die wahrheit

Wirren der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Rauchwolken im Élysée-Palast

Er bringt sie immer noch zum Lachen: Nici Sarkozy und seine Première Dame auf Staatsbesuch in Afrika : ap

Mon cher journal intime

Liebes Tagebuch,

wir sind wieder zurück aus Afrika. Mein erster Staatsbesuch als Première Dame. Diesmal ist alles gut gegangen, zum Glück. Keine Patzer, keine Ausreißer. Allerdings wirke ich doch etwas blass auf den Bildern. Diese schwarzen Witwen-Fummel machen mich recht farblos. Auch fällt es mir schwer, immer zwei Schritte hinter Nici zu bleiben, wie dieses anachronistische Protokoll es verlangt. Das ist umso schwieriger, denn seine Beinchen sind so kurz. In der Zeit, in der er zwei Schritte macht, habe ich ihn mit einem immer schon eingeholt. Le Figaro hat gelästert, dass wir uns für einen Staatsempfang zu verliebt geben würden. "Turteltauben im Kriegsgebiet" titelten sie. Das ist wieder der Neid des Kleinbürgers! Sie können es uns einfach nicht lassen. Maman hat völlig recht, wenn sie sagt, nur das Großbürgertum wäre wirklich frei und großzügig.

Dummerweise haben die Medien in der Zwischenzeit spitz gekriegt, dass Nici das Interview zu dem Blödmann-Skandal hat umschreiben lassen. Ich habe ihm ja gleich gesagt, dass er das geschickter anstellen muss. Aber er meint, jetzt, da die Besitzer der Medienhäuser seine Freunde sind, könne ihm nichts mehr passieren. Ich bin überrascht, wie naiv er doch manchmal ist.

Heute habe ich gelesen, Eric (Clapton, Anm. d. Red.) sei eingeladen, in Nordkorea ein Konzert zu geben. Es läge aber noch keine Zusage vor. Ja, wie denn auch! So weit ich weiß, ist der immer noch in der Psychiatrie, wegen der Nummer, die er hier neulich gebracht hat. Ich werde Mick (Jagger, Anm. d. Red.) mal anrufen, ob er vielleicht was weiß.

Ich bin so traurig! Heute Nacht habe ich meine Regel bekommen. Ich hatte so gehofft Mein kleiner Nick war sehr anteilnehmend. Er hat mich zu seinem Lieblingschinesen eingeladen, aber mir war nicht nach Essen. Er hat dann stattdessen meine Füße massiert, und wir haben ein wenig "Wer wird Millionär?" geschaut. Zum Glück war es bis zur 16.000-Euro-Frage ganz leicht. Nici wird immer so grantig, wenn er die Antworten der ersten Fragen nicht kennt, und ich hätte es nicht ertragen, wenn er wieder alle Aufmerksamkeit bekommen hätte. Ich bin wirklich traurig. Ein Kind wäre so schön. A) weil ich immer ein zweites wollte, b) damit Aurélien etwas zum Spielen hat, c) weil ich merke, dass für unsere Liebe ein neues Bindemittel her muss, und d) damit mir irgendetwas bleibt, sollte der ganze Scheiß hier doch noch den Bach runtergehen.

Apropos Bach - im März reisen wir nach England, um die Königin zu treffen. Ich habe schon einen karierten Reitanzug bei Jean-Paul (Gaultier, Anm. d. Red.) in Auftrag gegeben.

Und leider, leider muss ich doch noch einmal toben! Ich hatte mir ja vorgenommen, ruhig zu bleiben und meine Mitte zu halten. Aber die Presse raubt mir den letzten Nerv. Kaum lassen sie von uns ab, inszenieren sie Cécilia (Sarkozy, die vorherige Gattin, Anm. d. Red.) als die neue Diana. "Die Blessuren der Cécilia" titelt die französische Gala! "Ist sie die neue Diana?" Das hat mir doch gerade noch gefehlt! Wenn sich hier eine als Diana fühlen darf, dann ja wohl ich! Wenn eine das Gefühl hat, wir führten eine Ehe zu dritt und sie müsse den Mann teilen, dann bin das immer noch ich mit dieser alten Krähe im Rücken! Ständig ruft sie an, weil noch irgendwelche Reste von ihrem Malzeug im Palast sein sollen oder das Kind den Vater sehen will! Und wie weich seine Stimme dann wird Aber nein, ich will mich nicht aufregen, das tut mir nicht gut, in meinem Zustand.

Ein ganz kurzer, klitzekleiner Eintrag, gleich kommt mein Schatz von der Sitzung: Mir geht es wieder gut! Mir geht es so gut! Ich bin vorhin durch den Hintereingang ausgebüxt und zu Benjamin (Biolay, Anm. d. Red.) gefahren. Ich habe mich seit Wochen nicht mehr gemeldet, aber er war mir nicht bös. Er hat gesagt: "Carla, ich liebe dich, das weißt du, egal, was du tust." Wir haben eine Riesentüte geraucht und das hat einfach, einfach gut getan. Da war ich wieder ich selbst. Seither bin ich wieder ich selbst. Es war so wunderbar, einfach Carla zu sein, sich in seine speckigen Kissen zu lümmeln und einfach Ich zu sein. Ohne Aufgaben, ohne Kontrolle. Ich werde jetzt gleich Nici davon erzählen, dass wir wieder mehr wir selbst seien müssen. Und dass wir, dass das Volk dieses ganze Tamtam nicht braucht. Ich werde den Palast für das Volk öffnen lassen. Wir könnten Begegnungsräume einrichten. Menschen könnten hier "sein", ohne zu "müssen". Wir könnten eine neue Kultur des Regierens begründen. Eine Revolution der Macht starten. Wir könnten singen und tanzen und - und Kinder würden diesen toten Palast zu einem Hort der Lebendigkeit machen. Benjamin hat mir noch was mitgegeben. Ich glaube, ich werde mir noch schnell ein kleines Röllchen bauen, bevor mein Präsident kommt.

SILKE BURMESTER

Die Wahrheit auf taz.de

 

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben