Künftiger Gesundheitsminister Linnemann: Ahnungslos, aber ganz viel Meinung
Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann macht aus seinem fehlenden Fachwissen kein Geheimnis. Im Gesundheitswesen will er erstmal aufräumen. Einfach mal machen.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Mit Blick auf sein neues Aufgabengebiet hat der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann jetzt überraschend festgestellt, dass da „ganz schön viel Musik drin“ ist. Aber er bittet um Geduld. „Hier und da“ müsse er als neuer Chef des Gesundheitsministeriums mit 22-Milliarden-Euro-Etat „einfach noch tiefer einsteigen“, sagte der scheidende CDU-Generalsekretär in einem Instagram-Video. Jedenfalls habe er „einen Höllenrespekt vor dieser Aufgabe“. Der Wirtschaftsliberale hätte auch sagen können: Ich habe keine Ahnung von der Materie.
Sinngemäß wiederholte er damit, was er bereits vor etwas mehr als einem Jahr dem Sender Phoenix zu Protokoll gegeben hatte. Nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der SPD war Linnemann seinerzeit bei der Vergabe der Ministerposten leer ausgegangen. Er wollte gern das Arbeits- und Sozialministerium übernehmen, das ging aber an die SPD. Im Interview mit Phoenix Anfang Mai 2025 erklärte der Paderborner schließlich, dass er sich auch ohne Ministeramt „pudelwohl“ fühle.
Und überhaupt: „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: ‚Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun?‘ Und deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, mach das, was du kannst.“ Nun macht er also doch das, was er nach eigenen Angaben nicht kann.
Immerhin hat Linnemann viele Meinungen, auch zur Gesundheitspolitik. Etwa die, dass mal aufgeräumt werden müsse bei den Krankenkassen. „Wir haben immer noch über 90 Krankenkassen, die in der Regel die gleichen Leistungen anbieten. Riesen Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran. Mindestens die Hälfte. Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen“, sagte er dem Sender RTL im April.
Arbeiten bis zum Umfallen
In der Bild-Zeitung legte er am Samstag nach: „Es wird nicht einfach werden“, erklärte Linnemann. Aber er werde die Reduzierung der Krankenkassenzahl „ganz klar“ angehen.
Linnemann hat sich in der Vergangenheit auch regelmäßig mit Klagen hervorgetan, die Menschen in Deutschland würden zu wenig arbeiten. Nichts gegen Work-Life-Balance, erklärte er 2025: „Aber man hat manchmal den Eindruck, dass es nicht mehr um Work-Life-Balance geht, sondern um Life-Life-Balance.“ Auch würden viel zu viele Rentner:innen mit dem Erreichen des Renteneintrittsalters auf der faulen Haut liegen, obwohl sie durchaus länger arbeiten könnten.
Der 48-jährige promovierte Volkswirt selbst arbeitete vor seiner Zeit als Abgeordneter ein Jahr in der Buchhandlung seiner Eltern in Paderborn und später – nach seinem Studium – noch einmal gut drei Jahre für die Deutsche Bank Research in Frankfurt am Main und die Deutsche Industriebank in Düsseldorf. Seit 2008 sitzt er für die CDU im Bundestag. Sein Fachgebiet ist Arbeit und Soziales. In den Koalitionsverhandlungen hat er gleichwohl die Themen Gesundheit und Pflege mitverhandelt.
Am Freitag wurde Linnemann von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als neuer Gesundheitsminister präsentiert. Er tritt die Nachfolge der künftigen Kanzleramtsministerin Nina Warken (ebenfalls CDU) an, die freilich bei ihrem Amtsantritt 2025 genauso wenig Ahnung von Gesundheitspolitik hatte. Mittlerweile, heißt es von Beobachter:innen, habe sie sich eingearbeitet. Das nützt nun auch nichts mehr.
Sehnsucht nach dem Adenauer-Haus
In seinem aktuellen Instagram-Post betonte Linnemann nebenbei, wie glücklich er doch als CDU-Generalsekretär war. „Jetzt melde ich mich nochmal aus dem Konrad-Adenauer-Haus, hier aus meinem, ja, super Büro“, sagte der Parteisoldat. „Der Kicker steht da noch, den werde ich vermissen, noch mehr natürlich die Kolleginnen und Kollegen im Haus, aber auch die ganze Aufgabe. Wer mich kennt, weiß, ich habe das hier einfach gerne gemacht, aber es kommt manchmal anders, als man denkt.“
Im Interview mit der Bild verwies er am Samstag darauf, dass sein bisheriges Hauptanliegen die Abschaffung des Bürgergelds gewesen sei. „Jetzt ist das Bürgergeld Geschichte.“ Deshalb könne er sich nun dem Gesundheitswesen zuwenden. Auch dort gebe es ja „einen erheblichen Reformdruck“. Das sei auch der Grund gewesen, „warum mich der Bundeskanzler gebeten hat, das Ressort zu übernehmen“.
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