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Ostalgie und RealitätVon Diktatur keinen blassen Schimmer

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Je länger die DDR Geschichte ist, desto häufiger wird sie als positiv wahrgenommen. Das ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern auch gefährlich.

D ie DDR war ein repressiv-diktatorischer Staat. Punkt. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Und das hat nichts damit zu tun, dass es im Osten auch einen Alltag gab, in dem gelebt, geliebt, gelacht wurde. Wer aber im Betrieb, in der Schule oder in der Uni etwas Falsches sagte oder sich öffentlich über die „größte DDR aller Zeiten“ lustig machte, durfte ganz sicher damit rechnen, dass er das nicht ungestraft tat. Daran können sich die meisten Älteren noch sehr genau erinnern. Hoffentlich.

Dennoch macht sich seit einigen Jahren verstärkt Ostalgie breit. Doch eine Verherrlichung des toten Landes ist nicht nur Geschichtsvergessenheit, sie ist vor allem gefährlich. Insbesondere wenn zunehmend Jüngere, die nach dem Mauerfall geboren wurden, sich ein DDR-Bild aneignen, das mit der realen DDR nichts zu tun hat. Das stellt auch Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke fest: Je länger das Land Geschichte sei, desto stärker werde es positiv bewertet, heißt es in ihrem aktuellen Bericht.

Mutmaßlich sind es Eltern und Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln ein wie auch immer geartetes Ostgefühl einpflanzen. Immer häufiger fallen Sätze wie: „In der DDR gab es ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Heute gibt es das nicht mehr.“ Das mag sein. Unterschlagen wird dabei aber, dass dieses solidarischere Miteinander vielfach geprägt war von Misstrauen und Kontrolle. 1989 gab es rund 280.000 hauptamtliche und inoffizielle Stasispitzel – also in jeder Brigade, in jeder Seminargruppe, in nahezu jedem Wohnhaus, selbst in Schulklassen. Mit Freiheit und Selbstbestimmung, wie wir sie heute kennen, hatte das nichts zu tun.

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Wer sich die DDR zurückwünscht – auch das hört man heute – verharmlost die Diktatur. Junge Menschen, die nach dem Ende der DDR groß geworden sind, haben allerdings keinen blassen Schimmer vom Leben in einer Diktatur. Was hilft dagegen? Reden und aufklären – gleichwohl ohne die DDR zu verteufeln. Denn Dämonisierung allein kann das Gegenteil befördern: Ostalgie.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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182 Kommentare

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  • Beim Mauerfall war ich mit meinen damaligen Mitmusikern im Übungsraum - ein Besuch kam überraschend mit der Nachricht "jetzt hamse die Mauer jeöffnet, jetzt kommn die Ossis rüver!!"



    Bei einem damaligen Job als Tischler, hatte mein Chef Kontakt "nach drüben" geknüpft und wir hatten einige Aufträge im Ost-Teil Berlins. So bekamen wir sehr gut mit, wie doch vieles in einem stark verlottertem Zustand war. Die Menschen bei denen wir Fenster und Türen in Ordnung brachten, waren in der Mehrzahl sehr offen und redeselig.



    So manche Stasi-Story hatten sie uns erzählt.



    Mein Chef hatte später auch Arbeiter aus dem Ostteil angestellt, so gesehen hatte ich eine recht positive Erfahrung mit der Integration erlebt.



    Mit den Jahren änderte sich das jedoch komplett, weil letztendlich die Politik versagte.



    Wenn damals nicht nur das Äußere- Millionen in die "Verschönerung" der Innenstädte statt Aufbau für Zusammenarbeit in jeglicher Hinsicht gefördert worden wäre, würde es heutzutage anders aussehen. Dieses "Zusammenwachsen" wurde schlichtweg verspielt.

  • Ich glaube, dass viele junge Menschen gar nicht wissen, dass es die DDR gab.



    Die wenigen, die wirklich die DDR kennen und sogar einige Elemente dieser Gesellschaft meinen, poisitiv auffassen zu müssen, die sind eine Minigruppe.



    Die DDR bestand im Kern aus Repression und Privilegien, weil das Staatswesen eigentlich nicht zur Gesellschaft passte.



    Anfangs gab es noch eine Bewegung in die DDR, fähige Menschen wollten dort ein 'anderes' Deutschland aufbauen.



    Daraus ist dann nicht viel geworden. Es gab dann unter Erich Honnecker noch viele Fehlentscheidung in der Ausrichtung der Wirtschaft. Die DDR ist am Ende vor allem ökonomisch zusammengefallen. Es lief nicht besonders gut. Und ein echter Ostalgiker, Egon Krenz, glaubt heute wieder, dieses Land hätte eine Chance haben können, der 'chinesische' Weg der Produktion hätte die DDR festigen können.



    Ich finde es sehr positiv, wenn Menschen überhaupt sich mit der DDR beschäftigen.



    Aus heutiger Sicht fallen natürlich andere Dinge ins Gewicht: Jeder hat Arbeit, jeder kann was kaufen (was da gerade vorhanden war) und jeder hatte einen Platz/Wohnung.



    Es gab nicht diese totale soziale Aussonderung in der DDR, aber auch Repression und Willkür.

  • Mir ging die Wiedervereinigung damals viel zu schnell.



    Ich wäre erstmal dafür gewesen das die DDR sich demokratisch



    entwickelt.



    Außerdem hätte es für ein paar Jahre Beschränkungen gegeben.



    DDR-Bürger hätten zwar Reisefreiheit in den Westen gehabt hätten aber nicht wohnen und arbeiten dürfen.



    Westdeutsche hätten in der DDR auch Besuche machen dürfen.



    Mann hätte vielleicht die Wirtschaft mit Krediten und nur wenn man es gewünscht hätte mit Wissen unterstützt.



    Kein Westpolitiker in den Osten.



    Dann hätte man nach ein paar Jahren in Ost und West abstimmen



    müssen.



    Es wäre auch egal gewesen was in der Präambel steht.



    Dann wäre die Wiedervereinigung wohl anders verlaufen oder hätte gar nicht erst stattgefunden.

    • @Captain Hornblower:

      Die Volkskammer hat die DDR aufgelöst, die Menschen hatten keine Ahnung, was sie taten, aber eine separate DDR neben der BRD ohne Sowjetunion hätte nicht wirklich funktioniert. Dazu war die kulturelle Einheit der beiden deutschen Staaten zu eng, aber ich stimme Ihnen zu, der Prozess der Wiedervereinigung war ein Schurkenstück des westdeutschen Kaptialismus.

    • @Captain Hornblower:

      "DDR-Bürger hätten zwar Reisefreiheit in den Westen gehabt hätten aber nicht wohnen und arbeiten dürfen."

      Franzosen aber schon, und andere aus der EU. Ungefähr so stellen Sie sich das vor? Leute aus dem Westen waren z.T. ja sogar verwandt mit Leuten aus dem Osten.

      Ihre Vorschläge wären sehr schnell von der Realpolitik eingeholt worden.

    • @Captain Hornblower:

      Das haben auch im Westen auch viele so gesehen (ich z.B.).



      Vermutlich haben die Eliten aber gefürchtet, dass dann 90% der Ost-Bevölkerung sofort rübergekommen wären. So abwegig war das nicht. Möglicherweise hatte man auch Angst, das die Russen es sich wieder anders überlegen würden.

    • @Captain Hornblower:

      "Es wäre auch egal gewesen was in der Präambel steht."



      Und warum? Nach allgemeiner Rechtsauffassung war das Wiedervereinigungsgebot verfassungsrechtlich bindend. Zudem sollte man berücksichtigen, dass die DDR-Bürgerrechtsbewegung eben nicht die große Mehrheit war. Hätte man das bestehende Momentum der friedlichen Revolution nicht aufgegriffen, hätte man riskiert, dieses mit einer enttäuschten und abgewiesenen Bewegung zu verlieren. Das Land wie sie es beschreiben als semi-souveränes Gebilde am finanziellen Tropf der BRD künstlich am Leben zu erhalten hätte absehbar zu massiver Frustration geführt die sich durchaus darin hätte niederschlagen können, dass in den nächsten oder übernächsten Volkskammerwahlen doch wieder die alten SED-Eliten übernommen hätten.

      • @Ingo Bernable:

        "Hätte man das bestehende Momentum der friedlichen Revolution nicht aufgegriffen, hätte man riskiert, dieses mit einer enttäuschten und abgewiesenen Bewegung zu verlieren."

        Auf irgendein Momentum zu setzen, ist aber langfristig meist falsch. Die im Schweinsgalopp durchgeführte Wiedervereinigung ließ keine Zeit zum Nachdenken. Es wurde ein Anschluss durchgeführt, dessen Hauptkosten die Steuerzahler im Westen tragen mussten und dessen soziale Verwüstungen vor allem im Osten stattfanden. Der Grundstein für die heutigen Probleme wurde damals gelegt. Ich vermute der Hauptgrund für die Eile war, dass sich Kohl an der Macht halten wollte. Preis egal. Und viele Menschen vor allem im Osten, aber auch im Westen haben erst später gemerkt, was sie eigentlich bekommen haben.

        Der richtige Weg wäre gewesen, es langsam und schrittweise anzugehen.

        Das "Wiedervereinigungsgebot" des Grundgesetzes konnte dabei keine große Rolle spielen. Erstens sah es nie einen Zeitrahmen vor und zweitens galt es so und so nur für den Westen. Und eigentlich war vorgesehen, dass es auch nur so lange gilt, bis das deutsche Volk frei über eine Verfassung abgestimmt hat. Darauf warten wir heute noch.

    • @Captain Hornblower:

      So ähnlich sah auch die Vision der Bürgerbewegung in der DDR aus.

      • @Erwin1.:

        Ich bin Wessi und jetzt wo sie es schreiben meine ich mal davon gehört zu haben.

  • Als ich, als Kind so mit etwa 4 / 5 Jahren , in den 60er Jahren den ersten Bericht oder Nachrichten bewusst über die DDR im TV wahrgenommen habe, war ich FASSUNGSLOS , vorher hab ich immer nur Hase Cäsar Schlappohr & Augsburger Puppenkiste sehen dürfen & da meine Eltern damals die Größten für mich waren, bin ich empört zu ihnen gerannt und habe ihnen von dem zweiten Deutschland erzählt, was es da geben soll und ob sie davon schon etwas wüssten, sie sollen etwas unternehmen und den Deutschen da helfen....



    Dieses Gefühl, wie ungerecht diese Grenze zwischen uns war, hatte mich immer unterschwellig bis 1989 begleitet, bis im Herbst 1989 - die Sendung, ich meine Schmidts Tivoli hab ich im TV geschaut, öfters unterbrochen wurde und die Bilder von den ersten Ostdeutschen einblendet wurden, die da plötzlich über die Mauer tobten, ich war völlig fassungslos und dachte erst es gehört zur Sendung, bis ich kapiert hatte - es stimmt die Ostdeutschen sind FREI - meine damaliege Frau war schon zu Bett - fix wachgemacht & sie wollte es mir erst auch nicht glauben - dann - voll gefreut haben wir uns ! Ju Hu

    Wir müssen jetzt nur gemeinsam viel mehr daraus machen & uns nicht spalten lassen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Eigentlich beschreiben Sie hier das, worum es gehen sollte.

      • @rero:

        @rero



        Wie mir ging es vielen Kindern im Westen, von " Drüben " wurde bis zum Jugendalter wenig gesprochen und dann hat man sich selber seine Infos zusammen gesucht. Soviel wurde im TV nun auch nicht gerade vom Osten berichtet. An und an in der Tagesschau und Sonntags gab es die Sendung " Frühschoppen " mit Werner Höffer. Ok und dann Spiegel & Stern - ne Schlagzeile aus der Bild wurde auch mal aufgeschmappt . Taz'i gab's erst viel später - aber jetzt zum Glück 😄

        • @Alex_der_Wunderer:

          Da war ich ja wie einige andere privilegiert, ich konnte zwischen 12 - 16 Jahre auch DDR-Fernsehen beide Sender zusätzlich Empfangen. Je älter man wurde und so



          mehr begriff man. Besonders den "Schwarzen Kanal".

  • ",,,,keinen blassen Schimmer vom Leben in einer Diktatur. Was hilft dagegen? Reden und aufklären.""



    =



    Parallel zur wachsenden äusserst seltsamen ""Zusammengehörigkeitsgefühlsdebatte""(?) macht Höcke aus dem Lager der Thüringer agd - Faschisten deutlich wohin er möchte: Die Westdeutschen bezeichnet er als deutsch sprechende Amerikaner - bedeutet, das die wahren Deutschen nur im Osten leben (mit einer eigenen Identität natürlich -- getrennt vom Westen). Und politisch möchte der agd Höcke in die Zeit vor Adenauer zurück.



    =



    Der Bundesparteitag der agd findet am 3/4 Juli 2026 in Erfurt statt - und auf den Monat genau vor 100 Jahren wurde der 2. Reichsparteitag der NSDAP 23km weiter am 3./4. Juli 1926 in Weimar organisiert und war ein zentraler Wendepunkt auf dem Weg der Nazis zur Machtergreifung . Er diente der bedingungslosen Ausrichtung der Partei auf Hitler.



    =



    Zufall das der agd Bundeskongress genau 100 Jahre nach dem NSDAP Parteitag der Nazis stattfindet?



