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GesundheitsreformDas Sparpaket ist nicht historisch, sondern erkauft nur Zeit

Manuela Heim

Kommentar von

Manuela Heim

Die „Gesundheitsreform“ müsste Sparpaket heißen. Die Beschlüsse sind zwar relativ sozialverträglich, doch sie machen das System nicht zukunftssicher.

Mit der jetzigen Gesundheitsreform wird allenfalls etwas Zeit gewonnen. Systemische Probleme werden dagegen nicht gelöst Foto: dpa

S eit dieser Woche steht der Entwurf für die „Reform, die wir durchaus historisch nennen können“. Gemeint ist das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge. Die Behauptung zur Tragweite stammt von Bundeskanzler Friedrich Merz und ist vor allem eine Floskel. Was am 28. April im Kabinett beschlossen wurde, geht sicher nicht in die Geschichtsbücher ein.

Es ist auch keine Reform, sondern in erster Linie ein Sparpaket, das vielleicht drei Jahre Stabilisierung bringt und bei dem sich bislang nicht einmal die Regierungsfraktionen wirklich einig sind, ob das jetzt so vom Bundestag beschlossen werden soll. Deren Zerren daran ist nicht nur eine Einladung an die zahlreichen Lobbygruppen im Gesundheitswesen. Es lenkt auch von den wesentlichen Herausforderungen ab.

Seit Jahren entwickeln sich Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen immer weiter auseinander. Für nächstes Jahr ist ein Defizit von rund 15 Milliarden Euro prognostiziert. Ohne Einsparungen drohen weitere Beitragssteigerungen. Ende März hatte eine vom Gesundheitsministerium einberufene Ex­per­t*in­nen­kom­mis­si­on 66 Vorschläge vorgelegt, mit einem möglichen Einsparvolumen von über 40 Milliarden Euro allein für 2027.

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Das nun geplante Sparpaket bleibt mit 16,3 Milliarden Euro weit dahinter zurück. Rund 70 Prozent der Maßnahmen betreffen Kürzungen bei den Vergütungen der Krankenhäuser, Praxen, Hersteller und Krankenkassen selbst. SPD und CSU reiben sich aber vor allem an dem, was den Versicherten an Einsparungen zugemutet wird – rund 23 Prozent des Gesamtvolumens.

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Systemische Fragen werden ausgespart

Dabei ist hier durchaus ein sozialverträglicher Beitrag gelungen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehe­part­ne­r*in­nen wird zwar eingeschränkt. Dank Ausnahmen für Menschen mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen sowie einem niedrigen prozentualen Beitrag werden aber vor allem Gutverdienende belastet. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze betrifft ausschließlich höhere Einkommen.

Die Anhebung der Zuzahlungen ist die erste seit 20 Jahren. Ärmere und chronisch kranke Menschen sind durch Zumutbarkeitsgrenzen geschützt. Wichtig ist hier, dass Versicherte besser als bisher über das Erreichen der Grenze informiert werden – das hatte auch die Kommission gefordert. Eine zwischenzeitlich geplante Kürzung des Krankengelds wurde aus dem Sparpaket komplett gestrichen.

Statt mit diesen im Kabinett bereits beschlossenen Maßnahmen nun weiter Politik zu machen, sollte sich der Fokus auf systemischere Fragen richten, auf die chronischen Krankheiten des Gesundheitssystems. Zu klären ist, welche Folgen die Sparpolitik auf gemeinnützige Klinken hat, die schon jetzt am Limit sind.

Ein stärkerer Fokus auf Prävention ist nötig

Die Gefahr ist groß, dass die schon länger beschlossene, aber teils verschobene Krankenhausreform zu spät kommt und vielleicht auch zu wenig Wirkung entfaltet. Wer das Gesundheitssystem zukunftsfest machen will, muss außerdem Fehlanreize in der ambulanten Versorgung und die ungerechte Struktur aus privater und gesetzlicher Versicherung angehen.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Deutschland erheblich im Rückstand bei der Präventionspolitik. Die spart nicht nur Kosten, sondern verbessert auch die Gesundheit der Versicherten. Die im aktuellen Gesetzentwurf geplante Zuckerabgabe ist da nur ein zaghafter Beginn.

Dass die Regierung für die gesetzliche Versicherung von Bür­ger­geld­emp­fän­ge­r*in­nen nur minimal mehr aus dem Bundeshaushalt bezahlen will, ist ein falsches Signal. Denn Sozialleistungen sollten von der Gesamtheit der Steuerzahlenden gestemmt werden. Die gleichzeitige Streichung von 2 Milliarden Euro Bundeszuschuss an die Krankenkassen macht diese Maßnahme zu einem schlechten Witz.

Das aktuelle Sparpaket erkauft etwas Zeit. Für manche Krankenhäuser könnte es allerdings schon im kommenden Jahr brenzlig werden. Die Ex­per­t*in­nen­kom­mis­si­on soll zwar bis Ende des Jahres weitere Vorschläge, diesmal für tiefgreifendere Reformen, vorlegen. Für eine Umsetzung noch in dieser Legislaturperiode wird das aber knapp.

„Historisch“, wenn man so will, ist der Moment, in dem das eigentlich gute und leistungsstarke deutsche Gesundheitssystem die über lange Zeit eingebauten Fehler nicht länger verzeiht. Dieser Moment ist jetzt.

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Manuela Heim
Gesundheit und Soziales
Redakteurin in der Inlandsredaktion, schreibt über Gesundheitsthemen und soziale (Un-) Gerechtigkeit.
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35 Kommentare

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  • Nun ,in einem Alter angekommen in dem es bedeutet der normale Artztbesuch wie jährliches Gesundheit checken zu weiteren Untersuchungen die zu Überweisung mit weiteren Untersuchungen zu Überweisung, zu Behandlung......ein Droste- Effekt.



    Das Ende vom Lied" Für eine handvoll Pillen ".



    Anfang diesen Jahres begann eine erneute Odyssey und ein Ende dieser ist nicht abzukürzen, mehrere Termine im Juni erwarten mich schon. Aber im Mai habe ich meine Ruhe, vorerst.



    Natürlich kann ich selbst entscheiden ob ich diese Reise antrete oder besser zu Hause bleibe. Das ,aber ist eine andere Geschichte!

  • Die meisten wissen, was für eine grundlegende Reform vonnöten wäre:



    - Abschaffung des Zweiklassensystems, stattdessen ein System in das alle einzahlen (auch Beamte)



    - Zurückfahren der stationären Überversorgung in Krankenhäusern und Abschaffung der finanziellen Fehlanreize, wodurch verschiedene Beteiligte Geld im Gesundheissystem machen (zB Dringlichkeitsüberweisungen, aber auch vieles andere).



    Da die CDU / SPD offenbar unter Einfluss bestimmter Lobbygruppen stehen, müssen die Wähler hier massiv Druck machen.

    • @T-Rom:

      @ T-Rom



      Reformieren bedeutet ja auch laut Duden " Umgestalten, verbessern " und nicht verschlechtern...

      • @Alex_der_Wunderer:

        Im gewohnten Regierungssprech bedeutet 'reformieren' ja meistens 'zusammenstreichen'.



        Tatsächliche Reformen sind selten in Deutschland.

        • @nihilist:

          @ nihilist



          Durch die inhaltliche Verfälschung der Bedeutung von festgelegten Begrifflichkeiten unseres Worschatz, versuchen



          " unsere " Politikprofis " doch nur die Bevölkerung total zu verblöden.

  • Es gibt viele Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem. Das große Problem sind doch die ständig steigenden Kosten. Der wünschenswerte medizinische Fortschritt treibt diese Kosten. Früher haben die Überlebensmöglichkeiten die Behandlungen begrenzt, dass wird immer mehr überwunden. So wird das Behandlungsende immer mehr eine bewußte Entscheidung, die uns Menschen an die Grenzen unserer ethischen Grundlagen bringt. Ein anderer wichtiger, deutscher Punkt ist unser Vollkaskosystem. Die Absicherung ist nützlich, schwächt aber die Eigenverantwortung. Eigenverantwortung bedeutet Anstrengung gegenüber sich selbst, dazu ist der Mensch nur sehr begrenzt in der Lage.

