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Zentralrat der Juden und IranEine anmaßende Unterstellung

Gastkommentar von

Jonas Schnabel

Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf Iran positiv äußern? Eine Replik auf einen taz-Kommentar.

Menschen jubeln auf einer Iran-Demonstration auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor Foto: Christoph Soeder/dpa

E infach mal die Klappe halten“, fordert die taz-Journalistin Susanne Knaul in Richtung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie wirft ihm vor, den Krieg gegen das iranische Regime „bejubelt“ zu haben. Doch tatsächlich waren es andere, die jubelten – allen voran iranische Frauen. Die wohl mutigsten Feministinnen unserer Zeit. Nicht zu verwechseln mit jenen Gratismutigen, die aus sicherer Berliner Distanz nur dann Haltung demonstrieren, wenn Opfer und Täter in ihr aktivistisches Weltbild passen.

Bild: privat
Jonas Schnabel

ist freier Autor, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, und Funktionär beim jüdischen Sportverein Makkabi.

In Iran selbst tanzten und sangen sie auf den Balkonen der Städte und weinten vor Freude – ein Ausdruck der Hoffnung auf Freiheit nach Jahrzehnten der Unterdrückung. Ob diese wahrhaft starken Frauen sowie die vielen demokratisch gesinnten Iranerinnen und Iraner weltweit nach Ansicht der taz-Journalistin ebenfalls „einfach mal die Klappe halten“ sollten, bleibt offen. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, erklärte im Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen Interesse“ liege. Eine sachliche Feststellung, angesichts der bestehenden Bedrohungslage eine nachvollziehbare Einordnung.

Als wäre das nicht genug, schreibt Frau Knaul zudem: „Musste das sein, fragen sich vermutlich vor allem die, die dem Judentum angehören.“ Diese Behauptung wirkt weniger wie eine fundierte Recherche, sondern vielmehr wie ein unbelegtes Bauchgefühl – eine anmaßende Unterstellung. Anmaßend, weil sie meint, stellvertretend für Jüdinnen und Juden sprechen zu dürfen. Über Jüdinnen und Juden wird in der öffentlichen Debatte generell häufig gesprochen, aber deutlich seltener mit ihnen. Wer hingegen tatsächlich das Gespräch in jüdischen Gemeinden in Deutschland sucht, stellt schnell fest, dass Frau Knauls Bauchgefühl vermutlich nicht der Realität entspricht. Viele begrüßen es ausdrücklich, wenn sich der Präsident des Zentralrats klar positioniert.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Insbesondere wenn wir von einem Regime sprechen, das am 8. und 9. Januar innerhalb von nur etwa 48 Stunden mutmaßlich rund 32.000 unschuldige Demonstrierende ermordet hat. Das Homosexuelle hinrichten lässt, Frauen unterdrückt und Menschen, die nicht in sein radikal-islamistisches, rückwärtsgewandtes Weltbild passen, in Foltergefängnissen verschwinden lässt. Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist. Das das sadistische Massaker und die Entführung Unschuldiger rund um den 7. Oktober 2023 nicht nur tolerierte, sondern aktiv finanzierte. Ganz zu schweigen von der Hisbollah, die Israel mit Waffen dieses Regimes beschießt, ist „einfach mal die Klappe halten“ keine angemessene Haltung. Im Gegenteil: Gerade unter diesen Umständen ist es richtig und notwendig, dass jemand, der ein Amt innehat, das ihn legitimiert, für Juden zu sprechen, sich klar äußert.

Angesichts der Tatsache, dass das Mullah-Regime für Jüdinnen und Juden die größte Bedrohung seit der NS-Zeit darstellt, sollte man speziell in Deutschland besonders vorsichtig sein, bevor man Jüdinnen und Juden in dieser Angelegenheit den Mund zu verbieten versucht. Anstatt mit vorschnellen Urteilen daherzukommen, wäre es angesichts der eigenen Geschichte wohl ratsam, diese Lektion in diesem Zusammenhang zunächst selbst zu beherzigen.

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87 Kommentare

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  • Liebe taz! Die Überschrift "Einfach mal die Klappe halten" ist zwar Jargon, der in der Tradition sämtlicher sich für avantgardistisch haltender Intellektueller steht, ob sie sich von rechts oder links oder mitte äußern - passender wird ein solcher Kommentar wie von Ihrer Frau Knaul in seiner Rohheit auch nicht. Ist das die "Meinungsstärke" der taz? Das ist bloss verbale Entgleisung. Ich empfhele mehr sachgerechten, sachaufkkärenden Journalismus anstelle von Spekulationen oder vermeintlichen journalistischen Kunstgriffen, nämlich irgendwelchen anderen Einschätzungen, Vermutungen uä zu einer Sache oder einem Geschehen zu unterstellen, um der eigenen Meinung damit ein vermeintliches Fundament zu verschaffen.

  • Danke, dass Sie auf den Kommentar Ihrer meinungsstarken Journalistin Frau Knaul nun auch einen Kommentar eines freien Autors abdrucken, der ua auch in der Jüdischen Allgemeinen publiziert. Damit wir merken: "meinungsstark" heisst nicht nur, dass sich in der taz linker Antisemitismus im Gewand von Israelkritik präsentieren darf.

  • Original Statement, Zentralrat der Juden, Dr. Schubert



    ==



    ... Chance bietet sich nun im Krieg gegen das Mullah-Regime im Iran, das seit vielen Jahren einer der wichtigsten Financiers und Architekten des globalen Terrors ist. Längst treiben die Agenten des iranischen Regimes und seiner Proxies auch hierzulande ihr Unwesen und die atomare Bedrohung, die von Teheran ausgeht, wuchs (...)



    =



    Gelingt es, das Regime in die Knie zu zwingen, hätte das – von bedrohten Minderheiten und oppositionellen Exil-Iranern bis zu Angriffen auf unsere kritische Infrastruktur – unmittelbare Auswirkungen für die Sicherheit in ganz Deutschland. Weil der Iran auch hinter zahlreichen Angriffen auf Jüdische Gemeinden steckt, könnte die Jüdische Gemeinschaft zudem in einem Deutschland ohne iranische Terror-Agenten ihrem Ziel eines sichtbaren Lebens ohne Schutzschild endlich einen bedeutenden Schritt näherkommen.