    =



    Wohl kaum. -Die agd Faschisten verschleiern mit kruder Nazi Symbolik ihren rechtsradikalen Kern - mal wieder. Und die Behaglichkeitsdebatte vom Zusammenleben der Ostdeutschen (wie verlogen) dient dem gleichen Zweck.

  • Für die Mehrheit der DDR Bürger war die Diktatur nicht das größte Problem, sondern der Mangel an Konsumgütern. Das war keine Revolution, und schon gar keine für die Freiheit. Für die Freiheit haben nur wenige etwas riskiert. Die DDR ist wirtschaftlich gescheitert, nicht an ihrer Regierungsform. Das hat sich ja auch schnell gezeigt, die große Mehrheit wollte den Anschluss an die Bundesrepublik, weil das Teilhabe am Konsum versprach. Wenn man das bedingungslos will, hat man beim Anschluss natürlich auch keine Verhandlungsmacht. Zehn, zwanzig oder dreißig Jahre später über die bösen Wessis zu meckern, ist dann das einzige, was bleibt.

    • @moonwatcher:

      Also das ZK der SED hat die Wirtschaft und die Politik gelenkt. Natürlich ist die Ökonomie wirklich sprichwörtlich den Bach runter gegangen und dieser Mangel hat die DDR irgendwann zum Sannierungsfall gemacht. Aber das politische System hat in der Gesellschaft nur durch a) Überwachung, b) Privilegien und c) Repression funktioniert. Wer konnte studieren, wer durfte ein begehrtes Studium im Ausland machen, wer konnte eine Wohnung, ein Auto, eine Datscha erhalten. Die DDR hat sich sehr stark entlang von Privilegien strukturiert, die waren an einem bestimmten Punkt auch politisch, wenn dei Stasi-Leute eigene Einkaufsmöglichkeiten und Zugänge zu Autos etc. hatten.

    • @moonwatcher:

      Lieber Moonwatcher, für mich - 1965 in Dresden geboren und aufgewachsen - war die Diktatur das größte Problem. Die materiellen Mängel waren nebensächlich. Ich war der einzige in meiner Schulklasse, der aus Überzeugung und wegen meiner Ablehnung gegen die DDR-Diktatur von frühester Jugend an nicht Mitglied in der FDJ ("Freie Deutsche Jugend", kommunistische Jugendorganisation in der DDR ... nur "frei" war da nichts) war. Der Mauerfall war für mich der größte Glücksfall meines Erdenlebens. Endlich alle Bücher lesen können, die ich für meinen Erkenntnisdrang brauchte, endlich reisen zu können, wohin es mich zog. Das und die Meinungsfreiheit, das alles war wichtig für mich. Ich kann die Ossis, unter denen ich weiter lebe, nicht verstehen, die über den Westen klagen oder jetzt die Rassisten und Neo-Nazis der AfD wählen. Die, die "Ostalgiker", waren damals in der DDR-Diktatur offensichtlich Mitläufer:innen, wie die meisten, und können sich nicht eingestehen, ein menschenverachtendes und verbrecherisches Regim unterstützt zu haben ... und sei es nur aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der SED oder durch's einfache Stillhalten. Das ist das Problem ... wie nach dem Nationalsozielismus.

    • @moonwatcher:

      Richtig dargestellt, danke.

    • @moonwatcher:

      Im Sozialismus können Sie die Wirtschaftsform doch gar nicht von der Regierungsform trennen.

      Beides griff ineinander.

      Man wollte zur BRD gehören, weil man ja sah, dass dort die Gesellschaft lief.

      Sie hatten den Gegenentwurf zur DDR direkt vor Augen.

      • @rero:

        "Im Sozialismus können Sie die Wirtschaftsform doch gar nicht von der Regierungsform trennen."

        Das stimmt so nicht! Auch die SPD ist Teil der sozialistischen Internationale...

        • @Erwin1.:

          Ja, läuft bei denen.

        • @Erwin1.:

          "SPD" ist keine Regierungsform oder Wirtschaftsform, sondern eine Partei.

          Die SPD hat nie eine sozialistische Gesellschaft regiert.

          Eine sozialistische Gesellschaft gehört nicht zu den Zielen der SPD.

  • Besonders ärgert mich dabei auch die implizierte Aussage, im Westen hätte es keinen Zusammenhalt gegeben - warum eigentlich nicht? Geht das nur wenn man einander Trabiersatzteile borgt? Was ist mit den Demos in den 80ern für Frieden, Umwelt? Wir haben als Pfadfinder tätige Solidarität gelernt, Jutetaschen verkauft für Projekte. Und so weiter...



    Lustvollere Erotik? FKK gab es natürlich auch im Westen, und mehr - bei Beate Uhse hat man zumindest einen Großteil des Begrüßungsgeldes gelassen.



    Ich kann's nicht mehr hören! Je suis Westdeutschland!

    • @Charlie Foxtrot:

      In der DDR konnte man bestimmte Sachen und Dienstleistungen nur über Beziehungen, also soziale Kontakte erhalten. Das meint die Autorin - glaube ich. Hier konnte man es kaufen, wenn man das Geld dafür hatte. Und es schließt ja nicht Hilfe grundsätzlich aus, etwa beim Hausbau im Saarland etc. Aber die DDR war immer geprägt von sozialen Gruppen, die sich untereinander halfen und helfen mussten, weil das anders nicht ging.

    • @Charlie Foxtrot:

      Der Westen hat doch nun in wirklich jeder Hinsicht gewonnen, was soll denn dieses Rumgehacke auf denen, die auf die kleinsten Alltagserrungenschaften des Ostens verweisen? Es ist wie in den 90ern, einmal die möglicherweise doch bessere Stellung der Frau erwähnt, und schwupps, Ostalgiker

    • @Charlie Foxtrot:

      "Was ist mit den Demos in den 80ern für Frieden, Umwelt?"

      Diesen Zusammenhalt haben die Ossis nicht live erleben können. Seit dem ist er kaum noch auffindbar. Heute demonstriert kaum noch jemand für Frieden. Olivgrün ist die Farbe der Zeit.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Voll am Thema vorbei, es geht weder darum, den Ossis vorzuhalten, dass sie in den 80ern nicht demonstrieren konnten, noch die heutige Gesellschaft zu beschimpfen (so wenig läuft da auch gar nicht).



        Der Punkt ist, dass manche Ostler sich da gerne selbst einen Orden ausstellen und dabei so tun, als hätte es im Westen nur Minderwertiges gegeben. Auch eine Art von whatsaboutism, wenn man mal drüber nachdenkt - tut ja aber keiner vor dem Schreiben

        • @Charlie Foxtrot:

          Da liegt ein Missverständnis vor. Ich meinte, dass die Ossis die Demos im Westen aus nahe liegenden Gründen nicht miterlebt haben. Im Osten haben sie ja dann demonstriert.

          Das es einzelne Ossis gibt, die auf alles schimpfen, ist bekannt. Allerdings gibt es solche Leute auch im Westen. Und die halten dann auch gern alles, was aus dem Osten kommt, für minderwertig. Manche sogar inkl. der Menschen.

          PS: Wissen Sie für was in Baden die Abkürzung UDO steht?



          "Unser dummer Ossi"

  • Was ich mir für uns alles wünsche ist, dass die, die mit unserer west. Demokratie, unserem pol. System, unserem Umweltschutz, unsere Menschlichkeit auch nicht-deutschen Menschen gegenüber, so unzufriedenen AfD-Wähler endlich ihre Unabhängig erklären. Ich bin überzeugt, dass das für alle Beteiligten das Beste ist. Für diese soziale Ruhe verzichte ich gerne auf die Ostsee!! Die können dann endlich mit ihrer angebeteten AfD Diktatur ganz ungestört von Demokratie unter sich, in ihrem ganz eigenen System, so wie sie wollen, glücklich werden und wir sind endlich die ganze Abwertung, den ganzen Hass und die ganzen Nazis los. Mit den, was im Westen rechts ist, kamen wir vorher klar und werden es auch wieder und dann gibt es endlich ein alternatives Land für alle Deutschen, die meinen, dass es hier scheiße ist, dass Demokratie scheiße ist, dass Muslime, Afrikaner, Asylanten Grüne, Linke, Umweltschützer scheiße sind. Leute, die "links-grüne Gutmenschen" zu einem Schimpfwort stilisiert haben, sind meiner Meinung nach nicht kompatibel mit unserem Demokratieverständnis. Umso ironischer ist es, dass solche Leute über Leute wie mich, sagen, meine Herkunft wäre nicht kompatibel mit Demokratie ;)

    • @Edda:

      Sie vergessen bloß, in der alten BRD gibt's absolut mehr afd Wähler*Innen, als in gesamt Ostdeutschland.

      • @Erwin1.:

        Im Osten leben aber gerade mal 18 Prozent der Deutschen. Allein NRW hat mehr Wähler als der ganze Osten zusammen.

    • @Edda:

      Nur wäre dieser neue, souveräne und rechtsradikale Staat "Ostdeutschland" tragischerweise vermutlich sogar ziemlich erfolgreich. Durch das Ende und die Rückabwicklung aller Klimaschutzmaßnahmen der letzten 30 Jahre, den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und den Wiedereinstieg in russisches Öl und Gas hätte es Energiepreise von vielleicht 1/3 der des übriggebliebenen Westdeutschlands. Das würde zu einem Massenexodus der Westdeutschen Industrie nach Ostdeutschland führen. Gleichzeitig würde die rigorose Ab- und Ausweisung aller Asylbewerber sowie die Streichung aller Sozialleistungen an Ausländer dazu führen, dass diese Leute nach Westdeutschland flüchten würden. Westdeutschland wäre überfordert und müsste die Steuern vermutlich noch weiter erhöhen, während Ostdeutschland entlastet wäre und sie senken könnte, was es für die Wirtschaft und die Menschen noch attraktiver machen würde, und so weiter und sofort. Am Ende würde zwischen den beiden Deutschlands wahrscheinlich wieder eine Mauer stehen, nur dieses mal andersherum.

      Man sollte daher vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht.

    • @Edda:

      Sie haben recht, man sollte aber hinzuerwähnen, dass es von BRD-Seite willfähige Vollstrecker und Verdreher dieses DDR-Volkswillens gab, die besser hätten handeln können, respektive nicht besser im Sinne der Allgemeinheit handeln wollten. Einem gesamtdeutschen Wandel hin zu mehr Partizipation anzustreben, das kam den Verantwortlichen nicht in die Tüte.

  • Tja, das ist nun leider irgendwo auch die Konsequenz der Westromantik über die angebliche so sehr angestrebte und endlich erlangte Freiheit des ostdeutschen Brudervolkes und die Vereinigung.

    Als all dem gegenüber gefühlsmäßig, vollkommen neutral stehender Mensch, da ich nicht den geringsten Bezug zur "Zone" hatte, wie man die DDR bei uns nannte und als Gastarbeiterkind habe ich, behaupte ich mal einen ganz nüchternen, nicht emotionalisierten Blick auf die Ex DDR und die Wiedervereinigung, denn für Leute wie mich und meine Familien war es eine tödliche Katastrophe, die seitdem nicht mehr aufhörte und zu einer immer schlimmeren Bedrohung wurde, bis hin zu pegida, AfD und vor allem Türken (aka Moslem) gegenüber völlig vergifteten und von Hass, Ablehnung und Misstrauen geprägten Klima in diesem Land.

    Ich bin der Meinung, die ostdeutschen waren schon immer AFD Land, auch zu DDR Zeiten. Jede Region hat nun mal eine kulturelle Mentalität und je isolierter und unter sich eine Bevölkerung bleibt, desto radikaler und "patriotisch" zusammenhaltender wird sie.



    Die Ossis wollten sich nie integrieren oder "Freiheit" nach unserem Verständnis. Sie wollten einfach nur vollen Zugang zum Markt

    • @Edda:

      Von Gastarbeiterkind zu Gastarbeiterkind:



      Das ist echt Quatsch.

    • @Edda:

      "Die Ossis" gibt es genausowenig wie "die Türken" - in beiden Gruppen gibt es sowohl echte Demokraten als auch Ostalgiker bzw. Erdogan-Fans, und Leute, die etwas gegen Türken und Polen, bzw. Kurden und Armenier haben ...

    • @Edda:

      Sie stehen keineswegs "gefühlsmäßig neutral" zum Thema ehem. DDR und deren Bevölkerung. Allein schon der Gebrauch des harablassenden Begriffes "Zone" zeigt die westdeutsche Sozialisation mit all ihrer Abwertung gegenüber dem Nachbarland. Ja, ich habe gelesen, dass sie ein Kind von Einwanderern sind und dass Sie selbst viel Hass, Hetze und Abwertung ausgesetzt waren/sind. Bitte gehen Sie jetzt nicht den selben Weg und werfen alle Ossis in einen Topf. Es ist schlichtweg falsch, dass wir alle AfD-Land sind und schon immer waren, Sie tun allen Menschen Unrecht, die standhaft gegen den Rechtsruck, die AfD und die aktuellen Entwicklungen ankämpfen. Es gibt keine einheitliche Ostmentalität, die Menschen hatten sehr unterschiedliche Erfahrungen. In den Städten anders als auf dem Land, in Berlin anders als in Sachsen oder an der Küste, die Arbeiter:innen anders als die Lehrerinnen und nochmal ganz anders differenziert all die Kulturschaffenden, die Menschen im Gesundheitswesen oder auch die Privilegierteren, die Posten im Ausland besetzen konnten u sich ein ganz anderes Weltbild erschlossen haben. Und all diese Menschen haben unterschiedliche Verlusterfahrungen gemacht. Bitte etwas Respekt.

