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Reaktionen auf Trumps ZolldrohungenDie EU beginnt sich zu wehren

Nach den Erpressungsversuchen von US-Präsident Trump für eine Annexion Grönlands muss Europa handeln. Welche Möglichkeiten hat die EU?

Nicht willkommen: Viele demonstrierten in Kopenhagen ihre ablehnende Haltung gegen Donald Trump Foto: Tom Little/reuters
Eric Bonse

Aus Brüssel und Berlin

Eric Bonse und Jost Maurin

Die Zeit der Gegenwehr hat begonnen. Diesen Eindruck vermittelt das hektische Treiben, das in Brüssel nach der jüngsten Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump eingesetzt hat. EU-Ratspräsident António Costa hat für Donnerstag einen Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs in Brüssel einberufen, um eine Antwort auf Trumps „Zollhammer“ zu finden.

Zuvor gibt es noch eine womöglich letzte Gelegenheit zum direkten Dialog – beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort wird Trump am Mittwoch erwartet. Bereits am Dienstag soll EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen eine Rede halten. Noch ist unklar, ob von der Leyen auf die harte Linie schwenkt, die Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron eingeschlagen hat – oder ob sie Kanzler Friedrich Merz folgt, der sich bisher sehr zurückhaltend geäußert hat.

Klar ist hingegen, dass Brüssel reagieren muss. Trumps Drohungen heizen nicht nur den Konflikt um Grönland an. Sie gefährden auch die europäische Wirtschaft und zielen darauf ab, die EU zu spalten. Der neue „Zollhammer“ soll zunächst nur acht Länder – darunter Deutschland – treffen. Die Osteuropäer etwa werden verschont. Da die Handelspolitik in der EU vergemeinschaftet ist und Zölle stets für alle 27 Mitgliedsländer gelten, ist dies eine Provokation.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, die Anfang Februar ausgearbeiteten Gegenzölle auf US-Produkte in Höhe von 93 Milliarden Euro wieder zu aktivieren. Sie könnten genau wie Trumps Strafzölle am 1. Februar in Kraft treten, sagte ein Sprecher. Die EU verfügt über ein großes Arsenal von möglichen Vergeltungsmaßnahmen. Am meisten diskutiert wird die sogenannte „Handels-Bazooka“ ACI.

Was ist ACI, und wie stehen die Chancen für die Anwendung?

Das „Anti-Coercion Instrument“ soll die EU gegen wirtschaftlichen Druck und Erpressungsversuche schützen und Gegenmaßnahmen ermöglichen, etwa Vergeltungszölle. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden. Die EU kann auch spezielle Ein- und Ausfuhrbeschränkungen erlassen.

Für eine Anwendung des ACI hat sich vor allem Frankreich ausgesprochen. Deutschland und Italien stehen dagegen auf der Bremse. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni gilt als „Trump-Versteherin“. Sie hat den Zollstreit heruntergespielt und von einem bloßen „Fehler“ gesprochen.

Was wird aus dem 2025 geschlossenen Handelsdeal mit Trump?

Die umstrittene Vereinbarung liegt wegen des neuen Zollstreits auf Eis. Das Europaparlament werde den Handelsdeal bis auf Weiteres nicht absegnen, erklärte der Chef der tonangebenden EVP-Fraktion, Manfred Weber (CSU). Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des zuständigen Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD).

Allerdings ist unklar, wie es weitergeht. Der Rat, also die Vertretung der 27 EU-Länder, hat den Deal schon Ende November gebilligt. Deutschland und einige andere Länder haben vor einem Handelskrieg gewarnt. Die EU könnte daher versuchen, erneut in Verhandlungen einzutreten. Die USA haben sich die Abschaffung aller Zölle auf ihre Produkte gesichert, auf EU-Waren gilt ein Zoll von 15 Prozent.

Warum würde es sich für die EU lohnen, Agrarimporte aus den USA mit höheren Zöllen zu belegen?

