DIE WAHRHEIT

Irische Goldhamster

Die Olympischen Spiele sind vorbei, die Iren haben eine einzige Goldmedaille gewonnen. Oder waren es mehr? Sind Usain Bolt und Dong Dong nicht eigentlich auch Iren?

Die Olympischen Spiele sind vorbei, die Iren haben eine einzige Goldmedaille gewonnen. Oder waren es mehr? Sind Usain Bolt und Dong Dong nicht eigentlich auch Iren? Wenn sich jemand irgendwo auf der Welt in der Unterhaltungsbranche, der Politik oder dem Sport hervortut, forschen irische Hobby-Genealogen sofort nach. Meistens werden sie fündig. Bei Barack Obama stießen sie auf einen irischen Urururgroßvater. Das bedeutet zwar, dass der US-Präsident nur ein Achtzehntel-Ire ist, aber da das irische Gen dominant ist, kann man ihn trotz seiner etwas unirischen Hautfarbe vereinnahmen.

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Michelle Obama ist genauso irisch wie ihr Mann: Ihre Urururgroßmutter Melvinia war eine Sklavin, die von ihrem Eigentümer Charles Shields geschwängert wurde. Dessen Großvater war Andrew Shields, der aus Irland eingewandert war.

Viele US-Politiker sind entsetzt, dass die Iren einem irischstämmigen Politiker in der westirischen Stadt Galway ein Denkmal setzen wollen. Das wäre eine Beleidigung für jeden US-Touristen, behaupten sie. Was geht sie das an? Schließlich ist Che Guevara Ire, seine Oma Anna Isabel Lynch stammte aus Galway.

Auch die berühmteste Band aller Zeiten ist irisch: George Harrisons Vorfahren erhielten im 13. Jahrhundert wegen ihrer Dienste für Wilhelm den Eroberer Ländereien in Irland. John Lennons Urgroßmutter Eliza Jane Gildea stammte aus der irischen Grafschaft Tyrone, sein Opa James Lennon aus Dublin. Paul McCartneys Großeltern mütterlicher- wie väterlicherseits stammten aus Irland. Nur bei Ringo Starr lassen sich keine irischen Vorfahren finden, aber Drummer waren schon immer etwas sonderbar. Übrigens ist auch Bruce Springsteens Oma Martha O’Hagan Irin. Kein Wunder, dass er so gut singen kann.

Weil Walt Disneys Vorfahren an einer Rebellion gegen den König teilnahmen, mussten sie aus England verschwinden und flohen nach Irland. Urgroßvater Arundel Disney, in Kilkenny geboren, wanderte 1801 in die USA aus. Alfred Hitchcocks Mutter Emma Jane Whelan war ebenfalls Irin. Sie heiratete den Gemüsehändler William Hitchcock, der eine irische Mutter hatte. Hitchcock ist also Zweidrittel-Ire. William McCarty Junior ist dagegen nur Halb-Ire, seine Mutter Catherine kam während der Hungersnot 1847 nach New York. William wurde später Outlaw, erschoss 21 Menschen und wurde als Billy the Kid berühmt.

Muhammad Ali schützte seine Hautfarbe ebenso wenig wie das Ehepaar Obama davor, von den Iren als einer der Ihren reklamiert zu werden. Vor drei Jahren ernannte man ihn zum Ehrenbürger der westirischen Stadt Ennis, weil sein Urgroßvater Abe Grady von dort stammte und 1860 in die USA auswanderte, wo er eine afrikanische Exsklavin heiratete. Ali, schon von der Parkinson’schen Krankheit gezeichnet, musste eine Gedenktafel am Geburtshaus seines Ahnen enthüllen. Auf Transparenten begrüßte man ihn: „Willkommen zu Hause, Ali O’Grady!“

Wäre doch gelacht, wenn die Iren nicht bei der Hälfte der Olympiasieger irische Wurzeln fänden.

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13. 08. 2012

Geboren im April 1954 in Berlin. Im Alter von drei Jahren in der Lage, zu telefonieren, um notfalls Hilfe rufen zu können, wenn die Eltern abends ausgingen. Mit 14 Torschützenkönig der Schulmannschaft im Fußball (mit einem Tor ? es war das einzige in der gesamten Saison, brachte aber einen Sieg ein). 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren.“ und „Der gläserne Trinker“ (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch),

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