die wahrheit

Schatten der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Szenen einer Ehe.

Spaziergang mit Leibwächter, Monsieur le Président, Ehefrau, Stiefmutter, Vater.  Bild: ap

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Montag, 4. 2. 2008

Verdammte Scheiße. Ich glaube, ich habe einen Riesenfehler gemacht. Ich habe Eric (Clapton, Anm. d. Red.) zugesagt, er dürfe auf meiner neuen Platte einen Song spielen. Nur, um ihn zu beruhigen. Nur, um zu verhindern, dass er hier auf meiner Hochzeit auftaucht und ein Schlachtfest veranstaltet. Eben brachte der Bote den siebzehnten Song, den er seit Samstag komponiert hat: "Tears in Palace". Ich muss mir unbedingt was einfallen lassen, wie ich ihn wieder loswerde!

Mitwoch, 6. 2. 2008

Also, mein liebes, liebes Tagebuch, seit fünf Tagen sind Nic und ich jetzt Mann und Frau. Ich hätte nie gedacht, dass es sich so schön anfühlen könnte, die Freiheit, die Unabhängigkeit aufzugeben. So muss sich eine richtig gute SM-Beziehung anfühlen, wenn man den devoten Part hat: aus Liebe, aus Hingabe das Ich zu negieren und sich in demütiger Wolllust in den Schatten des anderen zu stellen. Ein Problem nur, dass der Schatten so klein ausfällt. Ich versuche wirklich inständig, darin zu verschwinden, aber ständig guckt irgendein Teil von mir hervor. Auch im übertragenen Sinne.

Ich habe manchmal wirklich das Gefühl, ich sei schlauer als Nici. Gestern Abend haben wir "Wer wird Millionär?" geschaut und schon bei der 5.000-Euro-Frage hätte Nic seinen Telefonjoker anrufen müssen. Und das nach der Blamage am Mittag bei den Rumänen, wo er sein Podest hinterm Rednerpult vergessen hatte. Alle nachfolgenden Sprecher haben sich einen Witz draus gemacht, sich zum Mikro zu bücken. Ich hab dann so getan, als wüsste ich die Antwort - Wer spielte in "Vom Winde verweht" die weibliche Hauptrolle? - auch nicht, hab schnell den Kasten ausgemacht und gesagt, ich sei müde. Er hat den Wink verstanden. Zum Trost habe ich ihm auf dem Kamm seine Nationalhymne geblasen. Da gings ihm zum Glück wieder besser.

Freitag, 8. 2. 2008

Liebes Tagebuch, ich habe wirklich versucht, eine gute Ehefrau zu sein. Ich versuche es täglich. Auch will ich nicht mehr so selbstsüchtig sein und weiß, dass ich mich nicht mehr so viel selbstverwirklichen kann, bis die Umfragewerte wieder besser sind. Aber! Da hat doch diese Krähe von Cécilia (Ex-Ehefrau von Sarkozy, Anm. d. Red.) verbreiten lassen, er wäre zu ihr zurückgekommen, wenn sie nur einen Wink gegeben hätte! Noch eine Woche vor unserer Hochzeit!

Liebes Tagebuch, ich muss Dir nicht erzählen, dass ich getobt habe. Dass ich meinem kleinen Pygmée eine Szene sondergleichen in seinem Palast hingelegt habe. Mit meinen Ballerinas hab ich nach ihm geworfen, so geschrien, dass gleich wieder eine von diesen verdammten Putten runtergerauscht ist Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube ihm, dass es nicht stimmt. Dass Cécilia uns einen mitgeben will.

Da war es mir eine Genugtuung, seine Versöhnungsgeste anzunehmen: Drei Telefonate und mein süßer Nici hatte Karten für die Scala. Mit dem Helikopter von Nicolas (Bazire, Anm. d. Red.), das ist sein Freund von LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton, Anm. d. Red.), sind wir nach Mailand geflogen, mit drei Extrarunden über dem Louvre.

Montag, 11. 2. 2008

Heute ist ein wunderbarer Tag! Die Sonne schien schon am frühen Morgen, und ich wusste gar nicht, was schöner ist, ihre Strahlen auf meinem Körper zu fühlen oder die zarten Lippen des Mannes, den ich so liebe Zum Glück war es eine osteuropäische Delegation, die einen Termin hatte, die konnte man auch eine halbe Stunde verschieben

Und der Tag ging so gut weiter! Am Mittag kam Nicis PR-Berater mit einem tollen Vorschlag - ich war zunächst etwas überrascht, dass er mit mir sprechen wollte, er weiß, ich mag ihn nicht. Also, es gibt eine Anfrage aus Hollywood! Unsere Beziehung, unsere "Macht der Liebe" soll verfilmt werden. Und nun, liebes Tagebuch, stell Dir vor, Tom Cruise soll Nici spielen! Tom Cruise, der passt genau! Und ich soll die Filmmusik machen! Komponieren und singen! Ist das nicht toll?!! Das bringt mich zurück auf die internationale Bühne! Welch elegante Art, wieder Gehör zu finden! Wir haben nächste Woche einen Termin mit Frank Schirrmacher, dem gehört die Frankfurter Zeitung oder so, wegen einer möglichen Preisverleihung nächstes Jahr. Tom kann den nicht bekommen, der hat ihn dieses Jahr bereits erhalten, aber wir könnten wohl ausgezeichnet werden, meint Schirrmacher. Für unseren Mut, gegen alle Widerstände zu unserer Liebe zu stehen. Schirrmacher kennt den Besitzer des Verlages, der den Preis vergibt: Henry Burda. Na ja, und wenn nicht, dann rufen wir Arnaud an (Arnaud Lagadère, Rüstungsindustrieller und Eigentümer von Paris Match und Journal du Dimanche, Anm. d. Red.), der wird es schon in die Wege leiten können.

So, liebes Tagebuch, ich muss noch den Impfpass von Aurélien (Brunis Sohn, Anm. d. Red.) suchen. Ich melde mich wieder

Die Wahrheit auf taz.de

 

Alles über die Bruni im Élysée-Palast und ihren Alltag mit Sarkozy. Auf der Wahrheit.

12. 02. 2008

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