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Debatte nach WahlsiegWas dran ist an den Vorwürfen gegen die Linke Berlin

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin schlagen der Partei heftige Vorwürfe entgegen. Es geht um Antisemitismus und Kontakte mit Kriminellen.

Ferat Koçak ist erstmal abgetaucht. Er wolle sich Zeit nehmen, um Zweifel auszuräumen, schrieb der Bundestagesabgeordnete der Linken aus Berlin-Neukölln am Montag auf seinen Social Media Kanälen. Seitdem ist Funkstille. Außer in der Linken. Da herrscht Alarm.

Dabei sah am Sonntag um 18 Uhr alles so gut aus für die Linke. 25,7 Prozent hatte sie bei der Wahl in Berlin geholt, die Bilder der jubelnden Spitzenkandidatin Elif Eralp liefen über alle Kanäle.

Noch am Abend machten andere Bilder die Runde. Die von zwei Besuchern auf der Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands: Issa Remmo, Kopf einer Großfamilie, deren Mitglieder wegen diverser Verbrechen vor Gericht standen – Juwelenraub, Geldwäsche, Einbrüche; und Ibrahim Ibrahim, der die linke Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) bewirbt und den getöteten Hamas-Chef Jahia Sinwar einen „Märtyerhelden“ nannte, ihm seine "Hochachtung" zollte.

Der linke Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak posierte auf der Party mit Ibrahim, der ein Shirt mit der Aufschrift “See you in Palestine” trägt. Ebenso seine Neuköllner Genossin und frisch gewählte Abgeordnete Vanessa „Vedi“ Emde.

Söder will Berlin das Geld streichen

Es sind diese Bilder, die nun die erste von der Linken geführte Regierung in Berlin gefährden könnten. Besonders die mit Ibrahim stehen für ein größeres Problem. Sie alle sind ein gefundenes Fressen für eine rechte Kampagne von der AfD bis zum Springer-Verlag, die Berlin kurz vor dem Kalifat sehen. CSU-Chef Markus Söder will Berlin die Finanzhilfen streichen, sollte die Linke an die Regierung kommen. Ähnliche Maßnahmen hatte er für ein AfD-regiertes Sachsen-Anhalt noch “absurd” genannt.

Auf linker Seite halten einige die Aufregung für vorgeschoben. Sie glauben, es gehe darum, Rot-Grün-Rot zu verhindern und damit die Enteignung großer Immobilienfirmen.

Aber auch Linke-Mitglieder sagen, dass die Partei ein Antisemitismusproblem habe. Und sie fürchten, dass einige Radikale in der Partei eine Linke-Regierung sabotierten. „Mir reicht es langsam“, schrieb die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau öffentlich an Koçak. „Als MdB hast du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.“ Die Thüringer Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss forderte, Koçak müsse sein Mandat niederlegen, er vertrete keinen glaubwürdigen Antifaschismus - und lasse die Facharbeit schleifen.

Um die aktuellen Vorwürfe aufzudröseln, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und sich die Entwicklung der Berliner Linken anzusehen. Hat die Partei ein Antisemitismus-Problem?

Laut in Neukölln

Die Linke in Berlin ist in den vergangenen eineinhalb Jahren extrem gewachsen, allein die Zahl der Mitglieder des Neuköllner Bezirksverbands hat sich verdreifacht. Eingetreten sind vor allem junge Menschen, viele von ihnen hat der Gazakrieg politisiert. Im Herbst 2024 kam es bereits zum Clash auf einem Landesparteitag: Nach einer zunächst gescheiterten Resolution gegen Antisemitismus verließen führende Linke wie Klaus Lederer und Elke Breitenbach den Saal – und später die Partei. Das propalästinensische Lager in der Partei aber steckte danach nicht zurück. Am lautesten ist es im Neuköllner Linkenverband.

Zu der Bewegung gehören die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Palästinasolidarität oder die trotzkistische Gruppe Marx 21. Letztere erklärte 2023, das “zionistische” Israel müsse „im Zuge eines antiimperialistischen, revolutionären Aufstands in der gesamten Region zerstört werden”. Palästina sei für diese Leute das einzige politische Thema, erzählen Mitglieder aus dem Neuköllner Bezirksverband. Wie stark diese Fraktion tatsächlich ist, ist unklar. Hört man sich um unter Genoss*innen in Neukölln, sagen viele, dass die radikalen Palästinasolidarischen nicht die Mehrheit stellen in dem Bezirksverband mit seinen 3.000 Mitgliedern.

