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Anschlag auf den CSD Wenn es um Hass geht, sind sich Rechtsextreme und Islamisten einig

Dana Müller

Kommentar von

Dana Müller

Diesmal kam der Angriff auf unsere offene Gesellschaft von einem Islamisten. Wir dürfen uns von diesem Hass nicht blenden lassen, egal woher er kommt.

D er furchtbare Anschlag aus dem Berliner Tiergarten auf den lauten, bunten CSD ist nicht der eines Einzeltäters. Auch hat die islamistische Ideologie kein Monopol auf den Hass gegen die offene, die bunte und diverse Gesellschaft. Die Tat reiht sich ein in eine verstörende, bittere Reihe.

Ob es der Anschlag im Januar 2015 auf Charlie Hebdo war oder die Pariser Terroranschläge im November desselben Jahres. 2019 folgte der antisemitische Anschlag von Halle, dann die rassistischen Morde von Hanau (2020) mit neun Toten, der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024. Und vor zwei Wochen jährte sich der Autoanschlag von Nizza zum zehnten Mal. Was all diese schrecklichen Verbrechen gemeinsam haben, ist der Hass auf Andersdenkende oder Andersaussehende, und nicht die Herkunft der männlichen Täter.

Nun verkündet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben.“ Ja, das ist sie. Diesmal kam sie von einem Islamisten, genauso gut hätten es Extremisten aus dem gegensätzlichen Lager sein können. Denn wenn es um Hass geht, sind sich gewaltbereite Rechtsextreme und Islamisten einig.

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Immer mehr, auch kleinere Prides haben Angst vor Gegenwind, vor Störung und Gewalt. Sie haben Grund für diese Angst. Im vergangenen Jahr griff zum Beispiel im brandenburgischen Bad Freienwalde eine Gruppe Rechtsextreme mit Schlagstöcken das friedliche Demokratiefest an. Auch in Berlin hatten sich diesmal 100 deutsche Patrioten unter dem Motto: „Nein zum CSD“ mit einer Gegendemo angemeldet.

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht (2025) kommt zu dem Schluss: „Die rechtsextremistische Agitation gegen die LSBTIQ-Community hat weiterhin einen bedeutenden Stellenwert für die Szene.“ Die Gesamtzahl rechter Straf- und Gewalttaten lag letztes Jahr bei 36.951 Taten. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass dem Bereich „religiöser Ideologie“ und „ausländische Ideologie“ insgesamt 8.869 Straftaten zuordnen sind.

Wir müssen uns jetzt fragen: Was treibt junge Menschen zu diesem Hass? Denn nun werden sich Rechte und Konservative zusammenrotten und auf einmal auf unserer Seite stehen, wo sie vorher ein „Zirkuszelt“ sahen. Wir dürfen uns von diesem Hass nicht blenden lassen und müssen jetzt Haltung bewahren.

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Dana Müller

Dana Müller

Journalistin und Politikwissenschaftlerin. In Sachsen-Anhalt aufgewachsen, arbeitete sie lange in Berlin für das bundesweite Magazin L-MAG, zunächst als Redakteurin und schließlich als Chefredakteurin. Neben queeren und feministischen Themen, liegen ihr vor allem Texte zu Ostpolitik oder Rechtsruck am Herzen. 2026 veröffentlichte sie gemeinsam mit Steff Urgast das Buch „Feministisch im Job? Wir arbeiten dran“ (Querverlag).
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20 Kommentare

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  • Queerfeindlicher weltanschaulicher Extremismus, ob religiös oder politisch eingefärbt, ist für mich als schwuler Mann seit Jahren sicht-und spürbar und ich bin (wieder) dazu übergegangen, mich vorsichtig zu verhalten und genau auszuwählen, mit wem ich mich über meine "Lebensweise" unterhalte etc. "Durchgeknallte" islamistische, christliche, rechts-oder auch linksextreme Personen sind en masse unterwegs und zeigen nicht immer offen, was in ihrem Hirn so vor sich geht. Zudem nehme ich eine autoritäre Zeitstimmung wahr, die viele Menschen erfasst hat. Das ist Menschen wie mir noch nie gut bekommen, die für ein halbwegs glückliches Leben auf Toleranz angewiesen sind.

