Fahrzeuge im Tausch gegen Beratung

Nabu bleibt bei VW an Bord

Trotz des Abgasskandals arbeitet der Nabu weiter mit VW zusammen. Dabei hatte er öffentlich erklärt hat, die Kooperation sei ausgelaufen.

Nabu-Fahrzeug mit Volkswagen-Werbung

Weiter gemeinsam mit VW unterwegs: Nabu-Fahrzeug in Berlin.  Foto: Malte Kreutzfeldt

BERLIN taz | Entgegen seiner bisherigen öffentlichen Darstellung arbeitet der Naturschutzbund (Nabu) trotz des Abgasskandals weiterhin offiziell mit dem Autokonzern Volkswagen zusammen. Zwar sei die bisherige Kooperation zum Jahresende ausgelaufen, sagte der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger auf taz-Anfrage.

Doch inzwischen gebe es einen neuen Vertrag: Der Nabu darf weiterhin einen Passat und einen Up von VW kostenlos nutzen. „Das ist eine Gegenleistung dafür, dass wir den Konzern bei seinem Neuanfang beraten“, erklärte Oeliger. „Powered by Volkswagen“ steht wie bisher neben dem Nabu-Logo auf den weißen Autos.

Ein weiteres Fahrzeug stellt die VW-Tochter „Volkswagen Financial Services“ dem Nabu zur Verfügung – im Rahmen einer eigenen Kooperation zum Moorschutz, die unverändert fortbesteht. Auch die Internetseite www.volkswagen-nabu.de, auf der die gemeinsamen Aktivitäten von Konzern und Umweltverband präsentiert werden, ist nach wie vor online.

„Die wird von Volkswagen betrieben“, sagt Oeliger über die Seite, die auch das Nabu-Logo ziert. „Darauf haben wir gar keinen Zugriff.“ Aufgrund der Anfrage will er aber darauf drängen, dass dort deutlicher wird, dass die bisherige umfassende Kooperation nicht fortbesteht.

Der Nabu hatte seine seit 15 Jahren laufende Kooperation mit Volkswagen nach Bekanntwerden des Abgasskandals nicht gekündigt. Der Umweltverband kündigte im September aber an, den zum Jahresende 2015 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, sofern das Unternehmen nicht eine Reihe von Forderungen erfüllt.

Die letzte offizielle Aussage zum Thema im Oktober besagte, der Verband habe „sämtliche Gespräche für eine Fortsetzung ausgesetzt und alle Projekte auf Eis gelegt“.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, in seinen Fahrzeugen eine Abschalteinrichtung zu nutzen, die die Abgasreinigung außerhalb von offiziellen Prüfständen abschaltet, was zu stark erhöhten Konzentrationen schädlicher Stickoxide führt.

Anmerkung der Redaktion:

In diesem Text stand zunächst, dass der Nabu nicht kommuniziert habe, dass die Kooperation mit der VW-Tochter Volkswagen Financial Services weiterhin fortbestehe. Auf der Webeseite findet sich tatsächlich kein Hinweis darauf, doch gegenüber den Nachrichtenagenturen dpa und epd hatte der Verband dies im Oktober offengelegt. Darum haben wir diese Aussage entfernt.

Zudem erklärt Nabu-Verkehrsreferent Dietmar Oelinger nun, dass die kostenfreie Nutzung der VW-Fahrzeuge keine Gegenleistung für die Beratung von VW durch den Nabu sei. Das steht im Widerspruch zur eindeutigen, auf Nachfrage bestätigten Aussage vom Vortag.

 

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