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Muslimischer Antisemitismus Ein Feindbild mit vielschichtigen Wurzeln

Essay von

Omar Kamil

Judenhass ist weder ein Wesensmerkmal des Islams noch nur aus Europa importiert. Gegenmittel wäre, die jüdisch-muslimischen Beziehungen neu zu denken.

E s ist Ramadan in Ägypten: Nach dem Fastenbrechen versammeln sich Familien vor dem Fernseher. Die eigens für diesen Monat produzierten Serien prägen Gespräche, Erinnerungen und politische Vorstellungen. Zwei von ihnen zeigen, wie gegensätzlich Juden im selben kulturellen Raum dargestellt werden.

In „Reiter ohne Pferd“ aus dem Jahr 2002 erscheinen Juden als Angehörige einer finsteren Weltverschwörung. Grundlage des Drehbuchs sind die „Protokolle der Weisen von Zion“, jene im zaristischen Russland fabrizierte Fälschung über den angeblichen jüdischen Plan zur Weltherrschaft. Mit Ausstrahlung der Serie begegnen so Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer alten europäischen Feindbildern, angepasst und eingebettet in einen vertrauten arabischen Kontext.

Ganz anders „Das jüdische Viertel“ von 2015. Die Serie führt in die Stadt Kairo der 1940er Jahre, als Muslime und Juden Tür an Tür lebten. Juden erscheinen als Nachbarn, nicht als Fremde – als Teil einer verlorenen ägyptischen Welt. Bedroht wird das Zusammenleben durch Islamisten, die Hass säen. Beide Serien gehören zur arabischen Populärkultur. Die eine dämonisiert, die andere erinnert. Der muslimische Antisemitismus ist weder unveränderlicher Bestandteil des Islams, noch kann er lediglich als europäischen Import behandelt werden.

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Über Jahrhunderte lebten jüdische Gemeinschaften in islamisch geprägten Gesellschaften als Dhimmis, zu Deutsch: Schutzbefohlene, die frei ihre religiösen Riten praktizieren durften, zugleich indes rechtlich untergeordnet waren. Es war weder Gleichberechtigung noch ein dauerhaftes Idyll. Und doch: Die muslimisch geprägten Gesellschaften boten Juden in der Regel stabile Lebensräume, während jüdisches Leben im christlichen Europa immer wieder von Vertreibungen, Ritualmordanklagen und Pogromen bedroht war – bis hin zur Schoah. In Bagdad, Kairo oder Córdoba wirkten jüdische Ärzte, Händler und Philosophen.

Israel als Katalysator

Diese Vergangenheit war weder ein goldenes Zeitalter noch die Vorgeschichte ewiger Feindschaft. Gerade ihre Widersprüchlichkeit widerlegt die Vorstellung, muslimische Gesellschaften wären zwangsläufig antisemitisch. Ein Schlüsselmoment für den aufkommenden Antisemitismus in der arabischen Welt war die Damaskusaffäre von 1840. Nach dem Verschwinden eines Kapuzinermönchs beschuldigten christliche Geistliche und der französische Konsul Juden des Ritualmords.

Die Legende stammte aus dem europäischen Mittelalter und war der islamischen Mehrheitsgesellschaft weitgehend fremd. Hier jedoch nur vom Import antijüdischer Verdächtigungen auszugehen, greift zu kurz. Ideologien werden nicht einfach übernommen. Sie werden übersetzt, an lokale Konflikte angepasst und von einheimischen Akteuren weiterentwickelt. Koloniale Machtpolitik, europäischer Antisemitismus, gesellschaftliche Krisen und nicht zuletzt der Konflikt um Palästina veränderten die Wahrnehmung von Juden im Nahen Osten grundlegend.

Omar Kamil

ist Historiker an der Martin-Luther-­Universität in Halle und Buchautor: „Muslimischer Antisemitismus. Woher er kommt, wie er wirkt und was wir tun können“.

Nach der Gründung Israels und der arabischen Niederlage im Krieg von 1948 gewann dieser Prozess eine neue Dynamik. Flucht und Vertreibung der Palästinenser, der Verlust Palästinas und die politische Ohnmacht arabischer Regime nährten das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen. Die „Protokolle der Weisen von Zion“ lieferten eine verführerische Antwort: Eine angeblich allmächtige jüdische Verschwörung sei für die Katastrophe verantwortlich. In arabischer Übersetzung gewannen die „Protokolle“ eine neue politische Wirkmacht.

Unter Gamal Abdel Nasser wurden sie politisch aufgewertet und von der staatlichen Propaganda aufgegriffen. Schulbücher und Radiosendungen ließen die Grenzen zwischen Juden, Zionisten, Israel und Imperialismus zunehmend verschwimmen. Auf diese Weise wurden europäische antisemitische Feindbilder in arabisch-nationalistische Deutungsmuster übersetzt.

Nicht alle Juden sind Israelis

Nach 1967 verstärkte sich die religiöse Aufladung des arabisch-israelischen Konflikts. Auseinandersetzungen des Propheten Mohammed mit jüdischen Stämmen im Medina der islamischen Frühzeit wurden zunehmend aus ihrem historischen Zusammenhang gelöst und als zeitlose Aussagen über „die Juden“ gedeutet. Europäische Verschwörungsmythen verbanden sich mit Erfahrungen kolonialer Herrschaft und Gewalt, arabisch-nationalistischen Narrativen, islamistischen Deutungen und dem fortdauernden Nahostkonflikt.

In diesem Geflecht gingen antijüdische Ressentiments und gegen Israel gerichtete Feindbilder zunehmend ineinander über. Dieses Zusammenwirken erklärt, warum sich antisemitische Deutungsmuster in Teilen muslimisch geprägter Gesellschaften so hartnäckig halten konnten.

Nach dem 7. Oktober 2023 wurde sichtbar, wie wirkmächtig solche Deutungen auch in Europa sind. Während Israel um Ermordete und Verschleppte trauerte, feierten Menschen in Berlin den Angriff der Hamas als Sieg des „Widerstands“. Auf Demonstrationen und in sozialen Medien wurden Juden kollektiv für die Bombardierung Gazas und den Tod vieler Palästinenser verantwortlich gemacht. Der 7. Oktober hat dieses antisemitische Gedankengut nicht geschaffen, sondern aktiviert.

In der deutschen Öffentlichkeit gibt es keinen dritten Raum, in dem das Massaker der Hamas und das palästinensische Leid gleichermaßen zur Sprache kommen können, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Eine Haltung, die Antisemitismus unmissverständlich zurückweist und zugleich palästinensisches Leid wahrnimmt, ist nicht zu finden. Stattdessen gerät die Diskussion allzu oft in einen Gegensatz, der keiner sein müsste: Wer muslimischen Antisemitismus benennt, steht rasch unter dem Verdacht, Muslime pauschal zu verurteilen.

Verbote verändern keine Ansichten

Und wer über antimuslimischen Rassismus spricht, wird beschuldigt, Judenfeindschaft zu relativieren. Doch beides gehört zusammen: Antisemitische Einstellungen in Teilen muslimischer Milieus müssen klar benannt werden, ohne Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Die Rede vom „importierten Antisemitismus“ entlastet Deutschland von seiner eigenen Geschichte und verdeckt die vielfältigen Verschränkungen, aus denen gegenwärtige Feindbilder entstehen.

Es gibt in Deutschland keinen dritten Raum, in dem das Massaker der Hamas und das palästinen­sische Leid gleicher­maßen zur Sprache kommen können

Der Nahostkonflikt ist dabei kein bloßer Hintergrund. Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik, die Benachteiligung palästinensischer Bürgerinnen und Bürger Israels und die massive Zerstörung im Gazastreifen belasten auch das jüdisch-muslimische Zusammenleben in Deutschland. All das muss kritisiert werden können. Doch nichts davon rechtfertigt es, Juden in Berlin, Paris oder London zu Stellvertretern israelischer Regierungen zu machen. Der politische Kontext hilft zu verstehen, warum antisemitische Deutungen mobilisiert werden; Entschuldigen kann er sie nicht.

Auch Prävention bleibt häufig in der Logik der Verengung gefangen. Von jungen Muslimen wird ein Bekenntnis zu Israel erwartet, bevor überhaupt ein Gespräch beginnt. Verbote können Juden schützen und Hetze begrenzen. Einsicht schaffen sie nicht. Wer Jugendliche nur als Verdächtige anspricht, erzeugt eher Abwehr als Verantwortung. Historisches Wissen eröffnet einen anderen Zugang. Dass der jüdische Philosoph und Gelehrte Maimonides im mittelalterlichen Kairo lebte und bedeutende Werke auf Arabisch verfasste, ist mehr als eine historische Fußnote.

Es verweist auf eine Welt kultureller Übersetzungen und jüdisch-muslimischer Nachbarschaften. Damit macht er sichtbar, dass jüdische Geschichte immer auch Teil der Geschichte muslimisch geprägter Gesellschaften war. Antisemitischen Lesarten lässt sich nicht nur von außen widersprechen. Die sprachlichen, theologischen und ethischen Traditionen des Islams bieten, ebenso wie die gemeinsame Geschichte, Mittel, sie zurückzuweisen.

Neue Formen der Debatte

Judenfeindschaft erscheint dann nicht als notwendige Folge eines muslimischen Selbstverständnisses, sondern als Verengung seiner Geschichte und seiner Deutungsmöglichkeiten. Ein solcher erweiterter historischer Zugang muss in Schulen und Universitäten, in islamischer Theologie, in Moscheegemeinden und in Gedenkstätten einen Platz finden.

Jüdisch-muslimische Beziehungen verdienen es, als eigenständiges historisches und gesellschaftliches Wissensfeld verstanden zu werden. Dafür braucht es dauerhafte Orte, an denen Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zusammenfinden – nicht als Kulisse symbolischer Versöhnung, sondern als Räume für neue Fragen und unerwartete Perspektiven. Darüber hinaus gewinnt die deutsche Erinnerungskultur an Weite, wenn Menschen mit arabischen oder muslimisch geprägten Familiengeschichten in ihr nicht bloß als nachträglich Hinzugekommene erscheinen.

Die Singularität der Schoah wird nicht relativiert, wenn auch Kolonialismus, Migration und Nakba ihren Platz im öffentlichen Gedächtnis finden. Es geht weder um Gleichsetzung noch um Opferkonkurrenz, sondern darum, unterschiedliche historische Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Erinnerung ist keine Einbahnstraße: Wo verschiedene Familiengeschichten im öffentlichen Gedächtnis sichtbar werden, kann Verantwortung für die gemeinsame Gegenwart wachsen. Dabei reicht es nicht, immer wieder zum jüdisch-muslimischen Dialog aufzurufen.

Juden und Muslime sollten in der deutschen Debatte nicht nur als Betroffene, Konfliktparteien oder Adressaten von Versöhnungsappellen erscheinen, sondern als aktive Mitgestalter. Mit Vikuach (Hebräisch: Streit) und Munazara (Arabisch: Debatte), jüdischen und islamischen Traditionen des Streitgesprächs, können sie eigene Formen des Denkens und Diskutierens einbringen. Damit erweitern sie die deutsche Debattenkultur um eine beinahe vergessene Möglichkeit: im Widerspruch miteinander zu bleiben, ohne den anderen zum Feind zu erklären.

Muslimischer Antisemitismus ist nicht vom Himmel gefallen. Er hat sich historisch herausgebildet, wurde von Menschen verbreitet, von Staaten instrumentalisiert und von religiösen Autoritäten legitimiert. Eben deshalb ist er veränderbar. Ihm entgegenzutreten, verlangt historisches Wissen, Klarheit gegenüber antisemitischen Feindbildern – und den Mut, jüdisch-muslimische Beziehungen aus der Logik gegenwärtiger Lagerkämpfe zu lösen.