Landwirte gehören zu Trumps wichtigsten und loyalsten Wählergruppen. Besonders in entscheidenden Bundesstaaten wie Iowa oder Wisconsin stellt die Agrarwirtschaft einen massiven Machtfaktor dar. Diese Wähler sind aber auch abhängig von der EU, denn sie ist einer der größten Agrarexportmärkte. Trump versprach den Farmern bereits im Dezember 12 Milliarden US-Dollar zusätzliche Subventionen, nachdem sie sich über den Verlust von Exportmöglichkeiten infolge seiner Zollpolitik beschwert hatten.

Welche Agrarimporte aus den USA könnte die EU stärker besteuern?

2024 waren rund 20 Prozent der Agrarimporte in die EU aus den USA dem bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstitut zufolge vom Wert her Ölsaaten wie Soja. Bisher erhebt die EU darauf keinen Zoll. Das könnte sie nun tun, um Trump unter Druck zu setzen. Schon bei seinen ersten Strafzöllen im April 2025 wurden 25 Prozent diskutiert. Der Preis für die Europäer wäre gering. „Wenn das US-Soja teurer würde, dann kaufen wir halt woanders Soja“, sagt Professor Martin Banse vom Thünen-Institut der taz. Als Ersatzlieferant komme vor allem Südamerika infrage. „Die haben noch genug für uns.“ Die Preise würden sich nicht stark verändern, denn das US-Soja bliebe auf dem Weltmarkt.

23 Prozent der Agrarimporte in die EU aus den USA sind Obst und Gemüse, besonders Mandeln und Nüsse. Auf die erheben die Europäer laut Thünen-Institut bereits 9,7 Prozent Zoll. Allerdings kommen US-Mandeln vor allem aus Kalifornien – einer Hochburg der Demokraten und Trump-Gegner.

Was gibt es noch für Möglichkeiten der Gegenwehr?

Eine Möglichkeit ist die viel diskutierte, aber immer wieder verworfene Digitalsteuer. Sie würde US-Konzerne wie Google oder Facebook treffen und einen finanziellen Ausgleich für Trumps angedrohte Strafzölle schaffen. Für die Digitalsteuer werben vor allem Linke und Grüne, die EU-Kommission hat sie verworfen.

Eine andere Möglichkeit wäre, Sanktionen zu verhängen. Dies haben die Europäer bei der Annexion der Krim durch Russland getan; ähnlich könnten sie bei einer Übernahme Grönlands durch die USA verfahren. Außerdem könnte die EU den Import von Flüssiggas (LNG) aus den USA beschränken. Von der Leyen will Europa in der Energiepolitik unabhängig machen – nach Russland wären die USA an der Reihe.

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11 Kommentare

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  • Treffendes Bild: MAGA - Make America Go Away

  • Ergänzung zu meinem Kommentar von soeben:

    Jan Böhmermann und Michael Roth haben Spahns Haltung mit scharfen Worten "aufgespießt".

  • Jens Spahn spricht sich - wie der Bundeskanzler - ebenfalls für ein "besonnenes Verhalten" gegenüber Trump aus.

    Natürlich: Spahn steht den Republikanern sehr, sehr nahe.

  • In der EU wurde zweimal Wahlkampf gegen Trump gemacht. Er weiß, wer seine größten Feinde sind.

  • Die Herren Merz und Wadephul bisher zu denen , die davor warnen Putin gegenüber Schwäche zu zeigen, weil es den dazu ermutigen könnte weitere imperialistischen Schritte ins Auge zu fassen.

    Bezüglich der imperialistischen Bestrebungen des Erpressers Trump



    höre ich nichts vergleichbares.

    Bei allem Verständnis für die Sorge um Deutschlands wirtschaftliche Interessen, tut die devote Haltung und Leisetreterei von Kanzler und Außenminister richtig weh.



    Dass es auch anders geht zeigt zum Beispiel Macron.

