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Trump gegen Jerome PowellDie Inflation würde zulegen

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Der US-Präsident droht dem Notenbankchef mit einer Anklage. Trump will die Zinsen senken, aber das wäre fatal für die US-Wirtschaft.

Präsident Donald Trump (l) mit dem Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, in Washington, am 24.7.2025 Foto: Julia Demaree Nikhinson/ap

U S-Präsident Trump möchte ein Diktator sein. Nur sein Wille soll zählen, und jetzt trifft es mal wieder die Notenbank Fed. Das US-Justizministerium prüft eine Anklage gegen Fed-Chef Jerome Powell, weil angeblich die Sanierungskosten für Fed-Gebäude zu hoch seien. Doch tatsächlich geht es Trump darum, die Zinspolitik der Fed zu beeinflussen. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die US-Wirtschaft boomen würde, wenn nur die Zinsen stark sinken.

Doch das ist eine Milchknabenrechnung, wie sie für Trump typisch ist. Man stelle sich einmal vor, die Leitzinsen würden tatsächlich stark fallen. Dann wären kurzfristige Kredite billig, die Nachfrage würde anziehen – und die Preise steigen. Die Inflation, zuletzt bei 2,7 Prozent, würde noch einmal zulegen. Dieser Mechanismus wäre für alle Banken und Finanzanleger klar, weswegen sie langfristige Kredite nur gegen einen Risikoaufschlag vergeben würden. Sie würden also höhere Zinsen verlangen als bisher.

Der Gesamteffekt wäre bizarr: Kurzfristige Kredite wären erst mal billig, aber langfristige Kredite teurer. Für die Wirtschaft wäre das keine gute Nachricht, denn große Projekte wie Häuser oder Fabriken werden allesamt durch langfristige Kredite finanziert. Zudem könnten ausländische Investoren die Flucht ergreifen, wenn Trump die Fed entmachtet und die Leitzinsen nach Gutdünken festsetzt. Sie könnten US-Anleihen verkaufen, um in den Euro oder ins Gold zu wechseln. Der Dollar würde schwächer, was wiederum die US-Importe verteuert.

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Erneut würde die Inflation in den Vereinigten Staaten steigen, nicht sinken. Viele US-Bürger haben aber jetzt schon das Gefühl, dass sie sich das tägliche Leben nicht mehr leisten können. „Affordability“ war das Schlagwort, mit dem die Demokraten zuletzt die Wahlen in New York, Virginia und New Jersey gewonnen haben. Trump arbeitet an seinem eigenen Untergang.

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Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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10 Kommentare

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  • Sehr gut erklärt - und dabei geht es um sehr sehr viel Geld. Vielleicht wird Trump da auch nur wegen der Midterms an den Zinsen drehen, das danach aber schnell rückgängig machen, je nachdem.

    Den grössten Schaden könnte aber eine Demontage der heiligen FED anrichten, aber da kann man auch wieder zurück rudern, wenn das schief geht?

    Das allgemeine Problem ist bei TRUMP, dass er bewusst auf kompetenten Rat von Experten verzichtet zugunsten seiner Deal-making Philosophie und öffentlich wirksamen Aktionen.

    Darauf hin überprüft, hat er jetzt wenig erreicht aber viel angefangen.

    Noch haben die Amerikaner die Wahl, aber da kann man auch dran drehen und das zu einer Sache der nationalen Sicherheit erklären.

  • Wenn doch der letzte Satz nur von Erfolg beschieden wäre...

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      @ Jupp Schmitz

      Das wird schon, aber es kann auch sein, dass seine eigenen Leute ihn zur Vernunft bringen und er sich aufs Geld verdienen konzentriert. Und ihm das Regieren einfach lästig wird, weil es mit Nobelpreis schon wieder nicht geklappt hat.

      Will sagen: Es ist einfach unberechenbar. An der Börse grinsen sie schon und nehmen ihn nicht mehr so richtig ernst höre ich gerade im Dlf zum Thema Zölle gegen Iran partner.

