA noch nie ein Vorbild für den deutschen Diskurs - auch nicht beim AfD-Klientel. Kennedy ist ein Fürsprecher der Querdenker und Impfgegner, worüber die sich natürlich freuen, aber ansonsten hat der Titel "US-Gesundheitsminister" in Deutschland noch nie eine nennenswerte argumentative Autorität entfaltet. Ich behaupte mal, Kennedy ist der erste Träger dieses Amtes seit sehr langer Zeit, dessen Namen außer ein paar Politnerds hierzulande überhaupt irgendwer kennt.

        Davon abgesehen ist Kenendys Einwurf ein klassischer Fall von "Preaching to the Choir": Wer nicht - wie er - von der Falschheit von Covid-Impfungen und Maskenpflichten bereits vorab total überzeugt ist, braucht auch keine aufwendige Gegenpropaganda unseres Politapparates, um zu erkennen, dass er da hanebüchenen Blödsinn verzapft. Teilt man hingegen seine grundlegende (VT-)Meinung zu Covid, wird besagte Gegenpropaganda auch nichts daran ändern, dass man falsche Maskenatteste oder Impasseintragungen als "gerechtfertigte Schutzmaßnahmen für drangsalierte Querdenker" versteht und ihre strafrechtliche Verfolgung selbstverständlich ablehnt.

  • JR Kennedy jr und Weitsicht? Also, langfristige, strategische, auch mal subversive Handlungsweisen nach erfolgter Einsicht in Dinge?

    Nie und nimmer.

    Seine Handlungen passen in das Schema der aktuellen US Politik, aber er scheint (nur, wer kennt ihn schon?) deutlich einfacher gestrickt zu sein. Von seinem Hirnwurm bis hin zum Baden im Abwasserkanal. Da ist nix Strategie. Sonst unterstellt man ihm mehr als nötig. Daher ist die Reaktion von Frau Warken und Herrn Lauterbach erstmal ausreichend. Aber Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste (ist wahrscheinlich ein Pre-Boomer Ausdruck).

    • @fly:

      Der „Hirnwurm“ dürfte relativ schnell des Hungertods gestorben sein.

    • @fly:

      Ja, auf diesen Stuss geht man am besten gar nicht groß ein. Höchstens ein "kriegt erst mal eure Masernepidemie in den Griff" könnte man dem Hansel noch drücken.

  • Langsam scheinen diese Herren ein angebliches Repressionsszenario (vgl. auch angebliche Unterdrückung der AFD nebst ihrer rechtsradikalen Klientel) in Deutschland aufbauen zu wollen, das zu gegebener Zeit einen Vorwand liefert, die deutsche Bevölkerung befreien zu müssen. Und sei es nur als Drohung, um andere Ziele in Europa durchsetzen zu können. So wie sie Einmischungen in anderen Ländern auch begründen. In gewisser Weise äffen sie damit Putin nach. Der erfüllt ja auch nur pflichtbewusst und aufopferungsvoll die Befreiung der Ukraine von den dortigen Nazis.

    • @Josef 123:

      Nein, die Magas setzen bei Europa auf Selbstzerfleischung. Das ist billiger und allem Anschein nach auch erfolgversprechender als ein "befreiender" Einmarsch: Es reicht, dann und wann mal so einen Diskursbrocken wohlgezielt zwischen die Fronten der Demokraten und der autoritären National-Eigenbrötler zu werfen, und sofort geht die Balgerei los - meist mit einem weiteren leichteren Stimmgewinn für die Autoritären als Ausgang, was dann natürlich Europa weiter schwächt, wo ein offener Angriff Gefahr liefe es zu einigen. Die Maga-USA brauchen kein Europa mit einer US-Fahne drüber. Ihnen reicht völlig ein zerstrittener Haufen (von ihnen wirtschaftlich abhängiger) Kleinstaaten, über den sie in jeder globalen Frage ungerührt hinwegreiten können.