  • Wer nach einem islamistischen Terroranschlag mehr Sicherheit, konsequentere Abschiebungen von Gefährdern oder eine ehrlichere Debatte über islamistischen Extremismus fordert, instrumentalisiert nichts. Er zieht die naheliegende Konsequenz aus einer Entwicklung, die viele Bürger seit Jahren mit Sorge beobachten. Genau diese Sorgen wurden jedoch viel zu oft als „rechts“, „populistisch“ oder „islamfeindlich“ abgetan.

    Der Artikel konstruiert eine bequeme Gleichsetzung: Hauptsache, am Ende sind wieder „alle Extreme gleich schlimm“. Das mag moralisch angenehm klingen, hilft aber niemandem, wenn die konkrete Bedrohung in diesem Fall von einem Islamisten ausging. Probleme verschwinden nicht dadurch, dass man sie in allgemeine Floskeln über „Hass“ verpackt.

    Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger Energie darauf zu verwenden, Debatten zu delegitimieren, und mehr darauf, zu erklären, warum Deutschland trotz immer neuer Anschläge offenbar nicht in der Lage ist, bekannte Gefährder wirksam zu stoppen. Genau diese Diskrepanz sorgt dafür, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in Politik und Medien verlieren – und genau daraus speisen sich die Wahlerfolge der politischen Ränder.

  • taz: *Wenn es um Hass geht, sind sich Rechtsextreme und Islamisten einig*

    Die haben sicherlich eine große Schnittmenge.

  • An den Spruch des Trauertouristen Merz vom „Zirkuszelt“ musste ich auch denken. Angemessen wäre es, wenn der Bundestag spätestens jetzt aus Solidarität die Regenbogenflagge gehisst hätte.

    • @Thomas Raukamp:

      Zur Hissung der Regenbogenflagge gehört Charakter, Mut, Empathie und Einsicht. Davon kann man bei Merz, Klöckner oder Dobrindt nichts, gar nichts erkennen.

    • @Thomas Raukamp:

      "Angemessen wäre es, wenn der Bundestag spätestens jetzt aus Solidarität die Regenbogenflagge gehisst hätte."

      Angemessen ist Trauebeflaggung für den Bundestag und genau das ist auch passiert.

  • Nicht nur Rechtsextreme und Islamisten. Bitte vergesst nicht die extremen Christen, bei uns und in den USA ständig einflussreicher werden.



    Doku dazu bei mediathekviewweb.de, dann suchen nach "Fromm und Radikal - Verfassungsfeinde im Namen Gottes".

    Das lief übrigens im Fernsehen am letzten Sonntag früh um 6 Uhr. Als wollte man nicht dass sich das jemand anschaut...

  • Danke für diesen Artikel!

    "Was treibt junge Menschen zu diesem Hass?" – das ist die Frage, die sich unsere Gesellschaft wirklich ernsthaft stellen muss. Und da geht es gar nicht spezifisch um Hass gegen queere Menschen, Frauen, Migranten, Nicht-Muslime oder Muslime usw.. Aber eben auch persönlicher Hass, der sich dann in Amokläufen oder "Familiendramen" äußert.

    Diese extreme Gewaltneigung selbst, der sicherlich auch zum großen Teil, aber nicht nur, junge Männer verfallen, muss glaub ich dringend viel mehr aus psychologischer Sicht erforscht werden und eben auch durch psychosoziale Betreuungsangebote besser verhindert werden.

    Durch mehr Polizei, mehr Überwachung, mehr Misstrauen gegenüber Migranten, werden wir das Problem nicht lösen.

  • Man sollte Menschen, die mit dem Täter eine Herkunft teilen, unter keinen Umständen mit dem Täter über einen Kamm scheren. Das ist Sippenhaft und einer freiheitlich-individuellen Gesellschaft unwürdig. Da stimme ich der Autorin zu.

    Warum sie es aber schafft, gleich im nächsten Satz ominös auf das Geschlecht des Täters hinzuweisen, erschließt sich mir nicht. Beziehungsweise, leider tut es das sehr wohl: Für die taz existiert Sexismus gegen Männer schlicht nicht.

  • Ich würde das stärker differenzieren.

    Wenn eine Organisation, die jetzt für viele LGBTQI*-Personen gerade in der Vergangenheit nicht unbedingt positiv in Erscheinung getreten ist (wie die katholische Kirche) jetzt Trauer bekundet und Fürbitten für die Opfer durchführt, sollte man das annehmen. Gleiches gilt für Teile der CDU - auch jene Teile, die vielleicht nicht vorher mit der Regenbogenfahne herumgerannt sind, aber jetzt ehrlich entsetzt sind. Wenn man nicht will, das sich Rechte und Konservative "zusammenrotten", dann sollte man auch nicht alle Konservativen verprellen, die jetzt aktiv auf einen zugehen.