  • Gesetzlich Krankenversicherte, die wenig bis gar nicht ihre Krankenversicherung durch unnötige Arztbesuche belasten, sollten dies auch durch eine entsprechende, finanzielle Rückvergütung am Ende des Versicherungsjahres belohnt bekommen.

  • "Dabei ist hier durchaus ein sozialverträglicher Beitrag gelungen"



    Wie bitte?



    Als Reaktion auf das Sparpaket hat die Charité den Tarifvertrag zur Entlastung (TV-GFB) gekündigt. Dieser hat festgelegt das bestimmte Personalschlüssel eingehalten werden müssen und das es einen Ausgleich für Pflegepersonal etc. gibt wenn man überlastet arbeitet.



    Durch das Sparpaket schrumpft das Budget für Pflegekräfte. Das wird zu Personaleinsparungen führen. Es fühlt sich so an als hätte es Corona nie gegeben und als ob der Pflegenotstand kein Problem für die Gesellschaft darstellt.

  • Aber es ist doch klar, dass dies nur die kurzfristig umsetzbaren Vorschläge sind. Der Arbeitsauftrag an die Kommission ist doch klar beschrieben, beispielsweise in dem Bericht auf Seite 12: "Der hiermit vorgelegte erste Bericht umfasst kurzfristig bereits ab dem Jahr 2027 wirksame Reformempfehlungen zur Stabilisierung der Krankenkassenbeitragssätze. Ein zweiter Bericht folgt zum Ende des Jahres 2026 mit weiteren Empfehlungen für mittel- und langfristig wirksame Strukturreformen. " Von daher ist das, was der Kommentar fordert, doch schon längst in der Mache.

  • Das Sparpaket ist nicht historisch, sondern erkauft nur Zeit



    ----



    War was anders zu erwarten! Warum sollte jemand die Arbeit der nächsten BuReg "heute" erledigen?



    Die jetzige ist doch so mit der Förderung der Freunde & mit "zurück in die Zukunft der 1950ger Jahre" ausgelastet, das nun wirklich keine Zeit oder Kraft für weitreichende Reparaturen bliebt!



    Und aber das ist meine Meinung:



    Ideen mehr als ein "weiter so", ein Pflaster auf die "Blinddarmentzündung" kleben, können wir wirklich nicht erwarten!



    Es fehlt mMn.



    a) Fachwissen



    oder



    b) Willen diese Fragen langfristig anzugehen! (Passendes ankreuzen)



    Doch was können wir von so einem Amateurclub in Berlin & anders wo, denn erwarten?



    Wir sollten die Akteure nocht überfordern, sonst schmollen die & wählen sich noch ein "anderes Volk"! :-(

  • Das wahre Problem kann man hier sehen: www.youtube.com/shorts/bGUw7OC2tx4

    • @Ricky-13:

      @ Ricky-13



      Ungeheuerlich, statt seine ganzen Therapeuten selber aus eigener Tasche zu bezahlen, lässt Fidi die Gemeinschaft seiner PKV diese Unsummen tragen.



      Egomanie pur !

  • Das Teure in der Medizin ist das Sparen an wirksamer Prävention. Ich habe mir deshalb den Link zum Präventionsartikel der Autorin angesehen. Dort werden die üblichen Verdächtigen "Alkohol, Tabak und schlechtes Essen" abgehandelt.



    Als teuerste und gefährlichste Krebsform gilt das Bronchialcarcinom, das mit dem Tabakrauchen eng assoziiert ist .



    Die zweithäufigste Ursache nach dem Tabakrauchen ist die Radonbelastung der Wohnräume (1,2).



    Der WHO Referenzwert liegt bei 100Bq/m³, im deutschen Strahlenschutzgesetz gilt ein Referenzwert von 300Bq/m³.



    2.000 Krebstote pro Jahr durch die Radonbelastung der Wohnräume (1) samt direkten und indirekten Krankheitskosten. Die Medikamentenkosten, gelten als überteuert (3).

    Der Schneeberger Lungenkrebs ist seit ca. 500 Jahren bekannt, seit Entdeckung der Radioaktivität ca. 1896 weiß man zunehmend woran´s liegt.

    In den 66 Vorschlägen kommt der Begriff "Radioaktivität" nicht vor.

