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US-Debatten zum IrankriegWie Donald Trump sich selbst ins Abseits bombt

Was wollen die USA mit Iran und warum? Der US-Präsident verheddert sich immer mehr im Widerspruch zwischen seinen eigenen außenpolitischen Zielen.

US-Vizepräsident J.D. Vance und „Kriegsminister“ Pete Hegseth salutieren einem toten US-Soldaten, Delaware am 8. März Foto: Kylie Cooper/reuters
Sebastian Moll

Aus New York

Sebastian Moll

Es gehört zu den goldenen Regeln der US-Politik, dass das Land sich hinter seinen Präsidenten stellt, wenn die USA in den Krieg ziehen. Das stimmte im Zweiten Weltkrieg, das traf anfangs für Vietnam zu, erst recht 2001 für Afghanistan und sogar 2003 für Irak.

An dieser Geschichte gemessen, ist Trumps Irankrieg die unpopulärste US-Militäraktion, seit es Meinungsforschung gibt. Die große Mehrheit der US-Amerikaner hielt das Bombardement von Teheran vom ersten Tag an für einen Fehler. Mehr als 60 Prozent waren dagegen. 77 Prozent der Republikaner standen zwar hinter Trump, doch auch innerhalb seiner Partei gibt es Risse.

Mit dem Schließen der Straße von Hormus und explodierenden Benzinpreisen, mit enormen Kosten von etwa einer Milliarde Dollar pro Tag und mit der Machtübernahme des Sohnes von Ayatollah Chamenei wird es für Trump immer schwieriger, sein Engagement plausibel zu machen.

Am Montag behauptete der US-Präsident, der Krieg nähere sich seinem Ende, obwohl alle Nachrichten das Gegenteil nahelegen. Zudem hatte sein Verteidigungsminister Pete Hegseth in seiner Feuerrede am Tag zuvor Iran ein endloses Höllenfeuer versprochen und gesagt, dies sei „erst der Anfang“.

Planlos in den Krieg hineingestolpert

Es war nur das jüngste Kapitel des Kommunikations-Chaos seit dem ersten Angriff am 28. Februar. Da hatte Trump von Vergeltung für Jahrzehnte „schlechten Betragens“ durch Iran gesprochen, von der Befreiung des iranischen Volkes und von der Ausschaltung der nuklearen Gefahr, die von Iran ausgehe – von der er zuvor behauptet hatte, er hätte sie bereits im letzten Krieg im Juni 2025 beseitigt.

Dann hatte Hegseth gesagt, dies sei keine Operation mit dem Ziel eines Regimewechsels, prahlte aber gleichzeitig, man habe das Regime bereits ausgetauscht. Von der Nachfolge des Ayatollah Ali Chamenei durch dessen Sohn wusste er da noch nicht. Schließlich sprach Außenminister Rubio davon, dass man der iranischen Reaktion auf einen bevorstehenden israelischen Angriff vorgreifen wollte.

Keine 24 Stunden später sagte Trump, die Attacke sei alleine seine Entscheidung gewesen und habe nichts mit Israel zu tun. Bevor Trump am Montag sagte, der Krieg sei praktisch vorbei, hatte er am Freitag getönt, dass der Konflikt erst mit einer bedingungslosen Kapitulation Irans zu Ende sei.

Mittlerweile dämmert es allen außer den verblendetsten Trump-Anhängern, dass der Präsident planlos in das iranische Abenteuer gestolpert ist. Offene Kritik aus den eigenen Reihen ist, bislang zumindest, noch rar. Im Repräsentantenhaus stimmten nur zwei republikanische Abgeordnete für eine Resolution, welche die verfassungsgemäße Zustimmung des Kongresses zu einem Krieg forderte. Und in seinem Kabinett machten anti-interventionistische Stimmen wie J.D. Vance und Marco Rubio eine Kehrtwende, nachdem die ersten Bomben gefallen waren.

Anfang von Trumps politischem Ende?

Außerhalb der Machtzirkel von Washington war die Kritik aus der rechten Ecke deutlich prononcierter. Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson, der sich als Präsidentschaftskandidat für 2028 in Stellung bringt, nannte die Angriffe „ekelhaft und böse.“ Trumps Intervention sei ein direkter Weg in einen Atomkrieg. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte Carlson die US-Bombenangriffe auf die Atomanlagen in Natanz scharf kritisiert. Für Putins Krieg gegen die Ukraine hat Carlson deutlich mehr Verständnis.

Zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete sagten dem Portal Politico anonym, dass für sie die Iran-Intervention zu weit gehe. Curt Mills, Chefredakteur des Magazins The American Conservative, ist sich sicher, dass der Iran-Krieg der Anfang vom politischen Ende Trumps ist. Tucker Carlsons Vorpreschen sei nur die erste Breitseite.

Seit 2016 wiederholt Trump unermüdlich, dass er die USA auf keinen Fall mehr in einen „Endlos-Krieg“ verwickeln werde. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie seiner Regierung betont, dass die USA sich militärisch nur noch engagieren, wenn US-Interessen unmittelbar betroffen sind. Die sind in Iran jedoch nicht erkennbar, die Kosten sind dem Wähler nicht mehr vermittelbar. Wie die Trump-Abtrünnige Marjorie Taylor Green es ausdrückte: Iran ist ein Verrat an „America First“.

Warum Trump sich trotzdem hat in den Konflikt hineinziehen lassen, liegt laut Mills alleine an „seiner Persönlichkeit.“ Den immer noch zahlreichen „Hawks“ – traditionelle Konservative, die eine interventionistische Außenpolitik befürworten – könne er einfach nicht Nein sagen.

Kampf innerhalb des Maga-Lagers

Und natürlich könne Trump auch Benjamin Netanjahu nicht Nein sagen. Mills beschreibt den Grad des Einflusses des israelischen Regierungschefs in den USA als „ekelhaft“. Jede PolitikerIn oder Person des öffentlichen Lebens, die sich offen gegen Israel stelle, müsse wegen der Macht israelischer Lobbygruppen um ihre Karriere fürchten. Trump habe bei seinen Wahlkämpfen von eben diesen Gruppen enorme Spenden angenommen.

Schon die Nationale Sicherheitsstrategie nennt die Sicherheit Israels und die Verhinderung einer Atommacht Iran als explizite Ausnahmen von „America First“. Sollte sich Trump an diesem Widerspruch aufreiben, würde er, so Mills, im Vergleich zu Rechten wie Carlson oder auch Vance als unentschlossene, moderate Übergangsfigur dastehen. Was man daran gesehen habe, dass er sich dem Protest gegen die ICE-Aktionen in Minnesota gebeugt habe. Kritiker haben dafür den Begriff „Taco“ geprägt – „Trump always chickens out“.

Ob die härtere Maga-Fraktion sich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal dürfte die abstürzende Popularität Trumps sich in den Zwischenwahlen im November für die Demokraten positiv auswirken. In neuesten Umfragen stehen die Chancen der Oppositionspartei auf eine Kongressmehrheit sechs Prozent besser als die der Republikaner.

Um zu sehen, in welche Richtung der innerrepublikanische Kampf tendiert, wird eine republikanische Vorwahl in Kentucky im Mai besonders aufschlussreich. Hier tritt der Abgeordnete Thomas Massie wieder an, der Trumps Irankrieg scharf kritisiert. Der republikanisch-jüdische „Victory Fund“ beschimpfte ihn deshalb bereits als Linksradikalen und Freund der Mullahs. Trump unterstützt einen Gegenkandidaten, und das war jahrelang sein effektivstes Machtinstrument, um Kritik im Keim zu ersticken. Wie diese Vorwahl ausgeht, wird zeigen, ob das noch funktioniert.

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12 Kommentare

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  • Ich befürchte, am Ende sitzen die Mullahs fester im Sattel als vorher.