    Wenn natürlich die AfD oder andere Rechtsradikalen, die den CSD verbieten würden, wenn sie es denn könnten, das Gleiche tun bin ich ganz bei der Autorin - bei so was ist Distanz das einzige Mittel.

  • Schön, dass es noch jemand außer mir so sieht. Denn meiner Meinung nach ist die Unterscheidung zwischen rechtem und islamistischen Terror etwas für Detailverliebte. Islamistisch, also religiös fundamentalistisch, wie ich es schonmal verallgemeinern würde, und rechtsextrem liegen mehr als dicht beeinander. In den USA sieht man es sehr leicht: die Evangelikalen sind natürlich rechts auf der Seite von MAGA und Schlimmerem.

    Was sie eint, ist eine lange Liste:



    - Homophobie



    - Frauenfeindlichkeit



    - Autoritäre Machtstrukturen



    - Spalten statt Vereinen



    - Xenophobie



    - etc.

    Da findet man sie alle beisammen. Die rechtsextreme israelische Regierung, die Islamisten, MAGA, AfD, cdU/csU in Teilen ...

    Ein islamistischer Anschlag ist meiner Meinung nach klar in der Kategorie Rechtsextremismus.

  • Schuldzuweisungen sind offenbar einfach. Es gibt leider rechte, linke und religiös beeinflusste Idioten, die gewaltbereit sind. Da muss der Staat mit aller Macht tätig werden und nicht halbherzig mit dem Finger drohen. Bei dem aktuellen Fall war die Gewaltbereitschaft offenbar absehbar und nichts geschah.

  • Wieso ist es ein Reflex vieler Linken, nach einem offensichtlichen islamistisch motivierten Anschlag sofort Rechtsextreme ins Spiel zu bringen? Man kann doch jetzt erstmal diese eine Ideologie kritisieren, den radikalen Islam verurteilen, ohne sofort die Brücke zu schlagen zum Rechtsruck und Nazis.

    Das macht man doch bei einem rechtsextremen Anschlag auch nicht, zu sagen: Das hätte jetzt genauso gut ein islamistischer Anschlag sein können.

    • @gyakusou:

      In der Pauschalität stimmt das so nicht. Nach rechtsextremist. Anschlägen wird von vielen, auch linken Beobachtern häufig auf die Kongruenz der Ideologien und Taktiken rechtsextremistischer & islamistischer Terroristen hingeweisen. Gerade wenn es um das Frauenbild, Queerphobie, Märtyrerkultdenken uva. geht.

      Der gedankliche Nexus zum dt. Rechtsextemismus liegt doch auf der Hand, wenn queeres Leben seit geraumer Zeit wieder bedroht wird durch rückständige menschenfeindliche Ideologien. Von ca. 250 CSD in D mussten 112 wg Drohungen aus dem faschistischen/AfD-/Heimat-/Freie Sachsen-Rechtsterrorvorfeld durch z.T. massiven Polizeischutz abgesichert werden. Angriffe auf queere Menschen geschehen in einem von Rechtsaußen, vorrangig von der AfD geschürten feindlichen Klima. Wenn harmlos, friedliche Regenbogenfahnen im öffentlichen Raum Leute aus diesem Milleu zu Hasstriaden triggern (wie gestern!), schwappt das in reale Gewalt über. Die AfD hat ein hohes Mas an Verantwortung für die Gewalt gegen die Community, der ich auch angehöre.

      Die perfideste Taktik von Jungnazi-Cliquen ist sich als Einzelperson mit Fakeaccounts auf Datingapps zu tarnen & bei Dates den Ankommenden zu verprügeln.

    • @gyakusou:

      Es ist kein Reflex, sondern ein plausibler Gedankengang. Die Demos gegen CSDs oder sonstiges queeres Leben in ganz Deutschland werden zum großen Teil von Rechtsradikalen organisiert und abgehalten. Der Hass geht zum großen Teilen von dort aus, auch Gewalt wird in großem Maß von Rechtsradikalen ausgeübt.