Aber sie bestimmten am Ende das öffentliche Bild. Und ihre Vertreter gehören zu jenen in der Partei, die eine Regierungsbeteiligung ohnehin kritisch sehen – und nicht unglücklich wären, wenn die Koalition mit SPD und Grünen nicht zustande käme.

Ich kann nicht mehr an Naivität glauben

Petra Pau, Ex-Bundestagsvizepräsi­dentin, an ihren Genossen Ferat Koçak

Der Neuköllner Bezirksverband vertritt seit Jahren radikale Positionen und liegt oft mit dem Rest des Landesverbands über Kreuz. Besonders seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023.

Nach den Morden an fast 1.200 Israelis und den rund 250 Geiselnahmen war die erste Stellungnahme der Linken Neukölln eine ihrer Bezirksfraktion, in der sie eine „massive Einschränkung der Versammlungsfreiheit“ propalästinensischer Proteste kritisierte. Drei Tage später äußerte sich dann auch der Linke-Bezirksverband. Und das durchaus ausgewogen. Man verurteile „die entsetzlichen Attacken der Hamas auf Israel“, zugleich verurteile man die „israelischen Bombardements“ auf Gaza und dessen Abriegelung. Ferat Koçak trug die Erklärung auf Instagram vor.

Fragwürdige Allianzen

Doch während die israelische Armee im Gazastreifen eskalierte und Kriegsverbrechen beging, wurde auch die Neuköllner Linke in ihrer Haltung einseitiger – und ging fragwürdige Allianzen ein. Ein Mann tauchte dabei immer wieder auf: Ibrahim Ibrahim, der Gast auf der Wahlparty.

Ibrahim ist seit Jahren auf Demonstrationen vorne mit dabei. Er hält Reden, verschickt Statements für das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“. Das sieht der Verfassungsschutz als Dachorganisation von Hamas-Anhängern und der PFLP in Berlin. Auch die PFLP war an den Massakern des 7. Oktober beteiligt. 1977 hatte die Gruppe die Lufthansa-Maschine „Landshut“ entführt. Sie wurde 2002 durch die EU als Terrororganisation eingestuft. In Berlin arbeitet sie laut Verfassungsschutz „eng zusammen“ mit Hamas-Anhängern, habe eine „Scharnierfunktion“ zu Islamisten. Auch die NGO Democ, die seit Jahren antiisraelische Proteste dokumentiert, spricht von einem "Milieu, das immer wieder durch die Verherrlichung von Gewalt und Terror auffällt".

Ibrahim postet auf Facebook das Bild eines mit Kufiya vermummten Mannes samt Maschinengewehr und PFLP-Logo: “All guns against the enemy, glory to the freedom fighters”. Auf einer Demo-Rede im April 2025 in Berlin pries er die "Märtyrer, die ihr Leben gegeben haben, damit diese Sache lebendig bleibt, bis die Al-Aqsa-Moschee befreit wird und ganz Palästina ‚vom Fluss bis zum Meer’ befreit ist".

Die Linke Neukölln aber hält Ibrahim und seinen Verband nicht auf Distanz, im Gegenteil. Im August 2025 veranstaltete sie mit dem Palästinensischen Nationalkomitee ein gemeinsames „Kiezevent“ für Palästina. „Ihr Widerstand ist unser Widerstand”, soll Ibrahim dort als Redner laut Tagesspiegel erklärt haben.

Gemeinsame Demonstrationen

Wenige Wochen zuvor demonstrierten Koçak und Ibrahim zusammen vor dem Rathaus Neukölln. Später wird das dort auch Ahmed Abed tun, der Linke-Bürgermeisterkandidat für Neukölln - der auch für Schlagzeilen sorgt, weil er den Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Neuköllns Bat Yam, ein Parteifreund Netanjahus, bei dessen Besuch im Rathaus als „Völkermörder“ bezeichnet.