    • @Edda:

      Sicher nicht ganz falsch, offensichtlich bedeutete für die Ossis Freiheit vor allem Freiheit zu konsumieren.



      Demokratie als solche war nie im Fokus, Streit, Kompromiss, die kleinen, auch mühsamen Schritte im Alltag.



      Und natürlich will man in alle Welt reisen und auch emigirieren, sieht aber die Migration der anderen als Grundübel überhaupt an. Ich erkenne da eine gewisse Inkonsistenz.

  • Ist ein bischen wie mit der Zeit von 1933-1945. Die wird auch von manchen verklärt. Überwiegend von denen die sie nicht erlebt haben.



    Das soll nicht heißen, dass die DDR mit dem 3. Reich vergleichbar ist sondern nur, dass das Verhalten ähnlich ist. Die Braunen haben ja auch wieder Hochkultur...

    • @nepp:

      Die Gleichsetzung war aber nach der Wende verbreitet (Zwei Diktaturen). Und so scheinen einige zu denken, wenn ich in der DDR zurechtkam, klappt das auch im 4. Reich...

    • @nepp:

      Davor gab es die Leute, die dem Kaiserreich nachgetrauert haben, und davor Leute, die der Kleinstaaterei nachgetrauert haben. Manche Menschen sind halt Idioten, die mit der Gegenwart nicht zurechtkommen und sich in irgendwelche Märchen stürzen.

    • @nepp:

      Die Verklärung der Vergangenheit ist nicht abhängig vom System. Und was die Verklärung der Vergangenheit in diktatorischen Systemen angeht, gibt es ein schönes Zitat von Rosa Luxemburg:

      "Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“

      Oder anders gesagt: In jeder Diktatur dürfte eine Mehrheit der Bürger gut leben können. Weil diese Mehrheit gut "angepasst" ist und nicht rebelliert. Was dann wohl auch einen schönen Hinweis liefert, warum die Nazis gerade in D so gründliche "Arbeit" ablieferten.

  • Ebenso wahre wie überraschende Worte aus dem Munde der tazzies. Zur Wahrheit hätte auch gehört, dass das Grundübel der DDR der vollkommen dysfunktionale Sozialismus war, der hier sonst als erstrebenswerte Utopie verkauft wird.

    • @Samvim:

      Hä? Wann gab es überhaupt mal einen Artikel in der Taz zu „Planwirtschaft hui“?



      Das lässt sich nicht triangulieren.



      Man kann nicht sagen: Gerechtere Verteilung eines von den allerallermeisten erwirtschafteten Vermögens nennen wir Sozialismus, etwas anderes, das wir auch Sozialismus nennen, hat in der DDR nicht funktioniert, deshalb verhält sich widersprüchlich, wer die DDR kritisiert, aber eine gerechtere Verteilung des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens will.



      Der Widerspruch ergibt sich nicht aus der Sache, sondern wird durch die Benennung erst erzeugt.

      • @Hektor Rottweiler:

        Es gibt jede Menge Artikel zu Enteignungen, Vergesellschaftung, Umverteilung, etc, die alle auf dem grundlegenden Irrtum aufbauen, dass die Ursache der Armut der einen in dem Reichtum der anderen zu suchen sei (siehe auch Brechts Reicher Mann und armer Mann). Dieses sozialistische Grundnarrativ ist an der Realität zerschellt, wie auch diejenigen die daran festhielten, siehe Ostblock oder eben namentlich die DDR (btw. der sozialistische Staat mit dem höchsten Lebensstandart). Die Widersprüche, die sich aus dieser Grundhaltung ergaben führten zu Mauerbau, Ausreiseverbote, Stasi und co und nicht etwa eine besondere Bösartigkeit der herrschenden Eliten

    • @Samvim:

      👍👍

  • Interessanterweise wird in Großbritannien die vulgäre DDR-Verklärung einer Katja Hoyer - Tochter eines Offiziers und einer Lehrerin, also Systemgewinnlern - als erfrischend neue Perspektive auf diesen Staat gesehen. Für Deutsche dagegen wirkt sie muffig und wie ein Throwback in die 90er.

    • @Suryo:

      Die Frage nach dem Beruf der Eltern stand in fast allen Fragebögen der DDR. Diente zur Einordnung.

      Ich dachte, das hätten wir hinter uns 😉

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Nur bezieht sich Hoyer in ihren Büchern, in denen sie die DDR als lustige, entspannte und gern auch leicht beschwipste Gesellschaft charakterisiert, ausdrücklich auch auf die Erzählungen ihrer Eltern. Sie selbst hat die DDR nämlich quasi gar nicht erlebt.

        Und was erzählen einem NVA-Offizier und Lehrerin wohl über den die DDR? Eben. Und Hoyer hinterfragt das nicht mal. Genausogut könnte man dann auch ein Buch schreiben, in dem man aufbauend auf den Erzählungen einer Parteigröße und seiner Gattin "erfrischend neue Perspektiven" auf den Alltag im Dritten Reich eröffnet.

    • @Suryo:

      Es wird sicher auch Menschen in Uganda geben, die finden, dass unter Idi Amin nicht alles schlecht war... Solche merkwürdigen Leute gibt es bekanntlich immer.

    • @Suryo:

      Der Unterschied zwischen GB und D in diesem Kontext ist, dass man in GB die Realität nicht kennt und deshalb natürlich anfälliger für Legendenbildung ist.

  • Aber die dafür verantwortliche Partei, mit ihrem neuen Anstrich und Namen ist schon ok oder?



    Süß auch wie der Artikel sich komplett um die Feststellung drückt, das die DDR eine linke Diktatur war.

    • @Mendou:

      Die SED verstand sich als links, insoweit stimmt das Statement.



      Ob aber ein Staat, der beispielsweise den Rock 'n' Roll für "dekadent" hielt, oder in dem in den 80ern die VoPo aus Eigenantrieb Punks von der Straße holten und ihnen zwangsweise einen "anständigen" Haarschnitt verpassen ließ, links WAR, ist glaub ich eine andere Frage.



      IMO war die DDR eine Spießer-Diktatur.

    • @Mendou:

      Mit Verlaub, aber was für einen Blödsinn schreiben Sie denn da? Da muss ja der Hass auf Linke und die Verklärung der Rechten und der AfD Fans echt groß sein, um sich sogar aus den Fingern zu saugen, dass die Diktatur links war. Diktatur ist niemals links oder rechts, sondern sie ist einfach Freiheit und Würde raubend. Erdogan ist demnach auch ein Diktator der bürgerlichen Mitte, denn er ist nicht rechts, er ist kein Rassist, er behandelt alle gleich Scheiße, ist das jetzt deswegen eine demokratische Diktatur?



      Und der neue Anstrich der Partei, auf die sie deuten, ist immer noch 100 % lern- und erinnungsfreudiger, was die diktatorische Vergangenheit angeht, als rechtsextreme, ein Großteil des deutschen Volkens beachten, der ablehnende und von Hass, Hetze und Ausgrenzung von Menschen, die nicht in die eigene Ideologie passen, getriebene, angeblich demokratisch gewählte heutige Ost-Partei. Die linken sind wenigstens nicht zu menschenverachtenden, nationalistischen und in die neue freiheitlich-demokratische Ordnung verweigernde und in der Ostalgie hängengebliebene, verbitterten NeuNazis geworden!

      • @Edda:

        Es schon ein Unterschied, ob eine Diktatur innerhalb einer mehr oder minder freien Marktwirtschaft oder eines - der Zielsetzung nach zumindest - sozialistischen Planwirtschaftssystems errichtet wird. Das gilt zum Einen für das Maß an Kontrolle, die das Regime ausübt - in einer Planwirtschaft, die dem Staat auch noch die Verfügungsgewalt an Produktionsmitteln und anderen Vermögensgegenständen vermittelt, ist es naturgemäß größer. Zum Anderen gilt es auch für die systemimmanente Entwicklung der Produktivität und mithin die "verteilbare Masse", die das Wirtschaftssystem generiert. Hier hinkte das DDR-System so weit hinterher, dass die westliche Konkurrenz bei aller Ungleichheit doch selbst den weniger Privilegierten noch einen deutlich höheren Lebensstandard ermöglichte(!). Man könnte mit Blick auf China und andere prosperierende und stabile Diktaturen die These aufstellen, dass Vielen erst das die Unfreiheit auch unerträglich machte.



        ...was natürlich nicht heißen muss, dass man die Linke jetzt als absolutes Feindbild aufbauen sollte. Aber sie steht schon für ein Staatsverständnis, das doch sehr "dikatur-affin" ist - das der AfD natürlich erst recht, aber das macht das nicht besser.

    • @Mendou:

      Was heißt hier linke Diktatur? Eine vollkommen fehlgeleitete (linke) Diktatur. Das Linke war nur Fassade, die Wirklichkeit ein Selbstbedienungsladen der Elite...

      • @nepp:

        Fehlgeleitetet ? in welchen anderen der vielen Länder, wo Sozialismus war und krachend gescheitert ist, war es jemals anders ?

  • Es gibt kaum etwas Schlimmeres als Wessis, die einem den Osten erklären. Allerhöchstens Ossis, die einem den Osten erklären.

    • @Axotono:

      Der Witz ist, dass genau die Ossis, die sich darüber aufregen, wenn ihnen Wessis den Osten erklären, wie selbstverständlich davon ausgehen, den Wessis den Westen erklären zu können. Ebenso halten die sich dann für Russlandexperten (anders als die Polen oder Balten, das sind ja alles nur hysterische Russenhasser) - aber natürlich auch für Fachleute für die USA und die NATO.

    • @Axotono:

      Doch, doch gibt es; Ossis zum Beispiel die einem Moslem den Islam "erklären", die sind noch viel viel schlimmer.

      • @Edda:

        Schlagfertige Antwort, dennoch kann ich sie so nicht stehen lassen.



        Zuweilen ist die Aussenperspektive auf eigene ideologische/religiöse Glaubensgrundsätze ganz hilfreich, um überkommene Vorstellungen zu überdenken und ggf. zu korrigieren.



        Dass insbesondere „der“ Islam sich damit schwertut, ist nun auch nicht zu verhehlen. Wer jegliche Kritik als Blasphemie abtut und mit Fatwa belegt oder Mohammed-Karikaturen zum Anlass nimmt, Andersgläubigen mit Todesstrafe zu drohen, hat m.E. schon ein gewaltiges Toleranzproblem.



        Intoleranz lässt sich nicht allein mit dem Argument der verletzten religiösen Gefühle oder Zurückweisungserfahrungen (Rassismus, Islamfeindlichkeit) in der Migrationsgesellschaft rechtfertigen. Eine Erklärung für religiöse Verhärtung und Rückzug in die eigene Community bieten sie gleichwohl. Darin sind wir uns wahrscheinlich einig.

        • @Abdurchdiemitte:

          Sie verwechseln einfache Moslems mit Islamisten.



          In Deutschland leben schätzungsweise 5,3 bis 5,6 Millionen Muslime, dem gegenüber 28.300, von Verfassungsschutz beobachtete, Islamisten.

      • @Edda:

        Bravo für diese Antwort!

    • @Axotono:

      Sehr treffend formuliert!

      • @nepp:

        Suriyos Replik bekommt auch eine lobende Erwähnung.

  • Ja, sehr gut.

    ZEITENWENDE !

    Endlich flächendeckende Biometrische Massenüberwachung der öffentlichen Räume statt der lächerlichen Zahl von altmodischen Stasi-Spitzeln, endlich nur Wohnungskrise statt des dramatischen Bananenmangels, endlich die Chance Multimillardär zu werden ohne lästige Steuern zu zahlen, und endlich die Möglichkeit als 'Leistungsträger' im gepflegten Villenviertel zu residieren, statt sich die Lebenswelt mit dem gemeinen Pöbel womöglich im gleichen Wohnblock teilen zu müssen.



    Und ja: zum ruhmreichen Kapitalismus und demokratischen Imperialismus darf es keinerlei Alternative geben.



    ZEITENWENDE !



    Selbstverständlich gehört dazu die essentielle Schlüsselerzählung von den gleichwertigen

    "ZWEI DEUTSCHEN DIKTATUREN"

    Endlich goldener Westen, endlich blühende Landschaften, endlich Wohlstand für alle, endlich ein gerechtes chancengleiches Bildungssystem ohne Privilegien der DDR-Parteibonzendiktatur.



    Das Ende der Geschichte, die beste aller Welten!

    Und wer noch zweifelt:



    -> "Geh doch nach drüben" muss die Schrei-Parole heute wie damals lauten.



    Endlich wieder feudales Stadtschloß statt Palast der Diktatur!



    Es geht voran!



    #Neofeudalismus



    #Postdemokratie



    #Sozialabbau

    • @Anne in Pink:

      "Und ja: zum ruhmreichen Kapitalismus und demokratischen Imperialismus darf es keinerlei Alternative geben."

      Gegen alternative Gesellschaftsformen ist solange nichts einzuwenden, als das sie von der Mehrheit der Bürger mitgetragen wird und diejenigen, die nichts damit anfangen können, diese Gesellschaft ohne Probleme verlassen dürfen.

