Zoophile gegen das Tierschutzgesetz

„Lecken oder lecken lassen“

Sexuelle Tierliebe hat nichts mit Tierquälerei zu tun, meint Michael Kiok, Lobbyist für die Rechte der Zoophilen. Er lebt mit seiner Hündin Cessie zusammen.

Kann man auch lieb haben. Ist aber nicht Cessie.  Bild: dapd

taz: Herr Kiok, Sie bezeichnen sich als „zoophil“ – was heißt das?

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Michael Kiok: Dass ich mich emotional und sexuell zu Tieren hingezogen fühle. Ich lebe mit Cessie, einer achteinhalbjährigen Hündin, zusammen.

Wie viele Zoophile gibt es in Deutschland?

Das kann niemand seriös beantworten, da die meisten Zoophilen sich verstecken. Ich schätze, wir sind mehr als 100.000 Zoophile in Deutschland.

Mit welchen Tierarten verkehren Zoophile?

Als sich das Leben auf dem Land abspielte, waren das wohl meist Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine. In der Stadt sind es heute vermutlich überwiegend Hunde.

Ist das Geschlecht des Tieres wichtig?

Es ist nicht egal, aber auch nicht so wichtig wie unter Menschen.

52, ist Vorsitzender des Vereins Zeta (Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung). Nach eigener Aussage ist Zeta weltweit der einzige Verein, der sich für die Rechte von Zoophilen einsetzt.

Sind meist Männer zoophil?

Nein, das sieht nur so aus, weil die meisten Zoophilen, die offen auftreten, Männer sind. Ich bin aber überzeugt, dass es genauso viel weibliche Zoophile gibt.

Was heißt „Sex mit Tieren“? Wer penetriert hier wen?

Häufiger penetriert das Tier den Menschen als umgekehrt. Eine Verletzungsgefahr liegt also eher beim Menschen. Aber Sex ist nicht nur Penetration. Man kann das Tier auch mit der Hand masturbieren oder lecken oder sich lecken lassen.

Geht es Zoophilen nur um Sex oder auch um Gefühle?

Es gibt beides. Für die einen ist ihr Tier ein geliebter Lebenspartner, mit dem sie auch Sex haben. Für die anderen ist das Tier vor allem Sexualpartner. Ganz wichtig: Mit Leuten, die Tiere quälen, den Zoosadisten, haben Zoophile nichts zu tun. Wir wollen, dass es den Tieren gut geht.

Bald droht für jede sexuelle Handlung mit Tieren ein Bußgeld bis zu 25 000 Euro …

… wenn das Tier dabei zu artwidrigem Verhalten gezwungen wird. Es geht hier aber um Haustiere, die mit dem Menschen zusammenleben. Für sie ist Sexualität mit einem Menschen nicht artwidrig. Für uns Zoophile ist entscheidend, dass man nichts tut, was das Tier nicht will.

Ein Tier kann nicht „Nein“ sagen.

Ein Tier kann sehr genau zeigen, was es will und was es nicht will. Und es zeigt das auch immer. Wenn ich meinen Hund ansehe, weiß ich sofort, was los ist. Tiere sind viel leichter zu verstehen, als zum Beispiel Frauen.

Man kann Tiere aber auch dressieren …

Stimmt. Doch wer das macht, ist in der Szene ganz schlecht angesehen. Und es ist ja auch nicht nötig, schließlich haben Tiere eigene sexuelle Bedürfnisse. Jeder Rüde testet die Wesen um sich herum, ob man mit ihnen Sex-Spiele machen kann. Den meisten Menschen ist das peinlich. Doch wenn man ihn gewähren lässt, kommt er immer wieder.

Pädophile behaupten ebenfalls, sie würden nur die sexuellen Wünsche der Kinder erfüllen, und benutzen sie dabei für die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse.

Ein ganz schräger Vergleich. Tiere sind keine Kinder. Erwachsene Tiere haben eine erwachsene Sexualität, die sie ausleben wollen. Tiere leben im Hier und Jetzt. Wenn es ihnen gut geht und sie Spaß haben, bekommen sie später keine psychischen Probleme.

Sie glauben also, das neue Gesetz betrifft Zoophile gar nicht, weil für Haustiere der Sex mit Menschen nicht artwidrig ist?

Natürlich betrifft uns das Gesetz, es zielt auf uns ab. Wir werden uns juristisch dagegen wehren.

Mit welcher Begründung?

Ein solches Verbot ist in keiner Weise erforderlich und damit unverhältnismäßig. Wer Tiere quält, macht sich ja heute schon strafbar. Das finden wir auch absolut richtig. Aber es kann doch nicht sein, dass jede sexuelle Handlung von Menschen mit Tieren als artwidrig sanktioniert wird – ohne dass irgendein Schaden nachgewiesen werden muss. Das klingt sehr nach dem alten Paragrafen 175b, als „widernatürliche Unzucht“ zwischen Mensch und Tier bestraft wurde.

Damals ging es um das angeblich widernatürliche Verhalten von Menschen, jetzt geht es um Tierschutz.

Gut, die Argumentation hat sich verändert. Jetzt wird die öffentliche Moral eben auf die Tiere projiziert. Aber bloße Moralvorstellungen haben im Recht nichts zu suchen, vor allem wenn sie so scheinheilig sind.

Warum scheinheilig?

Der beidseitig befriedigende sexuelle Kontakt zwischen Mensch und Tier soll als artwidrig verboten werden, aber sexueller Missbrauch von Tieren in der Agrarindustrie bleibt erlaubt.

Sexueller Missbrauch?

Es ist weiter erlaubt, einem Zuchteber einen Elektrostab in den Hintern zu rammen, um ihn zur Ejakulation zu zwingen. Es bleibt auch erlaubt, eine Stute zu fesseln, damit ein Hengst sie bespringen kann, ob sie will oder nicht. Und weil man dagegen nicht vorgehen will, werden die Zoophilen zum Problem erklärt.

Was würde passieren, wenn das neue Gesetz beschlossen wird?

Man würde zum Beispiel versuchen, mir meinen Hund wegzunehmen, obwohl der Amtstierarzt, der ihn untersuchte, nichts zu bemängeln hatte.

Beträfe das alle Zoophilen?

Nein, natürlich nur die wenigen, die wie ich öffentlich bekannt sind. Es gibt inzwischen Gruppen, die gegen Zoophile hetzen. Die würden uns auch anzeigen.

Ist diese Anti-Zoophilie-Bewegung neu?

Ja, es gibt sie in dieser massiven Form erst seit einigen Jahren.

Wodurch wurde sie ausgelöst?

Im Internet konnten Zoophile erstmals mit Gleichgesinnten über ihre Neigung kommunizieren. Das war eine wahnsinnige Befreiung, zu sehen, dass man damit nicht allein ist. Die Zahl der Selbstmorde unter Zoophilen ging stark zurück. Zugleich hat diese Sichtbarkeit auch Gegenbewegungen ausgelöst.

 

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