  • Wie die „most trusted journalist of the Daily Show“ zeigen, steht auch die Jubelmedia noch hinter ihm: „he has the guts, he has the balls“ um den Kriegszug zu unterstützen.

    Und dann kommen noch die Evangelikalen, die ihn als von „Jesus gesalbten“ ansehen und damit ist alles was er macht richtig.

    Das Land ist tief zerrissen und so gibt es immer noch genügend Unterstützer, die über vieles einfach hinwegsehen.

    • @fly:

      Vergessen:



      Sie stehen hinter ihm, solange die Spritpreise nicht steigen.



      Deshalb auch die neue Ankündigung, dass der Krieg bald endet und schon sinken die Preise wieder (und vielleicht hat der Klan auch genug Aktien gekauft, als die Börsen abrutschten und macht jetzt Kasse).

  • Man(n) hätte es eigentlich wissen müssen. Warum sollte ausgerechnet im Iran das klappen was desaströs in Afghanistan, Irak und Libyen gescheitert ist. Und auch in Syrien sieht es nicht nach "Demokratie" aus. Ob die jetzigen Herrscher dort besser sind als Assad muss sich erst noch beweisen.



    Ergo: Ziellos, planlos ergibt gescheitert.

    • @Pico :

      Naja der Blutzoll von Assads Familien Herrschaft war so hoch, da können die neuen Herrscher viel falsch machen und trotzdem besser sein.

  • Trump ist auf Einflüsterer angewiesen, um erfolgreich zu sein. Zu diesen gehört Lindsey Graham, der auch schon frühere US-Regierungen auf einen Kurs zugunsten der radikalen Rechten in Israel zu bringen, indem er seit Jahren insbesondere die Auslöschung des Iran als Kriegsziel auch einer US-Regierung propagiert. Nun ist Trump diesem Weg in die Sackgasse gefolgt und ist neben Putin und Netanyahu zu einem Kriegsverbrecher aufgestiegen und das, ohne den Versuch, über den Kongress zumindest den Anschein einer demokratischen 'Legitimierung' zu erwecken. Auch wenn die Folgen dieser militärischen Eskalation in Bezug auf die ökonomischen Krisen überhaupt noch nicht absehbar sind, sollten sich demokratisch wähnende ('westliche') Regierungen von diesen Regimes um Trump und Netanyahu maximal distanzieren, allein schon um der Bevölkerung Israels und der USA Willen, damit zumindest Hoffnungen auf einen Wandel zugunsten einer Demokratie erhalten bleiben. Wie lange haben Allierte seinerzeit dem Treiben der Nationalsozialisten zugeschaut ? Wehret....

  • Trump, Hegseth, Vance, Rubio usw.: Das kommt davon, wenn man eine Laienspieltruppe an die Spitze eines Staates stellt.

    Eine Methode, die auch bei AFD-Wählern hierzulande verfängt: Angeblich politisch unverbrauchtes und unverdorbenes Personal soll für frischen Wind sorgen. Dabei würde doch niemand, der einigermaßen klar bei Verstand ist, für eine größere Feier Köche engagieren, die ausser Teewasser noch nie was gekocht haben. Und dazu Musikanten, die noch nie ein Instrument in der Hand gehabt haben.

  • Trump führt einen imperialistischen Krieg gegen den Iran, es geht um langfristige Konstellationen in der Region, es geht darum, die militärischen Möglichkeiten des Iran zu zerstören und zwar vollständig.



    Der 'Regime'-Change der ist gar nicht zwingen notwendig, aber die militärischen Möglichkeiten des Landes müssen reduziert und im Bereich A-Waffen und Raketen/Drohnen auch beseitigt werden.



    Dafür ist €1 Mrd pro Tag nicht besonders teuer.



    Allerdings hat Trump das mal anders versprochen.



    Das ist jetzt sein Problem. Aber es wird nicht dazu führen, dass er jetzt alles verliert.



    Vermutlich wird Trump sowieso eine Ausnahme bleiben, ein sonderbarer Mensch mit geringem politischen Kenntnissen, der aber Weltpolitik aufs Härteste macht.