    (1)



    www.bfs.de/DE/them...en/wohnraeume.html



    (2)



    www.radon.nrw.de/



    (3)



    www.deutschlandfun...-zu-teuer-100.html

  • Wie bitte sollten Reformen gelingen wenn die an der Regierung beteiligte Arbeitsministerin und Vize-Parteichefin öffentlich auf Gewerkschaftsdemos verkündet das es mit ihr keine Reformen gibt ?



    Wie bitte sollten Reformen gelingen wenn der an der Regierung beteiligte Fraktionsvorsitzende verkündet, es braucht keine Reformen, man muss halt nur mehr Schulden machen ?



    Wenn eine Partei, heute noch nicht erkannt hat das wir eigentlich Jahrzehnte lang Reformen verschlafen haben diese aber irgendwann unausweichlich sind, wünsche ich ihr eine Zukunft von unter 5 %, dann kann sie wenigstens keinen Schaden mehr anrichten.

    • @Günter Witte:

      Naja, netter Versuch, die SPD dafür verantwortlich zu machen. Aber ist es nicht vielmehr die CDU, die sich bisher mit Händen und Füßen gegen jegliche Prävention und Einschnitte bei den Pharmakonzerne gewehrt hat? Immerhin scheint der Widerstand gegen eine Zuckersteuer gefallen zu sein.

    • @Günter Witte:

      Danke, dass ie von der CDU reden, Herr Witte.

      Auch wenn es klar ist, um welche Partei es wirklich geht, ist das grundsätzliche Problem schon immer gewesen, dass sich die CDU - beim Stichwort Reform - zunächst einmal lediglich an den Pensionen bedient hatte.

      1) Kürzung der Pensionen von ca. 75% auf ca. 66,75 % Anfang der 90er.

      2) Nullrunden Mitte der 90er, damit "die Rentner aufholen können" - für Beamte.

      3) Erste Leerung des Pensionstopfes ebenso in den 90ern. So a bisserl wie heutzutage "Sondervermögen" halt.

      4) Zweite Leerung des Pensionstopfes ca. 2007.

      5) Bei Dienstunfähigkeit Mindestabzug von 10,8 %.

      Witzigerweise ausgerechnet von jener Partei, die behauptet sie wäre "Freund der Beamten" - gottlob, kann ich diese Partei nicht wählen, und würde sie auch nicht wählen.

      Ach ja: 6) Wenn die CDU von REFORMEN spricht - geht es immer nur nach OBEN - nie nach unten - die Prügel bekommt, wie auch von Ihnen, dafür doch sowieso schon immer die SPD!

  • Der Grundtenor "Es ist ein Sparpaket und kein Reformpaket" stimmt.



    Bei der beitragslosen Familienversicherung handelt sich jetzt m.W. nicht nur um eine beitragslose Versicherung der Ehegatten sondern auch um eine beitragslose Versicherung aller Kinder der Familie, die ab einem Alter von 7 Jahren aufgehoben werden soll. Ausnahmen soll es zwar geben, diese sind aber symptomatisch für das Präventionsfeindliche aller 66 Vorschläge der Expertenkommission. Die historische "Kaiserliche Botschaft" von 1881 hatte als Grundvorstellung, dass die Versicherten die Sozialversicherung, vergleichbar einer Genossenschaft selbst verwalten, damit die Versicherten nicht zum Gegenstand von Unbeteiligten werden.



    Die jährlichen Prämiensteigerungen der privaten Krankenversicherung betragen 12 und 18%.



    Die Beitragssteigerungen der gesetzlichen Krankenkassen über die letzten 10 Jahre waren max. 4%.



    Die Bezahlung der Gesundheitsfürsorge der Bürgergeld- und Sozialhilfeempfänger ist eine staatliche Aufgabe. Seit ca. 2005 geht die GKV in Vorleistung und kümmert sich um Organisation damit diese Menschen versorgt sind. Das ist aber ein Missbrauch und im Artikel zu Recht sehr deutlich gesagt worden.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Woher haben Sie die Information, dass Kinder ab dem 7. Lebenjahr nicht mehr mitversichert sein sollten?

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Da ist ihr Wissen aber vollkommen falsch. Kinder werden auch älter als 7 natürlich weiterhin kostenlos mitversichert.