  • Donald Trump verfolgt disruptive Agenda, mit niedrigen FED Zinsen sollen Kryptocoin-, Goldpreis weiter nach oben katapultiert werden, Zugriff auf FED Goldbestände von 60 Ländern in New York gelagert zu erlangen, während US Goldreserven, höchsten der Welt mit 8133 Tonnen in Fort Knox lagern, damit ein US Verfügungsmonopol aller Goldreserven abzubilden, Goldreserven nicht mehr normativ mit 42 US $/Unze von etwa 11 Milliarden $ sondern nach Marktwert Billionen $ Höhe zu bewerten, so US Defizit Bilanzen Innen und Außen mit unsichtbarer Zauberhand glattzustellen gar in Überschüsse zu verwandeln, so dass aus USA Gläubigerstaaten Schuldnerstaaten werden deren Goldreserven bei der FED als Sicherheit auf Eis gelegt werden. Während 30zigjährig verzinste US- Staatsanleihen in un-verzinst 100 jährige per Dekret US Präsident Trump umgeschuldet werden. Falls Länder, Pensionsfonds, die diese US Staatsanleihen in Depots halten in Finanznöte geraten, will Trump diesen mit verzinsten Krediten aushelfen . Dies Szenario fürchtete De Gaulle 1965, worauf er Frankreichs Goldreserven aus USA repatriierte militärische Nato Struktur verließ, Nato zum Umzug weg von Fontainebleau nach Brüssel aufforderte

    • @Joachim Petrick:

      Bitte nochmal die Gedanken und Sätze ordnen, mehr Satzzeichen an korrekter Stelle einsetzen und Artikel verwenden. Ich kann Ihnen nicht folgen, selbst wenn ich mir Ihren Beitrag laut vorlese.

  • Wir hatten in den USA (und in abgeschwächter Form bei uns) eine solche oszillierende Inflation zwischen 1970 und 1985 schon einmal. Man sollte sich die Entwicklung von damals und die Reaktion der Fed genau anschauen. Herr Powell dürfte die Daten kennen, Herr Trump sie ignorieren.

  • Ein Strohfeuer reicht ihm, erstmal raus aus dem Tief. Auf Sicht fahren. Initiative ergreifen. Flooding the zone with shit. Neue Schuldige finden sich später leichter als jetzt.

  • "Trump arbeitet an seinem eigenen Untergang".



    Das ist richtig. Er sieht immer nur bis zum Tellerrand. Und sieht nicht, dass es danach steil nach unten geht. So auch mit Venezuela. Er wollte den tollen Erfolg, Maduro in Ketten vorführen zu lassen, so wie früher die Römer gefangene Herrscher in Rom in Ketten vorgeführt haben.



    Aber dass die Öl-Unternehmen dann gar keine Lust haben, hundert(e) Milliarden Dollar in Venezuela zu investieren, damit das Benzin dann an der Tankstelle billiger wird und wodurch sich das Fracking in den USA nicht mehr lohnen würde, das hat er nicht bedacht.



    Oder dass die Zölle ihm zwar kurzfristig 200 Milliarden einbringen, aber dann von seinen MAGA-Anhängern durch höhere Preise bezahlt werden müssen.



    Aber ein solch kurzfristiges Verhalten ist im Kapitalismus üblich. Die deutsche Auto-Industrie möchte noch länger Verbrenner bauen. Ohne daran zu denken, dass dies langfristig ihre Niederlage gegen die chin. Autobauer besiegelt.



    Oder der Kapitalismus erzeugt seine Energie mit fossilen Brennstoffen, obwohl seit über 50 Jahren klar ist, dass dies zu einer fürchterlichen Klimakatastrophe führen wird und arbeitet damit nicht nur an seinem eigenen Untergang.

  • "Trump arbeitet an seinem eigenen Untergang."



    In einer gut informierten und rationalen, denkenden und handelnden Wählerschaft wäre das wohl so. Nur ist zu bezweifeln, ob so Wahlentscheidungen getroffen werden. Zu befürchten ist, dass ein größeres Chaos, eine noch weiter verschlechterte Lebenssituation zu einer weiter sich radikalisierenden Wählerschaft führen kann. wzbw.



    Die Ausführungen von Sasha Lobo (ohne Bezahlschranke) im Spiegel theoretisieren dazu einen Handlungsrahmen.



    "Trump ist ein Film, ein ständiges, selbst inszeniertes Spektakel."



    nach dem "Philosophen Guy Debord: »Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst.«"



    "Nach Debord verdrängt das Spektakel als eine Art Über-Ideologie alle anderen Wahrnehmungen und Interpretationen der Wirklichkeit."

    www.spiegel.de/net...-a451-36f325fb7244

  • Man befürchtet irgendwie doch, dass die Lehre früherer Krisen, auch der großen Weltwirtschaftskrisen, nicht ausreichend berücksichtigt werden.



    Disruption ist für die Weltwirtschaft toxisch. Die Abhängigkeiten sind hyperkomplex und Fehlverhalten kann zu Kriegen führen.



    Trump begleicht offensichtlich auch bei vorherigen Kränkungen irgendwann noch persönliche Rechnungen.