Suche nach exoplanetarem Leben: Was das Sternenlicht verrät
Eine Heliumwolke, 50 Lichtjahre von der Erde entfernt, macht Hoffnung auf außerirdisches Leben. Aber wie entdeckt man so etwas überhaupt?
Planeten jenseits unseres Sonnensystem zu beobachten ist ungefähr so, als wollte man aus einigen Kilometern Entfernung erkennen, ob eine Mücke vor einer Straßenlaterne vorbeifliegt. Die Astronomie muss dabei nur mit dem Sternenlicht auskommen.
Schiebt sich ein Planet zwischen Stern und Teleskop, verändert es sich kurz. Und auf genau diese Weise haben Astronom:innen jetzt eine Heliumwolke entdeckt – jenes Gas, das Menschen piepsig klingen lässt, wenn sie es aus einem Luftballon einatmen. Ein Lebenszeichen ist das nicht. Aber die vielleicht beste Nachricht seit Jahren für alle, die eines suchen.
Veröffentlicht wurden die Erkenntnisse vergangene Woche im Fachmagazin Science. Entdeckt wurde die Heliumwolke dank eines Observatoriums in Chile. Das Gas umgibt den Planeten LHS 1140b, der in knapp 50 Lichtjahren Entfernung einen roten Zwergstern umkreist. Das harvardgeführte Forschungsteam liest das entweichende Helium als oberste Schicht einer Atmosphäre.
Es wäre die erste nachgewiesene Atmosphäre auf einem gemäßigten Gesteinsplaneten außerhalb unseres Sonnensystems – also auf genau der Sorte Welt, auf der Leben überhaupt denkbar ist.
Wie man eine Atmosphäre auf einem viele Lichtjahre entfernten Planeten erkennen kann? Jedes Atom und Molekül schluckt bestimmte Wellenlängen des Sternenlichts und hinterlässt dabei eine Art Fingerabdruck. Astronom:innen sind die Detektive, die diese Abdrücke zuordnen.
Bei ihrer Spurensuche im Licht stießen die Forschenden auf Helium. Dieses Gas ist für sich genommen kein Lebenszeichen. Sie fahnden jedoch nach Biosignaturen, also nach Elementen, die eine Atmosphäre enthält, weil dort etwas verstoffwechselt – und die Grundbedingung dafür ist, dass es überhaupt eine Atmosphäre gibt. Ohne Atmosphäre trifft die hochenergetische Strahlung des Sterns ungebremst auf die Oberfläche.
Erstmals entdeckt wurde die Heliumwolke 2024. Ein Jahr später war sie verschwunden. Eine zweite Auswertungssoftware rechnete die Daten nach, doch am Befund änderte sich nichts. Klarheit sollen Beobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop bringen. Gerade in der Alien-Suche wird mitunter überenthusiastisch kommuniziert: Immer wieder dachten Forschende, Signale gefunden zu haben, die auf Leben hindeuten – und die sich dann als vieldeutig entpuppten.
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Fände man auf einem Exoplaneten tatsächlich Leben, handelt es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um Mikroorganismen. Komplexes Leben ist dagegen ein evolutionärer Glücksfall, kein Automatismus.
„Wenn Sie mir eine einzelne Zelle geben und mich fragen, was in 4 Milliarden Jahren mit ihr geschehen wird, dann werde ich niemals in der Lage sein, ein riesiges Kaninchen vorherzusagen“, sagte der Astrophysiker Adam Frank einmal in einem Interview mit der taz. „Trotzdem sind Kängurus entstanden.“
Bis dahin bleibt die Suche eine Frage der Größenordnung. „Stellt man sich den Himmel als Ozean und die Außerirdischen als Fische vor, dann haben wir bisher mit allen Aktionen zusammen nur eine Badewanne durchsucht“, sagte Frank. Die Heliumspur ist, um im Bild zu bleiben, eine weitere Kelle aus dieser Wanne. Und sie ist ein guter Grund, weiterzuschöpfen.
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