    ==



    Nasch dem Lesen des Statements ergibt sich kein Hinweis warum Kaul Juden in Deutschland den Mund verbietet Kauls Replik auf Dr. Schubert ist in meinen Augen als Antisemitismus zu werten - und das die TAZ - Redaktion Kauls Artikel abgedruckt hat passt zum veränderten Umgang mit deutscher Geschichte.

  • Die Kritik Jonas Schnabels an Susanne Knaul geht fehl, denn sie hat an keiner Stelle irgendjemand anderem als Josef Schuster in seiner Funktion (!) als dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland empfohlen, sich zurückzuhalten mit lobenden Äußerungen zu einem vom Völkerrecht nicht gedeckten Angriffskrieg gegen Iran.



    Ich verstehe nicht, warum es sogar für einen Journalisten wie Herrn Schnabel so schwer zu sein scheint, die juristische von der moralischen Einschätzung der Situation klar zu trennen.



    Das Einzige, was man Frau Knaul vorwerfen kann ist, dass sie sich im Ton vergriffen hat, was die Überschrift des Artikels angeht. Wenn man das tut, sollte man sich allerdings derselben Lässigkeit der Formulierungen ("Gratismutige") tunlichst enthalten.



    Frau Knaul hat übrigens nirgendwo die Verbrechen der Mullahs relativiert oder kleingeredet oder den Wunsch geäußert, die Iraner*innen sollten "einfach mal die Klappe zu halten", wie der Autor oder sein Bauchgefühl es für möglich halten.

  • Der Krieg des Staates Israel und des Trump-Regimes gegen den Iran hat ja gerade begonnen. Stand jetzt ist der Tod Hunderter, wenn nicht Tausender iranischer Zivilisten, sowie die großflächige Verseuchung der Umwelt durch die Bombardierung von Öllagern zu verzeichnen.



    Eine Einschätzung der Äußerungen Schusters wird man in ein paar Monaten sicher besser vornehmen können als aktuell.



    Ich ganz persönlich bin allerdings - gelinde gesagt - befremdet, wenn jemand das Töten von Menschen begrüßt.

    Und was nun die Bedrohung des Staates Israel durch den Iran angeht: Wer hat gerade wen das 3. Mal innerhalb von wenigen Monaten angegriffen?

  • Wann hört dieser Krieg zwischen uns Menschen endlich auf? Wir können hier alle unsere Meinungen äußern. Doch was ändert sich? Ich frage, wünsche und hoffe mit allem was uns als Menschen ausmacht, das wir uns die Hände reichen und solidarisch gegen den Wahnsinn der Kriegstreiber, egal welches Landes welcher Religion, stehen.

    • @Powpowerpow:

      "Wir können hier alle unsere Meinungen äußern. Doch was ändert sich?"



      Das zum Beispiel hat sich sehr deutlich geändert, finden Sie nicht?

      • @Encantado:

        Mein lieber,



        wir können hier alles sagen was wir wollen. Willkommen in den Resten der freien Welt.

  • Herr Schnabels Gastkommentar ist m.E. in mehrerlei Hinsicht problematisch.

    Wenn der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland von "unserem nationalen Interesse“ spricht, meint er damit die Staatsinteressen von Israel im geoterritorialen Konflikt oder das Interesse jüdischer Menschen in Deutschland?

    Bei allen Gräueltaten, die das iranische Regime Demonstranten und oppositionellen angetan hat, wir sprechen hier von einem Angriffskrieg von Israel und den USA gegen den Iran, für den es keine UN-Resolution gibt.



    Die Begründung für den flächendeckenden Angriff auf den Iran ist das Leid Unschuldiger? Was würde dann das Leid der 60.000 toten Zivilisten, darüber tausende Frauen und Kinder in Palästina rechtfertigen? Herr Schnabels Argumentation hat einen Balken im Auge, für den er perspektivsbedingt blind ist.

    Der Angriff von Israel und den USA auf Iran befindt sich völkerrechtlich auf einer Ebene mit Russlands Invasion der Ukraine oder Chinas Anspruch auf Taiwan. Krieg kann nicht durch Krieg verhindert werden, denn es macht Opfer zum Tätern.

    • @Philip Gutjahr:

      Mit „unser nationales Interesse“ ist, da Herr Schuster Deutscher ist, das nationale Interesse Deutschlands gemeint. Wenn sich der Präsident eines katholischen Rates in Deutschland zu einem Thema äußert würde ja auch keiner davon ausgehen das er den Vatikan meint.

      • @Jesus:

        Wenn der Präsident eines katholischen Rates in Deutschland sich äußern würde, dass ein bestimmte Sache im nationalen Interesse liegt, würde man sich wahrscheinlich fragen, warum sich dieser überhaupt zu nationalen Interessen äußert.

        Abgesehen davon ist Josef Schuster in Haifa, Israel geboren, besitzt neben der deutschen die israelische Staatsbürgerschaft.

        Katholiken werden dagegen extrem selten im Vatikan geboren, weil es dort gar kein Geburtskrankenhaus gibt und selbst wenn würden sie dadurch nicht die vatikanische Staatsbürgerschaft erwerben, da diese funktionsgebunden ist. Der Katholizismus ist im Gegensatz zum Judentum auch eine reine Glaubensgemeinschaft und nicht Religionsgemeinschaft +Volk. Josef Schuster ist in seiner Funktion als Zentralratspräsident gerade ein Vertreter des jüdischen Volkes in Deutschland und nicht Oberhaupt einer Glaubensgemeinschaft.

    • @Philip Gutjahr:

      Danke - genau das würde ich mir von einem unserer gewählten Vertreter wünschen!



      Aber ganz so einfach ist es leider auch nicht!? Wie im Artikel richtig dargestellt, ist das Regime in Teheran tausendfach tödlich. Und es ist bereit die Entscheidungen der UNO in Bezug auf die Menschenrechte zu ignorieren.



      Wie kann man denn überhaupt mit einem Regime umgehen, das grundsätzlich Menschenrechte ignoriert und dessen Vertreter von Sanktionen völlig unbeeindruckt sind, weil sie selbst davon gar nicht betroffen sind ... !? Gibt es ein Recht im Unrecht? Juristisch ganz sicher nicht - moralisch kann man zumindest darüber streiten!

  • "Einfach mal die Klappe halten". Wahrlich kein Glanzstück der taz.

    • @Querbeet:

      Hm, finde, dass auch dieser Kommentar sich komplett einreiht in die generelle Linie der taz, unbequem zu sein und sich nicht um den gegebenen oder erwarteten gesellschaftlichen Konsens zu scheren. Ehrlich gesagt erwarte ich auch genau das von der taz.

    • @Querbeet:

      Da kann man durchaus unterschiedlicher Ansicht sein ... 😍

  • Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf Iran positiv äußern?



    ----



    Unabhängig von Religionen, "Vertreter religiöser Gruppen" sollten zu politischen Themen wirklich "Die Klappe halten"!



    In DE sollten wir einen "säkularen Staat" haben, auch wenn DAS manchmal schwer zu GLAUBEN ist, doch "Bischofskonferenzen, Synoden", auch dem "Zentralrat" sei ins Gebetbuch geschrieben:



    "Kümmert EUCH um Glauben & Gläubige"!



    Glauben ist "Privatsache", da sollten "Amt" & "Aussagen" sehr auseinander gehalten werden.



    Btw. Mir ist der "Glaube" meiner Mitmenschen "egal" so lange die mich nicht "bekehren wollen"!



    Wenn aber "Gläubige" versuchen, gleich welcher Richtung, "Glaube & Politik" massiv zu vermischen, siehe Leitbild, gleichzeitig laut "unfair" rufen, wenn "staatliche Politik" mMn. zu recht kritisiert wird, ...



    ... dann fällt es mir schwer, weiter mit dieser Gruppe im Diskurs zu bleiben, die ernst zu nehmen!



    Für mich als EU-Bürger ist "Glauben" NICHT mit einem "Staat" zu verbinden, Theokratien wenigstens HIER "ausgestorben"!



    Dies nachzuvollziehen, (ohne jetzt Europa zentrisch zu sein) wäre mMn. auch für andere "Menschen" auf der Welt sehr positiv

    Siehe Geschichte! :-(

    • @Sikasuu:

      Sie möchten also Vertretern von Glaubensrichtungen pauschal die Meinung verbieten?



      Sie sollen sich aus politischen Diskussionen und Themen heraushalten?



      Ihnen ist aber schon klar, dass das gegen unsere Verfassung verstößt.



      Jeder darf sich hier Äußern und seine Meinung vertreten, dass dieser dann im Zweifelsfall Gegenwind und Klarstellungen erhält, wie hier der Präsident des ZdJ, egal ob berechtigt oder nicht, gehört auch dazu.

      • @MBG:

        Nicht pauschal. Hrn Schuster steht es frei in seinem Namen privat zu sprechen. Tut er aber nicht, er spricht im Namen des Zentralrats.

  • Dass Schuster sich äußern darf, wie er möchte, wurde in dem Kommentar ausdrücklich klargestellt. Insoweit redet Schnabel gegen einen Strohmann an. Dass er bei unklugen Äußerungen damit rechnen muss, dass man ihn kritisiert und seine Aussagen für verzichtbar hält, ficht das nicht an. Schuster und die Israel-Solidarität des offiziellen Judentums in Deutschland schadet den deutschen Juden, bringt Deutschland in Misskredit und nützt nur denjenigen, die entweder Juden und Israel sowieso für dasselbe halten und das antisemitisch ausschlachten, oder den Anhängern Netanjahus und des Likud, die Israel in einen Schurkenstaat verwandeln wollen. Und Trump natürlich. Also genau den Falschen.

    • @Günter Picart:

      Guter Kommentar.

    • @Günter Picart:

      "Schuster und die Israel-Solidarität des offiziellen Judentums in Deutschland schadet den deutschen Juden..."

      Die Behauptung, die Israel-Solidarität von und Teilen des offiziellen Judentums in Deutschland schade den deutschen Juden, greift zu kurz und verschiebt Verantwortung.



      Es stimmt, dass sich Juden in Deutschland teilweise stärker bedroht fühlen, wenn sie sich offen israelsolidarisch zeigen. Der Angriff auf Shapira , der krankenhausreif geschlagen wurde, ist ein Beispiel dafür.



      2024 wurden rund 8.627 antisemitische Vorfälle registriert – ein historischer Höchststand von etwa 24 pro Tag.



      Doch die Ursache ist nicht vermeintlich „falsche“ Solidarität mit Israel, sondern Antisemitismus. Wer behauptet, jüdische Israelsolidarität provoziere solche Angriffe, betreibt eine Täter-Opfer-Umkehr.



      Genau diese Argumentation hört man häufig aus bestimmten linken politischen Kreisen: Statt Antisemitismus klar zu benennen, wird suggeriert, jüdisches Verhalten sei das Problem. Damit wird Verantwortung von den Tätern auf die Opfer verschoben.

      • @Pawel_ko:

        Vielen Dank - absolute Zustimmung. Leider werden Sie wahrscheinlich mit Ihren Aufführungen hier bei vielen auf taube Ohren stoßen.

      • @Pawel_ko:

        Sie haben vollkommen recht.



        Einerseits wird gerade auf linker Seite argumentiert, dass sich hier jeder äußern dürfte und seine Meinung vertreten darf wie er möchte. Wenn es dann auf der anderen Seite ein Vertreter derJuden in Deutschland tut, wird gerufen, er sollte doch einfach mal die Klappe halten.



        Es war immer schon das Problem, dass im Zweifelsfall der Schuldige schon fest steht.

        • @MBG:

          Hat nichts damit zu tun dass er Jude ist so wie Sie versuchen es hier darzustellen. Es ging Fr. Knaul darum was er gesagt hat.

      • @Pawel_ko:

        Statt Antisemitismus klar zu benennen, wird suggeriert, jüdisches Verhalten sei das Problem.



        ----



        DU scheinst es DIR einfach zu machen!



        Menschen jüdischen Glaubens & Israels Staat, Regierung sollten nicht verwechselt, besser zusammengeworfen werden!



        Leider passiert das immer wieder & es ist üblich "selbst berechtigte Kritik" am staatlichen Handeln Israels als "Antisemitismus" zu labeln!



        UND das hat mMn. nichts miteinander zu tun!

        Btw. Auch wenn sich Israels Regierung immer mehr als "Theokratie" zu gebärden scheint, sollten wir das auseinanderhalten, denn Gleichsetzung von Glauben & TUN, hatten wir schon am & DAS endete sehr schlimm!

  • Bitte korrekt zitieren!

    Schuster hat gesagt:



    "Es liegt deshalb in unserem ureigenen nationalen Interesse, die USA und Israel im Kampf gegen dieses Terrorregime zu unterstützen."

    Das ist etwas anderes, als



    >>erklärte im Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen Interesse“ liege.

    • @Anders Heister:

      Dann auch an Sie die Frage: wie kann ein völkerrechtswidrig Angriffskrieg in unserem Interesse sein? Außer unser Interesse ist es mitschuldig, unglaubwürdig und lächerlich beim Rest der Welt zu sein? Es liegt nicht nur NiCHT in unserem Interesse, sondern es ist genau das Gegenteil von unserem Interesse, kund zu tun, dass wir einen völkerrechtswidrig Angriffskrieg unterstützen, während wir einen anderen verurteilen.

      Zumindest ist das gegen unser Interesse dran, wenn man noch irgendwie eine Minimalanspruch an Glaubwürdigkeit und Souveränität gegenüber dem Rest der Welt hat. Abgesehen davon, dass jeder, der diesen Angriffskrieg unterstützt, sich mit schuldig macht.

  • Zu Vorderst entzündet sich die Kritik -wie schon unter dem Text von Frau Knaul- an der unterirdischen Headline. Und das völlig zurecht. Derv Satz ist anmaßend. Ließt man allerdings den Artikel, klingt das schon wesentlich differenzierter. Man kann ganz sicher auch anderer Meinung sein, aber die Sicht ist zumindest mal legitim.



    Vielleicht wärs dann doch mal an der Zeit, obs darüber nachzudenken, obs solche reißerischen Clickbait Headlines wirklich braucht für eine vernünftige Debatte und ob das wirklich das Niveau ist, auf dem ihr hier diskutieren wollt. Der Inhalt gerät jetzt nicht zum Ersten mal in den Hintergrund.

    • @Deep South:

      Danke!

    • @Deep South:

      Ich weiß nicht, wie das bei der TAZ ist, aber in vielen Redaktionen macht nicht die Autoren der Artikel die Überschrift. Im Übrigen ist diese etwas flapsige Formulierung seit Jahren bei jeder Gelegenheit Standard in D.

    • @Deep South:

      Danke für Ihren Kommentar, der meiner Einschätzung entspricht. Die Headline war wirklich nicht durchdacht, eher überheblich, empathie- und niveaulos. Der Artikel dann sachlicher, differenzierter. Ein Phänomen, dass etliche Medien betrifft. Schade, dass auch bei der taz solche Clickbaits zu polarisierenden Diskussionen beitragen.

  • Die "Jüdische Gemeinde" repräsentiert nur einen Teil der Juden Deutschlands, dafür aber umso mehr die rechtsextreme und in großen Teilen völkerrechtswidrige Regierungspolitik Netanjahus. Von daher ist Frau Knauls Aufforderung an diese Vereinigung nur folgerichtig.

    • @Rinaldo:

      ? Wie kommen Sie denn zu dieser Aussage? Haben Sie einen vertieften Einblick in die "Juden Deutschlands"? Haben Sie zB mal die Jüdische Allgemeine gelesen? Vielleicht mal für einen Monat oder ein halbes Jahr? Dann könnten Sie, da des Lesens kundig, hoffentlich auch des sinnentnehmenden Lesens, differenziertere Aussagen treffen.

    • @Rinaldo:

      Lesen Sie bitte diesen Artikel unter dem Sie kommentieren

      Es geht um die Anmaßung von Frau Knaul für die jüdische Community zu sprechen und über den "Ton" von Frau Knaul

      Frau Knaul spricht davon den Dialog mit den Palästinensern in Deutschland zu suchen. Kamen solche Appelle auch in Richtung Palästinenser nach dem 7. Oktober? Nein.

      Da wurde nur Baklava verteilt zur Feier des Tages und Fotos von Paragleidern geteilt, jüdische Studierende verprügelt, jüdische Wohnungen mit Dreiecken als Ziele markiert. Aber Kritik an dieser Gewalt? Fehlanzeige.

      • @Pawel_ko:

        "Aber Kritik an dieser Gewalt? Fehlanzeige"

        Bereits am 12.10.2023 hat sich der Präsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Musharbash in einem Interview im Deutschlandfunk klar dazu geäußert, indem er die Hamas Attentate und die Aktion von Samidoun in Berlin scharf verurteilte. Ebenso jedwede Solodarisierung der Palästinenser in Deutschland.

        Zudem vermischen sie in ihrer Aufzählung die Ereignisse und das sowohl bezgl. des Anlasses wie auch des zeitlichen Ablaufs. Der Übergriff auf den jüdischen Studenten in Berlin, die Markierungen von jüdischen Einrichtungen mit dem roten Dreieck etc. fanden im Kontext des israelischen Militäreinsatz in Gaza statt und stehen nicht im direkten Zusammenhang zum 7.Oktober.

        Auch von den "Palästinensern" im Zusammenhang mit den Übergriffen zu sprechen trifft es nicht. In Deutschland leben ca. 200.000 Palästinenser. Die Pro Pali Fraktion macht da nur einen kleinen Teil aus, besteht sie zudem auch noch aus einer stattlichen Anzahl von Deutschen aus dem linken Lager und Extremisten aus anderen muslimischen Ländern

        Deutschlandfunk



        www.deutschlandfun...uer-hamas-102.html

      • @Pawel_ko:

        Es ist immer klar, dass es nicht um Argumente, sondern um Agitprop geht, wenn die Statements von Offiziellen oder Vertretern irgendwelcher Verbände mit den Kommentaren irgendwelcher Würstchen im Netz oder auf der Straße verglichen wird.

      • @Pawel_ko:

        Kamen denn solche Kommentare , nachdem zB jüdische Siedler ein Dorf niederbrannten und über 300 Menschen teils schwer verletzten - unter geiferndem Jubel von Regierungsmitgliedern? Ich glaube das Problem hier ist manchmal, dass "wir" eine ziemlich einseitige Sicht auf die Dinge im Nahen Osten und spezifisch im Israel/Palästina - Konflikt haben. Israel nennt "90%" der Demonstrierenden einfach Terroristen? Reicht uns als Erklärung für gezielte Schüsse in die Menge völlig aus. Foltervideos aus israelischen Gefängnissen? Huch. Gezieltes Abschießen von Kindern durch israelische Sniper? Mei, Israel hat halt ein Recht, sich selbst zu verteidigen, auch gegen Fünfjährige. Seit Jahrzehnten illegaler Siedlungsbau, gewaltsame Vertreibung der Palästinenser aus Westjordan? Nur ein paar Worte wert, wenn es einen Oscarpreisträger trifft. Demgegenüber freuen wir uns geradezu, wenn irgendwo ein paar Palästinenser Baclava verteilen, denn das bestätigt unseren Bias der israelhassenden Meute ganz wunderbar. Ob die Menschen wonöglich einen Grund zum Hass haben, wieviele persönliche Schicksale dahinter sind, wieviele tote Hoffnungsträger, Journalisten, Kinder, dahinterstehen, interessiert nicht.

        • @ANonnyMouse:

          Der große Unterschied ist. Feiern hier die Leute was Israel im WJ macht?



          Standen Juden auf der Straße und haben Süßigkeiten danach verteilt?



          Werden Palästinenser in Deutschland verprügelt weil sie Palästinenser sind für die Verbrechen der Hamas?

          "Ob die Menschen wonöglich einen Grund zum Hass haben,"

          Ja wunderbar. Dann können wir ja die Jagdsaison eröffnen.

          Kurden dürfen Türken jagen, Ukrainer die Russen hier usw.

          Darf man hassen. Klar. Ist menschlich. Aber darf Hass in solchem Verhalten ausarten? Auf keinen Fall!

          • @Pawel_ko:

            Danke.

      • @Pawel_ko:

        Natürlich kamen solche Appelle. Wieder und wieder. Und jedes mal, wenn sich ein Palästinenser öffentlich geäußert hat, oder auch sonst irgendwer irgendeine Kritik an dem Israelischen Völkermord geübt hat, wurde das weggewischt mit dem Kommentar, dass die ja alle Antisemiten sind, weil sie nicht genug zum 7. Oktober gesagt haben.

        • @pumble:

          Zunächst...Wann wurde Israel schuldig gesprochen einen Genozid/Völkermord zu begehen? Oder ist das wieder einfach nur eine Behauptung?

          Ich denke mit "Dialog" ist auch was anderes gemeint als Parolen zu brüllen die zurecht hier verboten sind, Universitäten zerstören und mit Terror Symbolen zu beschmieren usw.

          Alles vorgefallen, alles relativiert, besonders auch hier bei der taz in Artikeln und Kommentaren.

          Und bei Iran zu sagen "einfach mal Klappe halten" ist ein No Go. Der Iran unterstützt Terrororganisation welche dann Israel angreifen. Also gibt es gute Gründe als Israeli/Jude sich zu diesem Konflikt zu äußern.



          Es geht hier um die Behauptung, dass Frau Knaul besser weiß was jüdische Menschen in Deutschland angeht als ein Vertreter für jüdisches Leben in Deutschland.

          • @Pawel_ko:

            "Zunächst...Wann wurde Israel schuldig gesprochen einen Genozid/Völkermord zu begehen? Oder ist das wieder einfach nur eine Behauptung?"



            Da haben Sie natürlich Recht, dass Urteil wurde noch nicht gesprochen. Tausendefache Kriegsverbrechen konnten aber belegt werden.

            "Ich denke mit "Dialog" ist auch was anderes gemeint als Parolen zu brüllen die zurecht hier verboten sind, Universitäten zerstören"

            Bezüglich der Verbote von bestimmten Parolen herrscht in der Richterschaft keineswegs Einigkeit und zerstört wurde in Deutschland nichts, nur in Gaza und in WJL.

          • @Pawel_ko:

            "Ich denke mit "Dialog" ist auch was anderes gemeint als Parolen zu brüllen"

            Dass Sie hier wiederholt schreiben, "Da wurde nur Baklava verteilt zur Feier des Tages" trägt auch nicht gerade zu einem differenzierten Dialog bei.

            Die SZ schrieb dazu am 8. Oktober 23:

            "Und in Berlin? Da schwenken ein paar Dutzend Menschen die palästinensische Flagge und jubeln den Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihads zu. Organisiert wurde die Demonstration im Stadtteil Neukölln von dem palästinensischen Netzwerk Samidoun. Bis zum späten Samstagabend haben sich nach Polizeiangaben etwa 50 Menschen dieser Demonstration angeschlossen."

            Aus 50 Menschen und einer üblen Aktion des inzwischen verbotenen Vereins Samidoun sollte man keine Rückschlüsse auf "die Palästinenser" ziehen.

            • @Klabauta:

              "Aus 50 Menschen und einer üblen Aktion des inzwischen verbotenen Vereins Samidoun sollte man keine Rückschlüsse auf "die Palästinenser" ziehen."