  • Unsere Politiker sind zu einer echten Reform offensichtlich nicht in der Lage. Alles wird weiterhin den gesetzlich Versicherten aufgebürdet. Die oberen 10% halten sich fein raus. Die Niederlande hatten auch ein Zweiklassensystem, sie haben eine gesetzlich Pflichtversicherung für alle in 2006 eingeführt.



    Bevor alle etwas mehr arbeiten, sollten unsere Politiker überhaupt mal anfangen zu arbeiten.

  • Entschuldigung, was für einen Gesetzesentwurf erwarten Sie denn von einer CDU-Ministerin?

    Ich würde übrigens wetten, dass die Zuckerabgabe noch im letzten Moment weglobbyiert wird.

  • Das Ganze als Reform zu bezeichnen, ist schon sehr euphemistisch. Solange wir glauben, uns ein zweiklassen System aus GKV und PKV leisten zu können, ist es bestenfalls ein Reförmchen. In meinen Augen besteht vor allem durch den Wegfall der kostenfreien Mitversicherung von Ehepartnern die Gefahr, dass gerade „Besserverdienende“ in die PKV abwandern und am Ende für die GKV nichts gewonnen ist und die soziale Ungleichheit wird weiter zementiert.



    Was wäre denn mit einer Bürgerversicherung, bei der auf alle Einkommensarten ein Beitrag ohne Deckelung erhoben wird und bei der die Beiträge für die, die keinen eigenen Beitrag leisten können, dieser aus Steuermitteln finanziert wird?



    Noch eine Randbemerkung zur Zumutbarkeitsgrenze: Die notwendigen Daten sollten den Kassen vorliegen, d.h. die entsprechende Anwendung könnte automatisch passieren.

    • @Flix:

      ... Wegfall der kostenfreien Mitversicherung von Ehepartnern die Gefahr, dass gerade „Besserverdienende“ in die PKV abwandern ...



      ----



      Du kennst die Preise der PKV-Vollversicherung nicht! Für 20- 30-jährige Alleinstehende klingen die GUT.



      Spätestens ab 50-60 bist Du in der Kostenfalle, weil in Deinem R´Tarif keine "jungen" mehr aufgenommen werden!



      Gr. Sikasuu



      Ps. PKV ist selbst als "Teilversicherung" für "Beihilfeberechtigte" im Alter kaum noch zu bezahlen! :-(

  • Es ist etwas eigenartig, dass der Artikel suggeriert, die sozialere Fassung des Gesetzentwurfs sei irgendwie " vom Himmel gefallen".



    Es darf ruhig gesagt werden, dass die SPD hier einige, von der Union geplanten Härten, gestrichen hat.



    Vielleicht merkt Merz mit der Zeit, dass ein Mangel an Beitragszahler*Innen nicht nur bei der Krankenkasse, sondern auch bei der Rente das grundlegende Problem ist.



    Die Geburtenzahlen sind im vierten Jahr in Folge rückläufig.



    Deutschland hat den Abwärtstrend in der Bevölkerungszahl und den Fachkräftemangel nur durch Zuwanderung abmildern können.



    Es wird Zeit, dass Menschen wie Merz und Dobrint Verantwortung für unser Land übernehmen und das heißt, Zuwanderung zu ermöglichen.



    Vernagelte Vorstellungen von Geflüchteten, die uns die Zahnarzttermine wegnehmen, sind vielleicht was für Ihren Stammtisch, Herr Merz!



    Doch da sie allmählich die Realität kennen gelernt haben, in der auch mal investiert werden muss, wenn man*frau was verbessern will, sind ja auch noch weitere kleine Wunder möglich?!



    Der Fachkräftemangel. löst sich nicht, indem Syrer, die hier arbeiten, zurück geschickt werden .



    Investition in Bildung zahlt sich aus, beginnend mit Deutschkursen!

    • @Philippo1000:

      Danke schön. Der Kommentar ist der heutige Lichtblick im taz-Forum

  • "Die kostenlose Mitversicherung von Ehe­part­ne­r*in­nen wird zwar eingeschränkt."



    Und jetzt muss nur noch vermittelt werden, dass nicht nur die Kosten für Bürgergeldempfänger die gesetzlich Versicherten alleine tragen, sondern auch noch deren Ehepartner*innen kostenfrei mitversichern. Wenn das nicht sozial ist ...



