„War Room“ gegen Fake News

Facebook kämpft gegen das Böse

Die Mission klingt kriegerisch: Facebook richtet einen „Krisenraum“ ein – um Manipulation im US-Wahlkampf zu verhindern.

Verkleidete Aktivisten mit Emojis und Zuckerberg-Maske protestieren gegen Fake News auf Facebook

Nach massiven Protesten geht Facebook vor den US-Zwischenwahlen in die Offensive gegen Fake News Foto: imago/Images

Die Onlineplattform Facebook zieht gegen das Böse in den Krieg. So jedenfalls haben es die Manager*innen des Unternehmens angekündigt. Das soziale Netzwerk will Manipulation und „Fake News“ verhindern. Es hat seinen Sicherheitsstab innerhalb eines Jahres von 10.000 auf 20.000 Mitarbeiter*innen erhöht. Damit soll den Nutzer*innen vor den „midterm elections“ in den USA in zwei Monaten ein vertrauenswürdiger politischer Diskussions- und Informationsraum geboten werden.

Gleichzeitig verhandelt der US-Senat am Mittwoch mit Vertreter*innen der großen Internetkonzerne Google, Facebook und Twitter. Es geht offiziell um einseitige Einflussnahme in sozialen Medien, die vor den anstehenden Wahlen verhindert werden soll. Außerdem warf Trump den Onlineplattformen vor, sie würden konservative Stimmen unterdrücken. Facebook steht nach massiver Kritik von allen Seiten unter Druck und arbeitet mit groß angelegten Kampagnen an seinem Image als sichere und neutrale Plattform.

Dabei scheint das Internet regelrecht zum Kriegsschauplatz zu werden, das legt jedenfalls die martialische Sprache der Facebook-Leute nahe. In einem Interview mit nbc-News erklärt der Produktmanager für ziviles Engagement von Facebook, Samidh Chakrabarti, das Unternehmen befinde sich in einem „Wettrüsten“ mit seinen Angreifern. „Unsere Gegner sind entschlossen und gerissen. Deswegen haben wir so massiv in Sicherheit investiert“, sagt er.

Jetzt ist Facebook dabei, einen „war room“, einen „Krisenraum“, einzurichten, mit einem schnellen Antwortteam, das in den Wochen vor und während der Wahlen aktiv sein soll. Dabei arbeiten Geheimdienstanalyst*innen, Computerspezialist*innen und Menschen aus allen Bereichen des Unternehmens zusammen in einem physischen einzigen Raum, um gegen „jedwede schädliche Aktivitäten“ direkt vorgehen zu können. Chakrabarti resümiert: „Wir müssen für alles gewappnet sein.“

20.000 Mitarbeiter für Sicherheit

Hört sich kriegerisch an, die konkreten Schritte sind es weniger. Das Sicherheitsteam von Facebook ist in einem Jahr von 10.000 zu jetzt 20.000 Menschen gewachsen; in sechs Monaten wurden über eine Milliarde Fake-Accounts gelöscht; zehntausende Fake-Seiten, Profile und Gruppen wurden zusätzlich entfernt. So soll Manipulation wie während der Präsidentschaftswahl 2016, die der US-Senat mittlerweile als bestätigt ansieht, verhindert werden.

Zu Trumps Vorwurf, einseitig gegen konservative Meinungen vorzugehen, sagt Chakrabarti in schönster Pressesprechermanier nur wenig: Es sei Facebooks „Mission“, Menschen des gesamten politischen Spektrums eine Platform zu bieten, auf der sie sich ohne Einschränkung äußern könnten. Denn: „Wir wollen alle Stimmen repräsentiert haben.“ Facebooks Aktionen und Ansagen zeigen vor allem eines: Das Unternehmen sorgt sich um seine Zukunft.

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