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122 Kommentare

  • Gideon ,

    Vielen Dank für eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen. Die Moderation

  • Jutta57

    Kluge, nötige und nachdenklich stimmende Zeilen. Danke dafür.

  • Kai Ayadi

    Irgendwie fehlt mir in diesem vieldimensionalem Statement dann doch die Flucht und Vertreibung des größten Teils der arabischen Juden auch schon vor der Staatsgründung Israels. Auslöser dafür war z.B. das Massaker an irakischen Juden 1941, der Farhud. Hier spielte auch nationalsozialistische Propaganda über Radio und die deutsche Botschaft eine Rolle.

    • Machiavelli

      @Kai Ayadi:

      Progrome Gegen Juden gab es vorher schon seit Jahrhunderten in der arabischen Welt. Man sollte lokale Akteure hier nicht aus der Verantwortung entlassen mit Hinweisen auf Propaganda.

    • Janix

      @Kai Ayadi:

      Um die Formulierung eindeutiger zu machen: Diese Vertreibung fand vor allem _nach 1948, nach der Gründung Israels statt. Im Resultat kein Unterschied. Aus arabisch und/oder muslimisch geprägten Ländern kam knapp eine Million Juden m/w/d ins aschkenasisch dominierte Israel, als Bürger zweiter Klasse, was es noch verschlimmerte.



      Der vielleicht 200 Farhud-Opfer gedenkt die UNO Anfang Juni jährlich.

      • zartbitter

        @Janix:

        Das Farhud Massaker/Progrom durch irakische Militärs war kein isoliertes Ereignis. Ähnliche Massaker, mit tödlichen antisemitischen Gewaltausbrüchen fanden im .August 1929 in Palästina mit gewalttätigen Ausschreitungen statt bei denen einheimische arabische Angreifer in Hebron jüdische Einwohner töteten. Dies führte zur Zerschlagung und Evakuierung der jahrtausendealten jüdischen Gemeinde vor Ort. Weitere Ausschreitungen und Plünderungen gab es beispielsweise 1945 in Tripolis (Libyen), 1945 in Kairo (Ägypten) oder 1947 in Aleppo (Syrien) und Aden (Jemen).



        =



        Diese Ereignisse erschütterten das Vertrauen der arabischen Juden in ihre Heimatländer tiefgreifend. Diese legten den Grundstein für die darauffolgende Massenauswanderung und Vertreibung von fast einer Million Juden aus der arabischen Welt in den Jahren nach 1948. Die Staatsgründung war ein Katalysator für Flucht - Vertreibung von Juden aus dem Nahen Osten - aber nicht die Ursache.



        =



        Ansonsten - im Gegensatz zu ihrer Darstelling bildeten die aschkenasischen (europäischen) Juden in den Gründungsjahrzehnten Israels die politische, wirtschaftliche und kulturelle Elite des Landes.

  • Janix

    Ruhige bedachte Darstellung. Antisemitismus zu bekämpfen ist kein Luxus, sondern Pflicht eines jeden. Bei Antirassismus generell auch.



    Hetz-Darstellungen generell nicht zu machen, nicht zu senden ist wichtig. Ja, und das gilt auch für große Teile etwa der israelischen politischen Klasse gerade, leider.



    Litauen wie das Osmanische Reich schafften lange Zeit zumindest eine gewisse Toleranz gegenüber ihren jüdischen Bürgers, als woanders die Pogromstiefel knallten und Holzscheite knisterten.



    Doch mehr als das: Gleichberechtigung aller muss das Ziel sein, ob jemand Lisa, Jochanaan, Mahmoud oder Shakuntala heißt. Nicht dominieren und kujonieren.

    Generell noch: Den deutschen Antisemitismus von 1933-45 wird (zum Glück) niemand mehr einholen, lenken wir also nie ab! Kämpfen wir gleichwohl gegen die Reste, bei wem auch immer! Ohne Dritte zu diskriminieren, um uns irgendwie besser zu fühlen

  • FtznFrtz

    Der Artikel spricht etwas sehr Richtiges an, es fehlt an einer Debatte, im Moment fehlt es hieran leider völlig. Das Problem ist, dass es an Empathie für die Gegenseite fehlt, auf beiden Seiten. Das Grauen des 7. Oktober hier, der völkerrechtlich kaum zu rechtfertigenden Krieg gegen die Palästinenser dort. Auf beiden Seiten wird der Hass geschürt, das selbst erlittene Unrecht zum Anlass für eigene neue Gewalt genommen.



    Natürlich gibt es Judenhass unter den Muslimen, er hat sicher andere Quellen als der Judenhass in Europa. Er ist am Ende aber ebenso negativ und schädlich. Auf der anderen Seite gibt es Hass auf die Moslems, der die andere Seite der gleichen Medaille ist.



    Den anderen als Mensch sehen, ihn verstehen wollen, nur dann kann sich etwas ändern. Leider gibt es derzeit keine Anzeichen, dass sich die Dinge in diese Richtung ändern.

  • Flugbesen

    Ist halt schwierig aus westlicher Sicht ständig auf andere zu zeigen während man selbst reihenweise Länder zerstört hat, Mord und Totschlag zelebriert aber den eigenen Taten kein Label gibt sondern es sich immer wieder schön redet. Kehren wir doch vor unserer Tür. Welcher Rassismus führte zu Millionen Toten im Irak, Afghanistan oder Paĺästina usw.. Wie shizophren kann man eigentlich sein ?

    • rero

      @Flugbesen:

      Wovon Omar Kamil spricht, IST unsere Tür.

      Er spricht von der „deutschen Debatte“, nicht von Antisemitismus und dessen Bekämpfung in Afghanistan.

  • Karla Columna

    Ich glaube, es wäre ein guter Anfang, über muslimischen Antisemitismus zu sprechen, ohne sofort wieder den "antimuslimischen Rassismus" zu beklagen. Schade, dass dieser Essay dies nicht schafft. Vielleicht ist es tatsächlich ein guter Anfang, überhaupt erst mal anzuerkennen, dass muslimischer Antisemitismus existiert, und zwar religiös wie politisch bedingt.

    • Abdurchdiemitte

      @Karla Columna:

      Wieso sollte es Voraussetzung sein, ZUERST über muslimischen Antisemitismus (den es zweifellos gibt) zu sprechen, bevor man über antimuslimischen Rassismus spricht (den es ebenso gibt). Verstehe ich nicht.



      Etwa, weil die Geschichte des europäischen Antisemitismus schließlich in die Katastrophe der Shoa einmündete, des millionenfachen industriellen Judenmordes? Das aber ist ein Teil der deutschen Geschichte, von der sich übrigens ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Bevölkerung liebend gern lossagen würde - und nicht der Geschichte des Islam oder der Palästinenser.

      • Karla Columna

        @Abdurchdiemitte:

        Stellen Sie sich einfach vor, jemand schreibt einen Essay über antimuslimischen Rassismus und dessen Wurzeln, lässt einiges aus und kommt dann sehr schnell darauf zu sprechen, dass es muslimischen Antisemitismus gibt, der wiederum den antimuslimischen Rassismus befördert und bestärkt. Fänden Sie das angemessen?

        Was europäischen Antisemitismus anbelangt: der wurde im Essay durchaus erwähnt und auch als Katalysator für muslimischen Rassismus beschrieben. Ich denke, dass Palästinenser bzw. muslimische Migranten generell, wenn sie in Deutschland leben, die deutsche Geschichte auch zwangsläufig mittragen müssen und sich ebenfalls nicht lossagen können. Das heißt, dass es eigentlich auch Muslime empören müssten, wenn es vielerorts gefährlich ist, sich als Jude oder Israeli zu erkennen zu geben. Nicht nur in dieser Gruppe vermisse ich jedoch häufig Empathie und Problembewusstsein.

        • Abdurchdiemitte

          @Karla Columna:

          Trotzdem ist es in erster Linie ein deutsches Thema. Obwohl Antisemitismus beispielsweise damals in Polen stark ausgeprägt war, tragen die Polen als Gesamtheit keine Verantwortung am Holocaust, anders als die Deutschen - es sei denn, sie waren als Kollaborateure, z.B. innerhalb der SS oder anderweitig an der Verfolgung und Vernichtung der polnischen Juden beteiligt.



          Aber Kollaboration ist in allen von Nazi-Deutschland seinerzeit besetzten Ländern ein heikles, sensibles Thema.



          Erst recht kann den Arabern im damaligen Palästina - trotz antisemitischer Ressentiments unter ihnen - keine (Mit)Verantwortung an der Shoa zugesprochen werden.



          Überall während WK2 hat es die al-Husseinis und die Banderas gegeben.

    • Andreas J

      @Karla Columna:

      Oft genug wird aber muslimischer Antisemitismus für antimuslimischen Rassismus instrumentalisiert. Für Gespräche muss auch erstmal die westliche Heuchelei enden.

      • Karla Columna

        @Andreas J:

        Ich weiß nicht genau, was Sie mit westlicher Heuchelei in diesem Kontext meinen. Mir scheint da bei Ihnen so ein Gut-Böse-Schema mitzuschwingen, Westen heuchelt, die muslimische Welt heuchelt nicht?

        • Andreas J

          @Karla Columna:

          Beide Seiten sind gut und böse. Bevor wir uns das nicht selbst eingestehen, wird es auch keine Lösungen geben.

      • rero

        @Andreas J:

        Jeder Diskurs hat Teilnehmer, die das Thema - aus welchen Gründen auch immer - für sich instrumentalisieren.

        Mindestens für Clickbaits.

        Damit muss man klarkommen.

        Wenn Sie warten wollen, bis es keine Heuchelei mehr gibt, wird es keine gesellschaftlichen Diskurse mehr geben.

        „Der Westen“ nimmt an diesem Diskurs nicht teil.

        Es geht um das Zusammenleben hier.

        • Andreas J

          @rero:

          Sie haben offensichtlich keine Ahnung davon, wie sich diese Haltung auf das Zusammenleben mit unseren muslimischen Mitbürgern auswirkt. Die Behauptung, das es ohne Heuchelei keine gesellschaftlichen Diskurse mehr geben würde, ist Blödsinn.

    • rero

      @Karla Columna:

      Dürften Sie recht haben.

      Ohne dem wird man nicht weiterkommen.

  • zartbitter

    "Es gibt in Deutschland keinen dritten Raum, in dem das Massaker der Hamas und das palästinen­sische Leid gleicher­maßen zur Sprache kommen ...."



    =



    Wenn es die ausführliche Berichterstattung über Palästinenser nicht gegeben hätte - wie ist es dann zu erklären das die EU und vor allem die Bundesrepublik mit die größten Unterstützer der Palästinenser auch in Gaza waren? Deutschland und die EU waren vor dem 7. Oktober jahrelang die größten internationalen Geber für die palästinensischen Gebiete, einschließlich des Gazastreifens.



    =



    Die Gelder flossen in die Palästinensische Autonomiebehörde , Infrastruktur, Bildung und Gesundheit. Jährlich wurden zweistellige Millionenbeträge (z. B. über 26,5 Mio. Euro in 2022) direkt in akute Nothilfe für Gaza finanziert - was nach dem 7.Oktober zum Vorwurf führte das Gelder aus der EU auch zur Militarisierung von Gaza und zum Progrom an Juden in Israel führte.



    =



    An Peinlichkeit und Verlogenheit dementgegen ist nicht zu überbieten das in der aktuellen Wahrnehmung des Palästina Konfliktes 1.000 Jahre Antisemitismus und Progrome gegen Juden einschliesslich der Shoah in Deutschland seltsamerweise verschwiegen werden.

    • davber

      @zartbitter:

      Sehr gut, ganz ihrer Meinung

    • O.F.

      @zartbitter:

      Verglichen mit der Unterstützung für Israel waren die Hilfszahlungen an die Palästinenser Peanuts - und streng genommen auch keine Hilfe: de facto hat man Israel die Kosten der Besatzung abgenommen.



      Warum es - um in Ihrem Sprachduktus zu bleiben - peinlich und verlogen ist, als Deutscher die Shoa zu instrumentalisieren, um Besatzung und Völkermord an den Palästinensern zu rechtfertigen, sollten Sie eigentlich selbst bemerken. Aber vielleicht ist das auch genau das Geschichtsbewusstsein, das man vom Zeitenwende-Schland zu erwarten hat...

      • zartbitter

        @O.F.:

        Sehr gerne helfe ich Ihnen mit Fakten über die Strasse



        =



        Bis heute zahlt Deutschland Renten und Unterstützungsleistungen an NS-Verfolgte, wovon ein signifikanter Teil an in Israel lebende Empfänger geht (jährlich rund 300 Millionen Euro)



        =



        Deutschland hat seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 insgesamt rund 335 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für die palästinensischen Gebiete, insbesondere den Gazastreifen, bereitgestellt.



        =



        Ansonsten - Gaza war bis 2023 eine selbstständige Einheit unter der Regierung der Terrororganisation Hamas. Wäre Gaza besetzt gewesen wäre der 7. Oktober nie passiert.

        • O.F.

          @zartbitter:

          Der erste von Ihnen genannten Punkt hat nichts mit meinem Beitrag zu tun, der zweite wiederholt nur, was ich bereits kritisiert habe, der dritte ist sachlich falsch: praktisch alle Regierungen der Welt - auch die deutsche - haben Gaza (das ohnehin nicht separat vom WJL/OK zu betrachten ist, weitern als besetzt eingestuft. Dass es trotzdem (oder auch deshalb) zu Gewaltausbrüchen, Massakern und Aufständen kommen kann, sollte auch aus etlichen anderen historischen Kontexten bekannt sein.

  • Zippism

    Immerhin: Nach Jahren der Debatte scheint langsam die Erkenntnis durchzudringen, dass muslimischer Antisemitismus tatsächlich existiert und nicht ausschließlich ein Nebenprodukt böser europäischer Kolonialgeschichte ist.

    Besonders interessant ist allerdings die Behauptung, es gebe in Deutschland keinen „dritten Raum“, in dem Hamas-Massaker und palästinensisches Leid gleichzeitig benannt werden könnten. Vielleicht liegt das Problem weniger am fehlenden Raum als daran, dass man sich gelegentlich entscheiden muss, ob man Judenhass tatsächlich als Judenhass bezeichnet – auch wenn der Täter aus dem politisch oder gesellschaftlich bevorzugten Milieu kommt.

    Der Artikel erklärt jedenfalls sehr ausführlich, wie Antisemitismus historisch entstanden ist, instrumentalisiert wurde und sich mit Antizionismus vermischt hat. Nur bei der naheliegenden Konsequenz wird es wieder erstaunlich vorsichtig: Antisemitische Ideologie muss nicht nur „verstanden“, sondern auch klar zurückgewiesen werden – unabhängig davon, ob sie von Nazis, Islamisten, Linken oder sonst wem kommt.

    Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

    • O.F.

      @Zippism:

      Nun ist die Behauptung, es gäbe keinen Raum, in dem das Hamas-Massaker und das Leid der Palästinenser gleichzeitig benannt werden, so nicht richtig: linke Stellungnahmen, in denen das Morden in Gaza und den übrigen besetzten Gebieten kritisiert wird, verurteilen mit einiger Regelmäßigkeit auch den 7.10. und andere Morde an israelischen Zivilisten. Die geteilte Empathie scheint mir eher im anderen Lager anzutreffen sein, in dem man oft wenig Distanz zur rechtsextremen israelischen Regierung pflegt, der Völkermord in Gaza immer wieder relativiert und das Problem eines antimuslimischen Rassismus geleugnet wird - obwohl dieser selbst in eigentlichen seriöseren Medien wie der JA recht offen ausgelebt wird. Ein bisschen Selbstkritik würde auch proisraelischen Kreisen gut anstehen...

      • Zippism

        @O.F.:

        Ja, wer kennt sie nicht: das grenzenlose Verständnis für Juden und die klare Ablehnung von Antisemitismus, die man auf so mancher Pro-Palästina-Demo bewundern darf. Besonders überzeugend wirkt das, wenn „Tod Israel“, Hamas-Symbole oder die Relativierung des 7. Oktober mitlaufen und Kritik daran anschließend als „antimuslimischer Rassismus“ abgeheftet wird.

        Natürlich gibt es linke Stellungnahmen, die den 7. Oktober verurteilen und gleichzeitig palästinensisches Leid benennen. Das bestreitet niemand. Die Frage ist nur, was auf der Straße, in Bündnissen und in der politischen Praxis tatsächlich toleriert wird.

        Antisemitismus ist schließlich nicht erst dann ein Problem, wenn er aus dem rechten Lager kommt. Wer ständig Selbstkritik einfordert, könnte vielleicht zunächst erklären, warum die klare Abgrenzung von Judenhass im eigenen politischen Milieu so häufig zur lästigen Fußnote wird.

        • O.F.

          @Zippism:

          Sie machen es sich allzu bequem, wenn Sie konkrete Beispiele für diesen beide Seiten einbeziehenden Raum zur Nebensache erklären und stattdessen ein Schreckensbild von Pro-Palästina-Demonstrationen beschwören, das arg boulevardesk ausfällt. Waren Sie eigentlich mal auf einer solchen Demonstration? Wenn ja, hätten Sie bemerken müssen, dass das Stimmungsbild auch dort wesentlich differenzierter ist und vor allem, schon allein durch die regelmäßige Anwesenheit jüdischer Friedensaktivisten sehr klar zwischen den Verbrechen eines Staates und Juden in Deutschland unterschieden wird. Verwischt wird diese Differenzierung eigentlich vor allem von proisraelischer Seite – mit durchschaubaren Motiven. Auch antimuslimischer Rassismus und Völkermordleugnung sind nicht erst dann ein Problem, wenn sie aus dem rechten Lager kommen.

          • Zippism

            @O.F.:

            Dass auf Pro-Palästina-Demos auch differenzierte Menschen und jüdische Friedensaktivisten teilnehmen, bestreitet niemand. Als Gegenargument taugt das allerdings nur begrenzt. Die Anwesenheit vernünftiger Teilnehmer macht „Tod Israel“, Hamas-Symbole oder die Relativierung des 7. Oktober schließlich nicht weniger problematisch.

            Beim antimuslimischen Rassismus bin ich ganz bei Ihnen: Er muss klar benannt und bekämpft werden. Als Joker gegen jede Kritik am Antisemitismus eignet sich der Hinweis allerdings nicht. Zwei Probleme können gleichzeitig bestehen, ohne dass eines davon das andere relativiert.

            Auch die Behauptung, proisraelische Kreise würden grundsätzlich zwischen Israel und Juden in Deutschland nicht unterscheiden, ist letztlich nur die spiegelbildliche Verallgemeinerung dessen, was Sie mir vorwerfen.

            Der Maßstab ist ziemlich einfach: Judenhass bleibt Judenhass, auch wenn er sich als „Antikolonialismus“, „Antizionismus“ oder „Solidarität mit Palästina“ präsentiert. Dass diese Grenze in Teilen der Bewegung weiterhin so schwer zu ziehen ist, wäre vielleicht ein Anlass für etwas Selbstkritik.

            • O.F.

              @Zippism:

              Sie wiederholen die Argumentationsstrategie, die ich schon oben kritisiert habe: auf meine Hinweise darauf, dass es durchaus Raum für Differenzierungen gibt, auch in propalaestinensische Kontexten, argumentieren Sie mit ein paar Gegenbeispielen. Das ist ein klassischer Fehlschluss: Die Aussagen "manche a sind b" und "nicht alle a sind b" widersprechen sich nicht. Im übrigen missverstehen Sie allzu strategisch: Ich habe nicht geschrieben, dass proisraelischen Kreisen grundsätzlich nicht zwischen Judentum und Israel unterscheiden, sondern dass diese Differenz gerne, auch in diesem Forum, verwischt wird, um legitime Kritik zu diffamieren - Ihr Beitrag illustriert das Recht deutlich. Und mit Verlaub: von Foristen, die sogar für Ben Gvir in die Bresche springen, lasse ich mich ungern über notwendige Abgrenzungen belehren.

              • Zippism

                @O.F.:

                Sie widerlegen weiterhin eine Position, die ich gar nicht vertrete. Niemand behauptet, auf Pro-Palästina-Demos seien ausschließlich Antisemiten unterwegs oder dort gebe es keinerlei Differenzierung. Das habe ich längst eingeräumt.

                Der Punkt bleibt simpel: Vernünftige Teilnehmer machen antisemitische Parolen, Hamas-Symbole oder die Relativierung des 7. Oktober nicht weniger problematisch. Darauf haben Sie noch immer keine Antwort. Stattdessen weichen Sie erneut auf antimuslimischen Rassismus, Gaza und nun Ben Gvir aus.

                Auch die Behauptung, ich würde Israel und Juden gleichsetzen, lässt sich aus meinen Beiträgen nicht ableiten. Ich habe weder legitime Israelkritik als antisemitisch bezeichnet noch alle Pro-Palästina-Aktivisten über einen Kamm geschoren.

                Der Verweis auf Ben Gvir ist kein Argument, sondern ein persönlicher Seitenhieb. Er ersetzt keine Auseinandersetzung mit meiner Kritik.

                Sie können noch so oft auf andere Missstände zeigen. Dadurch verschwinden antisemitische Positionen im eigenen politischen Umfeld nicht. Warum fällt gerade dort die klare Abgrenzung davon so schwer?

                • O.F.

                  @Zippism:

                  Sie verschieben den Gegenstand der Diskussion: nämlich die Frage, ob es Räume gibt, in denen für Kritik an Hamas und an Israels genozidaler Politik Platz ist - und genau dafür habe ich Ihnen Beispiele genannt.



                  Die Ben Gvir-Frage war mehr als ein Seitenhieb: Sie fordern von anderen eine rigorose Abgrenzung von Extremisten ein, lassen diese aber selbst missen - und relativieren immer wieder, was in Gaza geschieht. Warum fällt Ihnen Ihnen die moralische Klarheit so schwer, die Sie von anderen einfordern?

                  • Zippism

                    @O.F.:

                    Nein, den Gegenstand der Diskussion verschiebe nicht ich. Meine ursprüngliche Kritik bezog sich auf die mangelnde Abgrenzung von antisemitischen Positionen auf Pro-Palästina-Demonstrationen. Sie haben darauf zunächst mit antimuslimischem Rassismus, dann mit Gaza und schließlich mit Ben Gvir reagiert.

                    Dass es Räume gibt, in denen sowohl das Hamas-Massaker als auch das Leid der Palästinenser benannt werden, habe ich nie bestritten. Meine Frage ist eine andere: Warum fällt die klare Abgrenzung von Judenhass in Teilen des eigenen politischen Milieus so schwer?

                    Auch der Verweis auf Ben Gvir beantwortet diese Frage nicht. Sagt ebenfalls auch nichts darüber aus, wie konsequent Sie oder Ihr politisches Umfeld antisemitische Parolen, Hamas-Symbole oder die Relativierung des 7. Oktober zurückweisen. Wer von anderen eine rigorose Abgrenzung verlangt, sollte denselben Maßstab auch an das eigene Milieu anlegen.

                    Der Verweis auf Ben Gvir ist deshalb Whataboutism. Er mag dazu dienen, meine politische Haltung anzugreifen, widerlegt meine Kritik aber nicht.

              • Mr. Hello

                @O.F.:

                Naja, was genau ist ihre Argumentationsstrategie?

                Sie behaupten, dass es doch Raum gäbe und dass das Stimmungsbild dort differenziert sei. Verbunden mit der Frage, ob man schon einmal bei einer Demo war, als könnte dies zu einem repräsentativen Eindruck verhelfen, klassischer Fehlschluss.

                In zwei Kommentaren betonen sie dann ebenfalls, dass es doch primär die pro-israelische Seite sei, die nicht unterscheiden kann, die bewusst verwischt, durch geteilte Empathie auffällt oder durch Nähe zu Extremisten. Damit machen Sie es sich ja ganz schön bequem, also genau das, was sie anderen vorwerfen.

                Wegen Projektion und Selbstreflexion und so

      • zartbitter

        @O.F.:

        In Deutschland existiert ein breites Spektrum an Gruppierungen, die sich als pro-palästinensisch definieren, jedoch bezüglich der Einordnung der Massaker vom 7. Oktober fundamental differieren. Während Verbände wie die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft (DPG) den Angriff der Hamas explizit verurteilt haben, weigern sich andere Netzwerke und Organisationen, die Taten als Pogrom oder Terrorakt zu kritisieren. Stattdessen wird das Ereignis dort oft relativiert, legitimiert oder als Akt des Widerstands gefeiert.



        =



        Zu diesen antisemitisch agierenden Gruppen gehören Samidoun (Netzwerk zur Solidarität mit palästinensischen Gefangenen), Hamas - Unterstützer die in Deutschland leben, Pro-Palästina Gruppen die regelmässig mit seltsamen Parolen auf seltsamen Demos auftauchen und die Pro-Palästina Gruppen die Teile der FU - in Dahlem und Teile der HU an der Strasse des 17.Juni besetzt hielten.



        =



        Das es diese Gruppen gibt ist nicht der Skandal - sondern der Zuspruch den diese Terror unterstützenden Gruppierungen in Teilen der politischen und gesellschaftlichen Sphäre erhalten - und das in einer Stadt in der die Shoah erfunden und organisiert wurde.

    • Deep South

      @Zippism:

      "Vielleicht liegt das Problem weniger am fehlenden Raum als daran, dass man sich gelegentlich entscheiden muss, ob man Judenhass tatsächlich als Judenhass bezeichnet"

      Das ist ja das generelle Problem unserer Zeit. Jedes Thema wird einem starren Lagerdenken untergeordnet. Probleme werden je nach Gusto externalistiert und die Bennung von Problemen ebenfalls. Man muss zwar verstehen, wo die Wurzeln der Probleme liegen, in der Konsequenz spielt es aber für das Zusammenleben im Hier und Jetzt keine Rolle. Es gibt kein Recht für Niemanden, identitären Hass zu rechtfertigen, ob nun historisch, ideologisch oder völkisch begründet.



      Wie schwer sich Viele damit tun, in universellen Werten und nicht in ideologischen Schablonen zu denken, kann man in nahezu jeder politischen Debatte erkennen.

  • Desti

    Was soll "antimuslimischer Rassismus" überhaupt sein?

    Religion ist doch kein unveränderliches Merkmal.



    Schließlich kann jeder seine Religion wechseln.

    • Westlahn

      @Desti:

      Ääh, nein....Sie können anfangen, einem anderen religiösen Ritus zu folgen. Von mir aus auch, an anderen Gott zu glauben. Aber ohne jüdische Mutter wird es mit der offiziellen Zugehörigkeit zum Judentum mit allen Rechten und Pflichten nichts werden. Andersrum können sie eine offizielle islamische Zugehörigkeit qua Geburt nicht ablegen, egal an was Sie glauben: wesentliche offizielle Stellen werden Sie immer noch als Moslem behandeln, ob Sie wollen oder nicht. Und das ist nicht bedeutungslos.

      • Budzylein

        @Westlahn:

        "Andersrum können sie eine offizielle islamische Zugehörigkeit qua Geburt nicht ablegen, egal an was Sie glauben: wesentliche offizielle Stellen werden Sie immer noch als Moslem behandeln, ob Sie wollen oder nicht." Das mag in muslimisch dominierten Ländern so sein, aber wollen Sie das ernsthaft in Bezug auf Deutschland behaupten? Wie behandeln diese "wesentlichen offiziellen Stellen" einen denn "als Moslem"? Und welche offiziellen Stellen sollen das sein?

      • Éljen a Magyar

        @Westlahn:

        "Aber ohne jüdische Mutter wird es mit der offiziellen Zugehörigkeit zum Judentum mit allen Rechten und Pflichten nichts werden."

        Das ist so nicht richtig, nach dem Giur, d.h. der Konversion vor einem Beit Din (Rabbinatsgericht), sind Sie vollwertiger Jude.

  • Desti

    Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Artikel aus 2016 aus der taz:

    taz.de/Arabischer-...mitismus/!5299680/

    Etwas ähnliches in dieser Richtung war in der taz für sehr lange Zeit nicht zu lesen.

    • Thomas Müller

      @Desti:

      Vor allem die Kommentare zu diesem Artikel von Herrn Feddersen sind interessant zu lesen, da der eigentliche Artikel vieles ausblendet.

      (Zum Beispiel die Rolle der Weltmacht.)

  • Thomas Müller

    Versöhnlich und konstruktiv!

  • Hildegard Mainus

    Ich habe hier gerade das erste mal über eine differenzierte Sicht auf einen muslimischen Antisemitesmus gelesen. Ich kann sagen, ich warte seit Jahren auf diese Diskussion. (Das mag an mir liegen, dass ich noch nicht die richtige Quellen gefunden habe). Diee letzten 2 Wochen waren geprägt von der Antisemitismus-Schelte gegen die Linke, ohne die hier nun vorliegende Einordnung. Wie ätzend sind die ewigen Wiederholungen von jedermann (Özdemir z.B.). Seit Jaren warte ich auf eine differenzierte Betrachtung des wachsenden Antisemitismus, der immer schlimm ist, aber dennoch verschiedene Hintergründe hat. Das ist ein Muss, wenn man ihn bekämpfen will. Daher nochmal Danke!!

  • zartbitter

    Nach der Auswanderung Mohammeds nach Medina kam es zu politisch/ militärischen Konflikten mit den dortigen jüdischen Stämmen, die seine Prophetenschaft ablehnten. Aus dieser Phase stammen theologische Vorwürfe und Polemiken (sogenannte Sündenkataloge). Juden wird darin unter anderem der Bruch von Verträgen, Unglaube oder die Verfälschung der heiligen Schriften vorgeworfen.



    =



    In den späteren Überlieferungen der Hadithen finden sich vereinzelt stark endzeitliche Motive, wie derHadith über den Kampf gegen die Juden am Jüngsten Tag, in dem Steine und Bäume vermeintlich versteckte Juden verraten. Diese Passagen werden heute von Extremisten wörtlich und politisch instrumentalisiert.



    =



    Trotzdem selbst der schriftlich überlieferte Islam Antisemitismus überliefert ist das nicht das Problem oder Hauptproblem - sämtliche Terror - Organisationen wie Hamas, Hizbollah, der islamistische Iran, Houthis /Jemen und die Taliban lehnen den Staat Israel kategorisch ab und vermischen in ihrer Rhetorik antizionistische, anti-israelische und klassische judenfeindliche Motive.



    =



    Es gibt keine Autorität zur Auslegung - jeder Muslim sucht sich seine Lieblingsvorteile selbst aus nach denen er handelt.-

  • Volker Scheunert

    Vielen herzlichen Dank an Omas Kamil für diesen um Verständigung bemühten Beitrag.



    Leider ließen auch hier in aggressivem Tonfall gehaltene Kommentare nicht lange auf sich warten...

    • PeterArt

      @Volker Scheunert:

      Bitte zitieren Sie doch auch nur einen einzigen solcher Kommentare. Ich kann keinen finden.

  • Beate Homann

    Ein sehr guter Text! Zentraler Satz, der - wie die Gegenwart zeigt - der Quadratur des Kreises gleicht: " Im Widerspruch miteinander zu bleiben, ohne den anderen zum Feind zu erklären."

  • Lowandorder

    Danke für diese erhellende tour d‘horizon

  • Gast100100

    Was ist denn "antimuslimischer Rassismus?" Wenn ich zum Islam konvertiere, wechsle ich dann die Rasse?

    • Abdurchdiemitte

      @Gast100100:

      Christentum und Islam sind ja ursprünglich/eigentlich universalistisch konzipiert, jedenfalls vom Anspruch her. Dass die ,White-supremecy‘-Ideologie im späteren geschichtlichen Verlauf dann religiös legitimiert/verbrämt wurde, steht auf einem anderen Blatt.



      Im Judentum als gemeinsamer Vorläufer von Christen und Muslimen sieht das ja etwas anders aus (die Religionswissenschaftler mögen mich korrigieren, wenn ich hier Unsinn erzähle): die Zugehörigkeit zu einem semitischen Stammesgott/Eingott namens Jahwe unterschied die alten Hebräer nicht nur von den sie umgebenden polytheistischen Nachbarvölkern, sie legitimierte auch die Landnahme deren Territoriums durch die Argumentationsfigur, Gottes ‚auserwähltes Volk‘ zu sein.



      Später fand sich dieses Muster in den monotheistischen Weltreligionen Christentum und Islam wieder: warum wohl sind sie zu Weltreligionen geworden? Wegen ihres religiös begründeten Universalismus oder wegen ihrer rassistischen und kolonialistischen/imperialistischen Stossrichrung?



      Und jetzt komme man mir nicht mit den alten Azteken oder Inka im Amerika aus der Zeit vor der europäischen Conquista.

      • Sam Spade

        @Abdurchdiemitte:

        "die Religionswissenschaftler mögen mich korrigieren"

        Schön das sie von selbst darauf hinweisen.

        "Denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker genannt werden.“ Jesaja (56,7)

        Der jüdische Partikularismus der sich auf das auserwählte Volk bezieht ging über in das Konzept des Tikkun Olam.

        Das Wohlergehen (Partner Gottes) war nicht mehr einzig auf die jüdische Gemeinschaft beschränkt, sondern galt der gesamten Menschheit.

        "Licht für die Völker“ (Jesaja 42,6)

        Tzelem Elohim besagt das jeder Mensch dieselbe Würde besitzt. Den Kern des jüdischen Glaubens bildet daher auch eine universelle Ethik deren Ziel in der jüdischen Tradition die Einigung der gesamten Menschheit ist (Ethisch und Spirituell).

        Während das Judentum auf eine Missionarisierung verzichtet hat, da ihr Kern die Ethik und nicht das jüdisch sein ist, nutzten die Christen in der Antike die römischen Strukturen zur Verbreitung ihres Glaubens und diese ragten weit über Europa hinaus. Der Erfolg des Christentums fußt auf mehreren Säulen. Das gewichtigste war das Jenseitsversprechen.

        Das der Islam sich mit dem Schwert verbreitete geht übrigens auf die christliche Geschichtsschreibung zurück und ist eine Legende.

        • Abdurchdiemitte

          @Sam Spade:

          Danke für den Verweis auf die humanistischen und aufklärerischen Wurzeln in Philosophie und Theologie des europäischen Judentums.



          Eines bringe ich jedoch nicht zusammen: wie vertragen sich diese jüdischen Traditionen mit der Vorstellung eines grausamen hebräischen Rachegottes, der die (ägyptischen) Feinde Israels schlägt, indem er ihnen sieben Plagen (Naturkatastrophen) schickt und deren Erstgeborene tötet?



