Personenführung #124: Thilo Adam

Auf Zack – in passenden Intervallen

Thilo Adam schrieb auf Stuttgarter Lokalebene über Literatur und Musik, nun fügt er seinen Erfahrungen Themen aus politisch-journalistischer Perspektive hinzu.

Optimistischer Frühaufsteher, mit Ausblick von der taz-Dachterasse Bild: Burhan Yassin

Fein und elegant ist er, schlank mit seinen 23 Jahren. Und vor allem: auf Zack. Nicht zackig im zuckenden Sinne, sondern dass er stets planmäßig forsch vorangeht; dabei fehlt ihm nicht das Gespür für die Größe des Schrittes, der Weite der Bewegung und der Kürze der nötigen Pausen.

Vielleicht wären diese Eigenschaften anders beschrieben, wenn nicht bekannt wäre, dass Thilo Adam als Jazzschlagzeuger ausgebildet wurde – an einer Stuttgarter Musikhochschule als einer der beiden knappen Plätze seines Jahrgangs. Und das ist zu merken: Zu der Strenge, Disziplin und Zielgerichtetheit blitzt genau im richtigen Intervall eine swingende Leidenschaftlichkeit hindurch: Wenn aufmerksam Zuhörende die leisen Glucklaute und das angedeutete rhythmische Pfeifen wahrnehmen, schimmert das Musikalische hindurch.

In die Weite gezogen: journalistisch auf Deutschlandreise

Das taz.meinland-T­eam und er – das trifft sich: Direkt der nächste Termin führte uns auf Tour in die direkte Nähe seiner gerade erst verlassenen Heimat, nach Nürtingen. Dazu besitzt er dann das passende Insiderwissen über die dortigen basisdemokratischen Bewegungen, was zur Interviewführung prädestiniert.

Erfahrungen auf lokaler journalistischer Ebene gab es bereits, vor allem Rezensionen über Literatur und Klassik. Sein Erfahrungsdurst jedoch ist noch lange nicht gestillt. Nach Berlin wird ihn dieser Anfang Oktober in süddeutsche Gefilde führen. Nach drei Monaten harter taz.meinland-Schule sollen dort andere Horizonte das Panorama erweitern, um vom Probeeinsatz weiter Richtung festangestellter Vollzeitarbeit zu rücken.

Denn bei all den Plänen wusste er stets: Der Lebensunterhalt und das musikalische Geschick sollten getrennt bleiben. Seine berufliche Perspektive nennt er selbst bescheide­ner­weise „egoistisch und un­idea­lis­tisch … eben einfach etwas, was mir liegt und Spaß macht“ – direkt mit Menschen zu sprechen, und davon zu berichten und zu erzählen. Und bei all der frühaufsteherischen Fitness – um doch noch ein Schwabenimage zu bedienen – sind wir uns jetzt schon sicher: Auch in einer Stadt wie Berlin werden ihm – diesmal entgegen dem Klischee – Türen und Herzen der Menschen offen stehen.

LION HÄBLER, Autor der taz