Auch Mitglieder anderer Berliner Bezirksverbände treten mit Ibrahim auf Palästinademos auf und halten Redebeiträge. Zwei von ihnen ziehen nun ins Abgeordnetenhaus ein. Eine dritte ist Hannah Bruns, Wortführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, die für einen “bewaffneten Widerstand” Palästinas eintritt. Auf einer Demo postulierte sie, die Befreiung Palästinas ende dann, “wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt”. Und noch noch kurz vor der Wahl, Anfang September, bewarb Ibrahim eine Veranstaltung mit vier Neuköllner Linken-Politikern, organisiert vom Arabisch-Palästinensischen Rat für Demokratische Teilhabe.

Ibrahim hatte also viele Kontakte zur Neuköllner Linken – und trotzdem wollte Ferat Koçak ihn beim Selfie am Wahlabend nicht erkannt haben.

Koçak will sich gegenüber der taz nicht äußern, auch Ibrahim Ibrahim reagiert nicht auf eine Anfrage. Kurz nach der Wahl aber übermittelte Ibrahim der Linkspartei auf Facebook im Namen seines Verbands „unsere herzlichsten Glückwünsche“. „Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, die Linke zu unterstützen“, schreibt er. Auch in Hinblick auf “die palästinensische Frage”, habe man die palästinensische und arabische Gemeinschaft für die Linke mobilisiert. Im Sommer schon hatte Ibrahim bei Facebook eine Wahlempfehlung für Ahmed Abed gepostet, den Neuköllner Bürgermeisterkandidaten, und ihm die “volle Unterstützung der arabischen Arbeiterbewegung in Berlin” ausgesprochen. Gleiches tat er für die Linken-Kandidatin Martha Kleedörfer aus Mitte - die ebenfalls den Bat Yam-Bürgermeister einen "Faschisten" nannte.

Die Neuköllner Linke-Chefin Jorinde Schulz sagt der taz, es seien keine anderen Organisationen in den Wahlkampf eingebunden gewesen. Auf die Frage, wie sie die gemeinsamen Auftritte von Linken mit Ibrahim bewertet, antwortet sie, man verurteile Kriegsverbrechen, egal wer sie begehe. Aber: „Das Umsichgreifen von Kontaktschuldvorwürfen in der politischen Debatte sehen wir als Ausdruck eines autoritären Wandels.“ Eine Distanzierung klingt anders.

"Herzlich willkommen" trotz Parteiausschluss

Eine weitere Personalie sorgte in den letzten Jahren für Schlagzeilen rund um die Neuköllner Linke: Ramsis Kilani. In einem internen Chat soll der Aktivist nach dem 7. Oktober geschrieben haben: „Ich denke, es wird mehr als ‚einen Mord an Israelis‘ brauchen.“ Kilani wurde 2024 aus der Linkspartei ausgeschlossen, der Neuköllner Bezirksverband aber kritisierte seinen Ausschluss "scharf". Man beuge sich damit einer „rechten Hetzkampagne“ und der „Staatsräson“. Kritik an Kilanis Äußerungen findet sich in dem Statement nicht.

Im August 2026 dann, mitten im Wahlkampf, lud die Neuköllner Linken-Kandidatin Vanessa Emde zu einer Veranstaltung ein, auf der Kilani einen Workshop anbot. Der Morgenpost sagte Emde, Kilani sei “im Bezirksverband herzlich willkommen”.

Ebenfalls im Wahlkampf ließ die Neuköllner Linke den Rapper Dahabflex auf einer ihrer Veranstaltungen auftreten. Dort rappt er Zeilen wie „Death to the IDF“, also „Tod den Streitkräften Israels“. In anderen Liedern rappt er über „Intifada wie die PFLP“ – also über Terroranschläge.

Am Tag der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus teilt der Neuköllner Linken-Bezirkskandidat Basem Said den Aufruf eines Palästina-Aktivisten, der zu einer „Wahlintifada“ aufruft. Die Partei erhält am Ende 32 Prozent der Stimmen im Bezirk, verdoppelt ihre Fraktion. Basem Said und Vanessa Emde gewinnen ihre Mandate.