          Im Grunde richtet sich die Frage auch an Christen und Muslime: ich bleibe dabei, dass alle drei sich doch sehr ähnelnden abrahamitischen Religionen ein massives Intoleranzproblem haben, das letztlich in ihrem Monotheismus begründet liegt - und der Verheißung, Gottes ‚auserwähltes Volk‘ zu sein.

          • Sam Spade

            @Abdurchdiemitte:

            Mida k'neged Mida beschreibt das Prinzip von Ursache und Wirkung.

            Gott ist hier nach jüdischen Verständnis nicht bloß ein Zuschauer der Ereignisse sondern greift aktiv auf Seite der Schwachen ein. Es ist daher keine Rache sondern die Wiederherstellung des Rechts für die Rechtlosen. Auf diesen Erfahrungen baut die Tora auf.

            „Du sollst den Fremden nicht bedrängen; denn ihr wisst, wie es dem Fremden zumute ist, da ihr selbst Fremde im Land Ägypten wart“ (Exodus 23,9)

            Die sieben Plagen sind daher Gottes direkte Antwort auf das Unrecht des Pharaos. Die bekannteste, der Tod der erstgeborenen Ägypter, spiegelt das Verbrechen des Pharaos wieder, alle erstgeborenen Israeliten zu töten. Auge um Auge, Zahn um Zahn dürfte geläufig sein.

            Das es sich hier um einen Gott handelt der Gerechtigkeit verübt und nicht Rache können sie auch dem Loblied (Megilla 10b) aus dem Talmud entnehmen. Auch das Pessach Fest erinnert in seinen Ritualen daran und ermahnt zum Mitgefühl auch mit seinen Feinden.

            Der Exodus bildet in dieser Hinsicht das Fundament der jüdischen Ethik, denn er zeigt auf das menschliches Handeln nicht ohne Konsequenzen bleibt.

            • Abdurchdiemitte

              @Sam Spade:

              Danke für Ihre Antwort, der einige Widersprüche der abrahamatisch-monotheistischen Weltreligionen - und nicht bloß im Judentum - bezüglich deren Haltung zu religiöser Toleranz, archaischer Rache sowie Gewalt aufklärt. Ich meine zu verstehen, was Sie mit Ihrem Beispiel sagen wollen.



              Das von Ihnen beschriebene jüdische Prinzip von Ursache und Wirkung ist schliesslich auch aus dem Buddhismus bekannt. Es handelt sich dort um die oft missverstandene Karmalehre, die ja keinen unabwendbaren bzw. göttlich vorherbestimmten religiösen Determinismus/Fatalismus propagiert, sondern auf die Verantwortung des Menschen für sein eigenes Handeln setzt. Er ist somit Gestalter seines eigenen Schicksals und somit nicht dem Willen und der Willkür irgendeiner Gottheit ausgeliefert.



              Achtsames Reden, achtsames Handeln eingedenk der möglicherweise fatalen Folgen, die jede Unachtsamkeit in diesen Bereichen zeitigen kann.



              Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn Unschuldige, die ja nichts für die Vergehen ihrer Väter können, derart bestraft werden wie im biblischen Beispiel aufgezeigt - es sei denn, man glaubt an Kollektivschuld. Aus christlicher Perspektive ist das allerdings hochproblematisch.

        • Suryo

          @Sam Spade:

          „ Das der Islam sich mit dem Schwert verbreitete geht übrigens auf die christliche Geschichtsschreibung zurück und ist eine Legende.“

          Das sieht man im Iran und in Indien etwas anders.

          • O.F.

            @Suryo:

            Auch in Iran und Indien wurde der Islam nicht mit dem Schwert verbreitet - Sie verwechseln Arabische Expansion und Islamisierung: im Iran gab es nach den Fall der Sassaniden keine massenhaften Zwangskonvertierung und eine islamische Bevölkerungsmehrheit erst nach dem Ende der arabischen Herrschaft; in Indien gab es Muslime schon vor den islamischen Eroberern, die wiederum nicht alle Untertanen zur Konversion gezwungen haben.

          • Abdurchdiemitte

            @Suryo:

            Indien? Werden dort nicht Muslime diskriminiert und verfolgt, ihre Moscheen von fanatischen Hindu-Nationalisten niedergebrannt?

            • Suryo

              @Abdurchdiemitte:

              Ja. Ebenso in Myanmar.

              Was aber auch nichts daran ändert, dass der Islam in Indien primär infolge von Eroberungen etabliert wurde und zeitweilig, etwa unter Kaiser Aurangzeb, ausgesprochen radikal und intolerant sein konnte.

              Es ist immer wieder erstaunlich, dass im westlichen Diskurs als ausgemacht gilt, dass das Christentum irgendwie immer durch Gewalt und Zwangsmission verbreitet wurde, der Islam sich aber in Afrika und Asien "ausgebreitet hat", so, als hätte es da nie irgendwelchen Zwang gegeben und als sei alles ganz ungeplant und organisch verlaufen.

              • Abdurchdiemitte

                @Suryo:

                Das mit der unterschiedlichen Wahrnehmung in der globalen Ausbreitung von Christentum und Islam nehme ich aber nicht so wahr. Haben sie Belege dafür? In ,meinen‘ Geschichtsbüchern jedenfalls steht ausnahmslos, dass der Islam sich auf ähnlich militante Weise ausdehnte wie zuvor das Christentum.



                Und das ist nicht zu verwechseln mit der (marxistischen) Kritik am Kolonialismus. Die koloniale, imperialistische Ausbreitung Europas im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. findet dort eine ökonomische Begründung. Religion bzw. das Christentum waren dafür nicht (mehr) zwangsläufig notwendig, es sei denn zwecks religiöser Verbrämung der ökonomischen Ausbeutung ganzer Kontinente. Dafür aber mussten die vom Kolonialismus Betroffenen nicht mehr unbedingt selbst zu Christen werden.



                Übrigens waren in dieser Phase des Kolonialismus/Imperialismus die islamischen Kulturen auch keinesfalls mehr die Eroberer, sondern inzwischen längst selbst zu Opfern dieser von Europa ausgehenden Entwicklung geworden. Die ‚goldenen‘ Zeiten des osmanischen Reiches etwa lagen da schon 300 Jahre zurück.

    • Zangler

      @Gast100100:

      Es gibt überhaupt keine menschlichen Rassen. Diese sind ein soziales Konstrukt der rassistischen Ideologie, um die Ausgrenzung und Unterdrückung der „Anderen“ zu rechtfertigen.



      Daher ist jeder Rassismus letztlich ein „Rassismus ohne Rasse“. Ein bekanntes Beispiel sind Samuel Huntingtons „Kulturen“, die einfach nur versuchen, die rassistische Ausgrenzung und Unterdrückung fortzuschreiben, aber zugleich behaupten zu können, man sei kein Rassist, weil man den Begriff „Rasse“ ja nicht benutze.



      Kein:e Jüd:in war z.B. 1934 mehr oder weniger deutsch (oder weiß) als 1932, aber die Ansicht der (auch) rassistischen NS hatte sich als herrschend durchgesetzt, insofern ist Antisemitismus (z.B.) auch eine Form des Rassismus (und gerade nicht der „Ausländerfeindlichkeit“, Herr Merz!)



      Es gibt zudem eine weitere spannende Parallele: Der „Große Austausch“ spielt heute für den antimuslimischen Rassismus die gleiche Rolle wie die „Protokolle der Weisen von Zion“ für den historischen Antisemitismus des frühen 20. Jahrhunderts als Rechtfertigung.



      Leider ist die Tatsache, dass jemand Opfer von Rassismus ist, keine Garantie dafür, nicht selbst und zugleich auch Täter zu sein: s. Israel/Palästina.

      • Brombeertee

        @Zangler:

        Ich spreche da lieber von Diskriminierung, egal an welchen Eigenschaften / Identitäten der betroffenen Gruppe sich das festmacht.

      • Budzylein

        @Zangler:

        Das Konstrukt rassistischer Ideologien knüpft aber an angeborene und unveränderliche Merkmale an, die als "Rasse" konstruiert werden. Aus Sicht von Rassisten kann niemand die "Rasse" wechseln. Muslim zu sein, ist demgegenüber weder angeboren noch unveränderlich. Jeder Nichtmuslim, der es will, kann jederzeit Muslim werden, und jeder Muslim kann jederzeit zum Nichtmuslim werden. Muslimfeindlichkeit ist daher kein "antimuslimischer Rassismus". Es gibt ja auch keinen "antichristlichen Rassismus", und auch die negative Einstufung der "Ungläubigen" in Christentum und Islam wird allgemein nicht als Rassismus bezeichnet.

        • Zangler

          @Budzylein:

          Die Frage des religiösen Bekenntnisses ist im Zweifel eine der Innensicht. Andere Muslime mögen sich dafür interessieren, ob jemand nun formwirksam konvertiert ist oder nicht.



          Rassismus ist eine Frage der Außensicht, die solche Konversion nicht anerkennt.



          Natürlich kann man diskutieren, ob der Rassismus, der auch auf europäische Stereotypen des Aussehens rekurriert, mit „antimuslimisch“ gut bezeichnet ist, aber im Diskurs der „westlichen“ Rechten ist „muslim“ eine Chiffre für als aus dem Nahen Osten stammend gelesene Personen (geworden) und wird oft mit Terroristen gleichgesetzt. Und dann ist es eben eine Form von Rassismus.



          (Das Beispiel Huntington, der die Bezeichnung einer islamischen „civilization“ bzw. Kultur vorgeschlagen hat, habe ich deswegen gebracht, weil z.B. Edward Said diese Theorie in „Clash of Ignorance“ ausdrücklich als „invidious racism“ bezeichnet hat und Huntington bereits zuvor sich als Ratgeber des Apartheid-Regimes hervorgetan hatte, das ja nun definitiv rassistisch war.)

        • Der eindimensionale Mensch

          @Budzylein:

          Aber die Nazis haben doch auch das Judentum, also eine Religion, zu einer "Rasse" erklärt. Und Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der zum Christentum konvertiert war, durfte trotzdem nicht aufgeführt werden, da sie als "jüdisch" galten.

          Darum geht es ja bei Rassismus: Es gibt keine Rassen, sie werden nur gemacht. Und so wie die Nazis damals aus Juden eine Rasse gemacht haben, tun das heute Menschen mit Muslimen. Beides also Rassismus, einmal antisemitischer Rassismus, einmal antimuslimischer Rassismus.

          • Budzylein

            @Der eindimensionale Mensch:

            1. Das Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern wird durch Abstammung weitergegeben; nach der gängigsten Definition ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat, und zwar auch dann, wenn er nicht gläubig ist.

            2. Abgesehen davon, dass Antisemitismus nicht identisch mit Rassismus ist: Ihre Ausführungen zu den Nazis widerlegen meinen Kommentar nicht, sondern bestätigen ihn. Die Nazis haben die Zugehörigkeit zu der von ihnen konstruierten jüdischen "Rasse" allein nach der Abstammung bestimmt. Welche Religion die Person ausübte, war egal. Deswegen wurden Juden, die zum Christentum konvertiert waren, ebenso verfolgt wie andere Personen, die nach der Nazi-Definition Juden waren. Ein Jude konnte bei den Nazis nicht zum "Arier" werden, sondern blieb immer Jude.

            3. Ich kenne kein Beispiel, in dem jemand Muslime als "Rasse" konstruiert hat. Jeder weiß doch, dass die Zugehörigkeit zum Islam nicht abstammungsbedingt ist. Es gibt Rassismus gegen Personen aus muslimisch dominierten Ländern und deren Nachfahren; der richtet sich aber ebenso gegen Angehörige dieser Gruppe, die gar keine Muslime sind.

            • Sam Spade

              @Budzylein:

              "nach der gängigsten Definition ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat"

              Das stammt aus der Halacha und wird heute nur noch von orthodoxen oder besonders konservativen Kreisen vertreten.

              Das moderne Judentum kennt keine Untschiede zwischen Matrilinearität und Giur.

              Abstammung und Konversion sind gleichgestellt sofern das Beth Din der Aufnahme zugestimmt hat. Liberale jüdische Strömungen erkennen auch die Väter an.

              "Ich kenne kein Beispiel, in dem jemand Muslime als "Rasse" konstruiert hat"

              "Limpieza de sangre" Spanien 16. Jahrhundert. Konvertierte Muslime (Morisken). Das Prinzip der Reinheit des Blutes wurde sogar rechtlich festgehalten.

              Orientalismus 19. Jahrhundert



              Zum Beispiel französisch Algerien. Wissenschaftliche Klassifizierung von Muslimen unter ethisch-biologischen Gesichtspunkten. Bekanntester Vertreter der Rassifizierung, der Publizist Ernest Renan.

              Aus dem Stand fallen mir noch ein halbes Dutzend weitere Beispiele aus der Historie in Hinblick auf die Rassifizierung von Muslimen ein.

              Von den Einbürgerungsgesetzen in den USA Ende des 19 Jahrhunderts bis hin zu den ethnische Säuberungen und dem Völkermord von Srebrenica.

              Leider kein Platz mehr das auszuführen.

            • Abdurchdiemitte

              @Budzylein:

              Antisemitismus ist insofern nicht identisch mit Rassismus, als antisemitische Zuschreibungen jeweils andere sind als beispielsweise bei Muslimfeindlichkeit, Antiziganismus oder kolonialistisch geprägten Vorurteilen gegen PoC.



              Das ist jedoch eine Binse, die nicht die (sozialpsychologischen) Ausgrenzungs- und Diskriminierungsmechanismen gegen Minderheiten erklären kann. Darin bestehen nämlich keine Unterschiede zwischen Antisemitismus und anderen Formen von Rassismus.



              Rassismus betrifft ja nicht exklusiv nur jüdische Mitbürger. Und im (neu)rechten Diskurs hat Muslimfeindlichkeit hierzulande längst die Judenfeindlichkeit abgelöst - bis dahin, dass heutzutage die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung von der einer (angestrebten) islamischen Weltherrschaft ersetzt wurde. Die Begründungsmuster und die damit einhergehenden Dämonisierungen springen doch geradezu ins Auge. Meinen Sie nicht?



              Klassischen Antisemitismus indes werden Sie übrigens bei der AfD kaum finden, auch wenn deren Ethnonationalismus in einer Traditionslinie mit der NS-Rassenlehre steht.

              • Budzylein

                @Abdurchdiemitte:

                1. Ihre These, die Muslimfeindlichkeit habe im (neu)rechten Diskurs die Judenfeindlichkeit "abgelöst", ist falsch, da es nach wie vor rechten Antisemitismus gibt; dieser ist zurzeit in den Medien weniger sichtbar, hat aber nicht abgenommen.

                2. Zwischen der Vorstellung von einer jüdischen Weltverschwörung und der Vorstellung von einer angestrebten islamischen Weltherrschaft gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die "jüdische Weltverschwörung" ist ein Märchen, das Judentum missioniert nicht und verlangt von Nichtjuden auch keine Unterwerfung unter jüdische Gebote. Hingegen gibt es durchaus nennenswerte Kräfte im Islam, die eine islamische Weltherrschaft (im Sinne ihrer jeweiligen Ausprägung des Islam) anstreben, z. B. die Muslimbruderschaft. Der Islam ist als Religion (ebenso wie das Christentum) auf Verbreitung angelegt und strebt an, dass möglichst jeder Mensch Muslim ist oder wird. Und das islamische Rechtssystem beansprucht, wie die Praxis zahlreicher muslimisch geprägter Staaten zeigt, Geltung als Grundlage der staatlichen Gesetzgebung und damit auch Verbindlichkeit für Nichtmuslime. Dass es auch zahlreiche Muslime gibt, die das alles rigoros ablehnen, ändert daran nichts.

        • Francesco

          @Budzylein:

          Nennen Sie es gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

      • Abdurchdiemitte

        @Zangler:

        Danke für den Hinweis auf die Parallelen zwischen Antisemitismus und heutiger Muslimfeindlichkeit. Bei einigen ‚Islamkritikern‘, insbesondere der aus dem rechten Lager, habe ich ohnehin den Verdacht, die Feindschaft gegen den Islam hat den Judenhass nur ersetzt.



        Ansonsten kann ich Ihnen nur zustimmen.



        Mit Blick auf Huntingtons ‚clash of civilizations‘ unterliegen Sie jedoch möglicherweise einem Irrtum: es ist zwar richtig, dass ‚Kultur‘ im neurechten Diskurs als Synonym für ‚Rasse‘ gebraucht wird (‚Kulturfremde‘), Huntingtons Theorie verstehe ich allerdings eher als ein Paradigma, die multipolare geopolitische Neuaufteilung der Welt nach dem vom bipolaren Konflikt zwischen Ost und West dominierten kalten Krieg zu erklären. Und damit liegt Huntington ja nicht daneben.



        Die Fixierung auf ‚Kultur‘ bei Huntington (in der deutschsprachigen Rezeption) kann man kritisieren, die globale Multipolarität wird im ‚Kampf der Kulturen‘ allerdings als Faktum betrachtet, jedoch nicht im Sinne von ‚white supremacy‘ wie in der Weltordnung der neuen Rechten.



        So jedenfalls habe ich Huntington verstanden.

        • Suryo

          @Abdurchdiemitte:

          Antisemitismus ist nicht einfach nur Rassismus.

          Rassismus geht davon aus, dass Angehörige anderer „Rassen“ Minderwertige seien.

          Der klassische Antisemitismus unterstellt den Juden aber ganz im Gegenteil, besonders intelligent zu sein und hinter den Kulissen das Weltgeschehen zu kontrollieren. Juden sind für den Antisemiten gerade deswegen gefährlich, weil sie allen anderen überlegen sind.

          Kein Rassist glaubt dagegen, es gäbe eine „schwarze Weltverschwörung“ oder irgendwelche „Protokolle der Weisen von Peking“ oder so etwas.

          • Abdurchdiemitte

            @Suryo:

            Auch die Diskussion, was Antisemitismus von anderen Rassismen unterscheidet, möglicherweise aber auch verbindet, haben wir hier in der taz schon einmal geführt. Ich vertrete die Auffassung, aus sozialpsychologischer Sicht - also mit Blick auf die gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen von Gruppen oder Minderheiten, die beispielsweise als (kultur)fremd, nicht der Mehrheitsbevölkerung zugehörend gelesen werden - bestehen nicht so viele Unterschiede zwischen Antisemitismus und anderen Formen rassistischer Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt. Wie der fanatische NS-Antisemitismus propagierte auch deren Antiziganismus die physische Auslöschung von deutschen Sinti und den Roma in den von Deutschland besetzten europäischen Gebieten.



            Beide Formen basieren auf der Vorstellung der völkischen/kulturellen Minderwertigkeit der ausgegrenzten/verfolgten Gruppen gegenüber der arischen Rasse, indem sie ihnen bestimmte negative Attribute zuschreiben. Auch wenn diese Zuschreibungen jeweils unterschiedliche sind, so werten sie deren Träger derart ab, dass sie deren Verfolgung, Vertreibung und in letzter Konsequenz deren Auslöschung legitimieren.

            • Suryo

              @Abdurchdiemitte:

              Den Juden wurde und wird von Antisemiten unterstellt, sie kontrollierten

              - das weltweite Finanzsystem



              - die Medien



              - die moderne Kunst



              - Hollywood



              - die Medizin



              - die Physik (Relativitätstheorie als “jüdische Physik”)



              - die USA



              - etc pp.

              Natürlich werden Juden im Antisemitismus abgewertet. Aber diese Abwertung erfolgt über die Unterstellung, die Juden seien besonders intelligent, verschlagen, listig, gut darin, die Dinge zu kontrollieren. Alles, was in der Welt schiefgeht, kann in diesem Weltbild den Juden angelastet werden. Die Abwertung erfolgt über die Unterstellung einer Art Überlegenheit.

              Es gibt schlicht nichts Ähnliches bezüglich anderer Gruppen. Wenn, dann weisen ähnlich wirkende Narrative - wie das vom alles kontrollierenden US-Dollarimperialisten - deutliche Parallelen zum Narrativ der jüdischen Weltverschwörung auf, nicht umgekehrt.

              • Abdurchdiemitte

                @Suryo:

                Noch einmal: entscheidend ist doch, dass alle diese Zuschreibungen negativ, abwertend konnotiert sind. In ihrer Zuspitzung nähren sie das antisemitische Narrativ von der jüdischen Weltnerrschaft/ -verschwörung..



                Die Zuschreibungen - etwa in der Kunst und den Wissenschaften - zeichnen, wie Sie selbst schreiben. Juden schließlich als besonders listig und verschlagen, was ja keineswegs anerkennend oder bewundernd gemeint ist. In der Feststellung besteht wohl kein Dissens zwischen uns.



                Im Umkehrschluss könnte man aber auch sagen, dass alle philosemitischen Zuschreibungen letztlich auch antisemitisch sind, indem sie die herausragenden jüdischen Leistungen auf den genannten Gebieten hervorheben und exklusiv stellen. Vergleichbar ist etwa das Vorurteil, dass Sinti besonders gute Musiker seien.



                Das verbindet nämlich auch alle Rassismen: die Zuschreibung individueller Merkmale einzelner Menschen als rassistisch, heute im Identitären Diskurs kulturell definierte Eigenschaften ganzer Gruppen - zwecks deren Ausgrenzung aus bestimmten Glaubenssystemen oder ‚Volksgemeinschaften‘.

                • Suryo

                  @Abdurchdiemitte:

                  Entscheidend ist, dass aufgrund der zugeschriebenen Überlegenheit und globalen Verschwörung Juden selbst dann zur tödlichen Gefahr hochstilisiert wurden, wenn sie eine winzige Minderheit waren.

          • O.F.

            @Suryo:

            Das stimmt so nicht: denn auch der klassische Antisemitismus hat mit einer Abwertung der Juden gespielt, nicht nur mit Ihrer verschwörungstheoretischen Überhöhung – und genauso gibt es Rassismen, die sich nicht darauf beschränken, ihre Opfer verächtlich zu machen: die ganzen Islamisierungsängste, die im rechten Islam-Diskurs auftauchen, haben bemerkenswerte Parallelen zum Antisemitismus, bis hin in die Diktion (fällt eigentlich jemand auf, woran eine Vokabel wie „islamogauchisme“ erinnert?). Und weil Sie den antiasiatischen Rassismus erwähnen: Es gibt natürlich kein exaktes Pendant zu den Protokollen, aber wenn man hinter jedem chinesischen Gaststudenten einen KP-Spion erwartet, ist man solchen Denkfiguren eben nicht mehr allzu weit entfernt. Ohnehin muss man sich fragen, welchen Sinn es macht, den Antisemitismus als das ganz Andere zu denken, dass man sonstigen Rassismen nichts gemein hat – außer vielleicht, man will eine Hierarchie der Diskriminierung aufbauen. Dann waere dann aber Teil des Problems.

            • Suryo

              @O.F.:

              Doch, das stimmt so und liegt selbst bei oberflächlicher Betrachtung auf der Hand.

              „Antimuslimischer Rassismus“ dagegen existiert so nicht, ansonsten müssten ja konvertierte Deutsche ab ihrer Konversion zum Islam urplötzlich Opfer von Rassismus werden können, was natürlich absurd ist. Ein Pierre Vogel wird vielleicht Opfer von Diskriminierung aufgrund der Religion, aber nicht Opfer von Rassismus. Und ein schwarzer Muslim würde wohl auch dann Opfer von Rassismus, wenn er Christ wäre.

    • Volker Maerz

      @Gast100100:

      Hervorragende Frage. Die einfache Antwort lautet: in Ermangelung eines spezifischeren Begriffs verwendet man einen bereits eingeführten übergeordneten Begriff, der die wesentlichen Merkmale abdeckt.

      Auch nicht ganz ohne sind diese Fragen:

      Was ist Sophisterei und wer wendet sie mit welcher Absicht am häufigsten an?

    • Querbeet

      @Gast100100:

      Rassismus klingt als Begriff eben so schön schnarrig. Das Etikett will sich kaum einer umhängen lassen. Daher ist der Vorwurf, wenn er gemacht wird, ein oftmals wirksamer Schuss. Egal ob er inhaltsleer ist, oder nicht.

      • Schleicher

        @Querbeet:

        Nun, das gilt doch wohl für alle gravierenden Vorwürfe.



        Diskriminierung von Muslimen wäre ein solch gravierender Vorwurf und ist in Deutschland leider häufig faktenbasiert.

  • Julian K

    Ein wunderbarer, aufklärerischer Beitrag. Vielen Dank.

  • Kommen Tier

    "....dritten Raum, in dem das Massaker der Hamas und das palästinen­sische Leid gleicher­maßen zur Sprache kommen können."

    Ein guter Vorschlag, aber bei SPD und Grünen war das (bis in die 2010er) eine ganz normale Herangehensweise. Die Frage ist doch eher, warum diesen Parteien die Wähler/innen weglaufen.

    • nihilist

      @Kommen Tier:

      Und den Grünen laufen die Wähler mal weg und mal zu, so wie seit Längerem.

    • Comerade Aardvark

      @Kommen Tier:

      Eine wie auch immer wahrgenommene Veränderung der Positionierung gegenüber Israel ist sicherlich nicht die zentrale Erklärung des Niedergangs der SPD.

  • Oma

    Informativer Artikel. Vermisst habe ich eine Einordnung der Rolle von al-Husseini. Er wurde von den Briten ins Amt gehoben und hat sich erst viel später auf die Seite Hitlers geschlagen. Ein jüdischer Freund meiner Familie, der Mitte der 30er Jahre nach Palästina ausgewandert ist, hat von britischem Antisemitismus berichtet. Jüdische Flüchtlinge wurden in Palästina von den Briten alles andere als gut behandelt.

    • rero

      @Oma:

      Der Artikel dreht sich um das Zusammenleben in Deutschland heute.

      Da ist Al-Husseini verzichtbar.

      Man wird hier den Nahostkonflikt nicht lösen.

      Wenn es ein friedliches Zusammenleben in Deutschland gäbe, wäre bereits viel erreicht.

      • Meister Petz

        @rero:

        Al Husseini ist nicht verzichtbar, weil es eine Kontinuität bis heute gibt. Der politische Erbe Al Husseinis war ein gewisser Friedensnobelpreisträger namens Yassir Arafat, und auch der „gemäßigte“ Abu Mazen bezeichnet ihn offiziell als Pionier und Vorbild.

      • Oma

        @rero:

        Ich habe den Artikel als historischen Abriss über islamischen Antisemitismus gelesen Da gehört m.E. diese Zeit hinzu, da in diesen Jahrzehnten der Antisemitismus im Nahen Osten einen heftigen Vorschub bekommen hat. Da hatten al-Husseini und die NS-Rundfunk-Propaganda, die in arabischer Sprache gesendet wurde, einen wesentlichen Anteil.

    • Gerald Müller

      @Oma:

      In der tat, der Artikel lässt einiges Unbequemes aus. Auch z.B. den Aufstand der palästinensischen Araber 1936 bis 39 der seinen Ursprung eigentlich in der durch das Ha´avara Abkommen hervorgerufenen Dynamik der jüdischen Enwanderung und des Vermögenstransfers aus Deutschland hatte.

  • notrandom

    Eine vielseitig beleuchtete Kritik. Danke!

  • vieldenker

    Eine kluge Analyse, aber hat sie auch außerdem des „Elfenbeinturms“ eine Chance etwas zu verändern?

  • Éljen a Magyar

    "Über Jahrhunderte lebten jüdische Gemeinschaften in islamisch geprägten Gesellschaften als Dhimmis, zu Deutsch: Schutzbefohlene, die frei ihre religiösen Riten praktizieren durften, zugleich indes rechtlich untergeordnet waren. Es war weder Gleichberechtigung noch ein dauerhaftes Idyll."

    So kann man sich die Vergangenheit natürlich auch schön reden. Es gab unter islamischer Herrschaft genauso Pogrome gegen und Vertreibungen von Juden wie im christlichen Europa: das Massaker von Granada 1066 unter den Ziriden war das erst Pogrom gegen Juden auf europäischem Boden, 1090 folgte ein weiteres Pogrom unter den Almoraviden unter Yusuf ibn Taschfin. Auch das Vorgehen der Almohaden im 12. Jahrhundert, die Juden und Christen vor die Wahl Konversion zum Islam oder Tod bzw. Vertreibung stellten, darf nicht vergessen werden.



    In der islamischen Frühzeit ist an das Schicksal der jüdischen Stämme der Banu Qaynuca, der Banu Nadir und der Banu Qurayza zu erinnern, die vertrieben oder vernichtet wurden (Schlacht von Khaybar 628 n. Chr.).

    • Volker Scheunert

      @Éljen a Magyar:

      Sie haben recht: Als Christ denke ich jeden Tag an das Vorgehen der Almohaden im 12. Jahrhundert ....



      Im Ernst: Die Aufzählung von Massakern aus dem Mittelalter, mögen sie auch noch so grausam gewesen sein, trägt zur Lösung heutiger Konflikte nun wirklich nichts bei!

      • Zippism

        @Volker Scheunert:

        Darum geht es doch überhaupt nicht. Niemand behauptet, dass das Massaker von Granada oder das Vorgehen der Almohaden heutige Konflikte lösen könnten. Es geht darum, die Vergangenheit nicht im Nachhinein zu einer idyllischen Geschichte friedlicher Koexistenz umzudeuten.

        Wenn über muslimischen Antisemitismus gesprochen wird, ist es durchaus relevant, dass Juden unter islamischer Herrschaft nicht gleichberechtigt waren und es auch dort Pogrome, Vertreibungen und Zwangskonversionen gab.

        Gerade heute sollte man historische Zusammenhänge nicht nur dann bemühen, wenn sie ins eigene Erklärungsmuster passen. Wer europäische Verbrechen und den Kolonialismus als Ursachen der Gegenwart anführt, kann den islamisch geprägten Teil der Geschichte nicht einfach mit dem Hinweis abtun, das sei schließlich Mittelalter.

        Entweder historische Kontexte sind relevant, oder sie sind es nicht. Das sollte dann aber für alle Seiten gelten.

        • marilyn.hanson

          @Zippism:

          Zum Beispiel aufgrund unserer westlichen Lieblinge, der Türkei oder Aserbaidschan, meinen Sie nicht? Wir können ja noch mal 10 Jahre warten, bis der Völkermord an den Armenier*innen noch ein drittes Mal versucht werden wird, mit politischer Rückendeckung und Öl- und Gasverträgen, "weil die Länder geostrategisch ja soooo wichtig" und weil "der Russe ja so schlimm" sei. Das rechtfertigt natürlich alles.



          Auch den Verrat Europas an seiner eigenen Wiege - wie er in Sonntagsreden des Bildungsbürgertums ja nicht müde wird zu behaupten - Griechenland und Zypern.

      • Comerade Aardvark

        @Volker Scheunert:

        Es handelt sich bei dem Text der Vorposterin nicht um einen Lösungsvorschlag, sondern eine Kritik an Tonalität des Artikels, und des gewählten Beispiels von 1840 als einer Art Kristallisationspunkt das modernen muslimischen Antisemitismuses. Es wird zurecht darauf hingewiesen, dass dieser keines französischen Konsuls in Damaskus bedurfte, sondern eine Traditionslinie bis zum Ursprung des Islams hat. Allerdings muss man auch erwähnen, dass 1) Al-Andalus im Hochmittelalter (und bis zum Ende) eine Art Grenzmark (mit Gegenkalifen und anderen Spaltereien) war und nicht pars pro toto für die islamische Welt stehen kann; 2) jene islamische Welt nicht so monolithisch war, wie es die Partei des jeweiligen Kalifen (des "richtigen" in Bagdad) gerne gehabt hätte; und 3) die Banu Nadir usw. auch als Christen, Polytheisten oder sonst was von der Partei Mohammeds dämonisiert worden wären, da sie deren militarisch-politischen Zielen im Weg standen - dass es Juden waren, war da wohl eher ein propagandistischer Kollaternutzen, nicht unbedingt der zentrale Faktor (letzterer Punkt ist eher eine Mutmaßung, über die Zeit vor dem Bagdader Kaltifat weiß ich wirklich nicht viel)

      • Reinero66

        @Volker Scheunert:

        Aber vom Auor wird ja das Gegenteil behauptet, deshalb ist die Anmerkung wichtig und richtig!

  • Pawel_ko

    Ganz interessanter Artikel...

    "Nach der Gründung Israels und der arabischen Niederlage im Krieg von 1948 gewann dieser Prozess eine neue Dynamik. Flucht und Vertreibung der Palästinenser, der Verlust Palästinas und die politische Ohnmacht arabischer Regime nährten das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen."

    Eines sollten sich mal die ganze Pro-Pali-Bewegung durch den Kopf gehen lassen. Wie ist der Islam in die Region gekommen? Mit dem Schwert.

    Eine Bevölkerungsgruppe, die als Israel bezeichnet wird, ist spätestens im späten 13. Jahrhundert v. Chr. in der Region belegt. Die berühmte Merneptah-Stele aus Ägypten nennt „Israel“.

    Also viele hundert Jahre bevor der Islam in die Region kam. 634–638 n. Chr. erobern erst Arabisch-muslimische Armeen die Region vom Byzantinischen Reich.



    Jerusalem kommt unter muslimische Herrschaft.

    Wie man da auf die Idee kommt Israel sei ein koloniales Projekt ist nicht nachvollziehbar. Es sind Natives die lediglich in ihre geraubte Heimat zurück gekehrt sind und seitdem unter ständigen Angriffen leiden.

    • Abdurchdiemitte

      @Pawel_ko:

      Wenn Sie in der Hebräischen Bibel/dem Alten Testament lesen, können Sie erfahren, dass viele Passagen sich mit der blutigen Landnahme Kanaans durch den semitischen Stamm der Hebräer auseinandersetzen. Und mit dessen religiösen Rechtfertigung.



      Was war also zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Eine absurde Disputation, die sich nur im Dunkeln der Geschichte verliert. Ungefähr so absurd wie die Behauptung, die deutsche Geschichte habe im Jahr 9 n. Chr. mit der Varusschlacht ihren Anfang genommen.



      Was weiterhin bitter nötig wäre: die Dekonstruktion national(istisch)er Geschichtsmythen angesichts eines überbordenden Nationalismus und pseudo-religiöser Besitzansprüche überall auf der Welt.

    • nihilist

      @Pawel_ko:

      Weiß nicht, wie viele Israelis ihre Abstammung bis in die vorislamische Zeit rückverfolgen können und wollen.