      Beides traf auf die DDR aber eben nicht zu.

  • Kein Mensch wünscht sich die DDR zurück, so ein Strohmann. Die Alternative zum Kapitalismus ist gescheitert, aus tausenden Gründen. Aber ihre Geschichte wurde zuletzt vor allem vom Westen geschrieben, und wird jetzt neu betrachtet. Das ist eine gute Entwicklung, in den letzten Jahrzehnten wurde sie schließlich völlig aus der Geschichte getilgt. Die DDR ist Teil der linken Geschichte, und ohne die Arbeiterbewegung und den Nationalsozialismus, ohne den Widerstand und ohne die Sowjetunion nicht zu verstehen.

    • @Axotono:

      Alleine die Masse an Büchern, die zum Thema DDR in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht wurden, macht die These "in den letzten Jahrzehnten wurde sie schließlich völlig aus der Geschichte getilgt" zu unhaltbar. So etwas kann man höchstens paradistisch auffassen. Und warum ist die DDR eigentlich ein Teil der "linken Geschichten"? Schliesslich wurde uns doch in dieser (und zahlreichen anderen) Diskussion versichert, dass die DDR keinesfalls links war.

    • @Axotono:

      Sorry, aber was gibt es da groß zu verstehen oder auf akademischen Niveau noch irgendwie sachlich fachlich aufzubröseln?! Mir ist leider die menschliche Größe, das prophetische Wohlwollen und die Geduld abhandengekommen, den Osten angemessener zu analysieren, als der Osten mich als türkisches Gastarbeiter Kind als Feindbild ausgemacht und analysiert hat. Die Auswertung dessen wird mir jeden Tag medial gesellschaftlich, politisch und Bürgerrechtlich vorgetragen: nämlich, dass ich meiner orientalischen und muslimischen Natur nach eine kriminelle, "Integrationsunwillige", in einer Parallelgesellschaft lebende, messerstechende, frauenverachtende, homophobe, bildungsferne, gerade mal gut genug zum Gemüse verkaufende (von dem wir aber sowieso schon viel zu viel haben) Kopftuchfrau (trage gar kein Kopftuch) bin, die es als ihr Lebensglück empfindet, jeden Tag von ihrem Mann auf die Fresse zu bekommen.

      Mehr Sachlichkeit schaffe ich leider auch nicht mehr Ossis entgegenzubringen. Jegliche Limits meiner Geduld und meines grundsätzlichen Wohlwollens sind bzgl Ossis nach 30 Jahren zwischen Ihnen in dauerhafter Alarmbereitschaft und ständig gefragter Existenzrechtfertigung, sind erreicht

      • @Edda:

        Zunächst einmal finde ich es traurig bis interessant, dass Sie die Antwort von Abdurchdiemitte eben NICHT kommentiert haben ....

        Sie sind also tatsächlich der Meinung, das Ihre Beschreibung des türkischen "Feindbildes" ein Ergebnis der Wiedervereinigung ist, was durch Ostdeutsche kreiert und verbreitet wurde und wird ?

        Dazu ein Witz, der in der Wendezeit sehr verbreitet war: Wer freut sich am meisten über die Wiedervereinigung? Die Türken in Westdeutschland - endlich gibt es Leute, die noch weiter unten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung stehen als sie selbst.

        Und jetzt horchen Sie doch mal tief in sich hinein, fragen Ihre Familie, schauen sich den Fassbender Film von 1986 "40 qm Deutschland" an oder lesen im1985 erschienenen Buch "Ganz unten" von Günter Wallraff nach , wie das mit der Akzeptanz und der Integration der s.g. Gastarbeitern in Westdeutschland so gelaufen ist.

      • @Edda:

        Ich hoffe, Sie sehen die unfreiwillige Ironie Ihres Kommentars? Migrantisierte und Ossis teilen mehr Erfahrungen als wahrscheinlich beide wahr haben wollen. Pauschalisierungen, Ressentiments, Ausklammern aus der Gesellschaft. Natürlich wiegt der Rassismus schwerer und die jeweilige Ablehnung durch die westdeutsche Mehrheitsgesellschaft hat völlig unterschiedliche Ursachen. Aber man sollte es sich nicht zu einfach machen. "Die" Ostdeutschen gibt es ebenso wenig wie "die" Deutschtürken, es sind völlig vielfältige komplexe Gesellschaftsteile. Alles andere ist bequemes Auslagern der Probleme, sei es auf die Ossis oder die Migranten. Das bedeutet nicht, dass erstere nicht zu einem großen Teil rassistisch denken, sehe ich genauso.

      • @Edda:

        Aber Ihnen ist schon aufgefallen, dass es ein westdeutsch sozialisierter Bundeskanzler war, dem das Stadtbild nicht so recht gefällt?



        Eigentlich wird lautstarkes Endlos-Meckern immer mit Alten Weißen Männern verbunden - Sie lesen sich aber auch nicht gerade angenehm - wenngleich es sicherlich Gründe dafür geben mag.

        • @Der olle Onn:

          Nein, bei Gott, ich lese mich sicher nicht mehr angenehm. Es tut mir auch leid, ich weiß, dass ich damit vllcht auch Leute vor den Kopf stoße. Aber wie ich schon vorher schrieb, ich bin keine Heilige und irgendwann nach Jahrzehnten tritt der Esel auch mal zurück. Ich finde, da kann man auch ein bisschen mit empathisieren, wenn man mal versucht die Perspektive eines Menschen einzunehmen, dem seit frühester Kindheit von der Mehrheitsgesellschaft vermittelt wird, dass er minderwertiger ist, dass er dispositioniert ist, sich für das gleiche immer viel mehr beweisen und bewähren muss, als Deutsche. Das war Teil 1 meines hier geborenen Lebens und Teil 2 ging mit dem Anschlag vom 11. September los, denn seitdem waren wir wenigstens nicht alle nur Ausländer, sondern ab dann waren wir nur noch ungeachtet unserer ethnischen Herkunft, Muslime, und werden auch seitdem von der westlichen Welt nur noch als solche, eine homogene, verdächtige, verschworene Gemeinschaft mit mehr oder weniger Differenzierungen, wahrgenommen, dargestellt. Und wenn man dann mal Deutschen bisschen kulturell vertrauter vorkommt, dann ist man nur eine gut eingedeutschte Ausnahme, wie man zu mir immer sagte.



          Das zermürbt

        • @Der olle Onn:

          Die CDU war schon immer rechtskonservativ, was aber immer noch ein Unterschied zu rechtsextrem ist. Der Merz ist das kleinere und ungefährlichere Übel, jedenfalls hatte ich noch nie bei der Wahl von CDU Kanzler/innen Angst um meine Existenz hier und habe auch nicht das erste Mal mit 50 ernsthaft Schritte zur Auswanderung vorbereiten müssen, ganz nach dem Motto, lieber, bevor es zu spät ist, selbst gewählt und selbst gesteuert gehen, als im Chaos rausfliegen! Und in diesem Alarmmodus bin ich immer noch, da ich überzeugt bin, dass die nächste Legislaturperiode die AfD den Kanzler stellen wird. Glauben Sie mir, ist keine schöne Lebensqualität, in ständiger Unsicherheit und Angst und mit täglichen öffentlichen und gesellschaftlichen Abwertung und Anfeindungen leben zu müssen. So sehr ich Merz auch verachte, immerhin nicht so sehr wie seine Partei weder er noch die CDU haben mir je Angst gemacht und mich bedroht.

          Aber sie haben in dem Sinne recht, dass seid die CDU Parteiprogramm-Kampfrennen mit der AfD macht, wer menschenverachtender ist, schämt sich sogar der Teufel fremd.

          • @Edda:

            Frau Edda, ihre Beiträge strotzen vor Wut. Was ich von ihnen lese ist ein endloser Selbstbezug.

            Ich frage mich, wo und vom sie Zitat "Die Auswertung dessen wird mir jeden Tag medial gesellschaftlich, politisch und Bürgerrechtlich vorgetragen"? bekommen.

            Wer? Der "Ossi"? Die "Osssimedien"? Also bitte kommen sie aus dem Allgemeinen raus. Und ab 9/11 da ist also auch der Osten Schuld, dass sich das Klima in Deutschland gewandelt hat? Und sie schreiben "von der westlichen Welt" würden sie seit 9/11 so und so auf Negatives reduziert. Die westliche Welt, wie viel hat die mit der DDR zu tun?

            Nächste Frage: Sie schreiben, sie seien ein Kind von türkischen Gastarbeitern. Ist ihre Familie denn in die DDR gezogen? Das war bestimmt nicht so? Wie ist denn ihre starke Berührung mit der wie sie schrieben "Zone"?

            Auch fühlen sie sich mit zahlreichen Leuten, deren Merkmale auf sie gar nicht zutreffen, gleichgesetzt (Kopftuch, messerstechend, bildungsferne usw.").



            "Mit Verlaub", wie sie es einleiteten: Ich nehme ihre Beiträge als stark projizierend wahr.

            Was den "Osten" angeht: Ihre Zuweisung, dass nur die "Ossis" das Problem in der "westlichen Welt" seien, wird in anderen Ländern widerlegt.

            • @JK83:

              Wenn Sie in einer extrem abgeschotteten Blase leben sollten, kann ich Ihren Kommentar verstehen.



              Andernfalls Frage ich mich, in welcher Welt Sie die letzten 30 Jahre gelebt haben.



              Um übrigen bezieht sich Edda in Ihren beiden letzten Kommentaren ausdrücklich auf ihre westdeutschen Geschichte.



              Ich bin nur ein alter weißer biodeutscher CIS-Mann aus BW aber sogar ich kann den Schmerz und die Wut von Edda zu 100% nachvollziehen.



              Bleibt vielleicht festzustellen, das es die eine tolerante und faire Gesellschaft beim Menschen wohl nicht gibt

      • @Edda:

        100% Zustimmung. Aber was wird denn nun aus mir? Seit neuestem bin ich, wie mir ein in Thüringen lebender Nazi aus Westdeutschland gerade erklärt hat, zum Amerikaner mutiert und gar kein echter Deutscher. Fliegen wir demnächst beide aus dem Deutschen Reich?

      • @Edda:

        Ok, alles klar. Ihre Geduld ist zuende. Das verstehe ich. All diese Ressentiments würden mich auch komplett wütend machen. Es tut mir leid, dass die Tür zu ist und wir uns nicht mehr kennenlernen können.

        • @oricello:

          Wir wir können und sollten uns unbedingt noch (mehr kennenlernen!! Ich bin überzeugt, das kann als einziges die bösen Gefühle aller Seiten überwinden.

          Wenn ich nur könnte und dürfte, hätte ich einige Ideen zur noch viel mehr Kennenlernen und Gesprächen miteinander, als Hass und Hetze übereinander...



          Aber ich denke, den Stab muss ich traurigerweise weitergeben und hoffen...

        • @oricello:

          Sie haben da etwas falsch verstanden bezüglich meiner erschöpften Geduld und Sachlichkeit, da die emotionale Betroffenheit mittlerweile überwiegt,



          Meine Aussagen richten sich gegen Menschen, die mich, meine Herkunft, meine Sprache, meine Religion, meine kulturellen Identitäten, Problematisieren und zum Feindbild erklären, ich werfe nicht mal Menschen Vorurteile vor, solange sie diese reflektieren und hinterfragen können. Denn dann kann man im Dialog bleiben und erst recht ist die Tür selbstverständlich nicht für die zu, die egal ob selbst betroffen oder nicht, sich gegen Extremismus, Ausgrenzung, Diskriminierung und Hetze und für Demokratie und Gleichheit aller Menschen positionieren. Ohne die Deutschen, die Solidarität vermitteln und uns und sich selbst nicht im Stich lassen, sondern wertschätzen, wäre ein Leben in Deutschland doch gar nicht mehr möglich.



          Egal, ob ethnisch Deutsch oder nicht oder gar nicht Deutsch: bei allem politischen Pluralismus, der für mich ein wesentliches Merkmal von Demokratie bedeutet, müssen die, die von Herzen gegen Menschenfeindlichkeit, Extremismus und Doppelmoral sind, zusammenstehen, ohne sich ständig gegeneinander ausspielen zu lassen

  • Seit einigen Jahren macht sich Ostalgie breit? Nein, Ostalgie gibt es schon viel länger. Bloß waren es früher Linke wie Gysi, die sich alle Mühe gaben, das DDR-Regime zu verharmlosen und den Begriff 'Unrechtsstaat' scheuten wie der Teufel das Weihwasser. Von den westdeutschen Kommunisten vor dem Mauerfall mal ganz zu schweigen. Erst seit die Rechte die DDR für sich entdeckt hat, findet die Linke das Thema degoutant. Seit einigen Jahren also...

    • @Jochen Laun:

      "Linke wie Gysi, die sich alle Mühe gaben, das DDR-Regime zu verharmlosen und den Begriff 'Unrechtsstaat' scheuten wie der Teufel das Weihwasser. "

      "Unrechtsstaat" ist ein konservativer Kampfbegriff, für den es keine Definition gibt. Diese Agitprop-Wortschöpfung dient als Diffamierungs- und Propagandawerkzeug.

      • @Kaboom:

        Dann war also die DDR ein Rechtsstaat?

