Nach kanadischen Gebietsansprüchen

Putin will in der Arktis Stärke zeigen

Nördlich des Polarkreises erhöht Russland seine Militärpräsenz. Eine Botschaft an Kanada, das sein Territorium am Nordpol gerne ausdehnen möchte.

Russischer Militärhafen Seweromorsk mit dem Atomkreuzer „Peter der Große“. Bild: imago / Thomas Lebie

MOSKAU afp | Nach Ansprüchen Kanadas auf eine Erweiterung seines Staatsgebiets will Russland in der Arktis die Militärpräsenz erhöhen. Die Streitkräfte müssten dort „besondere Aufmerksamkeit“ auf die Errichtung von Infrastruktur und die Stationierung militärischer Einheiten verwenden, sagte Präsident Waldimir Putin am Dienstag bei einem Treffen im Verteidigungsministerium. Am Montag war bekannt geworden, dass Kanada sich mit neuen Gebietsansprüchen an die UNO gewandt hatte.

Russland engagiere sich in dieser Zukunftsregion wieder stark und müsse daher alles daran setzen, „um seine Sicherheit zu gewährleisten und seine nationalen Interessen zu verteidigen“, sagte Putin bei dem im Fernsehen übertragenen Treffen. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu entgegnete, dass Putins Anordnungen strikt befolgt und zeitnah, nämlich im kommenden Jahr, umgesetzt würden.

Konkret geht es unter anderem um Arbeiten an der Luftwaffenbasis in Seweromorsk an der Barentssee sowie um die Wiederinbetriebnahme des Militärflughafens in Tiksi im Nordpolarmeer. Zudem soll eine Basis aus Sowjetzeiten auf den Neusibirischen Inseln wieder instandgesetzt werden.

Lomonossow-Rücken macht den Unterschied

Kanadas Außenminister John Baird hatte am Montag gesagt, dass Beamte und Wissenschaftler mit weiteren Arbeiten beauftragt worden seien, „um sicherzustellen, dass der Anspruch Kanadas das ganze Ausmaß der Kontinentalplatte bis zum Nordpol umfasst“. Die kanadische Regierung beruft sich auf den sogenannten Lomonossow-Rücken, eine Landverbindung unter dem Meer. Sie reichte in der vergangenen Woche bei der UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels einen entsprechenden Antrag ein.

Ottawa begründet in dem Antrag gestützt auf neue Vermessungsergebnisse des Meeresbodens im Osten und Norden der Küste den Anspruch auf ein erweitertes Seegebiet. Der Antrag betrifft demnach vor allem den Atlantik, enthält aber auch vorläufige Informationen zum Nordpolarmeer. Die Arbeiten, um die äußere Grenze von Kanadas Festlandsockel in der Arktis zu bestimmen, würden fortgesetzt, sagte Baird weiter. Dies könne auch die Erhebung weiterer Daten rund um den Nordpol einschließen.

Die regierenden Tories von Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper wollen seit langem die Souveränität über Teile der Arktis und die angrenzenden Gewässer ausweiten. Das Interesse an dem Gebiet stieg stark, seit das Schmelzen des Eises wichtige Schifffahrtsrouten öffnete und die Ausbeutung bislang unzugänglicher Ressourcen ermöglicht. In der Region werden rund 13 Prozent der bislang nicht entdeckten Erdölvorkommen und etwa 30 Prozent der noch unbekannten Gasvorkommen vermutet.

Russland hatte im Jahr 2007 für heftige Proteste gesorgt, als es zum Zeichen seines Anspruchs auf die Rohstoffvorkommen eine russische Flagge auf dem Grund des Ozeans hissen ließ. Der Meeresgrund am Nordpol selbst gilt als wenig rohstoffreich, er ist jedoch von großer symbolischer Bedeutung.

 

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