Die Wahrheit

Arschloch an Bord

Ab 2014 gibt es neue farbige Autokennzeichen.

Der Schilderwald in Deutschland wird unübersichtlicher: Jetzt kommen auch farbige Autokennzeichen dazu.  Bild: dapd

Vor einem halben Jahr hat Verkehrsminister Peter Ramsauer einen Vorschlag zur Neuregulierung des Punktesystems für Verkehrssünder vorgestellt. Und obwohl die Neuerungen seinerzeit von den Verkehrsteilnehmern und den entsprechenden Verbänden eifrig diskutiert wurden, fiel doch eine nicht ganz unwesentliche Veränderung in der Öffentlichkeit mehr oder weniger komplett unter den Tisch: die Erweiterung der Farbpalette bei Kfz-Kennzeichen.

taz paywall

Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?

Mehr Infos

taz.de

Neben den gängigen Nummernschildern mit der üblichen schwarzen Beschriftung ist vor allem das rote Nummernschild bekannt, das von Kfz-Händlern für Überführungs- oder Probefahrten genutzt werden darf. Aber auch grüne Nummernschilder für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge oder Vehikel gemeinnütziger Hilfsorganisationen sind auf bundesdeutschen Straßen Alltag.

Dieses Sortiment soll nun durch die Farbe Braun erweitert werden, deren exklusive Ausgabe allerdings strengen Kriterien unterliegen wird, wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums gestern im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin zum Thema erklärte. Das neu zu vergebende Nummernschild soll demnach ab 2014 ausschließlich für Arschlöcher vorgesehen sein.

„Um ein braunes Nummernschild zu bekommen, bedarf es allerdings schon einiger verkehrstechnischer Widerwärtigkeiten“, so der Pressesprecher, „Jeder hat schon mal eines der Kriterien erlebt: Man sieht beispielsweise bei einer Fahrt auf der Autobahn im Rückspiegel einen mit circa 240 Stundenkilometern heranfliegenden Wagen der gehobenen Preisklasse, der – so man sich selbst zum Überholen auf der linken Fahrspur befindet – einen mit Lichthupe und dauerhaft links gesetztem Blinker zum unverzüglichen Spurwechsel auf die für einen selbst vorgesehene rechte Fahrbahn drängt, um weiterhin möglichst ungebremst seine persönliche Fahrspur nutzen zu können.

Dieses Manöver wird gern unterstützt durch besonders dichtes Auffahren, das sich auch bei zügiger Fahrt durchaus im Nanometerbereich bewegen kann.“

Ähnlich gelagerte Vorgänge sind allerdings auch innerhalb geschlossener Ortschaften an der Tagesordnung. So können etwa das Parken über mindestens zwei Parkplätze, das Anfahren mit quietschenden Reifen, das Hupen bei geringstmöglichen Anlässen, das Abspielen extrem lauter Idiotenmusik bei herabgesenkten Scheiben oder das Überfahren eines Zebrastreifens mit dem Handy am Ohr hier nur ausgewählte Beispiele sein.

Doch damit man bereits von weitem erkennt, mit wem man es zu tun hat, soll in Zukunft das braune Arschloch-Nummernschild nicht nur für fragwürdige verkehrsmoralische Vergehen vergeben werden. Es ist auch geplant, das neue Kennzeichen direkt – und damit gleichsam farblich bestens abgestimmt – an die Dienstwagen sämtlicher NPD-Funktionäre und führender Verfassungsschutzmitarbeiter auszugeben.

Lediglich V-Leute, die in den entsprechenden rechtsextremistischen Organisationen installiert wurden, sollen ein Kennzeichen mit braun-grüner Beschriftung bekommen, da ihre Aufgabe (siehe grünes Nummernschild) durchaus als gemeinnützig, wenn auch bei entsprechender Verschwiegenheit komplett sinnlos anzusehen ist.

Inwiefern sich der interessierte private Verkehrsteilnehmer allerdings selbst um ein braunes Nummernschild bewerben kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Vielmehr scheint es nach dem momentanen Stand der Dinge eher wahrscheinlich, dass es einen neuen Punktekatalog geben wird, der einem Arschloch erst bei entsprechender Punktzahl automatisch ein braunes Nummernschild zuweist.

Kritiker halten die neue Farbe im System allerdings für einen Fehler. „Allein die Versicherungskonditionen sind beschissen!“, erklärt der Verkehrspsychologe Dr. Guntram Beierlein von der Universität Höxter und gibt zu bedenken, dass eine sichtbar vermehrte Zahl von Arschlöchern auf deutschen Straßen auch zu einem immensen Anstieg der Unfallzahlen führen wird. „Sie sehen das Arschloch, wollen ausweichen und landen am Baum!“

Davon will das Bundesverkehrsministerium nichts wissen und verweist auf interne Untersuchungen. Das Fazit im Hause Ramsauer: Ob braun oder nicht, Arschloch bleibt Arschloch.

Die Wahrheit auf taz.de

 

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben