Personenführung #49: Peter Unfried

Der Fragensteller

Peter Unfried gibt Impulse, vergreift sich am Godfather of Kritische Theorie und gewinnt den Theodor-Wolff-Preis.

Bild: Marco Limberg

Das vielleicht schönste Kurzgeschichtenformat hat er vor zehn Jahren für den Berliner Lokalteil der taz erfunden. Dialogminiaturen wie diese: „Adorno ist vier / die Mutter trinkt Bier. / Mutter (seufzt): ,Weißt du, Adorno, manchmal gehe ich abends ins Bett, starre an die Decke und denke: Wenigstens hast du ihn heute nicht geschlagen.' Adorno (interessiert): ,Wen?'”

Wahre Dramen aus auch seinem alternativ-modern-ökologischen Familienalltag mit Frau und zwei Kindern, die Adorno und Penelope hießen. Vor fast drei Jahren mündeten diese Betrachtungen in das Buch „Autorität ist, wenn die Kinder durchgreifen”, einen Familienroman der besonderen Sorte.

„unfriedesk”

Aber was heißt „besonders!”? Nenne man es besser „unfriedesk”: Seine Schreibweise ist unique, keine könnte vom verlautbarenden Polit- und Agenturdeutsch weiter entfernt sein: Peter Unfried, 1963 in Schwäbisch Gmünd geboren, bei renommierten Blättern wie dem Hohenloher Tagblatt und dem Schwäbischen Tagblatt gelernt habender Journalist, hat mit dieser Haltung der Exzeptionalität – um mal ein Prunkwort einzubauen – der taz viele Impulse zu geben gewusst: Die Rubrik „verboten” entstammt seiner Grübelei, ebenso der Gesellschaftsteil taz zwei, die sonntaz nicht minder.

1994 kam er zur taz, von 1999 bis 2009 war er ihr stellvertretender Chefredakteur. Vor fünf Jahren begann sein Leben als Chefreporter der Zeitung; er ist seitdem ständig unterwegs. Kürzlich traf er die Schriftstellerin Karin Duve zur Porträtsitzung; oder er analysierte den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

Riechsalz vor Indigniertheit

Immer die Ökofrage im Blick, deren Beantwortung er im Sinne globaler Gerechtigkeit für dringlicher hält als alles, was an Gerechtigkeitsgefühlen – lokal bis global – verletzt sein möge. Einige Nasen in dieser Zeitung baten um Riechsalz vor Indigniertheit, als Unfrieds Reportage „Auf der Suche nach Adorno” am 29. Juni 2013 erschien. An Heiligen wie dem Godfather of Kritische Theorie hat man sich nur ausnahmsweise zu vergreifen, und wenn, dann doch nicht mit einem Fernsehplauderer wie Richard David Precht

Ausgerechnet mit diesem erkundete Peter Unfried im Gespräch den Zustand deutscher Intellektualität und was Richard David Precht zu den großen Fragen der Zeit zu sagen hat.

Für diese Geschichte ist Peter Unfried der renommierte Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse” zuerkannt worden – wir sagen herzlichen Glückwunsch einem Kollegen, den man nicht beleidigt, nennt man ihn ein taz-Urgestein an Ideen und Fantasie, ökologischen natürlich.

JAN FEDDERSEN