      Der jetzige terroristische Anschlag ist wohl die Tat eines Islamisten, dennoch sind Rechtsradikale gegen Schwule, Lesben usw. kaum weniger hasserfüllt als Islamisten, auch wenn die sie repräsentierende Partei absurderweise eine Lesbe als Vorsitzende hat. Deswegen werden Nazis zurecht "ins Spiel gebracht", beide extremistische Strömungen wollen die Freiheit beschädigen, Angst schüren, sind gewaltbereit, sind deswegen in vielem vergleichbar. Beiden ist die LGBTQ-Community ein Dorn im Auge.

  • Wer die Zahlen rechter Straftaten die zu 2/3 aus Propagandadelikten bestehen, so vergleicht wie in dem Artikel, biegt sich die Realität aber auch arg zurecht. Laut aktueller Statistik stehen etwa 400 gewaltbereiten Islamisten 15000 gewaltbereite Rechtsextremisten gegenüber. Die Gewalttätigkeit ist bei der Berücksichtigung der potentiellen Täterzahlen dann bei den Islamisten doch um ein Vielfaches höher? Der Unterschied der hier konstruiert werden soll, ist sowieso keiner. Islamisten sind die Nazis der heutigen Zeit und damit lupenreine Rechtsextremisten. Ich würde sowieso fast alle Anhänger monotheistischer Religionen heutzutage eher im rechten Lager verorten.

  • Ja, die Autorin hat recht: in Bezug auf ihren Hass auf andere und der Vorstellung von einheitlichen Gesellschaften nehmen sich Islamisten und Rechtsradikale sicher nicht viel. Und doch ist es augenfällig, dass diese Parallelen immer nach islamistischen Attentaten gezogen werden und nicht nach Rechten. Ja, Neonazis sind ein Problem aber Islamisten eben auch. Es wäre schön, wenn die Linke das in dieser Deutlichkeit auch dann sehen würde, wenn nicht grade ein islamistisches Attentat geschehen ist. Denn ähnlich wie bei den Rechten ist dieser Hass nicht auf einmal da, sondern reift in einem bestimmten Milieu heran. Auf dieses wird nur leider von linker Seite viel zu oft Rücksicht genommen bzw. es wird relativiert und entschuldigt. Man stelle sich den Aufschrei hier vor, wenn nach einem rechtsradikalen Attentat in einem Kommentar eine Parallele zu islamistischen Attentaten gezogen worden wäre. Whataboutism wäre noch der geringste Vorwurf, oder?

    • @Fran Zose:

      Warum immer diese Idee, "die Linken" würden es mit Islamismus nicht so genau nehmen? Weil manche Linke zumindest dialogbereit sind, zB weil Allianzen zwischen Linken, Islamisten und Nationalisten in einigen Ländern Nordafrikas und Westasiens relativ geläufig sind? ZB weil gerade junge Männer in Identitätskrisen ein Alternativangebot zu Islamismus, Faschismus und anderen Ideologien benötigen?

      Das Aufzeigen soziostruktureller Probleme, wie es bei links denkenden Menschen üblich scheint, ist überdies keine Entschuldigungsstrategie, sondern versucht Ursachen zu ergründen, statt an Symptomen zu doktern.

      Ihre Behauptung kann schnell in den Vorwurf umschlagen, "die Linken" wären zu lasch im Umgang mit Islamisten (manche fügen noch hinzu, die Rechten hätten somit leichtes Spiel).

      Ich halte das für eine völlig pauschale, undifferenzierte und unfundierte Behauptung, die links denkenden und handelnden Menschen nur schadet, weil es sie tendenziell als Steigbügelhalter der Islamisten diffamiert, und die grundsätzlichen Probleme verschweigt.

      Ich kann in solchen pauschalen Behauptungen nur schlechte Absichten erkennen, Dialogbereitschaft geht anders.

      Aber klären sie uns gerne auf!?

    • @Fran Zose:

      Dass Islamisten kein Problem sind, wer sagt das auf der Linken? Man sagt dort höchstens, der Islam sei kein Problem, was ja auch stimmt. Ansonsten müssten Sie dann halt auch einmal Ross und Reiter nennen, wenn Sie diese Behauptung aufstellen. Die saubere Unterscheidung fällt auch hier wieder vielen schwer (oder wird bewusst nicht gemacht).

  • Hätte, hätte, Fahrradkette ...



    Das war und ist ein Anschlag eines oder vielleicht mehrerer Islamisten. Was "hätte" sein können, steht nicht zur Debatte. Es hätte auch ein Flugzeug abstürzen können ...



    Ja, hätte ...