Ende der Aufpäppelphase

Tapetenwechsel im Reisepavillon

Der "Marktplatz für anderes Reisen" geht in diesem Jahr selbst auf Tour: nach Stuttgart

  Bild: Konrad Mostert/sxc

Der Pavillon kann die Veränderung gut gebrauchen. Denn in den letzten Jahren waren die Zahl der Aussteller der Messe für anderes Reisen, die seit 1991 in Hannover stattfindet, sowie die Zahl der Veranstaltungen des Rahmenprogramms spürbar gesunken. Und auch die Besucherzahlen stagnierten. Der Reisepavillon, eine Mischung aus Messe- und Informationsveranstaltung, versteht sich als Plattform für sozial verantwortlichen und umweltfreundlichen Tourismus.

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Was mit 37 Ausstellern als lokale Kleinschau für die alternativ reisende "Müsli und Wollsocken"-Klientel begann, hatte sich im Lauf der Jahre zu einer professionell organisierten Tourismusmesse entwickelt: einem Treffpunkt für Reiseveranstalter, Vertreter touristischer Zielgebiete, Wissenschaftler, Journalisten und ganz gewöhnliche Besucher, ein Seismograf für aktuelle Reisetrends im Bereich des nachhaltigen Tourismus. Auf dem Reisepavillon gründete sich vor zehn Jahren auch das Forum Anders Reisen (FAR), ein bunter Haufen von zwölf Veranstaltern aus der alternativen Reiseszene. Inzwischen zählt der Verband mehr als hundertvierzig kleine und mittelständische Reiseveranstalter, deren Jahresumsatz in den vergangenen Jahren jeweils um mehr als zehn Prozent stieg. Doch vor allem die FAR-Mitglieder sind dem Reisepavillon zunehmend ferngeblieben, weil sie meinen, dass sich ein jeweils eigener Stand nicht mehr rechne. Früher spiegelten bis zu vierzig Stände die Vielfalt der Forum-Veranstalter, die sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben haben. Heute steht der Messebesucher vor einem Gemeinschaftsstand, der nur noch Alibifunktion zu haben scheint: Es gibt Poster und Broschüren, aber der persönliche Kontakt fehlt weitgehend. "Das ist zwar bedauernswert", erklärt Roland Streicher, Verbandspräsident vom Forum Anders Reisen, "aber Hannover ist wegen der geringen Buchungszahlen für unsere Mitglieder nicht mehr interessant gewesen." Der Reisepavillon sei keine Publikumsmesse, deshalb seien viele Aussteller zu umsatzstärkeren Reisemessen wie Köln oder Stuttgart abgewandert. Streicher begrüßt den Messeumzug nach Stuttgart.

 

Anke Biedenkapp, Geschäftsführerin von Stattreisen Hannover, ist Gründerin und Macherin beim Reisepavillon. Jedes Jahr muss sie den Drahtseilakt der Finanzierung überstehen, Förder- und Stiftungsmittel auftun. Sie bemüht viel Metaphorik, um ihre Sicht der Entwicklung zu beschreiben: "Der Reisepavillon war ein Theater mit einer Bühne, auf der die Veranstalter spielen konnten." Jetzt hätten viele die Phase des Aufpäppelns hinter sich, flüchteten aus dem Nest. Enttäuschung schwingt in ihrer Stimme mit. Aber wer die zähe Frau kennt, die für ihr nachhaltiges Engagement für den Reisepavillon zahlreiche Tourismuspreise einheimste, weiß, dass sie nicht so schnell aufgibt. Jetzt dockt sie mit dem Reisepavillon an Deutschlands größte Urlaubsmesse, die CMT (Caravan, Motor, Touristik) in Stuttgart, an.

Im Januar wird der Reisepavillon achtzehn. Doch ein Marktplatz, selbst einer "für anderes Reisen", braucht auch Stände, möglichst viele Stände, um ein attraktives Angebot für Besucher bereitzustellen. Laut Pressemitteilung sind es in Stuttgart "rund dreihundert Aussteller aus dem In- und Ausland"; die Onlinedatenbank des Reisepavillons verzeichnet hingegen weniger als die Hälfte. Wie ist diese beträchtliche Diskrepanz zu erklären? "Dreihundert ist gemittelte Zahl aus konkreten und mittelbaren Ausstellern", sagt Anke Biedenkapp. Übersetzt soll das heißen: Das Forum Anders Reisen hat zwar wieder nur einen Gemeinschaftsstand, vertritt aber durch seine Präsenz mittelbar hundertvierzig Aussteller.

Jenseits aller Kraftakte und Zahlenspiele wartet der Reisepavillon mit ansprechenden Schwerpunkten auf. Zum Beispiel "Tourismus und Wasser - Freizeit und Reisen an See-Fluss-Meer" und "Touristische Perspektiven in Zeiten des Klimawandels".

 
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