US-Debatten zum Irankrieg: Wie Donald Trump sich selbst ins Abseits bombt
Was wollen die USA mit Iran und warum? Der US-Präsident verheddert sich immer mehr im Widerspruch zwischen seinen eigenen außenpolitischen Zielen.
Es gehört zu den goldenen Regeln der US-Politik, dass das Land sich hinter seinen Präsidenten stellt, wenn die USA in den Krieg ziehen. Das stimmte im Zweiten Weltkrieg, das traf anfangs für Vietnam zu, erst recht 2001 für Afghanistan und sogar 2003 für Irak.
An dieser Geschichte gemessen, ist Trumps Irankrieg die unpopulärste US-Militäraktion, seit es Meinungsforschung gibt. Die große Mehrheit der US-Amerikaner hielt das Bombardement von Teheran vom ersten Tag an für einen Fehler. Mehr als 60 Prozent waren dagegen. 77 Prozent der Republikaner standen zwar hinter Trump, doch auch innerhalb seiner Partei gibt es Risse.
Mit dem Schließen der Straße von Hormus und explodierenden Benzinpreisen, mit enormen Kosten von etwa einer Milliarde Dollar pro Tag und mit der Machtübernahme des Sohnes von Ayatollah Chamenei wird es für Trump immer schwieriger, sein Engagement plausibel zu machen.
Am Montag behauptete der US-Präsident, der Krieg nähere sich seinem Ende, obwohl alle Nachrichten das Gegenteil nahelegen. Zudem hatte sein Verteidigungsminister Pete Hegseth in seiner Feuerrede am Tag zuvor Iran ein endloses Höllenfeuer versprochen und gesagt, dies sei „erst der Anfang“.
Planlos in den Krieg hineingestolpert
Es war nur das jüngste Kapitel des Kommunikations-Chaos seit dem ersten Angriff am 28. Februar. Da hatte Trump von Vergeltung für Jahrzehnte „schlechten Betragens“ durch Iran gesprochen, von der Befreiung des iranischen Volkes und von der Ausschaltung der nuklearen Gefahr, die von Iran ausgehe – von der er zuvor behauptet hatte, er hätte sie bereits im letzten Krieg im Juni 2025 beseitigt.
Dann hatte Hegseth gesagt, dies sei keine Operation mit dem Ziel eines Regimewechsels, prahlte aber gleichzeitig, man habe das Regime bereits ausgetauscht. Von der Nachfolge des Ayatollah Ali Chamenei durch dessen Sohn wusste er da noch nicht. Schließlich sprach Außenminister Rubio davon, dass man der iranischen Reaktion auf einen bevorstehenden israelischen Angriff vorgreifen wollte.
Keine 24 Stunden später sagte Trump, die Attacke sei alleine seine Entscheidung gewesen und habe nichts mit Israel zu tun. Bevor Trump am Montag sagte, der Krieg sei praktisch vorbei, hatte er am Freitag getönt, dass der Konflikt erst mit einer bedingungslosen Kapitulation Irans zu Ende sei.
Mittlerweile dämmert es allen außer den verblendetsten Trump-Anhängern, dass der Präsident planlos in das iranische Abenteuer gestolpert ist. Offene Kritik aus den eigenen Reihen ist, bislang zumindest, noch rar. Im Repräsentantenhaus stimmten nur zwei republikanische Abgeordnete für eine Resolution, welche die verfassungsgemäße Zustimmung des Kongresses zu einem Krieg forderte. Und in seinem Kabinett machten anti-interventionistische Stimmen wie J.D. Vance und Marco Rubio eine Kehrtwende, nachdem die ersten Bomben gefallen waren.
Anfang von Trumps politischem Ende?
Außerhalb der Machtzirkel von Washington war die Kritik aus der rechten Ecke deutlich prononcierter. Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson, der sich als Präsidentschaftskandidat für 2028 in Stellung bringt, nannte die Angriffe „ekelhaft und böse.“ Trumps Intervention sei ein direkter Weg in einen Atomkrieg. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte Carlson die US-Bombenangriffe auf die Atomanlagen in Natanz scharf kritisiert. Für Putins Krieg gegen die Ukraine hat Carlson deutlich mehr Verständnis.
Zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete sagten dem Portal Politico anonym, dass für sie die Iran-Intervention zu weit gehe. Curt Mills, Chefredakteur des Magazins The American Conservative, ist sich sicher, dass der Iran-Krieg der Anfang vom politischen Ende Trumps ist. Tucker Carlsons Vorpreschen sei nur die erste Breitseite.
Seit 2016 wiederholt Trump unermüdlich, dass er die USA auf keinen Fall mehr in einen „Endlos-Krieg“ verwickeln werde. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie seiner Regierung betont, dass die USA sich militärisch nur noch engagieren, wenn US-Interessen unmittelbar betroffen sind. Die sind in Iran jedoch nicht erkennbar, die Kosten sind dem Wähler nicht mehr vermittelbar. Wie die Trump-Abtrünnige Marjorie Taylor Green es ausdrückte: Iran ist ein Verrat an „America First“.
Warum Trump sich trotzdem hat in den Konflikt hineinziehen lassen, liegt laut Mills alleine an „seiner Persönlichkeit.“ Den immer noch zahlreichen „Hawks“ – traditionelle Konservative, die eine interventionistische Außenpolitik befürworten – könne er einfach nicht Nein sagen.
Kampf innerhalb des Maga-Lagers
Und natürlich könne Trump auch Benjamin Netanjahu nicht Nein sagen. Mills beschreibt den Grad des Einflusses des israelischen Regierungschefs in den USA als „ekelhaft“. Jede PolitikerIn oder Person des öffentlichen Lebens, die sich offen gegen Israel stelle, müsse wegen der Macht israelischer Lobbygruppen um ihre Karriere fürchten. Trump habe bei seinen Wahlkämpfen von eben diesen Gruppen enorme Spenden angenommen.
Schon die Nationale Sicherheitsstrategie nennt die Sicherheit Israels und die Verhinderung einer Atommacht Iran als explizite Ausnahmen von „America First“. Sollte sich Trump an diesem Widerspruch aufreiben, würde er, so Mills, im Vergleich zu Rechten wie Carlson oder auch Vance als unentschlossene, moderate Übergangsfigur dastehen. Was man daran gesehen habe, dass er sich dem Protest gegen die ICE-Aktionen in Minnesota gebeugt habe. Kritiker haben dafür den Begriff „Taco“ geprägt – „Trump always chickens out“.
Ob die härtere Maga-Fraktion sich durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal dürfte die abstürzende Popularität Trumps sich in den Zwischenwahlen im November für die Demokraten positiv auswirken. In neuesten Umfragen stehen die Chancen der Oppositionspartei auf eine Kongressmehrheit sechs Prozent besser als die der Republikaner.
Um zu sehen, in welche Richtung der innerrepublikanische Kampf tendiert, wird eine republikanische Vorwahl in Kentucky im Mai besonders aufschlussreich. Hier tritt der Abgeordnete Thomas Massie wieder an, der Trumps Irankrieg scharf kritisiert. Der republikanisch-jüdische „Victory Fund“ beschimpfte ihn deshalb bereits als Linksradikalen und Freund der Mullahs. Trump unterstützt einen Gegenkandidaten, und das war jahrelang sein effektivstes Machtinstrument, um Kritik im Keim zu ersticken. Wie diese Vorwahl ausgeht, wird zeigen, ob das noch funktioniert.
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