    Fazit: Die SPD ist nicht mehr wählbar, die CDU schon lange nicht mehr ...

  • Åberall wird berichtet, dass die Ausgaben der Krankenkassen steigen, aber warum steigen sie?

    • @nutzer:

      Alte Menschen werden öfter krank.

    • @nutzer:

      Es gibt sicher mehrere Komponenten, von ineffizienten Strukturen bis hin zu unnötigen OPs und stationären Behandlungen.



      Der Hauptgrund, vor dessen Realität sich alle drücken, ist schlicht, dass das System in einer immer älter werdenden Gesellschaft, mit immer weniger Beitragszahlern einfach nicht mehr funktioniert. Die letzten 10 Jahre des Lebens sind eben die teuersten. Jeder Fünfte Deutsche ist heute Rentner. Die Zahl der Menschen Ü80 hat sich seit der Wende verdoppelt, in den letzten 50 Jahren fast vervierfacht. Aber genau wie bei der Rente will man partout dem Kern des Problems stellen und die Sozialsysteme grundlegend reformieren. Flickschusterei und weiter wurschteln.

      • @Deep South:

        >Aber genau wie bei der Rente will man sich partout nicht dem Kern des Problems stellen und die Sozialsysteme grundlegend reformieren.<

        Es geht um das religiöse Grundgerüst unserer Gesellschaft: Wenn es um Menschenleben geht, zählen keine Kosten.

        Für mich als - noch - gesunder Beitragszahler zählen die Kosten schon: 1200€ Rente - Krankenkassenbeitrag - wenn ich nicht arbeiten würde - ungefähr in gleicher Höhe.

        Höhere Kosten zur Verlängerung meines Lebens bzw. des Lebens meiner Mitmenschen mittels Psycho-Therapien/ Medikamenten/ Transplantationen/ Impfungen würde ich ablehnen.

        • @test_name:

          Man kann sicher über gewisse Ausgaben reden. Manche sind sinnvoll, andere (wie unnötige Ops und stationäre Behandlungen, teuere Medikamente trotz günstigere Alternativpräparate, etc. ) versickern eher im System, als das sie dem Menschen nützen. Aus meiner Sicht muss man als Erstes an die Strukturen ran, an aufgeblähte Verwaltungsapparate, veraltete Kommunikation, Anzahl der Krankenkassen, etc. Es brauch eine rasche Digitalisiserung, bessere Kordination zwischen Hausärzten, Fachärzten und Krankenhäusern. Zentralisierung von Fachleistungen und einen Abbau von Anreizen, ineffektive und teure Behandlungen zu verschreiben.

    • @nutzer:

      Zu dem, was T-Rom bereits erwähnt hat, kommt noch die Tatsache, dass in Deutschland im europäischen Vergleich viel zu viel stationär behandelt wird. In Krankenhäusern, die von privaten, gewinnorientierten Konzernen betrieben werden. Und nein, wir sind dadurch nicht gesünder als Menschen in anderen europäischen Ländern. Diese Kosten sind ein gewaltiger Brocken der Gesamtausgaben der Krankenkassen. Leider wurde die von der Vorgängerregierung in diesem Bereich endlich angestoßene Strukturreform von der aktuellen Regierung stark ausgebremst.

    • @nutzer:

      Viele Behandlungen werden teurer, weil komplexer. Auch gehen die Deutschen häufig zum Arzt und es werden bestimmte Behandlungen sehr häufig durchgeführt (Knie- und Hüft-OPs oder Zahnklammern). Und es haben verschiedene Gruppen optimiert, wie man Geld im Gesundheitssystem verdienen kann (Pharmaindustrie, Fachärzte, Sanitätshäuser usw.)

  • Es gibt allerdings zwei Gruppen für die es nicht sozialverträglich ist: Psychotherpeut*innen, die durch die geplante Budgetierung enorme Gehaltseinbußen haben werden und Menschen die einen ambulanten Psychotherapieplatz suchen, da die sowieso bestehende Knappheit durch die Reform enorm verstärkt werden wird!

    • @Hannes B.:

      Sehr wahr. Es gibt eine große aktuelle Bundestags-Petition zu diesem Thema. Bitte zeichnen!