Vorwurf der Terrorunterstützung in Gaza

Entwicklungshelfer vor Gericht

35 Millionen Dollar für die Hamas: Der World-Vision-Leiter in Gaza steht unter Verdacht, Spendengelder umgeleitet zu haben.

Menschen mit Plakaten, auf denen al-Halabi abgebildet ist

Kundgebung für den Angeklagten, Mohammed al-Halabi Foto: reuters

JERUSALEM taz | Das Verfahren gegen Mohammed al-Halabi, leitender Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation World Vision im Gazastreifen, findet unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Wenn es um den Halabi-Fall geht, sage ich gar nichts“, erklärte sein Anwalt Mohammed Mahmud am Dienstag zum Prozessbeginn im israelischen Be’er Scheva. Nur, dass das Verfahren „sehr lange dauern wird“, so vermutet der Verteidiger.

Al-Halabi steht im Verdacht, mindestens 35 Millionen Dollar, die mehrheitlich für Kinderhilfsstätten im Gazastreifen gedacht waren, gestohlen und an den militärischen Flügel der Hamas, die Kassam-Brigaden, weitergeleitet zu haben. Die christliche Nichtregierungsorganisation hält die Vorwürfe für aus der Luft gegriffen. Allein die Summe übersteige bei Weitem die insgesamt gezahlten Hilfen. „Das Gaza-Budget umfasste 22,5 Millionen US-Dollar über zehn Jahre“, teilte die Sprecherin von World Vision Deutschland, Silvia Holten, auf Anfrage mit.

Mitte Juni nahmen Beamte des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet al-Halabi am Eres-Übergang zum Gazastreifen fest. Über drei Wochen wurde er verhört, ohne jemanden kontaktieren zu dürfen.

Amnesty International (AI) protestierte diese Woche gegen das Prozedere sowie das geheime Gerichtsverfahren. Die Menschenrechtsorganisation befürchtet, dass al-Halabi während der Verhöre „schwer geschlagen“ wurde und erst infolge von Folterungen das Geständnis ablegte, seit 2011 jährlich 7,4 Millionen Dollar von den Geldern der World Vision gestohlen zu haben. AI bezieht sich bei dem Vorwurf auf Medienberichte.

Hamas-Mitglieder als Bauern dargestellt

Al-Halabi ist 38 Jahre alt und studierter Bauingenieur, Vater von vier Jungen und einem Mädchen. Er wuchs im Flüchtlingslager Dschabalia auf, ganz im Norden des Gazastreifens. Während der Zweiten Intifada Anfang der 2000er Jahre begann er, ehrenamtlich für lokale Hilfsorganisationen zu arbeiten.

Die Entscheidung, seinen Beruf an den Nagel zu hängen, um Vollzeit-Sozialhelfer zu werden, geht auf die Invasion israelischer Soldaten in das Flüchtlingslager zurück. Dabei seien „Dutzende Menschen getötet und viele Häuser zerstört“ worden, wie er einmal in einem Interview erklärte. Er habe den Menschen helfen wollen, vor allem den Kindern, „um sie zu schützen und ihnen das zu geben, was sie zum Überleben brauchten“.

Laut Schin Bet soll al-Halabi Mitglieder der Hamas-Brigaden offiziell als Bauern registriert haben, um so die Hilfsgelder an die Kämpfer zu leiten. Einer der Anklagepunkte wirft ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Angeblich sei al-Halabi schon 2003 der Hamas beigetreten. Seit 2005 arbeitet er für World Vision.

 

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