Kommentar Trumps Rede vor der UNO

Peinlich und aggressiv

Es war eine brutale Rede, die US-Präsident Trump vor den Vereinten Nationen gehalten hat. Leider hatte er keine Ahnung, was er da sagte.

Ein riesiger TV-Bildschirm mit Trump, davor ein Passant

TV-Bild der Rede Trumps vor den UN in Tokio Foto: ap

Diplomatie ist die Kunst des Verhandelns, des geduldigen und leisen Vorgehens, der Suche nach Verbündeten und dem Versuch, Konflikte zu vermeiden. Donald Trump ist das ganze Gegenteil: Er ist das laute, prahlerische und verletzende Wort. Das Diktat. Die Ungeduld. Der Alleingang. Das Recht des Stärkeren. Und das Säbelrasseln.

Bei seiner ersten Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen hat Trump mehr von nationalen Interessen, von Souveränität und von „Amerika Zuerst“ geredet, als von gemeinsamem internationalem Vorgehen. Er hat einem anderen UN-Mitglied (Nord Korea) die „totale Vernichtung“ in Aussicht gestellt. Hat die „vielen Aufrechten“ zur Konfrontation mit den „wenigen Bösen“ aufgerufen. Hat Kuba und Venezuela neue Eskalationen angekündigt. Hat den größten diplomatischen Fortschritt der letzten Jahre (das Iran-Atomabkommen) als „Peinlichkeit“ für die USA bezeichnet und seine Aufkündigung in Aussicht gestellt. Und hat keine einzige der aktuellen schweren Krisen erwähnt – weder die Vertreibung der Rohingya, noch die humanitäre Katastrophe im Jemen und schon gar nicht die Klimaveränderung.

Wenn es nach Trump geht, sollen Flüchtlinge in ihren Herkunftsregionen bleiben – weil das besser und billiger sei. Und wenn einige (nicht namentlich benannte) Regionen „zur Hölle gehen“ – nun, dann ist das eben so. Vermeidung oder Beeinflussung von internationalen Krisen? Konstruktive Vorschläge für den Umgang damit? So etwas kommt bei ihm nicht vor.

Es war eine brutale Rede, die konfrontativste, die je ein US-Präsident in den Vereinten Nationen gehalten hat. Dabei richteten sich Trumps' Feindseligkeiten nicht nur gegen „Schurkenstaaten“, sondern auch gegen die Allierten der USA und die Institution der Vereinten Nationen. Er übertrug seine düstere und katastrophistische Sicht seines eigenen Landes („amerikanische Verwüstung“) auf die globale Ebene.

Seine einzige Expertise: die aggressive Pose

Im Inneren der USA kann Trump qua Amt den Ton und die Stimmung angeben. Aus dem Kreis seiner Berater und Minister ist – anders als bei früheren Präsidenten – kaum Kritik zu vernehmen. Trump erwartet absolute Loyalität. Doch in der UNO repräsentiert er nur eines von 193 Mitgliedern. Die USA zahlen, wegen ihrer wirtschaftlichen Stärke, zwar die höchsten Mitgliedsbeiträge, aber darüber hinaus bringt dieser Präsident nichts mit, das die Organisation bereichern kann.

Dieser US-Präsident bringt nichts mit, was die UN als Organisation bereichern kann

Er hat nicht einmal Ahnung von den Ländern und Regionen, über die er jetzt bellizistische Reden schwingt. In seinen neun Monaten im Amt hat Trump es nicht einmal geschafft, die Spitzenpositionen in den wichtigen Abteilungen des Außenministeriums zu besetzen. Der Präsident, der jetzt der Welt den richtigen Umgang mit dem „Raketenmann“ erklärt und der sich anschickt, nach dem Pariser Klimaabkommen ein zweites internationales Abkommen aufzukündigen, hat weder eigene außenpolitische Erfahrung noch Fachleute, die ihn beraten. Seine einzige Expertise ist die aggressive Pose. Die UNO sollte sich davon nicht beeindrucken lassen.

 

Seit Januar 2017 haben die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten: Donald Trump. Wie der Republikaner das Land verändert.

Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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