        • @Jochen Laun:

          Rechtsstaat ist, anders als Sie offenbar annehmen, NICHT das Gegenteil von Unrechtsstaat.



          Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich glaube nicht, aber ich bin kein Jurist.

  • "Wer sich die DDR zurückwünscht – auch das hört man heute..."



    Höre ich ehrlich gesagt nie. Aber ich bin auch nicht so sehr in Gesprächsgruppen unterwegs. Hingegen lese ich von der "anderen Seite" manchmal den Seufzer: "Ach hätten wir doch die Mauer zurück...". Auch das mag eher selten sein. - Wie auch immer: Natürlich schaut man oftmals zurück, natürlich verklärt lange vergangene Zeit den scharfen Blick, natürlich war weder alles gut , noch alles schlecht.



    Ich stimme "warum-denkt-keiner nach" zu. Für den normalen Menschen - den Nichtwiderständler also - war die Dauerpräsenz der Stasi kein Thema. Klar wussten wir um deren Existenz, möglicherweise, sehr wahrscheinlich sogar, haben wir sie gefährlich unterbewertet. Aber als ich mit einer Betriebssparteisekretärin von 1000 Mitarbeitern bis aufs Messer gestritten habe, ob man für ein Ziel Kommunismus Menschenleben opfern darf, hat mich anderntags niemand weggefangen. Und einem Parteieintritt konnte ich mich auch verweigern - gut, dafür fiel halt das Studium aus... Aber dafür hält man dann seinen Kopf hoch.



    Doch, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl gab es. Und ich habe nie einem Freund misstraut und niemals eine Akteneinsicht beantragt.

    • @Der olle Onn:

      "den Nichtwiderständler also - war die Dauerpräsenz der Stasi kein Thema. Klar wussten wir um deren Existenz, möglicherweise, sehr wahrscheinlich sogar, haben wir sie gefährlich unterbewertet. Aber als ich mit einer Betriebssparteisekretärin von 1000 Mitarbeitern bis aufs Messer gestritten habe, ob man für ein Ziel Kommunismus Menschenleben opfern darf, hat mich anderntags niemand weggefangen. Und einem Parteieintritt konnte ich mich auch verweigern"

      Glück für Sie. Aber dieses Standard/Argument, dass man ja keine Probleme hatte, wenn man nicht politisch aktiv war, stimmt halt leider auch nicht. Es kann jeden jederzeit treffen. Willkür ist doch das Schlimme an einer Diktatur, dass harmloseste" Dinge plötzlich politisiert, kriminalisiert und verfolgt werden.



      Als ich ihren Text las, musste ich an die Freundin denken, die erzählt hatte, dass sie von ihren Westverwandten als Schülerin einen Taschenrechner geschenkt bekam und als sie den in die Schule mitnahm, wurde der ihr abgenommen und verboten, weil es ein kapitalistisches Produkt sei, und ihre Eltern mussten sich erklären. Iim Stasi Fokus waren die mindestens. Man sah gar nicht, woher es kam, was sich einen um den Hals wickelte

      • @Edda:

        Hey, Sie haben eine Ossifreundin? Na, dann sollte Ihnen doch eigentlich klar sein, dass dieses grauslige Schubladendenken nichts bringt. Diskriminierung haben Sie doch sicher weder von allen Ossis noch nur von Ossis erfahren?

        • @Volker Scheunert:

          "Hey, Sie haben eine Ossifreundin?"

          Was ist das für eine Frage, ich lebe seit dem Studiumsjahren im Osten. Selbstverständlich ist der Großteil meines Umfeldes Ostdeutsch. Ich habe sogar schon Beziehungen mit Ossis gehabt ;)



          Was meinen Sie mit grausiges Schubladendenken? Ich denke nicht, dass der Vorfall mit dem Taschenrechner ein Einzelfall war.

          Und das Schubladendenken nichts bringt. Den Bedarf, das unbedingt lernen zu müssen, habe ich leider nach vier Bundesländern West und Ost hauptsächlich im Osten gesehen und ich wurde natürlich nicht nur von Ossis angefeindet in meinem bisherigen Ausländerdasein in Deutschland. Der Unterschied ist die Häufigkeit und die Gewichtung im Osten und Westen, wenn ich im Westen zehnmal von Nazis angegriffen wurde, mit meinen Freunden oder bedroht wurde, dann habe ich aber 20 mal eine gegenteilige Erfahrung gemacht. Im Osten wurde ich vielleicht 20 mal von Nazis angegriffen und habe ungefähr drei andere freundliche Erfahrungen gemacht. Es ist auch nicht nur der persönliche Kontakt. Es sind auch Behördengänge Geschäfte. Dienstleistungen Versicherungen, Polizei.... ich könnte noch viel aufzählen, aber ich denke, es bringt wahrscheinlich nichts, gell?

    • @Der olle Onn:

      Ich bin jetzt nur Wessi aber nach meinem Eindruck musste man in der DDR weniger Verantwortung für sein Leben übernehmen, wenn man nicht wollte.



      Der Staat hat sich irgendwie gekümmert, zumindest wenn das Problem ausreichend groß war. Insbesondere hatten alle immer Arbeit.

      Das ist jetzt nicht mehr so.

    • @Der olle Onn:

      Das Zusammengehörigkeitsgefühl kenn ich nur aus der Propaganda, aber nicht aus der Realität. Auf Arbeit hat jeder, jedem misstraut und interessant war man für andere nur wenn man irgendwie nützlich war, weil man Handwerker war oder irgendwas hatte das andere sich borgen wollten.

      • @Mendou:

        Ihrem Schreiben nach sind Sie zumindest ostsozialisiert. Heißt: Ein ernst zu nehmender Kommentator.



        Nun: Ich kenne Ihre Realität nicht, sie kann eine völlig andere sein als die Meinige war. Ich bin Ü70 und meine Erfahrung - zumindest die der frühen Jahre - ist eine andere als die Ihrige. Ich habe z.B. nie die Hand aufgehalten, wenn ich jemandem praktisch geholfen habe. (Was übrigens vor wenigen Jahren, kurz vor der Rente, immer wieder jüngere Arbeistkollegen verblüfft hat, wenn sie glaubten mir irgendwas schuldig zu sein...)



        Wir hatten lange Zeit gute Freunde - auch und gerade unter Kollegen. Ich gäbe Ihnen allerdings recht, wenn Sie sich vor allem auf spätere Jahre beziehen. In den 80ern erodierte bereits die Solidarität untereinander sicht- und spürbar.

      • @Mendou:

        Zumeist musste das Problem schon recht riesig sein, wenn sich der Staat außerplanmäßig kümmerte. Bürger schrieben lang hin Eingaben an die Regierenden, die Auswirkungen waren in der Regel nicht größer, als wenn ich Fritze Merz schreiben würde, dass die Straßenlaterne vor meiner Haustür kaputt ist.



        Sah freilich anders aus, wenn das Problem die Parteiführung bzw. deren Entscheidungen in Frage stellte...



        Was heißt Verantwortung übernehmen? Der Staat war schlicht völlig anders organisiert. Er hat "guten Willens" (ich setze das bewusst in Anführungsstriche) für seine Bürger "mitgedacht". Das kann man durchaus als Bevormundung interpretieren. Das Minderangebot hatte allerdings auch seine guten Seiten: Wieviel wertvolle Lebenszeit habe ich seit der Eingemeindung mit Entscheidungen zu Versicherungen, Geldanlagen, Krankenkassen, Preisangeboten verschwendet? Um nur einiges zu nennen...

  • Ist es denn nicht normal, dass man sich gerne an das Schöne seiner Vergangenheit erinnert?



    Trotz allen Widrigkeiten, die es bestimmt gab, habe ich die Menschen aus diesen Staaten (auch aus Ungarn, Tschechoslowakei, ex Jugoslawien) immer als auffallend herzlich und zufrieden wahrgenommen. Ist doch schön, wenn einem das Gute aus diesen Zeiten geprägt hat. Vielleicht sollten eher die Leute von der anderen Seite ihr Bild ein bisschen anpassen?

  • Ja wie? Bin ja früher weg als die meisten hier!



    Ostalgie? Wie wär’s mit die?



    www.youtube.com/re...rch_query=ostalgie

    unterm——



    Was war das für ein Staat?



    zB - Zwei Jahre vor der nur Voitila erahnten Wende traf sich ein Gruppe des Richterschlags sich in Berlin Mitte Hauptstadt der DDR mit Richtern vom LG & Obergericht der DDR.



    Wir wohnten ua drei Sitzungen bei.



    Unisono - „…gewöhnungsbedürftig - aber kann frauman nehmen!“



    & Däh



    Post Wende - die Verhandlungen -



    Waren Stasi-Fakes •



    Was das für ein Staat der das nötig hatte!



    Und deren Richter - Sheriffs der Partei •

  • Warum lernt man in der Schule eigentlich 'Geschichte', wenn man aus der Geschichte nichts lernt!?



    Trifft nicht nur hier zu.

    • @Klaus Waldhans:

      Volle Zustimmung!

    • @Klaus Waldhans:

      Weil man eben auch den Zeitzeugen glaubt.

      Die sind ggf. mehr als die Lehrer, die einem in der Schule dazu unterrichten.

  • Die Ost-West Debatten über die unterschiedlichen Mentalitäten haben sich mir während meiner Zeit in Deutschland nie so recht erschlossen.

    Blieb immer der Eindruck haften, das der "Herr" den Zahlmeister gab und der "Knecht" für die Ausbeutung doch gefälligst dankbar zu sein habe.

    An sich nichts neues. Gibt es in Italien von Norden nach Süden oder in England von Süd nach Nord schon seit Jahrhunderten. Nur in Deutschland scheinen die Uhren anders zu laufen, wie in vielen Bereichen.

    Das kulturelle Gefälle fand ich persönlich beispielsweise zwischen Nord und Süd graviender als zwischen Nord und Ost. Das sind aber lediglich alles persönliche Eindrücke eines Zugereisten.

    Kein Verständnis habe ich jedoch dafür, wenn Menschen gleich ob aus West oder Ost Sympathien für einen Staat aufbringen der sein Volk über Jahrzehnte mit Mauer und Stacheldraht eingesperrt und damit einen wesentlichen Bestandteil persönlicher Freiheiten entzogen hat.

    Wer das glorifiziert oder positiv verklärt, der weist nicht nur enorme Bildungslücken auf, sondern hat auch ansonsten wenig verstanden was Freiheit im ursprünglichen Sinne bedeutet.

    • @Sam Spade:

      Ich sehe da weniger "Sympathie für einen Staat" als Trauer um den Verlust (und die allgegenwärtige Geringschätzung) eines gelebten Lebens, das eine Mehrzahl von unbelasteten Menschen offenbar durchaus als positiv erlebte.



      Ich sehe auch keine "ich will meine DDR zurück"-Ostalgie, es ist mir schleierhaft woher die Autorin ihr "– auch das hört man heute –" nimmt. - Wer zum Teufel ist "man"? Ich lebe mitten unter den Menschen, die das gesagt haben sollen oder gesagt haben könnten. Kommentierenden würde bei solcher Ungenauigkeit schnell ein "Herumschwurbeln" unterstellt.



      Sie sind offenbar ein vielgereister Weltbürger. Ich habe bis zur Eingemeindung nur sechzig Kilometer entfernt von der stacheldrahtigen Grenze gelebt - gesehen habe ich sie zum ersten Mal weit, weit weg von einer Erhebung im Harz. Da war ich bereits Ü30. - Will sagen: Auch wenn Ihnen das unverständlich erscheinen mag - sie spielte eben keine herausgehobene tägliche Rolle. Wer nicht weiß, was der Horizont ihm verbirgt, wird es weniger vermissen als der Weitgereiste.

      • @Der olle Onn:

        Das sagen Sie.

        Es gibt aber zehntausende, für die das anders war.

        Mal ganz abgesehen von den Millionen (!), die vor 1961 geflüchtet sind und dabei eben auch ihre Heimat, ihr Hab und Gut und oft auch ihre Familie verloren.

        Speziell über letztere wird in Deutschland fast nie gesprochen. Waren diese ganzen Menschen eigentlich keine Ossis, nur, weil sie schon vor dem Bau der Mauer geflüchtet sind?

      • @Der olle Onn:

        Ich bin in der norwegischen Provinz aufgewachsen. Als junger Mensch wollte ich raus aus der Enge der Kleinstadt und bin zum Studieren nach London gegangen.

        Die eine Voraussetzung dafür war Freiheit, die zweite viel Geld. Beides war zum Glück vorhanden.

        Ich kenne einige Leute hier in Tromsø deren Blick nie in die Ferne gerichtet war und die selbst ihren Urlaub in ihrem Ferienhaus in der Region verbringen.

        Nur das ist selbstgewählt, die Entscheidungsfreiheit darüber hatten sie selbst. Ich denke, das ist schon ein Unterschied.

    • @Sam Spade:

      Mein subjektiver Eindruck in Bezug auf Ihren letzten Absatz:



      Weil Freiheit heute in Deutschland kein Wert mehr ist, dem viele Bedeutung beimessen.

      Da Freiheit für mich der ultimative Wert ist, fällt es mir regelmäßig auf.

      Und das ist keine Frage von links oder rechts oder von Ost oder West.

      Bei Ost und West unterscheiden sich nur die Bezüge.