Der Landesvorstand unter Rechtfertigungsdruck

Den Landesvorstand um Elif Eralp bringen diese Positionen in Nöte. Immer wieder muss er sich dafür rechtfertigen. Nach dem Dahabflex-Auftritt zeigte sich Eralp “entsetzt”, beauftragte eine Ombudsstelle mit der Aufarbeitung. Gefragt zum Antisemitismus sagte Eralp, sie stehe für den Schutz jüdischen Lebens ein, wie für den Schutz jedes Lebens. Tatsächlich hat die Berliner Linkspartei Antisemitismus immer wieder verurteilt, im Wahlkamf einen Fünf-Punkte-Plan dagegen vorgelegt. Gegen die Wortführerin der LAG Palästinasolidarität, Hannah Bruns, läuft derzeit ein Parteiausschlussverfahren.

Democ-Geschäftsführer Linus Kebba Pook bleibt skeptisch. Einzelne Akteure der Berliner Linken seien „seit Jahren eng mit der Protestszene rund um Ibrahim Ibrahim verbunden“. Und da mehrere Neuabgeordnete von der Nähe zur Palästinasolidarität getragen würden, "erscheinen echte personelle oder politische Konsequenzen aktuell unwahrscheinlich“.

Und dann ist da noch die Verbindung von Ferat Koçak zur Familie Remmo – und damit, so zumindest die Vorwürfe, zum organisierten Verbrechen in der Hauptstadt.

Nach der Wahlparty hatte der Sohn von Issa Remmo einen Chat mit Koçak aus dem Februar veröffentlicht. Koçak schreibt darin, “ich kann vormittag vorbeikommen”. Dann bittet er, eine Rede von ihm mit Kritik am Vorgehen gegen “Clankriminalität” zu verbreiten, schickt “Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater”. Der Remmo-Sohn antwortet: “Gerne, Bruder”.

Jorinde Schulz von den Neuköllner Linken sagt, es gebe keinen Kontakt zwischen ihrem Bezirksverband und der Familie Remmo. Heikel bleibt aber trotzdem: Ferat Koçak, der im Innenausschuss des Bundestags sitzt, hatte mehrfach das politische und polizeiliche Vorgehen gegen „Clankriminalität“ kritisiert, dazu parlamentarische Anfragen gestellt. Am Dienstag kündigte Koçak an, sich vorerst zurückzuziehen.

Gefahr für die Sondierungen mit SPD und Grünen

Doch der politische Schaden ist angerichtet – und er gefährdet die Sondierungen mit den Berliner Grünen und der SPD. Die fordern von der Linkspartei ein Bekenntnis gegen Antisemitismus und eine Regierungsmehrheit, die nicht von der Neuköllner Linken abhängen dürfe.

Ein Linkenfunktionär beteuert gegenüber der taz, man werde im Koalitionsfall eine verlässliche Vereinbarung gegen Antisemitismus und organisierte Kriminalität treffen. Auch hätte Rot-rot-grün eine Mehrheit von 15 Stimmen im neuen Berliner Abgeordnetenhaus – da seien mögliche Abweichler verkraftbar.

Die Radikalen in der Linkspartei aber gehen unterdessen in die Offensive. In einem Video erklärten Sprecher der LAG Palästinasolidarität, man stehe "hinter den Genossen Ibrahim Ibrahim und Basem Said“ und werde sich nicht spalten lassen. Auch Hannah Bruns will sich gegen den Parteiausschluss wehren.

Und Vanessa Emde hatte schon vor der Wahl gesagt, für eine „Preisgabe palästinasolidarischer Positionen“ sei sie nicht zu haben. Sie sei „lieber richtig in der Opposition als falsch in der Regierung“.

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19 Kommentare

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  • Oma

    Nach dem jüngsten Auftritt von Reichinnek bei Maybritt Illner habe ich nicht mehr allzuviel Hoffnung, dass man bei der Linken mal feucht durchwischt. Sie sprach sehr viel, meistens gleichzeitig mit Dobrindt, und war durch ihre hellere Stimmlage auch gut zu verstehen, während Dobrindt mehr einen undeutlichen Basso Continuo abgab. 60% von Reichinneks Text waren Whataboutismen, 20% Abwiegelung und 20% der Versuch, das Thema zu wechseln. Das sieht nicht so aus, als würde man was unternehmen wollen. Tim Klüssendorf blieb auffällig vage und vermittelte mir den Eindruck, dass die SPD zugunsten von RotRotGrün auch lieber nicht so genau hinschaut. Wobei SPD und Grünen das mehr auf die Füße fallen kann als der Linken. Die nächsten Skandale werden mit Sicherheit kommen und nach Murphy‘s Law bestimmt vor einer Wahl. Die Linke spielt außerhalb von Berlin keine große Rolle. Der Berliner Schmuddel wird dann eher das Image von SPD und Grünen beschädigen.

  • Fran Zose

    Neben dem ausgezeichneten aktuellen Artikel von Dinah Riese wahrscheinlich der erste gute Artikel zur aktuellen Debatte um Antisemitismus in der Linken. Besonders positiv fällt auf, dass er die Tatsachen annimmt und nicht per se reaktiviert und als Kampagne darstellt. Alle unappetitlichen Vorfälle der letzten Zeit werden benannt und gleichzeitig wird deutlich, dass diese ihren Ursprung in einer ganz bestimmten Szene bzw. Kreisverband haben und nicht per se für die ganze Partei gelten. Daraus leitet sich der Auftrag an die Parteiführung ab intern aufzuräumen und sich von antisemitischen Aktivisten nicht nur zu distanzieren sondern diese kaltzustellen und sich notfalls von ihnen zu trennen.

  • CorinnaH24

    Hier wird auf nicht führende Parteimitglieder verwiesen und aus einer - zugegeben sehr scharfen - Israel-Kritik der Antisemitismus einer ganzen Partei konstruiert.



    Währenddessen dürfen CDU-Politiker in Heidenau - ausgerechnet im Einklang mit der AfD - die Erinnerung an ermordete Juden verbieten.



    In Heidenau geht es nicht um Israel, sondern ausschließlich um Juden und das genau ist Antisemitismus. Aber in der CDU nimmt man das bestenfalls gelangweilt hin und wendet sich wieder dem Antisemitismus-Märchen der Linken zu - und die deutsche Medienlandschaft macht freudig mit dabei.

    • A.W.

      @CorinnaH24:

      Sehr gut ! 👍

    • MBG

      @CorinnaH24:

      Interessante Gedankengänge:



      „Hier wird auf nicht führende Parteimitglieder verwiesen….der Antisemitismus einer ganzen Partei konstruiert.“

      Um dann in den in folgenden Sätzen den Bogen von nicht führenden CDU Politikern aus der Provinz auf die ganze Partei zu konstruieren.

      Um es klar zu stellen: Ich finde das Vorgehen der CDU in Heidenau absolut beschämend.



      Aber dieses permanente Relativieren von Vorgängen in einigen Teilen Der Linken, wenn vielleicht auch kleinen, aber immerhin einem Bundestagsabgeordneten, finde ich schon befremdlich.

  • LichtDerWahrheit

    Schwierig, insbesondere manovriert sich die Linke in eine prekäre Lage, wenn sie es nicht schafft, sich von den Extremisten klar und ohne Kompromisse zu trennen.

    Ansonsten muss sie sich den gleichen Vorwurf wie die AfD(zurecht) machen lassen, Extremismus in ihrer Partei zu dulden.

  • Andreas Flaig

    "Die Radikalen in der Linkspartei aber gehen unterdessen in die Offensive. In einem Video erklärten Sprecher der LAG Palästina Solidarität, man stehe "hinter den Genossen Ibrahim Ibrahim und Basem Said“ und werde sich nicht spalten lassen. Auch Hannah Bruns will sich gegen den Parteiausschluss wehren."

    Ein enormes Defizit in einem logischen Gesamtkonzept.

    Die Wähler haben in der Mehrheit die Linke gewählt, weil es ihnen Angst und Bange macht, dass die soziale Kettensäge ihr die letzten Chancen nimmt.



    Deswegen sollte es Priorität sein, dass diese sozialen Projekte ihre Umsetzung finden.



    Die Position gegen die perverse Politik des Netanau Regimes bleibt ungebrochen.

    Bitte nehmt Abstand mit eurer Bombenstimmung.



    Eine neue Partei gründen?



    Wäre hilfreich.

  • Ingo Bernable

    Es ist ein Jammer. Kaum sind die Wagenknechte gegangen und die Linke endlich auf dem Weg wählbar zu werden übernehmen die nächsten Radikalverirrten. Sie behaupten Palästinasolidarität zu wollen und hätten dafür etwa mit Verweis auf die humanitäre Lage, die Besatzung, den Siedlungsbau, ... eigentlich durchaus gute Argemente um für Unterstützung zu werben, ziehen es dann aber vor sich und ihr Anliegen mit Antisemitismus und Terrorsympathien ins verdiente politische und gesellschaftliche Abseits zu stellen.

    Und bei aller berechtigten Kritik an der politischen Instrumentalisierung dieses Ortsverbands auf Abwegen durch die politische Konkurrenz muss man der Linken insgesamt zwar nicht den Vorwurf des Antisemitismus, aber eben doch den mangelnder politischer Professionalität machen. So langsam sollte man in den Parteizentralen doch mal registriert haben, dass man vor einer möglichen Regierungsübernahme besser mal Doktorarbeiten und Social Media Accounts auf kritische Zitate durchsehen, Leute mit Aussicht auf Posten auf missverständliche Zuwendungen prüfen und eben auch Irrläufer und Narrensaum in den eigenen Reihen unter Kontrolle bringen sollte.

  • Claudio M.

    Es wäre doch gar nicht so kompliziert: Die auch bei einer lokalen Wahl ganz auf Gaza fokussierten und wohl überwiegend neu eingetretenen Aktivistinnen und Aktivisten hatten von Anfang an vor, die Linke in die Opposition zu zwingen, in der Hoffnung bei der nächsten Wahl in ein paar Jahren umso besser abzuschneiden. Um zu erahnen wie gut diese Thälmann-Strategie unter einer allfällig von der AfD geführten Bundesregierung funktionieren würde, bedarf es meiner Ansicht nach nicht allzu viel Fantasie. Es sollte für die Parteiführung der Linken möglich sein diese Elemente weitgehend zu ignorieren und im Zweifelsfall weiterziehen zu lassen. An der Aussenpolitik der Bundesregierung lässt sich auf Landesebene ohnehin nicht wirklich was ändern, das war und ist auch einem Mamdani bewusst.

    Im Gegenzug sollten sich Grüne und SPD nicht (erneut) von einer völlig freidrehenden Springerpresse beeinflussen lassen. Zur Erinnerung, diese hat gerade einen DEMOKRATIEPREIS an Peter Thiel verliehen und wer in Elif Eralp eine fanatische Antisemitin sieht, hat ganz andere Dinge auf der Agenda als den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland.

    So, und jetzt Koalitionsverhandlungen, bitte.

    • Auweiowei

      @Claudio M.:

      Mich würde nur mal interessieren, was es mit der "Thälmann-Strategie" der neu eingetretenen Gaza-Aktivist*innen auf sich hat. Danke im Voraus.

    • Katharina Reichenhall

      @Claudio M.:

      ich habe nicht den Eindruck, als würde die Frage, ob Frau Eralp eine "fanatische Antisemitin" ist maßgeblicher Bestandteil der Debatte sein, sondern eher die Frage, wie sie den Antisemitismus in ihren Reihen bekämpft. Ob ihre Äußerungen, in denen sie sich klar gegen Antisemitismus positioniert, der tieferen eigenen Überzeugung entstammen oder ob es dabei eher um pflichtschuldige Lippenbekenntnisse handelt, kann man jetzt noch nicht beurteilen, sondern hängt von ihren künftigen Handlungen ab.

  • Pico

    Man keilt wieder gegen Die Linke. Wundert mich nicht. Hätten die nicht die Möglichkeit die nächste Regierung in Berlin zu bilden, gäbe es kaum solche Keilerei. SPD und Grüne sollten bitte etwas genauer schauen, aus welcher Ecke hier gebellt wird.

    • Müller Christian

      @Pico :

      Wer bei anderen Parteien gerne und zurecht urteilt muss zwingend auch bei Selbstreflexion ganz vorne dabei sein und sich immer wieder selbst am stärksten hinterfragen. Dieses reflexartige "...aber die anderen", um notwendige Diskussionen abzuwürgen ist peinlich.

  • Dr. McSchreck

    Völlig unabhängig von Antisemitismus und organisierter Kriminalität, wer sich weigert, Morddrohungen gegen die Betreiber eines Restaurants zu verurteilen, steht meilenweit außerhalb der Verfassung und dessen, wie man in Deutschland politische Diskussionen führt.