              "Einer üblen Aktion"?

              Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stiegen die Fälle stark an.



              2023: 4.369 Straftaten mit Bezug zum Nahost-Konflikt



              2024: 7.328 Straftaten (Anstieg um ~68 %)

              Lahav Shapira wurde fast tot geprügelt weil er Jude ist. Karoline Preusler wird bespukt und beleidigt weil sie Bilder von Geiseln gezeigt hat.

              Von den morden außerhalb Deutschalnds ganz zu schweigen #BondiBeach #Washington

              Und es geht mir nicht um "die Palästinenser"...sondern um jene die ihre Meinung über den Konflikt mit Gewalt und Antisemitismus ausdrücken. Egal ob Palästinenser, verblendete Antiimperialisten oder sonst wer

  • ich war heute auf der 8. mai demo in hamburg. dort haben einige iranische frauen gesprochen. gegen das regime, aber auch ganz klar gegen den angriffskrieg. ich halte die behauptung, "die iranischen frauen unterstützen den krieg" (vlg. erster absatz) für absolut unhaltbar!

    • @Liebe :

      Hab mich auch gefragt, woher Schnabel dies wissen will (kann ja trotzdem stimmen, Hamburgerinnen sind ja vielleicht auch nicht repräsentativ).

  • Darf sich die Hamas über den Angriff auf Israel positiv äußern?

  • Als Judaistin und Nicht-Jüdin sehe ich mit Befremden, dass man einer Bevölkerungsgruppe, die gleichzeitig eine unserer vulnerabelsten Minderheiten darstellt, offensichtlich am liebsten Sprechzettel zukommen lassen würde mit dem, was das nichtjüdisch-deutche Bauchgefühl für kommod hält.

    Niemand muss die Meinung des Vorsitzenden des Zentralrats sein, aber er ist nun mal die Person, die ein Mandat hat, für das deutsche Judentum zu sprechen (na ja, mehr oder weniger, da das Judentum in Deutschland kein monolithischer Block ist, sondern sehr divers). Das sollte man schon akzeptieren können. Oder zumindest versuchen, es zu lernen.



    Natürlich ist es legitim, anderer Meinung zu sein oder auch diese Meinungsäußerung zu kritisieren. Aber das sollte schon weniger paternalistisch rüberkommen als es das zu oft tut.

    • @Anne Pipenbrinck:

      Danke.

    • @Anne Pipenbrinck:

      >für das deutsche Judentum zu sprechen<

      Wir gewöhnen uns gerade den völkischen Volksbegriff als grundgesetzwidrig ab. Vielleicht sollte man dann auch weniger von dem Judentum und mehr von den religiösen Juden sprechen. Wenn jemand in Deutschland lebt und nicht religiös ist sollte es egal sein ob die Vorfahren jüdischen, christlichen oder muslimischen Glaubens waren. Ist ja eh oft eine Mischung aus allem möglichen.

  • War von dem Autor nicht anders zu erwarten. Er hat dabei nur ausgelassen, das der Zentralratspräsident auch gefordert hat den Krieg bis zum Sturz der Mullahs fortzuführen und besonders heikel, Deutschland dazu aufgefordert hat den Krieg der USA und Israel zu unterstützen (Quelle Deutschlandfunk).

    Ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland mischt sich öffentlich in die deutsche Außenpolitik ein und befürwortet zumindest einen völkerrechtswidrigen Präventievkrieg wenn nicht gar einen Angriffskrieg.

    Mit allen Äußerungen zum Iran liegt der Autor natürlich richtig, sie sind aber keine Rechtfertigung. Will der Autor mit seiner Argumentationsweise der deutschen Bevölkerung wirklich verkaufen, das es Trump und Nethanjahu um die Wahrung der Menschenrechte im Iran geht oder nicht doch bloß eine Nebelkerze zünden?

    Zudem finde ich es aus meiner norwegischen Sicht äußerst schäbig bei jeder prekären Angelegenheit an den deutschen Schuldkomplex zu appellieren um Kritik zum Verstummen zu bringen.

    Juden sind Teil der Bevölkerung wie Muslime oder Christen und es ist jedermanns Recht deren Sprachrohre zu kritisieren.

    Fair play von der taz diesen Artikel zu veröffentlichen

    • @Sam Spade:

      War von dem Autor nicht anders zu erwarten. Er hat dabei nur ausgelassen, das der Zentralratspräsident auch gefordert hat den Krieg bis zum Sturz der Mullahs fortzuführen und besonders heikel, Deutschland dazu aufgefordert hat den Krieg der USA und Israel zu unterstützen

      Warum ist das heikel? Das fordern Exil-Iraner schon seit Jahren. Oder befürchten Sie das deutsche Brigarden in Richtung Teheran marschieren weil ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland das gesagt hat?



      Ausserdem unterstützt der Iran Proxis die wiederum Israel angreifen. Damit hat er einen legitimen Grund sich zu dem Konflikt zu äußern.

      Dem Punkt mit dem fair Play sehe ich auch so. Schön zu sehen, dass die Taz ihr Meinungsspeltrum erweitert.

      • @Pawel_ko:

        Warum ist das heikel?

        Werfen sie einmal einen Blick in das Strafgesetzbuch, dort ist klar definiert, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit liegen, wenn es um die öffentliche Befürwortung eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs geht. Gilt auch für den öffentlichen Aufruf diesen Angriffskrieg zu unterstützen.

        Da ist Herr Schuster mit seinen Aussagen nicht mehr weit davon entfernt, den öffentlichen Frieden zu stören.

      • @Pawel_ko:

        Gerade in Bezug auf Israel gibt es in der taz schon lange ein breites Meinungsspektrum (was ich sehr schätze)

    • @Sam Spade:

      "Ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland mischt sich öffentlich in die deutsche Außenpolitik ein und befürwortet zumindest einen völkerrechtswidrigen Präventievkrieg wenn nicht gar einen Angriffskrieg."