      • @rero:

        Shure“…Da Freiheit für mich der ultimative Wert ist, fällt es mir regelmäßig auf.…“ But.



        Da allene kannste dir auch keine



        Tasse Kakao drauf rühren!



        Wie der pragmatische Holländer sät🤔

  • Was heißt Ostalgie? Man war jung, hat Party gemacht, man konnte nachts von Friedrichshain über Alexanderplatz problemfrei nach Mitte kommen. Es ging allen gleichermaßen gut-schlecht. Ich vermisse nicht so sehr viel an der DDR, was mich aber IMMER MEHR als Zoni fühlen und gebären lässt, ist dieses herablassend-wissende der Bundis. Ich bedaure es sehr, dass wir nicht zwei deutsche Staaten haben, einmal den Osten (egal welcher Name) und die BRD. Ich (und viele andere auch) würde mir viel Entnervung ersparen. Ich beende hier das Thema, ansonsten würde ich mich in Rage schreiben.

    • @Leningrad:

      Ich glaube, es ist kein Zufall, dass es hier im Westen keine Umfragen gibt, wie viele Leute sich den Zustand vor der Wiedervereinigung zurückwünschen. Das wär sicherlich für das gewünschte Zusammenwachsen eher nicht zuträglich.

      • @Kaboom:

        Leider ist nüscht zusammengewachsen. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich weiß auch nicht, was es da zum Zusammenwachsen gibt, wenn ich mir so Frankfurt/Main, Mannheim, Duisburg etc. ansehe. So würden westdeutsche Städte auch ohne Wiedervereinigung aussehen.

        • @Leningrad:

          Die Stadt Oberhausen hat seit der Wiedervereinigung mehr als eine Viertelmilliarde Euro in den Osten überwiesen (hab keine Zahlen von anderen Städten, deshalb das Beispiel).



          Ich bin 100 % sicher, dass Oberhausen anders aussähe, wenn dieses Geld in die Infrastruktur Oberhausens geflossen wäre.

          Und was nun Frankfurt angeht: Ich bin ziemlich sicher, dass von 100 befragten Deutschen 90+ lieber im Großraum Frankfurt leben würden, als im Osten.

    • @Leningrad:

      Was meinen Sie, wie viel Entnervung man sich im Westen sparte. Der Blick auf die Wahlergebnisse im Osten könnte einem fast egal sein, anstatt Angst um den Fortbestand unserer Demokratie und unserer Gesellschaft auszulösen.

    • @Leningrad:

      Würden Sie uns Westberlin abnehmen?

    • @Leningrad:

      Ich glaube, viele Westdeutsche würden es auch mittlerweile begrüßen, wenn es noch zwei deutsche Staaten geben würde. Solange sie für den Anderen nicht aufkommen müssten.

      • @vieldenker:

        Ja, aber viele Westdeutsche haben sich bspw. in den ostdeutschen Großstädten mit Immobilien versorgt. Ich glaube nicht, dass die nichts davon haben. Z.B. in Dresden (Erhebung 2015, neuere auf Anhieb nicht gefunden, aber man muss nicht tun, als sei Grundstücksbesitz eine sehr fluktuierende Größe) besitzen Westdeutsche 38% der Grundstücke. Es ist also wirtschaftliche für einige Westdeutsche sehr attraktiv, dass es einen Osten zum "Kolonisieren" und zur Vermögensentwicklung gibt. Ich denke, für Firmenanteile wird Ähnliches gelten.

        • @JK83:

          Rückgabe statt Entschädigung war zentraler Bestandteil der Politik von Helmut Kohl und der Union. Das war lange vor der Wahl 1990 bekannt. Die Wähler im Osten haben das begeistert und mit großer Mehrheit gewählt.

        • @JK83:

          Ganz genau, und wie wäre es außerdem, wenn alle Westdeutschen raus gehen aus Eigentumswohnungen und Immobilien im Osten? Hier haben Westdeutsche auch aus der grünen Mittelschicht gewaltig profitiert. Denen fällt gar nicht mehr auf, dass die große, einst günstige Wohnung im Prenzlberg und das günstige Wochenendhaus bei Seelow eben zuerst für Sie so günstig war, weil es für die meisten der Ossis zunächst unerschwinglich war in den eigenen Regionen. Und jetzt hocken sie drauf und der Wert steigt und steigt.

        • @JK83:

          Danke, das wird gerne mal vergessen. Bei mir in Pankow sind Zonis mittlerweile "Bückware"....

    • @Leningrad:

      Irgendwie haben Sie mein Verständnis...

  • Ohne etwas zu verteufeln. Genau. Das Problem ist die Jahrzehnte lange Geschichtsschreibung der Sieger, in der die DDR in Bausch und Bogen verteufelt wurde.



    Das Leben in der DDR war sehr gut. Es war nur leider sehr unfrei. Dafür gab es viele Freiheiten, gerade für Frauen, die der Westen bis heute nicht kennt.

    Meine Eltern haben immer etwas gesagt. Zum Beispiel durchgesetzt, dass meine Schwester nicht an der vormilitärischen Ausbildung teilnimmt.



    Das wurde sehr genau registriert. Wie die mehrere Aktenordner umfassende Stasi Akte meines Vaters eindrücklich beweist.



    Ich kann mich auch noch erinnern wie die Stasi bei uns geklingelt hat um uns Kinder wegen eines Plakats mit der Forderung auf Anschluss ans Trink- und Abwassernetz zu befragen welches mein Vater ans Haus gehängt hatte.

    Es gab eben nicht immer Ärger wenn man etwas gesagt oder gefordert hat. Das Problem war, dass man nie wusste wann es Ärger gibt.

    Meine Eltern haben sich immer auf die Gesetze und die Verfassung der DDR berufen. Erfolgreich.

    Aber natürlich wurde mein Vater für sein Verhalten "bestraft". Aus der Partei geworfen, degradiert, beruflich aufs Abstellgleis geschickt.

    • @Zange:

      Ich denke, dass die überfallartige Wende ein Teil des Problems ist.



      Der Großteil der DDR-Bürger fand wohl die Lebensbedingungen nicht so schlecht, vielleicht auch weil man die Alternative überwiegend nur aus dem Fernseher kannte.



      Dann kamen wir Wessies wie die Heuschrken und verkauften überteuerte Autos und Versicherungen. Da wurde viel verbrennte Erde hinterlassen und manch einer wünschte sich die "gute alte Zeit" zurück in der alles geregelt war.



      Allerdings wurde bei der "Übernahme der DDR vergessen, dass es auch viel Gutes in der DDR gab das man hätte retten können. Z. B. die Zwischenmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft war, wohl auch wegen des Mangels, viel stärker ausgeprägt. Im Westen ging/geht es damit stetig bergab.

      • @nepp:

        Da sind Sie ziemlich dicht an der Situation. Viel besser kann man es nicht grob zusammenfassen.



        Ja, Mangel war allgegenwärtig. Aber der betraf vor allem den Farb-TV, das endlose Warten auf ein Auto, Baumaterial, die Unmöglichkeit zu reisen, wohin man wollte. Das Gegenstück dazu war ein künstlich billig gehaltener Alltag: Niedrige Lebenshaltungskosten. Energie, Schule, (unverantwortbar niedrige) Mieten. Damit kamen die Allermeisten recht gut über die Runden. Gemeckert wurde freilich nicht weniger als heute. Nur halt selten laut und öffentlich.



        Was das Wissen um den Westen und seine Möglichkeiten betraf war das Land zweigeteilt. Es gab die TV-Nutzer in grenznaher Lage - die wussten schon recht gut Bescheid. Sowohl darüber, was ihnen "fehlte" als auch darüber, worauf sie verzichten konnten (Arbeitslosigkeit, Mietwucher). Und es gab halt den Südosten, dessen Antennen so weit nicht reichten. Nicht umsonst als "Land der Ahnungslosen" bezeichnet.



        Ihre "Heuschreckenzeit" hat tatsächlich viel Zutrauen zerstört. Mit dem aggressiven Marktverhalten kam der gelernte DDR-Bürger damals nicht klar.



        Und ja: Bei genauer Betrachtung hätte man Einiges übernehmen und verfeinern sollen. - Too late...

    • @Zange:

      "Das Problem ist die Jahrzehnte lange Geschichtsschreibung der Sieger, in der die DDR in Bausch und Bogen verteufelt wurde."

      Warum gibt es dann sonst nirgendwo im ehemaligen Ostblock, nur in der Ex-DDR und in Russland, eine solche Verklärung der sozialistischen Diktatur?

      Wenn man in Polen oder in Estland einem erzählt, was Ostalgie ist, starren einen die Menschen fassungslos an. Noch fassungsloser und mit Abscheu reagiert man dort auf die eigentlich nur in Ostdeutschland zu findende Ergebenheit gegenüber Russland.

      • @Suryo:

        Ich denke nicht, dass das stimmt, denn Populisten, gerade Rechtspopulisten, haben in POlen und anderen Ländern auch erheblichen Zulauf erfahren und die Länder sind ebenfalls sehr ungleich bzgl. Stadt/Land bzw . alt/jung. Ich glaube, sie vereinfachen zu sehr. Wo sie eher Rceht haben ist die Russlandfreundlichkeit, die findet man in anderen Nationen - die aber erheblich härter unter der Sowjetunion zu leiden hatten als die DDR - nicht so ausgeprägt. Da haben sie aber auch gleich die Antwort, warum das so ist. Die DDR war im Ostblock aus bestimmten Gründen >>eher

        • @JK83:

          Populisten ja, aber keine Ostalgiker oder gar Kommunisten.

          Für die überwältigende Mehrheit der Mwenschen im ehemaligen Warschauer Pakt - mit Ausnahme Russlands und Ostdeutschlands - ist die Erinnerung an den Sozialismus die an Entbehrungen und Unterdrückung.

    • @Zange:

      Sie schreiben "das Leben in der DDR war sehr gut" und liefern dann ein Beispiel nach dem anderen - eine verpflichtende "vormilitärische Ausbildung" gab's in den westgebundenen und neutralen Staaten gar nicht erst, und kein Plakat zum Thema Kanalisation hätte die Staatspolizei auf's Tapis gerufen - aus denen man nur schließen kann, dass Sie einiges nostalgisch verklären müssen, um zu der Aussage zu gelangen.



      Das zeigt mir jedenfalls, wie wichtig Stimmen wie die von Simone Schmollack sind.

    • @Zange:

      Ich empfinde es genau anders: da wurde gar nichts verteufelt. Im Gegenteil, schon ungefähr 1991 wurde damit angefangen, die DDR als kommode Diktatur darzustellen.

      "Was bringt mir Reisefreiheit, wenn ich keine Arbeit habe?" - jeder, der in den 90ern schon was mitbekam, kann sich an solche Sprüche erinnern. Vom angeblichen Zusammenhalt bis hin zu den angeblich knusprigeren Brötchen - Ostalgie gibt es nicht erst seit kurzem, sie fing quasi sofort mit dem Zusammenbruch der DDR an.

      • @Suryo:

        Hier stimme ich ihnen zu.

        Aber dass Arbeit eher wichtiger als spezifische Formen von "Freiheit" erlebt werden kann, ist sehr plausibel und nachvollziehbar. Denn - das wissen sie sicher ganz genau aber ich möchte es hervorheben - Arbeit ist oft nicht nur Gelderwerb und Sicherung der Lebensgrundlage sondern auch Identifikation und Teil des Selbstbildes.

        Die 90er Jahre waren absolut eine Tragödie im Osten und es ist überhaupt kein Wunder, dass das in Familien bis heute nachhängt!

        Diesen Punkt nicht zu verstehen und zu akzeptieren ist wahrscheinlich der tiefste Makel in der westdeutschen Mentalität. So meine Meinung. Das kann man erst verstehen, wenn man es in seinem Umfeld erlebt hat. Das haben die meisten Wesdeutschen nie erlebt, auch nicht bei Nachbarn, Verwandten, Bekannten. Es ist sehr zerstörerisch. Es hat Verheerungen angerichtet und viele weitere Probleme angeheizt mit Nachwirkungen bis heute.

      • @Suryo:

        Man kann es auch so ausdrücken. Die Ostalgie begann, als die Menschen merkten, dass im neuen Staat auch nicht alles Gold war, was glänzte. Viele haben sich z.B. euphorisch auf die D-Mark gefreut, um dann festzustellen, die die auch nicht viel nützt, wenn man sehr wenig davon hat.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Nur geht es den Ossis heute objektiv viel besser als z. B. den meisten Spaniern, die 1990 nicht schlechter dastanden als sie. Selbst in einigen Regionen Skandinaviens sind einige Indikatoren schlechter als in Ostdeutschland.

    • @Zange:

      Klingt ja wirklich nach einem "sehr guten Leben" was sie da an Erinnerungen teilen.

  • "Mutmaßlich sind es Eltern und Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln ein wie auch immer geartetes Ostgefühl einpflanzen."

    Das mag sicher einen Teil betreffen, gerade in der Provinz, da wo man sich nach einer Art Ost-Identität sehnt.



