Virus im Kongo

Ebola verbreitet Angst

Am Kongo-Fluss wütet eine neue Ebola-Epidemie. Zwar hat das Land Erfahrung im Umgang mit der Seuche, doch das Risiko einer Verbreitung ist groß.

ein gelber Wurm vor lila Grund

Partikel eines Ebola-Virus, aufgenommen unter einem Elektronenmikroskop Foto: ap

„Ebola: Kinshasa bedroht!“ titelt die kongolesische Tageszeitung La Tempête des Tropiques am Dienstag und ruft zu verstärkten Kontrollen auf: Jeden Tag dampfen Handelsschiffe voller Lebensmittel und Fisch aus dem Urwald den Kongo-Fluss hinunter in die über zehn Millionen Einwohner zählende Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo – und rund 500 Kilometer flussaufwärts wütet seit gut vier Wochen eine der tödlichsten Seuchen der Welt.

Das Ebola-Virus wurde am 8. Mai in der Region um die Kleinstadt Bikoro festgestellt, rund 125 Kilometer südlich der Millionenstadt Mbandaka. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählte bis Montag 18 Tote bei 39 Erkrankungsfällen. Besonders viel scheint das noch nicht, aber die systematische Feststellung des Virus hat gerade erst begonnen.

Ebenso wie beim Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014, der in drei Ländern über 11.000 Tote forderte, kommen die ersten Fälle jetzt aus einem kaum zugänglichen Urwaldgebiet. Der betroffene Landkreis Bikoro ist in der aktuellen Regenzeit nur auf dem Wasser- oder Luftweg zu erreichen, die Landepiste in Bikoro kann nur Hubschrauber aufnehmen – und von dort sind es nochmal 30 Kilometer durch den Regenwald bis in die Gemeinde Ikoko Impenge, Heimat der ersten bestätigten Ebola-Kranken.

Kongos Präsident lobt Zusammenarbeit

Mobile Testlabors zum Nachweis des Virus’ vor Ort trafen am Wochenende in Bikoro ein. „Wenn alle Teams vor Ort sind, könnten wir die Epidemie in zwei bis drei Monaten unter Kontrolle bringen“, sagte in Kinshasa Jean-Jacques Muyembe-Tamfum, Direktor des Nationalen Biochemischen Forschungsinstituts.

Am Samstag reiste WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Kinshasa, sprach mit Kongos Präsident Joseph Kabila und lobte die „gute Zusammenarbeit“ – keine Selbstverständlichkeit, nachdem Kongos Regierung zuletzt immer empfindlicher auf Alarmrufe von Hilfswerken reagierte. Während Ärzte ohne Grenzen in Bikoro jetzt ein Isolationszentrum aufbaut, will die WHO erstmals einen Ebola-Impfstoff testen, der im Zuge der Westafrika-Epidemie entwickelt wurde. 4.000 Impfdosen stünden bereit, sagte WHO-Afrikadirektor Matshidiso Moeti.

Es ist Kongos neunter Ebola-Ausbruch seit 1976, und kein Land hat so viel Erfahrung im Umgang mit dieser Seuche. Dennoch ist eine unkontrollierte Weiterverbreitung ein großes Risiko. Die Kleinstadt Bikoro ist eine Fischergemeinde an einem See an einem Zufluss des Kongo-Flusses; der Fang geht in die Millionenstädte Mbandaka und Kinshasa. Am anderen Ufer des Kongo-Flusses beginnt das Nachbarland Kongo-Brazzaville. Die WHO hat mehrere afrikanische Länder zu Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de