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Kommentar Europäischer Datenschutz Ein wenig sicherer

Kommentar von

Svenja Bergt

Die Richtung muss stimmen: Datenschutz sollte als Innovationsanreiz und nicht als Bremsvorrichtung gesehen werden.

V ideoüberwachung und automatisierte Gesichtserkennung überall. Daten, die auf ewig gespeichert werden. Algorithmen, die aus Gesundheitsdaten den Beitrag für die Krankenversicherung errechnen. Wie würde eine Welt ohne Datenschutz aussehen? So? Oder noch viel schlimmer?

Das Recht darauf, unbeobachtet zu sein, gilt häufig als Bremsvorrichtung. Bei Strafverfolgern, in Wirtschaft und Politik. Bis hin zur Bundeskanzlerin, die kürzlich verlautbaren ließ, der Datenschutz dürfe auf keinen Fall zu Lasten von Big Data gehen – gegen die Interessen der Wirtschaft also.

Datenschutz ist als vermeintliches Verhinderungsinstrument so verinnerlicht, dass es zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden ist. Denn: Wer das Recht auf Privatsphäre als bremsend versteht, wird damit auch bremsen.

Und das, weil es keinen Anreiz gibt, Datenschutz als das zu betrachten, was er eigentlich sein kann: ein Innovationstreiber. Ein Impulsgeber dafür, nach neuen Lösungen zu suchen, die jenseits des einfachsten Weges liegen.

Soziales Netzwerk mit Klarnamen? Das kann jeder. Aber wie sieht es aus, wenn die Nutzer unerkannt unterwegs sein wollen – ist dann trotzdem eine Vernetzung machbar? Ein Kurznachrichtendienst, der die Adressbücher ausliest – einfach. Aber gibt es auch einen Weg, der das vermeidet und es trotzdem erlaubt, Freunde und Bekannte zu finden?

Der Datenschutz sollte als Innovationsanreiz und nicht als Bremse gesehene werden

Doch solche Ansätze entstehen nur, wenn das Recht auf Privatsphäre auch durchgesetzt wird. Denn natürlich ist es billiger, sich um nichts zu kümmern – das gilt in Sachen Umweltschutz oder Arbeitsbedingungen genauso. Also braucht es nicht nur Gesetzesvorhaben, sondern auch Sanktionen.

Die Datenschutzgrundverordnung, die das EU-Parlament am Donnerstag verabschiedet hat, ist zumindest ein erster Schritt dahin, das zu ändern. Jetzt kommt es darauf an, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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