      Die Frage, wer die wahren Eingeborenen sind, führt da glaube ich nicht weiter.

    • Brombeertee

      @Pawel_ko:

      "Wie ist der Islam in die Region gekommen? Mit dem Schwert." Auch in unserem Kulturkreis ist vieles mit Gewalt entschieden worden, die Entstehung der USA mit Gewalt gegen Indigene Völker, die Grenzziehungen in Europa, die in vielen Fällen infolge von Siegen oder Verlieren im vorangegangenen Krieg entstanden. Fast immer das gleiche gewaltsame Spiel, dass die siegende Seite der besiegten den Willen aufdrückt. Abstimmungen wie im Saarland (ob es zu Frankreich oder Deutschland kommt) sind die Ausnahme. Mir ist dies bewusst geworden durch die Forderung der IHRA-Antisemitismus-Definition, Israel mit dem selben Maßstab zu messen wie andere Länder, was ich für richtig halte. Die anderen, wir anderen sind auch nicht besser, was diesen Punkt betrifft.

    • Marco Dorn

      @Pawel_ko:

      »Jedes Volk kämpft gegen die Kolonisation, solange es noch die geringste Hoffnung hat, sich davon zu befreien. So handeln die Araber von Palästina und so werden sie auch handeln, solange sie noch einen Funken solcher Hoffnung haben.«

      Jabochinsky / Die eiserne Wand

      Die sieben Seiten kann man ruhig mal lesen. Leider ist Jabochinsky, im deutschen Diskurs, praktisch vollkommen abwesend.

      • Kai Ayadi

        @Marco Dorn:

        Man könnte auch von Jabotinsky "Die jüdische Kriegsfront" lesen. Darin arbeitet er einen Verfassungsentwurf für das künftige Israel aus, in dem die Araber als anerkannte Minderheit mit gleichen Rechten leben. So wie es im real existierenden Israel auch ist ( z.T. diskriminiert).



        Im selben Buch zeigt Jabotinsky auch, warum die Juden sofort aus Deutschland ins Mandatsgebiet auswandern müssen (im Kapitel über die Konferenz von Evian...).



        Schließlich empfehle ich seinen schönen Roman "Die Fünf".



        Der Nahe Osten spielt darin keine Rolle, dafür aber Judentum und Antisemitismus. Und vieles mehr!

        • Abdurchdiemitte

          @Kai Ayadi:

          Es geht ja nicht darum, die rassistischen Bezüge in der revisionistisch-zionistischen Ideologie eines Vladimir Ze’ev Jabotinsky zu erörtern - die sind hinlänglich bekannt und erwiesen. Und da hilft auch kein Hinweis (Whataboutismus) auf arabischen oder muslimischen Antisemitismus.



          Diskutieren können wir allenfalls darüber, ob die Vorstellungen der rechten, völkischen Zionisten, ein Zusammenleben von Juden und Palästinensern in einem Staat sei aufgrund der unüberbrückbaren Gegensätze unmöglich, sich am Ende als realistischer erweist als der humanistische, tief in der jüdischen Ethik wurzelnde Zionismus eines Martin Buber, der die Gleichberechtigung und Anerkennung der palästinensischen Bevölkerung als unerlässlich für den Frieden und die Sicherheit der Juden in Palästina erachtete.



          Dass arabische Israelis im jüdischen Staat Israel, der er seit 2018 ist (Nationalstaatsgesetz), teils diskriminiert werden - jetzt wieder der (gescheiterte) Versuch, arabische Parteien von der Wahl auszuschließen -, schreiben Sie ja selbst.

    • sociajizzm

      @Pawel_ko:

      Und welche Religion hatten die historischen Palästinenser vor der Konvertierung zum Islam?



      .



      Die Vorfahren waren Natives in der Region, die und bei der Rückkehr wurden aktuelle sowie historische Natives vertrieben.



      .



      Und nicht nur Israel leidet unter Angriffen, auch andere leiden unter den Angriffen Israels und



      .



      Man kann die Bezeichnung als "koloniales Projekt" ablehnen und auch antisemitisch finden. Aber nachvollziehbar ist sie aus der Perspektive der Betroffenen und deren Sympathisanten dennoch.



      .



      Meine Vorfahren sind vor rund 500 Jahren aus Frankreich geflohen. Würden die Hugenotten nun mit Unterstützung von Weltmächten nach Frankreich zurückkehren, Menschen vertreiben und unterdrücken, dann könnte ich nachvollziehen, warum das von den derzeitigen Bewohnern als Kolonialismus wahrgenommen wird.

      • Zippism

        @sociajizzm:

        Der Hugenottenvergleich klingt zunächst plausibel, setzt aber zwei sehr unterschiedliche historische Situationen gleich. Juden sind nicht nach 2.000 Jahren aus Frankreich nach Palästina zurückgekehrt. Auch während der Diaspora gab es dort durchgehend jüdische Gemeinden. Viele weitere kamen infolge von Pogromen und später der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung in die Region.

        Auch bei der Nakba sollte man die Vorgeschichte und den Verlauf des Krieges nicht ausblenden: Der UN-Teilungsplan sah zwei Staaten vor, wurde von der arabischen Seite abgelehnt, und nach der Staatsgründung Israels griffen mehrere arabische Staaten militärisch ein. Der folgende Krieg führte zu Flucht und Vertreibung. Das macht nicht jede israelische Vertreibung legitim, gehört aber zur historischen Einordnung.

        Was dabei ebenfalls häufig fehlt: In mehreren arabischen Staaten wurden jüdische Gemeinden verfolgt, entrechtet, vertrieben oder zur Flucht gezwungen. Hunderttausende Juden verließen etwa den Irak, Ägypten, Jemen und Libyen. Wer Flucht und Vertreibung ernsthaft betrachten will, sollte diese Geschichte nicht einfach ausblenden.

      • Comerade Aardvark

        @sociajizzm:

        Ich verstehe was sie meinen, finde die Idee mit der Hugenotten -Remigration allerdings irgendwie amüsant. Gedenkt Coligny - Rache für den 23. August!

      • Carl Rouberg

        @sociajizzm:

        Leider hinkt der Vergleich komplett. Juden haben schon lange vor dem jüdischen Staat In Palästina gelebt unter Osmanischer Herrschaft. Nicht die Juden wollten die arabische Bevölkerung vertreiben, sondern die arabische Bevölkerung die Juden, als eine Teilung Palästinas in zwei Staaten von der Uno vorgesehen wurde 1948.

        • Abdurchdiemitte

          @Carl Rouberg:

          Die Araber wollten die Juden in den Anfangsjahren der Alijah wahrscheinlich genau so wenig vertreiben wie umgekehrt die (in Palästina einwandernden) Juden die Araber. Wie sonst hätten die autochthonen palästinensischen Grundbesitzer den jüdischen Neueinwanderern ihr Land verkaufen können, wenn sie sich davon keinen beiderseitigen Vorteil versprochen hätten? Und die frühen Zionisten noch dazu bereit waren, ihre vermeintlichen Besitzansprüche friedlich und nicht mit Gewalt durchzusetzen?



          Es lohnt sich darüber nachzudenken, welches die Faktoren waren, die die Stimmung in den Beziehungen zwischen Juden und palästinensischen Arabern irgendwann zum Kippen gebracht haben.



          Mein Tipp: es hat mit dem aufkeimenden Nationalismus in der Region zu tun, der diese Beziehungen vergiftete - bekanntlich eine eher säkulare, moderne europäische ‚Erfindung‘, die mit dem Verhältnis von Juden, Christen und Mulimen zunächst nur wenig zu tun hat.

          • N. Ietsche

            @Abdurchdiemitte:

            Der Großvater von al Husseini hat schon als die allerersten Juden aus dem Jemen nach Palästina kamen zu Terror aufgerufen. Das war Anfang der 1880er. Die ersten Progrome gegen Juden in der Moderne gab es in Palästina, ähnlich wie im gesamten Nahen Osten und Europa in den 1830ern. Da war noch exakt kein Jude eingewandert.

        • EffeJoSiebenZwo

          @Carl Rouberg:

          ‚Nicht die Juden wollten die arabische Bevölkerung vertreiben, sondern die arabische Bevölkerung die Juden, als eine Teilung Palästinas in zwei Staaten von der Uno vorgesehen wurde 1948.‘

          Ilan Pappe behauptet in ‚The Ethnic Cleansing of Palestine‘ aber das komplett Gegenteil und belegt das auch.

          • Zippism

            @EffeJoSiebenZwo:

            „Ilan Pappé behauptet das“ ist erst einmal kein Beleg dafür, dass es tatsächlich genau umgekehrt war. Seine Darstellung der Nakba, vor allem die Einordnung als planmäßige ethnische Säuberung, ist in der Forschung durchaus umstritten.

            Man sollte außerdem Ursache und Ergebnis nicht vermischen. Dass es auf jüdischer Seite Pläne und konkrete Vertreibungen gab, bedeutet nicht automatisch, dass die arabische Seite 1947/48 keine Vertreibungsabsichten gegenüber der jüdischen Bevölkerung hatte oder mit dem Kriegsausbruch nichts zu tun hatte.

            Die Ereignisse von 1948 lassen sich nicht seriös auf „die einen wollten vertreiben, die anderen waren unschuldig“ reduzieren. Es gab Flucht, Vertreibungen, lokale Entscheidungen und militärische Operationen. Der Krieg eskalierte nach dem UN-Teilungsplan und seiner Ablehnung durch die arabische Seite.

            • Abdurchdiemitte

              @Zippism:

              Das hört sich doch schon wesentlich differenzierter und der Wahrheit näher an als die obenstehenden Kommentare von @EffeJoSiebenZwo und @N.Ietsche.

              • EffeJoSiebenZwo

                @Abdurchdiemitte:

                Nur zur Sicherheit: mein Kommentar war eine Replik auf das vorherige Statement von Rouberg, das ich wiederum zu wenig differenziert fand.

                • Abdurchdiemitte

                  @EffeJoSiebenZwo:

                  Sorry, da habe ich wohl was falsch eingeordnet. Kann passieren im Eifer des Gefechts.😉

        • sociajizzm

          @Carl Rouberg:

          Es gibt auch arabische Juden und die Vorfahren vieler heutiger Moslems in der Region waren selbst Juden oder Christen.



          .



          Und die Nakba war mit Sicherheit keine einseitig verschuldete Tragödie, keine Frage.



          .



          Genauso sicher ist jedoch, dass im derzeitigen Konflikt 1 Seite mit deutlicher Übermacht seit Jahrzehnten die andere unterdrückt.



          .



          Da dies mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Westen geschieht, erzeugt dies nachvollziehbar das Gefühl von Kolonialismus.



          .



          Ich will damit nicht sagen, dass der Begriff korrekt ist, aber verstehen kann ich es.

          • Budzylein

            @sociajizzm:

            Die Palästinensische Autonomiebehörde und die UNRWA (deren größter Geldgeber vor Trumps Amtsantritt die USA waren) werden aber ebenfalls tatkräftig aus dem Westen unterstützt und wären ohne die Finanzierung aus dem Westen nicht oder nur eingeschränkt handlungsfähig. Merkwürdigerweise wird das immer gern ausgeblendet.

            • marilyn.hanson

              @Budzylein:

              Teile und hersche. Kolonialismus 101. Auch: "werteorientierte (am besten noch zusätzlich: "feministische") Außenpolitik.



              Komisch, dass der globale Süden skeptisch bleibt, oder nicht?

        • Marco Dorn

          @Carl Rouberg:

          Also gab es nur wiederwillige Vertreibungen der arabischen Bevölkerung?

          “Man kann die Realitaet verleugnen aber nicht die Konsequenzen der Realitaetsverleugnung.”

          Ayn Rand