    Ich denke, jetzt kommt, was sowieso passieren musste, die Anhänger von Trump erkennen seine Austauschbarkeit, seine Begrenztheit und den Unterschied von medialen Aussagen und der Realpolitik.



    Schlimm ist es für die vielen Iraner, deren Diktatur möglicherweise noch fester, nocht härter wird. Trump kann nicht alle Schergen des Regimes töten.



    Von Aufgabe ist auch keine Rede, im Gegenteil die Anhänger scheinen sich erstrecht zu schließen und zu verbünden ...

  • "Für Putins Krieg gegen die Ukraine hat Carlson deutlich mehr Verständnis."



    Dafür hat jeder, der sich das genauer anschaut, mehr Verständnis.



    Immerhin liegt der Ukrainekrieg aus etlichen Gründen (insbesondere der Verhinderung der NATO-Mitgliedschaft einer Ukraine, mit der Russland im Territorialkonflikt um die Krim ist) selbst mit dem langen Kriegsverlauf klar in Russlands Interesse, während der Irankrieg ein enormes Risiko darstellt und mit einem langen Kriegsverlauf keinesfalls im US-Interesse und eigentlich auch nicht im israelischen Interesse ist. Der Irankrieg ist eine Entscheidung, die von verblendeten Politikern, insbesondere Netanjahu und Trump, getroffen wurde, die sich vermutlich schwer verkalkuliert haben. Der Rest der Welt kann nur hoffen, dass da nicht seitens Israel oder den USA Atombomben auf den Iran geworfen werden, um doch noch einen schnellen Sieg zu erzwingen. Und wir in Deutschland müssen zudem darauf hoffen, dass nicht noch die NATO zu Hilfe gerufen wird.

    • @XXX:

      Die Ukraine wäre nie der NATO beigetreten, die Ukraine stellte keine Bedrohung für Russland dar. Und dieser Krieg ist einzig und allein im Interesse von Putin und der großrussischen Imperialisten, der normale Russe hat davon nichts. Der Iran will explizit Israel auslöschen, und arbeitet an diesem Ziel, der Iran bindet enorme Amerikanische Ressourcen und destabilisiert Länder vom Yemen, Iraq, Syrien, Libanon bis nach Azerbaijan. Daneben hat das iranische Regime vor wenigen Wochen zehntausende Bürger abgeschlachtet die ein Ende von Unterdrückung und Korruption wollten.

  • Na, hoffentlich verbrennen Hegseth, Trump und die Wendehälse J.D. Vance und Marco Rubio nicht am Endes selbst im endlosen Höllenfeuer, von dem der Herr Kriegsminister in seiner Feuerrede sprach.

  • Danke für die Erklärungen und Einordnungen. Aber eine Sache stört mich auch hier wie sie es seit langem schon im Zusammenhang mit Trump tut: Es wird wieder so geschrieben als habe Trump jetzt aber endlich Probleme mit seinen eigenen Leuten. Aber das wurde schon nach zig Aktionen, Krisen, Problemen heraufbeschworen oder nahegelegt, dass es diesmal für ihn das "ende" oder zumindest der "Anfang des Endes" sei. Und bisher hat es nie gestimmt. Es ist Geraune, es ist Wunschdenken, es ist der Versuch, dem ganzen eine Logik, eine Entwicklung, vielleicht einen Ausweg anzudichten. Den sehe ich nicht, die meisten seiner Leute bleiben stumm oder stimmen ihm zu, andere äußern sich nur anonym. Da ist noch nichts angebrannt.

    Auch jetzt mal die Zahl 6 % mitzubekommen ist hilf- und aufschlussreich. Das sieht für mich noch nicht wie eine deutliche Entscheidung für die Midterms aus!. Dass die Reps noch 44% bekommen trotz dem Schlamassel und dass Trumps Reps zu 77% hinter dem Krieg stehen ist für mich auch kein echtes Hoffnungszeichen.