      Klappen halten 2.0? Die juedische Gemeinde hat jedes Recht sich in die Politik einzumischen, d.h. ihre Meinung zu aeussern und politische Forderungen zu stellen, denn sie ist Bestandteil dieses Landes.

      Sie schreiben, dass Juden neben Muslimen oder Christen Teil dieser Bevoelkerung sind und jeder deren Sprachrohre kritisieren darf. Richtig, aber "Klappe halten" ist keine Kritik.

      In einem anderen Kommentar wurde ein Vergleich zur Bischofskonferenz gezogen. Der Vergleich hinkt, denn der Praesident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist kein Rabbi, er ist kein Vertreter des Glaubens. Er vertritt den groesten Teil des juedischen Volks, der im Land der Shoah lebt. Ob man es nun Schuldkomplex, Staatsraison oder Anstand nennt: Wenn der Praesident des ZdJ sich zu Israel aeussert, dann kommentiert man das nicht mit "Klappe halten", vollkommen unabhaengig vom Inhalt.

      • @elektrozwerg:

        Meines Wissens ist der Zentralrat ein Zusammenschluss jüdischer Religionsgrmeinschaften. Irre ich mich?

    • @Sam Spade:

      Sie werfen dem Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland vor, sich in die deutsche Außenpolitik einzumischen? Sollen sich deutsche Juden also aus der deutschen Außenpolitik raushalten? Ist das Ihr Ernst?

      • @Jochen Laun:

        Gegenfrage: Wie würden Sie es denn empfinden, würde die Deutsche Bischofskonferenz, der EKD oder Ditib Merz auffordern, den USA die Nutzung von Ramstein zu verbieten?

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Wie ich all das empfände, weiß ich nicht. Wie ich es empfinde, wenn deutsche Juden dafür kritisiert werden, dass sie sich in die Politik in ihrer eigenen Regierung "einmischen", weiß ich. Ich empfinde es als irritierend. .

  • Für mich ist in dieser Frage weder die Meinung Frau Knauls noch die von Herrn Schnabel entscheidend. Aus meiner Sicht ist hier immer noch der kürzlich hier in der taz erschienene Beitrag von Frau Klimchuk die Referenz schlechthin. taz.de/Nahost-Konflikt/!6151081/



    Wie wäre es denn mal, die 52% nicht verbandspolitisch organisierten deutschen (und auch nicht-deutschen) Juden zu fragen, die hierzulande ihren Lebensmittelpunkt haben? Oder auch nur diejenigen im ZdJ organisierten, die ausdrücklich nicht die Meinung Herrn Schusters zur israelischen Politik teilen? Können denn etwa alle Katholiken Deutschlands auf die Verlautbarungen der katholischen Bischofskonferenz oder des ZdK verhaftet werden? Nein. Und genau so viel Differenzierung wie sie Frau Klimchuk in ihrem Beitrag zu postsowjetischen Juden formuliert hat, wünsche ich mir auch mit Blick auf diese Debatte.



    Könnte es nicht sein, dass diese schweigende Mehrheit innerhalb der jüdischen Community einfach nur in Ruhe gelassen, mit der „großen Politik“ nichts zu tun haben und weder von den Zionisten des offiziellen Verbandsjudentums noch den Antizionisten der „Jüdischen Stimmen“ vereinnahmt werden will?

  • Die Kritik an Frau Knaul verpufft just in dem Moment, wo eine ausführliche Schilderung der Taten des iranischen Regimes mit dem erlittenen Leid der Israelis zusammengefasst wird, ohne auch nur ansatzweise zu erwähnen, was im Gaza-Streifen passiert ist.



    Da sollte man selber auch mit Begriffen wie Anmaßung und Unterstellung vorsichtig sein.

  • Ich halte Knauls Kritik für legitim, zumal sie ausdrücklich nicht Schusters Meinung kritisiert, sondern "nur" den Umstand, dass seine Stellungsnahme wie ein Sprachrohr der israelischen Regierung rüberkam. Ich füge hinzu, dass ich es prinzipiell schwierig finde, offiziell einen völkerrechtswidrigen Krieg zu bejubeln, obwohl auch ich hoffe, dass die iranische Zivilbevölkerung dadurch die Chance erhält, selbst über die künftige iransche Regerung zu bestimmen und jede zivilgesellschaftliche Bejubelung der Tötung führender Theokratie-Köpfe nachvollziehen kann. Zudem ist das Ergebnis völlig unklar. Es gibt viele extreme Diktaturen und nur wenige Beispiele bei denen Attentate und Angriffskriege Demokratisierung im Interesse der Zivilbevölkerung gebracht haben. Jüngere Beispiele: Libyen, Irak, Afghanistan. Trump macht keinen Hehl aus seinem "amerikanischen" Interesse in Venezuela und Iran: Der Schutz der Menschenrechte ist ihm egal. Es geht um Zugriff aufs Öl und geostrategische Interessen (Eindämmung des chinesischen Einflusses) und die Machtdemonstration. Die offene Ignoranz des Völkerrechs sehe ich zudem als große Gefahr für Zivilgesellschaften weltweit.

    • @Nina Janovich:

      Dem kann ich mich nur anschließen, den letzten Absatz unterstreiche ich doppelt. Die Gefahr wird bisher verkannt bzw in der Diskussion zu wenig berücksichtigt.

    • @Nina Janovich:

      Es gibt auch andere Stimmen, die sich als eindeutig positioniert wahrnehmen lassen, auch m. längerem biografischen u. publizistischen Hintergrund bzw d. Sicht aus wissenschaftl. Tätigkeit:



      "Doch dann kommt der Historiker Michael Wolffsohn und spielt nicht zum letzten Mal an diesem Abend den Spielverderber: „Das iranische Regime ist wie eine Hydra, ihr wächst ein neuer Kopf nach“, erklärt er."



      morgenpost.de



      Weiter dort:



      "Historiker hält Regimewechsel noch für „Wunschvorstellung“



      Gerade bei der Hamas und der Hisbollah habe man gesehen, dass das Ausschalten der Führung nicht zwingend zum Zusammenbruch des Systems führe. Einen wirklichen Regimewechsel hält er im Moment noch für eine „Wunschvorstellung“.