    • @Bürger L.:

      "Bei allem Verständnis für die Sorge um Deutschlands wirtschaftliche Interessen, tut die devote Haltung und Leisetreterei von Kanzler und Außenminister richtig weh. "

      das tut nicht nur weh, dass verschlimmert die Situation sogar.

  • Das nenne ich ein krankes perfides Vorgehen, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, alle reden und sind geschockt über das gefährliche Spiel über die Aneignung von Grönland mit militärischen Mitteln, und der gleichzeitigen Androhung von Strafzöllen gegen Europa für alle die sich gegen diesen Versuch der Annektion stellen. Der Gedanke und das befeuern das die Annektion von Grönland zu einer neuen Wirklichkeit werden könnte und das zu einem zerbrechen der NATO führen würde, das ist der perfekte move, weil gleichzeitig redet keiner mehr über die Epstein Files!

  • Es ist verlockend, trump seine Grenzen zeigen zu wollen.



    Eine enge Zusammenarbeit mit den Mercosur Staaten wäre ein naheliegender Ausweg.



    Allerdings sind wir leider nicht unabhängig von den USA.



    Insbesondere in militärischer Hinsicht.



    Ohne die USA ist die Nato nicht funktionsfähig.



    Ohne die US Streitkräfte ist Deutschland schutzlos.



    Ohne den Kauf von Patriots ist die Ukraine noch mehr unter Beschuss.



    Wer Widerstand propagiert, muss ihn auch umsetzen können.



    Dazu sind wir derzeit nicht in der Lage.



    "Schnelle Reaktionen" sind vor Allem eins: unüberlegt.

  • "Die EU"



    hat die Möglichkeit mit ihren Kirchen, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Medienredaktionen, Berufsverbänden, schliesslich sicher auch Parteien, ihren ausserparlamentarischen wie parlamentarischen politischen Organisationen, zu Demonstrationen vor den US-Botschaften der europäischen Hauptstädte aufzurufen.

    Um sich dort massenhaft an das US-Amerikanische Volk zu wenden: Schicken sie uns keinen anderen Präsidenten, keine andere Agenda als die von Trump und seiner Gang,



    so wird man in Europa gezwungen sein als nächstes die Stationierungsorte der US-Armee zu umzingeln.

    Das muss die Bevölkerung der USA verstehen. Grönland und auch sonst steht rein gar nichts zum "Verkauf" Die Welt ist kein Supermarkt in dem sich die Trump Oligarchen aussuchen worauf sie Lust haben. Noch sind wir die Geschäftswelt in der Bronx oder Queens, bei denen die Schläger der Mafia einreiten um Schutzgeldangebote zu machen die man nicht ablehnen könne.

    Dieser Konflikt wird nicht militärisch entschieden. Wir müssen nicht siegen. Wir müssen nur darauf bestehen nicht Untertan, nicht Vasall des Imperiums zu sein und zu werden.

  • Abgesehen von 47% auf alle Importe aus den USA, wie wäre es wenn man mit den Menschen auf Puerto Rico, ein Gebiet aber kein Staat der USA, über eine EU Mitgliedschaft als eigenständiger Staat redet? Fast jeder spricht Spanisch auf Puerto Rico, eine der EU-Amtssprachen, die Lebenserwartung ist ähnlich hoch wie in der EU (also höher als in den USA) und die Insel würde als Teil der EU viel mehr ernst genommen als es unter dem jetzigen Status ist. Tatsächlich können und bewerben sich viele um eine spanische Staatsbürgerschaft die ihnen Spanien auch gewährt. Es sind jetzt schon einige kleinere Inseln Teil der EU, aber mit einer so großen Insel wie Puerto Rico wäre das natürlich ein enormer Zugewinn für beide Seiten des Atlantik.

  • Und ein paar Stunden später erfolgt das unvermeidliche "fail" von Uschi v.d. Laien

    www.n-tv.de/politi...en-id30257565.html

    Die hat immer noch nichts kapiert. Aber wirklich gar nichts.