US-Drohungen gegen Iran: Trump spielt mit der Auslöschung
Trump droht damit, Iran anzugreifen, so dass die gesamte Nation stirbt. Allein mit dieser verbalen Entgleisung normalisiert er Menschheitsverbrechen.
A n vieles gewöhnt man sich bei Donald Trump: Er lügt und prahlt, er ist großspurig und geltungssüchtig, ahnungs- und skrupellos. Er sagt alles Mögliche und am nächsten Tag das Gegenteil. Aber die rhetorische Eskalation gegenüber Iran, die der US-Präsident seit einigen Tagen betreibt, ist beispiellos in ihrer Härte und in ihrer Zielstrebigkeit. Erst will er Irans Energieinfrastruktur zerstören, dann das Land in die „Steinzeit“ bomben und am Dienstag verkündet er: „Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation sterben und nie zurückgeholt werden. Ich will nicht, dass das passiert, aber wahrscheinlich wird es.“
Das ist in jeder praktischen Hinsicht die Ankündigung eines Genozids. Ausgerechnet am 7. April, dem Gedenktag zum Beginn des Völkermords an den Tutsi in Ruanda 1994 mit einer Million Toten, droht der mächtigste Staatschef der Welt einer der ältesten Kulturnationen der Welt mit der totalen Vernichtung. Trump spielt mit der Auslöschung. Er normalisiert Menschheitsverbrechen als eine „wahrscheinliche“ Kriegstaktik. Apokalyptische Endzeitfantasien haben auf der christlich-religiösen Rechten und bei fundamentalistischen Überzeugungstätern weltweit ohnehin Hochkonjunktur – jetzt hat Trump die Mittel, die Gelegenheit und die Motivation dazu, sie in die Tat umzusetzen.
Experten mutmaßen schon länger, dass am Ende dieses Krieges sogar ein Atomwaffeneinsatz gegen Iran stehen könnte und damit der Bruch des einzigen noch intakten Tabus aus der internationalen Staatenordnung seit 1945, von deren Bestand das Überleben der Menschheit abhängt. Aber auch unterhalb dieser größtmöglichen Eskalation wirken seine Worte wie ein Brandbeschleuniger mitten in einem Inferno. Irans Revolutionsgarden drohen bereits ihrerseits, alle Beschränkungen fallenzulassen.
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Hemmungen, einmal abgelegt, kommen nie zurück. Wer Völkermord bekämpft und überlebt hat, weiß um die Bedeutung von Sprache und Gedanken. Menschenleben sind unter gewissen Umständen nichts wert, nämlich wenn ihr Fortbestand anderen nicht ins Konzept passt – das habe man lernen müssen, sagte Ruandas Präsident Paul Kagame in seiner Völkermordgedenkrede am Dienstag. Ungefähr gleichzeitig verbreitete US-Präsident Donald Trump seine Vernichtungsfantasien und lehrte damit die auf Freiheit hoffenden Menschen Irans, dass ihr Überleben ebenfalls zweitrangig ist.
Selbst wenn der US-Präsident das alles bloß als Drohkulisse hinwirft und sich dann am allgemeinen Entsetzen ergötzt – der Schaden ist angerichtet. Viele Staats- und Kriegsführer praktizieren schon längst die schlimmsten Verbrechen ungestraft, aber erst Trump macht so etwas auch noch salonfähig. Niemand wird jetzt noch einsehen, warum man im Umgang mit dem Feind nicht bis zum Äußersten gehen sollte. Egal wie das jetzt ausgeht: Das ist Trumps Vermächtnis.
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