    Ich persönlich erlebe das aber wo ganz anders. Ich spiele mit meiner Band meist in linken Jugendzentren und Clubs. Und da ist in den letzten Jahren auffällig immer mehr Sowjet- und DDR Symbolik zu sehen. Das war vor 10, 15 Jahren so noch nicht der Fall. Da war eher alles in der üblichen Punk- und Anarchoästhetik bepinselt. Das betrifft vor Allem Clubs in Ostdeutschland (speziell ein Laden in Leipzig fällt mir da ein), dass sehe ich aber mittlerweile durchaus auch in einschlägigen westdeutschen Schuppen. Bei mir im Viertel versprühen Leute aus der mutmaßlich antikolonialen Szene rote Sterne, Hammer und Sichel zusammen mit propalestinänsischen oder Anti USA/NATO Slogans.



    Das ist also nicht ausschließlich muffige Ostalgie im Wutbürgerlager, sondern auch Teil neuer linker Strömungen. Und neben dem allgemienen Rechtsruck im Land, ist das für mich ein weiteres Zeichen, wie schnell das geht, mit der Geschichtsvergessenheit.

    • @Deep South:

      Hm, das Logo der unter Insidern*lol* beliebten und bekannten Tanzmusikkapelle "Blutiger Osten" erinnert an des von der FDJ (oderso).

      • @Hugo:

        Ja mei. Ich kann ne Sowjetfahne oder ein Jungpionierwandgemälde schon ganz gut erkennen. Und die Zeiten, wo ranzige Oi Bands in solchen Clubs den Grauzonencheck problemslos überstanden haben, sind auch schon lange vorbei.

  • Frau Schmollack. Alles, was Sie über die DDR sagen, stimmt natürlich.

    Aber der Unterdrückungsapparat war etwas, das im Hintergrund war. Man wusste, dass er existiert, aber er bestimmte bei den wenigsten Menschen den Alltag. Profane Dinge wie die Frage, was es am Freitag in der HO für Gemüse geben wird, waren für die meisten Menschen präsenter, als die Angst vor der Stasi.

    Es wäre also meist gelogen, wenn die Oma dem Enkel auf die Frage, wie der Alltag in der DDR war, antwortet, dass sie 24h am Tag Angst vor der Stasi hatte. Sie sollte allerdings die Schattenseiten auch nicht verschweigen.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Stimmt. Aber auch heute kann man Welt- und Tagespolitik ohne Nachteile ignorieren. Merz sche Aussagen betreffen einen meist genauso wenig wie Trumpsches Wirrwarr. Und an den Auswirkungen kann man eh nicht viel machen.

      Und im Alltag muss man nicht auf das Freitagsangebot warten, sondern man bekommt eigentlich immer alles. Einfach in den SUV einsteigen und hInfahren. Natürlich ärgert man sich über den umständlichen Antrag da und die Baustelle hier, aber für große Bevölkerungsteile gibt es keine existenzielle Sorgen. Auch in der Grundsicherung geht es um „über die Runden kommen“, aber nicht um die Existenz.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Aber auch fehlendes profanes wird verdrängt. Ich war West-Kind, das seine Großeltern und Tante in Dresden besuchte. Selbst mir fiel als 6-jähriger auf, dass es in der DDR dreckig (die Häuser schwarz vor Ruß) und trist ist. Die Autobahn in einem schlechten Zustand war - die Betonplatten haben alle 20m einen Rumms gemacht. Die Autos haben extrem gestunken, waren kleiner und sahen alt aus. Was mir als Kind weniger auffiel, war die Auswahl im Supermarkt. Auch war ich immer begeistert, dass es eine Straßenbahn in Dresden gab (wir haben auf dem Land im Westen gewohnt) und ich bin mit meinem Opa immer Straßenbahn gefahren und habe eine "rote Brause" getrunken, die es im Westen nicht gab. Wanderungen in der sächsischen Schweiz waren toll. Aber ich habe auch die Grenzkontrollen von zehn Stunden nicht vergessen. Nicht vergessen, dass unser Auto komplett durchsucht wurde, die Anspannung meiner Eltern an der Grenze. Und - das habe ich erst später erfahren/verstanden, dass mein Vater zehn Jahre seine Familie nicht sehen durfte, da er "in den Westen gemacht hat".

      Zusammengefasst: Die positiven Erinnerung sind von meinen Großeltern und Tante. Die negativen, die der Staat DDR verschuldet hat.

      • @Strolch:

        Jedem Sechsjährigen von der Westseite musste der Unterschied einfach auffallen. Da war das Alter ohne Belang. Ich kannte diesen Unterschied damals nur von Postkarten. Richtig deutlich geworden aber ist er mir erst beim Vorher-Nachher-Betrachten alter Stadtfotos vor wenigen Jahren. Unsereins war ja nie "Westgucken". Und im TV war erst die Werbung der Privatsender grellbunt.



        Sie haben recht: Der Zustand war beschämend. Allerdings hatte ein Privatvermieter nicht die Spur einer Chance den nachhaltig zu verändern. Meine erste Miete lag bei 20 Mark Ost, für in Summe 32 Quadratmeter. - Aber mit Kinderzimmer! Nu rechnen Sie sich mal die Zimmergröße aus...

      • @Strolch:

        "Die positiven Erinnerung sind von meinen Großeltern und Tante. Die negativen, die der Staat DDR verschuldet hat."

        So kann man es ausdrücken.

        Der Straßenzustand war übrigens, wenn man denn ein Auto hatte, mit dem Trabbi besser zu ertragen. Die Autos waren geländegängiger 😁

  • Wie immer bei aktuellen gesellschaftspolitischen ist die Ursache der Verklärung von Vergangenheit in der immensen Vermögensungleicheit und damit fehlender Chancengleichheit und Armut auf der anderen Seite zu finden. Erst wenn eine Regierung sich diesem Thema ernsthaft annimmt wird sich die Stimmung drehen.

    • @Jan Röser:

      Wirtschaftlich gesehen geht es den Leuten im Osten besser wie zu DDR Zeiten, selbst denen, die wenig haben.

      • @Strolch:

        Woran machen Sie das fest? - Am Auto? Am Hosentaschengehirnvertrag?



        Gut gehen heißt vor allem sorgenfrei zu sein. Damit die Psyche Ruhe hat. Und ebendas fühlen viele Leute nicht. Das mag manchmal ungerecht erscheinen angesichts der großartigen Segnungen dieses Landes.



        Der mitunter verklärte Rückblick besagt eben auch: Ganz unter die Räder kommen konnte man nicht, Arbeit gab es für jeden. Die stete Drohung immer mehr ausufernder Lebenshaltungskosten, unbezahlbarer Pflegeplätze - sowas, das Leute nachhaltig umtreibt - das Thema kannte eben niemand. Insofern ist bloßes wirtschaftliches "besser gehen" ein Muster ohne Wert...

      • @Strolch:

        Wirtschaftlich trifft die Aussage auch auf Einwohner aller Entwicklungsländer zu. Nur dumm wenn sich Menschen hier mit aktuellen Nachbarn vergleichen und nicht mit der Vergangenheit. Polen war damals deutlich ärmer als die DDR. Heute hat Polen die ländlichen Regionen im Osten bereits überholt. Das ist was die Leute hier merken.

        • @Šarru-kīnu:

          Polen hat die ländlichen Regoinen in Deutschland insgesamt überholt, egal ob im Osten, im ehemaligen geförderten "Zonenrandgebiet" oder im restlichen Westen ohne Sonderförderung...

        • @Šarru-kīnu:

          Warum der Osten weniger wirtschaftlichen Erfolg hat, hat viele Gründe. Ein Punkt ist sicher der Fachkräftedrift in den Westen.

  • Dennoch macht sich seit einigen Jahren verstärkt Ostalgie breit. Doch eine Verherrlichung des toten Landes ist nicht nur Geschichtsvergessenheit, sie ist vor allem gefährlich.



    ----



    Unten mal eine kleine Handreichung in Kurzfassung der "Wiedervereinigung"! Da schneit es so, unsere "lieben Schwestern & Brüder" in Ostelbien konnten nicht schnell genug "ein Volk" werden!



    Will ja nicht sagen, "Geschichte lesen" ist "wahrer" als Erinnerung, doch sollte beides immer mal miteinander abgeglichen werden!



    Vergl. dazu: Hohe Bäume, Häuser usw. aus der Erinnerung aus der Jugend werden merklich kleiner, wenn wir die nach 20-30 Jahren wiedersehen!



    de.wikipedia.org/w..._Wiedervereinigung

  • Mir wollte neulich ein jugendlicher Ossi weismachen, dass der Umweltschutz in der DDR ja um Längen besser war, weil kein Kapitalismus und so.

    Lächerlich. Immerhin konnte ich ihn mittels einiger Infos über Bitterfeld, die Luftverschmutzung und den Umgang des Staates mit Umweltschützern von der Wahrheit überzeugen.

    • @Suryo:

      Der junge Mann hat wohl noch nie etwas von Espenhain gehört.

      Andererseits kam gestern auf ZDF info, dass das SERO System der DDR eine höhere Recyclingquote hatte, als unser jetziges System. Und dass es viele Dinge auf Haltbarkeit gebaut wurden, weil keiner ein Interesse hatte, schnell etwas Neues zu verkaufen.

      Es gäbe also einzelne, wenige Punkte, die nachahmenswert wären...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Kleine Anmerkung: Naturschutz war in der DDR ein Spagat zwischen eben diesen Dreckschleudern wie Bitterfeld etc. und streng geschützten Bereichen, beispielsweise dem Bibereinzugsgebiet im Altarm der Elbe, Seeadlerbrutplätzen etc. Also wurde schon etwas getan. Auch war die Landwirtschaft gerade im Bereich der Mittelgebirge nicht derart durchindustrialisiert, meist fand da eine Nutzung auf kleineren durch Feldraine geteilten Flächen statt. Diese sind größtenteils verschwunden und der geneigte Autofahrer wundert sich jetzt, warum bei Starkregen plötzlich der Acker auf der Straße liegt (mal abseits der Tatsache, daß Feldraine auch ein Beitrag zur Biodiversität in Nutzflächen sind).

        • @Wurstfinger Joe:

          "Auch war die Landwirtschaft gerade im Bereich der Mittelgebirge nicht derart durchindustrialisiert, meist fand da eine Nutzung auf kleineren durch Feldraine geteilten Flächen statt."

          Wo möglich, arbeiteten die LPG mit großen Flächen. Wirklich kleine Felder habe ich auch im Mittelgebirge nie gesehen. Allerdings hatten nicht alle LPG Vorsitzenden vergessen, wozu Feldraine dienen.

        • @Wurstfinger Joe:

          Bei mdr.de fand ich neulich:



          "Im Osten passiert vieles schneller und radikaler, davon ist der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk überzeugt. Was das Erstarken der AfD mit Wende und Wiedervereinigung zu tun hat – und was nicht, das analysiert er im Gespräch mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow, Ex-Gewerkschafter und Thüringens Ministerpräsident a.D.. Der intensive Dialog über jüngere deutsche Geschichte und Gegenwart ist unter dem Titel "Die neue Mauer" jetzt als Buch erschienen."



          /



          Eine Möglichkeit der Information bietet sich auch im DDR-Museum (Karl-Liebknecht-Str. 1



          10178 Berlin) oder im Netz wie hier bei bpb.de



          Zu den Bemühungen um einen !gemeinsamen Umweltschutz:



          www.bpb.de/themen/...dlungen-1970-1990/

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das stimmt auch, aber das lag



        Mangel und nicht an Umweltfreundlichkeit. Ansonsten war das System komplett auf Ausbeutung aller Ressourcen ausgerichtet. Da war nichts mit Nachhaltigkeit.

        Übrigens galt das auch für die Ressource Mensch. Wer einen Ausreiseantrag stellte, durfte sich sofort und mehrfach anhören, dass der Staat doch so viel Geld in einen investiert hätte. Und dass Rentner wiederum ausreisen durften, lag daran, dass man sich insgeheim darüber freute, wenn diese nutzlosen Fresser im Westen blieben.

        Nirgendwo wurde der Mensch so nach seinem wirtschaftlichen Wert beurteilt wie in der DDR.

        • @Suryo:

          "Und dass Rentner wiederum ausreisen durften, lag daran, dass man sich insgeheim darüber freute, wenn diese nutzlosen Fresser im Westen blieben."

          Die Rentner blieben aber nicht. Die fuhren gern in den Westen, um Urlaub zu machen, kamen aber immer wieder zurück 😉

          Ressourcenmangel hatte seine gute Seite. Im Gegensatz zu heute war den Menschen klar, dass nicht alles in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht. Und letztlich zwang er zur Nachhaltigkeit. Also zu etwas positiven.

          "Nirgendwo wurde der Mensch so nach seinem wirtschaftlichen Wert beurteilt wie in der DDR."

          Die aktuellen Diskussionen über "Reformen" sollten eigentlich niemanden entgangen sein. Da geht es letztlich nur um Wirtschaftlichkeit.

  • Die DDR war ein repressiv-diktatorischer Staat. Punkt. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Und das hat nichts damit zu tun, dass es im Osten auch einen Alltag gab, in dem gelebt, geliebt, gelacht wurde. ...



    ---



    Stimmt Simone, doch bring mal DAS in dei Köpfe der Leute die sagen:



    "Früher hatten alle Arbeit, kostete due Straßenbahn nur 20 Pfennig, usw.!"



    Die haben schlicht vergessen (wollen?) das es massive Unrecht, Einschränkungen & Repressionen gab.



    Nach dem Dreiklang: "Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk! & D-Mark wir kommen!" , hat leider bei vielen die Erinnerung ausgesetzt!