    Das zeigt sich dann bei verschiedenen Themen, ob Hass gegen Bevölkerungsgruppen oder die Haltung zur Polizei bzw. Verbrechen….aber nicht nur da. Es ist einfach eine Denkweise außerhalb des demokratischen Diskurses, die Gewalt für die eigenen (revolutionären) Ziele für legitim hält.

  • Philippo1000

    Vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel!



    Es freut mich, dass die taz hier sehr akribisch die Fakten zusammengetragen hat.



    Deutlich werden die Schwachstellen und sicherlich auch der Fehler, das Problem nicht frühzeitig zu lösen.



    Ich hoffe allerdings immer noch auf eine linke Mehrheit und fand den Vorschlag des ehemaligen Regierenden Müller, zu Beginn einer Koalitionsvereinbarung Fragen zu Antisemitismus klar zu stellen, gut .



    Es ist sinnvoll, Probleme zu erkennen und zu benennen, um sie lösen zu können.



    Bisher wurden die Fakten unter den Tisch gekehrt und nur von „rechter Kampagne“ gesprochen.



    Das war offenbar nur die halbe Wahrheit.



    Es wäre konstruktiv, das Problem offensiv anzugehen und zum Diskussionspunkt bei den Sondierungen zu machen.



    So machen das Demokrat*Innen und ich schätze die Mehrheit der die Linke so ein.



    Elif Eralp muss jetzt schnell und schlau sein, sonst schadet die Affäre dem Ansehen der Linken allgemein und würde den Erfolg in einen Mißerfolg verwandeln.

  • Rabenbote

    Und Vanessa Emde hatte schon vor der Wahl gesagt, für eine „Preisgabe palästinasolidarischer Positionen“ sei sie nicht zu haben. Sie sei „lieber richtig in der Opposition als falsch in der Regierung“

    Der Satz kommt einen doch bekannt vor, achja ...



    "Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren."

    Fr Emde hätte den Lindner auch direkt zitieren können oder dachte sie fällt nicht auf wenn sie den Spruch etwas abändert ?

  • Luisa mit a

    Sehr spannender Artikel, vielen Dank dafür. Toll und dicht geschrieben und sehr eindrucksvoll.

    Mir schwant, dass sich so oder so ähnlich – mit spezifischen Ausformungen an ihren jeweiligen Rändern – alle Parteien verstehen lassen.

    Die Linke liegt nun im Fokus mächtiger Strömungen. Rechte, reaktionäre und wirtschaftliche Kräfte sowie schlicht Kräfte des etablierten Rechtsstaates mit seinen Beamt:innen wenden sich ihr nun kraftvoll zu.

    Die jeweiligen narrativen Rahmen weisen stimmungsvoll in Richtung Dystopie. Wir brauchen positive Erzählungen und ein globaleres Verständnis von den Notwendigkeiten des Gemeinschaftlichen. Wir sind zu sehr darum bemüht, Antworten auf Neuerungen zu finden, anstatt uns zu fragen, wie wir leben wollen, und dann gemeinschaftlich darauf hinzuwirken.

  • rero

    Gut, dass die Taz endlich ml zu dem Thema einen infomativen und sachlichen Artikel bringt.

    Diese ganzen Alles-eine-böse-Kampagne-Artikel wurden langweilig.

  • shitstormcowboy

    Vieles ist denkbar, vieles ist möglich. Das ist heute so. Parteien können unterwandert werden, dubiose Drahtzieher bringen problematische Leute dazu da und dort zu erscheinen und ein Fotograph macht Bilder für die Beweisführung. Das alles ist schwierig aufzuklären, aber worauf es ankommt ist, wozu sich die Partei insgesamt bekennt, welche politischen Aussagen sie in ihrer Gesamtheit trifft und welche Pläne sie öffentlich macht für die Zukunftsgestaltung. Und natürlich müssen die gleichen Maßstäbe an sie gelegt werden wie an die AFD. Aber das gilt auch für CDU/CSU und alle anderen Parteien. Insofern, lasst sie doch mal machen. Das Wohnungsproblem den Marktradikalen zu überlassen, führt direktemang in den Abgrund, denn diese Kräfte sind an der Misere alleine schuld.