Kommentar Trump in China

Autokrat und Möchtegern

Trump scheint ohne Konzept gereist zu sein – muss aber unbedingt einen Erfolg mit nach Hause bringen. Die Lösung der Weltprobleme sieht anders aus.

Donald Trump und Xi Jinping lächeln sich zu

Scheinen sich prächtig zu verstehen: Donald Trump und Xi Jinping Foto: ap

Noch in seinem Wahlkampf hatte US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin hofiert und auf China eingeschlagen. Die Chinesen spielten falsch, hielten sich nicht an die Regeln, seien Währungsbetrüger, polterte Trump. Exakt ein Jahr nach seinem Wahlsieg sind die US-amerikanisch-russischen Beziehungen vollkommen zerrüttet. Stattdessen sitzt Trump in der Großen Halle des Volkes in Peking und nennt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping einen „sehr besonderen Mann“ und betont, zwischen beiden herrsche eine „großartige Chemie“. Und wenn sie nur beide wollten, meint Trump, könnten sie alle Probleme der Welt lösen.

Man darf vermuten, dass Trump der pompöse, bombastische Empfang mit militärischem Tschingderassabum gefallen hat, den ihm die chinesische Führung bereitet hat. Zu glauben, dass sein Ton deshalb so freundlich zurückgenommen ist, wäre allerdings Quatsch. Vielmehr scheint es so, dass Trump einfach ohne jedes Konzept zu den strukturellen Fragen der US-chinesischen Handelsbeziehungen losgefahren ist, angesichts der Häufung innenpolitischer Probleme aber irgendeinen Erfolg mitbringen muss.

Ein paar Wirtschaftsabkommen – konkrete Deals, keine strukturverändernden Handelsabkommen – müssen dann als große Errungenschaft herhalten. Ein paar positive Schlagzeilen über das ostentativ gute Verhältnis beider Staatschefs und ein bisschen gemeinsames „Du, du, du!“ an Nordkorea kommen dazu.

Dass die Welt allerdings mit dieser Annäherung zweier Machtmenschen, die unter anderem ihre geringe Wertschätzung freiheitlicher und demokratischer Spielregeln eint, irgendwie besser dran sein wird, ist kaum zu erwarten. China befindet sich nach wie vor auf dem Weg rücksichtsloser ökonomischer Expansion in alle Teile der Welt, und die USA rüsten militärisch auf wie seit Jahrzehnten nicht.

Sicher: Gerade deswegen kann niemand wollen, dass sich zwischen diesen beiden Supermächten ein Konflikt womöglich bis zur militärischen Eskalation entspinnt, weder über Einflusssphären im Pazifik noch über Nordkoreas Atomwaffenprogramm, bei dem sie ja tatsächlich immer mehr an einem Strang zu ziehen scheinen. Aber die Lösung der Weltprobleme – Klimawandel, Nahrung, Trinkwasser, Frieden – einem rational kalkulierenden tatsächlichen und einem verantwortungslosen Möchtegernautokraten anzuvertrauen – das denn doch bitte lieber nicht.

 

Jahrgang 1965, Nicaragua-Aktivist in den 80ern, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft. Seit ein paar Jahren engagiert auch in der Jury des taz-Panterpreises. Ist auf Facebook, befreundet sich aber mit niemandem, den er nicht persönlich kennt.

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