      Wir werden es wohl selbst in den nächsten Wochen sehen, ob es differenzierte Pläne und Strategien für Szenarien nach einem Enthauptungsschlag gab.



      Die kluge Quintessenz:



      "Die deutsch-iranische Journalistin Isabel Schayani schaltet sich in die Diskussion ein und schildert eine innere Zerrissenheit, die viele Zuschauer teilen könnten: „Ich habe zwei Gehirnhälften und die eine spricht wie Stegner und die andere wie Wolffsohn.“



      Gut, dass es hier diese klugen Frauen mit iran. Wurzeln gibt!

      • @Martin Rees:

        "Gut, dass es hier diese klugen Frauen mit iran. Wurzeln gibt!"

        Genau das war auch mein Gedanke beim Verfolgen der zitierten Diskussion auf Phoenix.

    • @Nina Janovich:

      Frau Knaul hat in dem Punkt recht, dass Herr Schuster in seiner Eigenschaft als ZdJ-Vorsitzender - und er ist damit eine öffentliche Person! - die Meinung aller Mitglieder der jüdischen Community in Deutschland repräsentieren sollte. Und darunter sind sicherlich nicht wenige israelkritische.



      Oder er muss sich explizit als Privatperson äußern oder unterstreichen, dass es sich beim ZdJ um eine (rechts)zionistische Lobby-Organisation (wie etwa die DIG) handelt. Beides hat er meines Wissens nicht getan.



      Dennoch ist es dem demokratischen Meinungspluralismus nicht förderlich, dass Frau Knaul Herrn Schuster derart „übers Maul“ gefahren ist. Ihrem Anliegen hat sie damit einen Bärendienst erwiesen, es gibt bessere Argumente.

    • @Nina Janovich:

      So sehe ich es auch!

  • Wie Recht der Mann hat. Sie sind wahrlich schwer zu ertragen diese Berliner Gratismutigen, die sich dabei auch moralisch überlegen dünken und aus dieser vermeintlichen Überlegenheit meinen andere verurteilen zu können.

  • Danke.

  • "Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist."

    Das lese ich immer wieder, aber bisher immer ohne saubere Referenz. Wo kommt diese Information her? Hat der Iran das in seiner Verfassung stehen?

    • @XXX:

      Im Grunde läuft es auf eine Umkehrung der Verhältnisse hinaus: Der neu zu gründende Staat soll von der Staatsreligion her islamisch sein, während Juden und andere Religionsgemeinschaften als Dhimmi weniger Rechte genießen sollen.

    • @XXX:

      „As the Imam said, Israel must be wiped off the map.“



      – Ahmadinedschad zitierte bei einer Rede 2005 den früheren iranischen Revolutionsführer Chomeini und sagte:

      In Teheran (Iran) steht seit 2017 eine große digitale Uhr auf dem Palestine Square, die nach Angaben iranischer Medien die Tage bis zu einem angeblichen „Ende Israels“ herunterzählt. Sie wurde anlässlich des Quds Day enthüllt und bezieht sich auf eine Vorhersage des iranischen Obersten Führers, dass der Staat Israel in einer bestimmten Zeit nicht mehr existieren werde.

      Noch deutlicher kann man nicht drohen.

    • @XXX:

      Das wird täglich von iranischen Offiziellen gewünscht und gefordert. Und, nein, diese simple Recherche erspare ich Ihnen nicht.

    • @XXX:

      Lesen Sie einfach die Reden des kürzlich verblichenen muslimischen Führers des Iran, darin fordert er immer wieder die Auslöschung des jüdischen Staates. Dafür benötigt der Führer keine Verfassung.

    • @XXX:

      Das steht so in der Gründungserklärung der HAMAs. Die ist direkt abhängig vom Iran in Geld- und Glaubensangelegenheiten.

    • @XXX:

      Genau die Frage hat mich auch interessiert und nach kurzer Google-Recherche gibt die KI folgende Auskunft:



      „Die Vernichtung Israels steht nicht explizit in der iranischen Verfassung. Jedoch verpflichtet die Verfassung den Staat zur Unterstützung von ‚Unterdrückten‘ und zur Feindschaft gegenüber dem Zionismus. Diese ideologische Haltung führt zu einer Politik, die seit Jahrzehnten die Auslöschung Israels anstrebt und den Iran zum Hauptakteur gegen den Staat Israel macht.“



      Mehr dazu; www.zeit.de/politi...as/komplettansicht

    • @XXX:

      Das der Iran die Huthis(Bürgerkrieg), die Hisbollah( Lybaon destabilieren) und die Hamas (7. Oktober)mit Geld und Waffen unterstützt. Menschen zu foltern u.v.m. steht wahrscheinlich auch nicht in der Verfassung.

    • @XXX:

      gute Frage. Der Gründung Israels ging der UN-Teilungsplan von 1947 voraus:



      33 Staaten nahmen den Plan an, 13 stimmten dagegen, 10 enthielten sich. Während die jüdische Seite ihn begrüßte, lehnten die arabischen Staaten ihn ab.

      Es ist noch kein Verbrechen, die Gründung Israels für einen Fehler zu halten weil sie auf Kosten der palästinensischen Bevölkerung ging. Angesichts heutiger Fakten ist es sicher unrealistisch und zur Lösung des Konflikts völlig ungeeignet.

      Aber der Iran - genau wie jedes andere Land - darf die Rechtsmeinung vertreten, dass der Teilungsplan von 1947 ein Fehler war, der durch eine neue Abstimmung revidiert werden muss.

      Vernichtung von in Israel lebenden Juden wäre etwas völlig anderes.

      • @A. Müllermilch:

        Ok, dann hat Herr Schnabel ja mit "Vernichtung aller in Israel lebenden Jüdinnen und Juden" etwas übertrieben.

        Danke an alle für die auf meine Frage geschickten interessanten Informationen!