Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Endlich habe ich Nici geheiratet.

Nie mehr Schmetterling

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Endlich habe ich Nici geheiratet.

Am Tag nach der Hochzeit wirft das Glück sein Licht auf das Antlitz der neuen Madame Sarkozy.  Bild: reuters

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Liebes Tagebuch, ich bin traurig. Sag, soll alles schon vorbei sein? Wo es doch gerade erst begonnen hat? Keiner glaubt an unsere Liebe. Alle machen sich nur lustig über uns, machen Witze und reden schmutziges Zeug. Es gibt dämliche Filmchen über uns im Internet. Eine Karikatur zeigt Nici als hormonduseligen Präsidenten, der auf dem Golfplatz immer am Loch vorbei schlägt. Ständig kommt sein Berater und meckert rum Es ist alles so erbärmlich! Ich halte das nicht mehr aus! Ich will das nicht!

Und ständig bin ich allein. Ich bin gerade aus dem Keller gekommen, wo ich in meinem Studio - Nici hat in seinem Élysée-Palast ein Tonstudio für mich einrichten lassen, so bin ich immer schon da, wenn er mittags oder abends nach Hause kommt - die Lieder für mein neues Album durchgehen wollte. Aber mir kommen nur traurige Töne über die Lippen und die Gitarre klingt, als würde sie weinen. Um acht wollte Niki hier sein. Jetzt ist es schon zwanzig nach neun. Wenigstens gibt es in diesem Scheißpalast immer etwas zu trinken. Ich werde gucken, ob ich die Küche finde, und mir ein Fläschchen Champus holen. Ob ich vielleicht auch "Bridge over troubled water" für die Platte einspielen soll?

 

Ach, mein liebes Tagebuch, wie konnte ich so dumm sein, und an allem zweifeln?! Nici sagt, das ist, weil ich Künstlerin bin. Wahrscheinlich hat er recht. Er ist so ein kluger Mann! Wie er das macht, so einen ganzen Staat zu lenken! So einfach nebenbei, das ist schon toll. Wir Italiener sind da nicht so - galant. Ja, galant ist das richtige Wort.

Trotzdem, der Druck auf uns wächst ständig. Sein PR-Berater, sagt, wir sollten heiraten. Das würde "Ruhe in die Angelegenheit" bringen. "Angelegenheit!" Ich bin für die eine Angelegenheit, für dieses ignorante Pack! Mama findet das auch eine gute Idee mit dem Heiraten. Dann würde ich vielleicht nicht mehr wie ein Schmetterling leben, sagt sie. Aber nun mal ehrlich, liebes Tagebuch, sind die denn alle verrückt? Ich und heiraten! Ich lass mich doch nicht einsperren in so n maroden, französischen Schrottpalast, wo schon die Putten von den Decken fallen.

Am Nachmittag habe ich eine SMS von Eric (Clapton, Anm. d. Red.) bekommen. Er schreibt, wenn ich den Zwerg heirate, bringt er sich um. Er ist immer noch nicht drüber weg. Der Ärmste

 

Ich habe mir das noch mal überlegt mit dem Heiraten und finde die Idee gar nicht mehr so doof. Ich wäre die erste Première Dame, von der es richtig heiße Nacktfotos gibt. Also öffentlich, meine ich. Ich bin die Präsidentengattin, und egal, wen wir treffen, wohin wir reisen, alle wissen, wie gut ich aussehe. Das gefällt mir. Nici ist ja wegen der Fotos wahnsinnig stolz auf mich, weil er von allen Seiten angesprochen wird. Die anderen Politiker sind alle total neidisch, weil er sich traut, ne tolle Freundin zu haben und nicht so ne Trockenfrucht in Rüschenbluse.

Für meine neue Platte habe ich auch schon eine tolle Idee. Nachdem mir die Franzosen die Fiat-Werbung übel genommen haben, mach ich es wieder gut - ich lass mich als Marianne fotografieren, in eine blau-weiß-rote Schleppe gehüllt. Von Herb Ritts. Ach, nee, der ist ja schon tot. Von Kalle Lagerfeld? Mal sehen. Wird auf jeden Fall n Knaller. Und das mit der Hochzeit ist vielleicht doch nicht so übel

 

Ach, liebes Tagebuch, jetzt geht alles so schnell. Übermorgen soll schon Hochzeit sein. Nur die engste Familie und ein paar Freunde aus der Rüstungsindustrie. Sogar die Presse soll draußen bleiben. Wozu mach ich denn den ganzen Scheiß?! Kann mir das mal einer sagen? Na gut, sein Berater sagt, danach hält er sich zurück. Das will ich hoffen!

Freitag, 1. 2. 2008

Morgen Mittag ist es so weit. Ich bin schon ganz aufgeregt. Nici möchte, dass ich das Hochzeitskleid seiner Mutter trage. Er sagt, das sei eine alte ungarische Familientradition. Aber es ist so winzig! Ich habe gesagt, dass ich es aus Versehen zu heiß gewaschen habe, und habe mir schnell was bei Muccia bestellt. Keine Ahnung, wie seine beiden ersten Frauen da reingepasst haben

Samstag, 2. 2. 2008

Oh, liebes Tagebuch, jetzt bin ich schon seit sieben Stunden Madame Sarkozy, Gattin von Frankreich. Das fühlt sich so gut an! Ich habe gleich anordnen lassen, dass diese lebensgefährlichen Putten abgeschlagen werden. Ich glaube, ich werde etwas Schick in den Palast bringen. Eric hat wieder gesimst. Er hat gesagt, er bringt sich jetzt um. Was soll ich machen? Ach Mist, liebes Tagebuch, ich muss jetzt aufhören, die Gäste warten, ich soll etwas singen. Ich melde mich wieder

AUFGEZEICHNET VON SILKE BURMESTER

Die Wahrheit auf taz.de

 

Alles über die Bruni im Élysée-Palast und ihren Alltag mit Sarkozy. Auf der Wahrheit.

05. 02. 2008

Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Sonntags kürt sie bei Spiegel Online die „Helden der Gegenwart“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. für Die Zeit, das Zeit-Magazin, billige Studentenblätter und ja, sie macht auch PR. 2012 veröffentlichte sie „Beruhigt Euch“ ein Pamphlet gegen die Hysterie der Medien, 2008 „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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