TV-Spots zur Wahl in Sachsen-Anhalt

Trommeln, Schnecken, Schäferhunde

Spaßbefreit oder innovativ? Wir haben uns die Wahlwerbespots der Parteien vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angesehen. Ein Ranking.

Eine Schnecke, dahinter verschwommen ein rotes Auto

Tiere sind sehr beliebt in den TV-Spots zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Screenshot: www.youtube.com/user/dielinkelsa

Platz 8: AfD

(Link führt auf Google Cache)

„Ey, guck mal, wir hatten doch mal einen Spot, der war richtig gut“ – „Na gut, machen wir noch mal“. Die AfD setzt auf das bewährte Mittel, Schauspieler zu casten, die ihre Sorgen in die Kamera plappern – um die Sorgen dann mit AfD-Wahlkampfslogans aufzugreifen. Bürokratieabbau, mehr Breitbandnetz, Kitaplätze und Landärzte – und ganz wichtig: Die Ausländer müssen weg. Sonst kann die hübsche junge braunhaarige (!) Frau nämlich „nicht mehr unbeschwert und sicher feiern gehen“. Bleibt die Frage, was es in Sachsen-Anhalt zu feiern gibt.

Fazit: Gähn. Denkt euch was Neues aus.

Platz 7: Grüne

Die Grünen verzichten ganz auf Menschen (immerhin keine Schauspieler) und setzen auf Symbole und Geräusche. Innerhalb von 30 Sekunden werden so die wichtigsten Wahlkampfthemen verhandelt: Natur, Tiere, TTIP, Bildung, Migration. Ja, das muss reichen, um die Wähler zu überzeugen. Oder haben die Grünen das Land schon aufgegeben?

Fazit: Enttäuschend langweilig, spaßbefreit, einfallslos.

Platz 6: SPD

Katrin Budde pur! Ihr Gesicht in Großaufnahme vor weißem Hintergrund. Sie erzählt mit ernster Miene (dem Zustand der SPD im Land angemessen) eine Minute am Stück von ihren Plänen und Zielen. Unfreiwillig komisch wird es angesichts von Umfragewerten um 16 Prozent, wenn sie verkündet: „Ich will Ministerpräsidentin werden, um die Potenziale Sachsen-Anhalts endlich voll zu nutzen.“

Fazit: Verzicht auf Peinlichkeiten – aber auch auf Humor und neue Ideen.

Platz 5: Die Rechte

(Suchhilfe Google)

Trommeln zur Einstimmung, dann plötzlich gefühlige Klaviermusik und zum Schluss noch ein schmissiger Neonazi-Song. Musikalisch ist die Rechte damit weit vorne. Visuell dagegen weit hinten. Mit wackeliger Handkamera wird die Parteifahne gefilmt, während eine extrem wütende Frauenstimme krächzt, dass wir uns „dieses Land zurückholen müssen“. Dann hat die Rechte wohl gemerkt, dass das nicht so klappt mit dem Bewegtbild. Also lieber Standbilder: Stadtansicht, Naturansicht, Eisenbahn – und ein deutscher Schäferhund. Vor lauter visuellen Eindrücken kann man sich kaum auf die wütende Frau konzentrieren.

Fazit: Musikalisch top, visuell ein Flop. Immerhin weiß die Partei, was sie kann – und was nicht (Bewegtbild).

Platz 4: FDP

Der Beat geht ins Ohr – klar, ist wahrscheinlich einer von diesen vorinstallierten auf den Billig-Keyboards, die in den 80er und 90ern die Kinderzimmer der Republik zustellten. Dazu zeigt die FDP, wie schön Sachsen-Anhalt ist (Fachwerkhäuser, Sonnenuntergänge und noch mehr Häuser). Was Spitzenkandidat Frank Sitta in seinem Büro erzählt, ist egal. Zeigt lieber wieder die schönen Häuser! Nur eins noch: Die Büropflanze müsste mal wieder gegossen werden.

Fazit: Beste Musik, dazu ein paar Sätze des Spitzenkandidaten, der sich auch bürgernah zeigt.

Platz 3: CDU

(Link auf Facebook)

Nach diesen 90 Sekunden muss man seine Zelte abreißen und nach Sachsen-Anhalt ziehen. Schon krass, wie toll es da ist. Echte Menschen (Radiomoderator, Student, Rentnerin, junge Mutter, Fluthelfer ...) erzählen, wie schön das Land der Frühaufsteher ist, seitdem Ministerpräsident Reiner Haseloff regiert. Da gibt’s Arbeit, Bildung, Kitas und Flutschutz. Was will man mehr?

Fazit: Klassischer Spot mit realen Menschen, die nicht über Probleme reden, sondern über das, was erreicht wurde. Wird funktionieren.

Platz 2: Linke

Igitt, eine Schnecke! Schleimig, eklig, langsam. Bäumt sich mal suchend auf, wenn die Off-Stimme über Flüchtlinge spricht, die Hilfe suchen. Schleicht sich aus dem Bild, wenn die Abwanderung junger Menschen thematisiert wird und wird von einem Miniaturrennwagen abgelöst, den Spitzenkandidat Wulf Gallert in die Hand nimmt. Der darf dann auch noch 15 Sekunden über „Aufbruch, Sicherheit und Solidarität“ sprechen.

Fazit: Chapeau, Linkspartei. Die Idee ist gut, die Umsetzung auch. Einziger Wermutstropfen: Man hätte konsequent bei der Schnecke bleiben sollen.

Platz 1: Tierschutzpartei

Die Tierschutzpartei fährt die ganz großen Geschütze auf: den Bundesvorsitzenden Matthias Ebner. Der sitzt am Tisch und erzählt, was schiefläuft im Land. Und weil er weiß, dass Menschen einfach nicht zuhören können – oder den Ton beim Fernsehen abstellen, sobald die Werbung kommt –, zeigt er passende Fotos. Wenn er von den vielen Staus spricht (ähm, Staus? In Sachsen-Anhalt?), sehen wir ein Foto von – na? – genau: einem Stau. Spricht er von dem Kükenmord, zeigt er – und? – ja genau, Küken! Ganz schön clever!

Fazit: Die Tierschutzpartei weiß, wie es läuft in der heutigen Medienwelt. Visuelle und auditive Reize werden bedient, dazu etwas Mitleid und Ärger.

*** Nachtrag, 7. März ***

Die goldene Ehrennadel geht an an DIE PARTEI für ihren überaus engagierten, thesenstarken, wohldurchdachten, musikalisch hoch anspruchsvollen und vor allem originellen Wahlwerbespot, der zum Zeitpunkt der Erstellung des Rankings online noch nicht verfügbar war.

 

Im März haben Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz gewählt und im September folgte Mecklenburg-Vorpommern. Nun hat Berlin die Wahl.

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