Neuer Bundestrainer: Wenn Kloppo auf Castingtour geht, stehen alle Jungs stramm
Vorläufig funktioniert seine Methode ziemlich gut: Deutschlands Cheftrainer schöpft aus dem Vollen und erwischt dabei den ein oder anderen Goldbuben.
I n der deutschen Nationalmannschaft des Männerfußballs – ja, auch der hat seine Existenzberechtigung – hat nun der neue National-Kloppo das Sagen. Das merkt man. Er krempelt alles um, denkt das Spiel vollkommen neu, brennt alte Erbhöfe nieder. Er hebt jeden Stein und blickt darunter: Könnte nicht vielleicht auch da noch ein kleiner Nationalspieler hervorkrabbeln, der bis dahin unbemerkt im Dunkeln vor sich hin kickte?
Ja, er könnte. Als neulich die sogenannte Nations League anstand, hat er Spieler gecastet wie nichts Gutes. Seine Werber fuhren durchs ganze Land, machten in den Branntweinschenken und Vereinsheimen junge Männer betrunken, versprachen ihnen unsterblichen Ruhm und auch viel Fun. Sie lockten die einfältigen Burschen mit einem schweren Silberpfennig, den sie über den Tisch rollen ließen, bis er in einer Schnapspfütze liegen blieb. Der sei ihrer, wenn sie gegen Serbien und Griechenland ins Feld der Ehre zögen.
Und ehe sich die Unglücklichen versahen, trugen sie am nächsten Morgen schon die weiße Uniform des DFB, an den Füßen schwere Fußballstiefel, während ein Spielmannszug die Hymne schmetterte. Tschingderassabum, die Fahne wehte über der Kampfbahn, in der sich die Nations im Ballkrieg maßen. Von den das Schlachtfeld säumenden Rängen winkte tränenden Augs die Mutter, Feinsliebchen auch dabei.
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So kam es, dass kein fucking Schwein jenen jungen Buben kannte, der nach seinem ersten Länderspieltor freudestrahlend und mit roten Bäckchen auf beiden Knien über die Spielwiese schlitterte, wobei er tiefe Furchen in den Rasen grub. Keiner hatte den Unerfahrenen gewarnt, wie sehr der Platzwart schimpfen würde. Aber egal, Tor blieb Tor, das konnte dem Debütanten keiner nehmen.Völlig unbekannt auch die anderen Rekruten, die dennoch wacker ihr Bestes gaben.
Der geniale Plan des Kloppo war aufgegangen. Die Erweiterung des Pools eröffnete Unmengen neuer Möglichkeiten. Und das ist erst der Anfang. Denn auch in anderen Berufsgruppen – Bäcker, Müllwerker, Ingenieure – ließe sich gewiss das eine oder andere feine Füßchen draften. Zig Millionen potenzieller Neunationalspieler scharren mit den Stollenschuhen. Auch unser Autor sitzt bereits in den Startlöchern. Vergessen alles Greisentum, vergessen sämtliches Gebresten. Wenn Kloppo ruft, ist er dabei.
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