    Betreutes unfreies Leben in einem überbehüteten Überwachungsstaat & "Freiheit im Kapitalismus & Jede/r gegen Jede/n lässt sich nicht übereinander legen!"



    In beiden muss gezahlt werden! Einmal mit Freiheit, ein andermal mit Risiko & Selbstverantwortung!



    Genau DAS war wohl niemand klar, als Sie der Birne die blühenden Landschaften glaubten & für schnelle Wiedervereinigung stimmten!



    Und, es geht das Gerücht, habe ich weit hinten im Kopf:



    "Das haben unsere Brüder & Schwestern in Ostelbien ja mit Mehrheit selbst so gewollt!"



    Nun müssen die damit leben & zurechtkommen!



    Gr Sikasuu

    • @Sikasuu:

      Interessante Fakten fand ich hier:



      www.volksstimme.de...-vertuscht-3791113



      Das Vertrauen dürfte für Mitwissende der Katastrophen (Opfer und Angehörige beispielsweise), also ohne eigene Rolle bei der Stasi in selbige als Ermittlungsbehörde dann nicht allzu groß gewesen sein und sicherlich gab's auch stille Post.



      Wahrscheinlich war auch zum Doping nicht alles vollkommen unter Verschluss.

    • @Sikasuu:

      "Die DDR war ein repressiv-diktatorischer Staat. Punkt. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Und das hat nichts damit zu tun, dass es im Osten auch einen Alltag gab, in dem gelebt, geliebt, gelacht wurde. ..."

      Stimmt Simone, doch bring mal DAS in dei Köpfe der Leute die sagen:

      "Früher hatten alle Arbeit, kostete due Straßenbahn nur 20 Pfennig, usw.!"

      Die haben schlicht vergessen (wollen?) das es massive Unrecht, Einschränkungen & Repressionen gab.!

      Und wo ist das Problem? Meine Mutter und ich stammen aus den baltischen Staaten und reden genauso!



      Das was in der DDR und Sowjetunion gefehlt hat war Geld, nicht für Privatpersonen, sondern für Krankenhäuser, so dass es nicht genügend Medikamente gegeben hat!

  • Es ist wohl richtig, das man eine Diktatur mit politischen Repressionen nicht verklären soll. Ebenso wie eine Demokratie die über Lobbyismus den Wählerwillen verhöhnt.

    Fakt ist aber das unsere Gesellschaft ihren inneren Zusammenhalt verlieren wird wenn es kein Gemeinschaftsgefühl der Bürger gibt.



    Leider verbreitet sich das Motto "jeder ist sich selbst der Nächste" aber scheinbar sehr rasant. Das Auftreten selbstherrlicher Politiker und bürgerfremder Parteien sowie "un"sozialer Medien ist ein Förderer der dieser Tendenz. Nicht zuletzt ist die Entfremdung oder Anonymität der Menschen in Städten selbst bis in kleinste Gemeinde ein Fakt der nicht zu leugnen ist.



    Das die Bürger, welche in der DDR erwachsen wurden, sich in dieser Beziehung an andere Zeiten erinnern ist kein Wunder, noch dazu wo sich gerade diese auch zu Teilen von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen. Auch viele ältere Bürger der alten BRD haben sicher auch eine andere Erinnerung an Zeiten von mehr Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt. Darüber regt sich nur niemand auf.



    Auch die Wahlergebnisse der radikalen Parteien kann man teilweise auf die Wahrnehmungl der Benachteiligung und Ausgrenzung zurückführen.

    • @Conrad:

      „In der DDR gab es ein Zusammengehörigkeitsgefühl. ...



      =



      Eine Gesamthistorie über die pol. Opfer der DDR gibt es leider nicht - zum Beispiel darüber das bis zu 300.000 DDR - Bürger länger als 90 Tage in unmenschlichen Gefängnissen weggeschlossen wurden - das sind fast 2% der damaligen Gesamtbevölkerung. Mindestens 36.000 Ex-DDR Bürger bekommen derzeit in der Bundesrepublik eine Opferrente.



      =



      Mindestens 429 Menschen kamen bei Flucht aus der DDR ums Leben - über 650 Menschen starben an der innerdeutschen Grenze. 80.000 Jugendliche wurden in Jugendwerkhöfen festgehalten, gedemütigt und zu Zwangsarbeit gezwungen. Mindestens 10.000 Ex-DDR Leistungssportler leiden heute noch unter den gesundheitlichen Spätfolgen weil sie gedopt wurden.



      =



      Wo hatte sich denn das sogenannte DDR --Gemeinschaftsgefühl versteckt -- angesichts dieser Opferzahlen?



      =



      Die Diskussionen über vermeintliche aktuelle Diskrminierungen oder Zurückstellung gegenüber den Wessis finde ich trotzdem okay..



      =



      Was nicht okay & geschichtsvergessen ist sind die hohen Zustimmungswerte für eine faschistische Partei im Osten.



      Warum möchte der Osten in das Elend zurück welches die deutsche Geschichte bis heute prägt?

      • @zartbitter:

        Was hat das private Zusammengehörigkeitsgefühl, das viele Menschen heute vermissen (und zumeist ehrlich empfanden) mit der später ermittelten Statistik zu tun? Da gings um die kleinen Kreise von Gartenfreunden, Hausgemeinschaften, Studentengruppen. Dass dort öfters auch jemand untergemischt worden war ahnten die meisten Leute ja nicht. Die von Ihnen angeführten Größenordnungen kennt man sämtlich erst aus Nachwendeermittlungen. Mit solchem Pfund lässt sich dann im Nachhinein hübsch wuchern, vor allem, wenn man selbst gar nicht damit konfrontiert werden konnte: Nun nenn mir mal nen Grund für Eure schummrige Ostalgie...



        Ich habs weiter oben schon zugegeben: Ja, wir haben diese Gefahr unterschätzt. Ich selbst habe später nebenbei erfahren, dass man um 1986 auch einen Herrn in unser harmloses Amateurfilmstudio eingeschmuggelt hatte. Zum Preis seiner zügigen Ausreise - was er übrigens freimütig zugab, als ihn ein Eingeweihter später damit konfrontierte.



        Und glauben Sie es oder glauben Sie es nicht: Die meisten Ex-DDR-Bürger haben kein Leben im Elend verbracht. Auch wenn sich vermutlich viele nach einem anderen (oder besseren) gesehnt haben mögen.

        • @Der olle Onn:

          ""Was hat das private Zusammengehörigkeitsgefühl, das viele Menschen heute vermissen (und zumeist ehrlich empfanden) mit der später ermittelten Statistik zu tun?""



          ==



          Welche Qualität hat denn ein vorgegaukeltes und verlogenes ""Zusammengehörigkeitsgefühl"" wenn die die Opfer des DDR - Systems aus dieser seltsamen Zusammengehörigkeit anscheinend von Ihnen systematisch ausgeschlossen werden?



          =



          Ein zentraler Auslöser für das Erstarken der Proteste in der DDR am Beginn der Achtziger Jahre war der ungeklärte Tod des jungen DDR-Bürgerrechtlers Matthias Domaschk. Er starb am 12. April 1981 in der Stasi-Untersuchungshaft in Gera, was in der Jenaer Demonstrationsszene eine große Bestürzung und Wut auslöste.



          =



          Viele der Demonstranten aus Jena wurden aus der DDR ausgewiesen - und landeten in West-Berlin und haben dort viel Solidarität erfahren.

      • @zartbitter:

        Das frage ich mich auch.

    • @Conrad:

      Als ob das Gemeinschaftsgefühl dann mit dem Einigungsvertrag verboten wurde.

      Tatsache ist: im Osten ist der Grad der Organisiertheit in Vereinen, Parteien, Kirchen usw. immer noch viel geringer als im Westen. Seit der Staat einem nicht mehr auch noch die Freizeit organisiert, ist dieses ganze Gefasel von der ach so warmen Mitmenschlichkeit und der Gemeinschaft doch als Illusion entlarvt.

      • @Suryo:

        Das Problem ist doch, dass die Menschen im Osten nach der Wende auf kapitalistische Strukturen und Denkweisen trafen, die der Westen seit Jahrzehnten verinnerlicht hatte, zudem auf eine BRD-Gesellschaft, die ein 68 schuf und erlebte und damit in Ansätzen eine ansatzweise tatsächliche Mitwirkung an Demokratie und Gesellschaft. Im Osten war das Miteinander viel informeller, musste es abseits des Staates ja auch sein. Gemeint ist das Privatleben, nicht das offizielle. Im Westen gab es diese Trennung so nicht, weshalb die Wessis den Osten eben auch nur schwer verstehen konnten. Die Maxime lautete: Macht es doch einfach so wie wir. Kann ja nur schiefgehen

        • @Axotono:

          Was hat das Engagement in einem Sportverein oder beim Förderverein der örtlichen Volkshochschule denn mit kapitalistischen Denkstrukturen zu tun? Ehrenamt ist doch gerade NICHT auf Profitmaximierung angelegt.

      • @Suryo:

        Nein, verboten wär es nicht. Aber die Zeiten sind halt andere. Und die Umstände. Heutzutage, im Zeitalter der asozialen Medien, ist die Entsolidarisierung der Menschen wohl nicht mehr umkehrbar.



        Ich war vor der Eingemeindung in mehreren künstlerischen Gruppen aktiv. So als Amateurfilmer, Zeichner, im Plastikzirkel. Der Unterschied liegt nicht darin, dass "der Staat" das organisiert hat. Er liegt u.a. in den Kosten, die heute nicht mehr jeder tragen kann oder mag. Ein Brennofen z.B. verbraucht richtig fett Strom, das geht ins Geld. Früher hat das der hinterhältige Staat für die "Volkskünstler" bezahlt...



        Er liegt auch daran, dass so ein Verein (ich hatte mich bei einer Gründung 1990 eingebracht) erst einmal ein paar hundert Stunden Bürokratie mitbringt, weil es Satzungen braucht und für jeden Kram einen Verantwortlichen. Als nach einigen Monaten immer noch an der Theorie gewerkelt wurde - statt endlich künstlerisch zu arbeiten - habe ich irgendwann dankend die Segel gestrichen... Und da war ich nicht der Einzige.



        - Aber klar: Alles Gefasel...

      • @Suryo:

        Warum sollten Menschen, die nicht an Götter und andere übernatürliche Dinge glauben, in die Kirche gehen?

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Böse Zungen könnten sagen: Ostdeutschland ist der beste Beweis dafür, dass komplettes Fehlen von Religion den Menschen keineswegs besser macht.

          Es war eins von mehreren Beispielen für den mangelnden Organisationsgrad der zivilgesellschaft

          • @Suryo:

            Fehlende Religion macht Menschen natürlich nicht besser. Vorhandensein von Religion aber natürlich auch nicht. Dafür gibt es Beispiele aus mehreren Jahrtausenden.

            Kommt immer darauf an, wie die Dinge eingesetzt werden.

            PS: Lt. Definition war PEGIDA auch Zivilgesellschaft.

            • @warum_denkt_keiner_nach?:

              ""Fehlende Religion macht Menschen natürlich nicht besser.""



              =



              Siehe Eichsfeld - Thüringen - die Region ist zu



              65 % katholisch. Die katholische Kirche bezieht hier klar Stellung gegen den völkischen rassistischen Ultranationalismus der agd. Die Deutsche Bischofskonferenz sowie lokale Bischöfe betonen, dass nationalistisches Gedankengut mit christlichen Werten unvereinbar ist. Ergebnis Wahlen im Eichsfeld 2024:



              CDU 40% und haushohe Niederlage der agd.



              =



              Die faschistische Identitäre Bewegung nutzt das Christentum als strategische kulturelle Fassade und als Identitätsmarker um Europa als vermeintlich homogene WEISSE EINHEIT darzustellen. Allerdings wird die christliche Religion durch die faschistische Bewegung verfälscht weil theologische Prinzipien wie die universelle Nächstenliebe natürlich ablehnt um ihren eigenen ausgrenzenden rassistischen Ultranationalismus nicht zu gefährden.



              =



              Wer sekular in der DDR aufgewachsen ist - steht nach dem Zusammenbruch des identitätsstiftenden Sozialismus ohne Menschenbild da und ist besonders stark gefährdet, faschistische Identitätsbilder als Ersatz zu verinnerlichen..

      • @Suryo:

        Sehe ich komplett anders. Ja die Organisiertheit in Vereinen ist deutlich geringer. Es gibt aber davon auch deutlich weniger in denen man sich überhaupt engagieren könnte. Außerdem werden solche Organisationen historisch gesehen gern als Wurmfortsatz des Staates interpretiert wie in der DDR. Das nur ein kurzer Hinweis warum das mit der Zivilgesellschaft im Osten nie zünden wird. Sie wundern sich nicht gerade ernsthaft darüber warum es im Osten weniger Christen gibt? Warum sollten Ostdeutsche sich zudem in westdeutschen Parteien engagieren? Das habe ich für mich inzwischen ebenfalls aufgegeben.



        Mitmenschlichkeit und Gemeinschaftssinn sind hier aber deutlich stärker ausgeprägt. Kollektivistische Denkweisen sind ebenfalls deutlich weiter verbreitet genau wie der Wunsch nach mehr Gleichheit.



        Ich würde als Asylbewerber der gerade über die Grenze gekommen ist lieber in meinem Heimatdorf mit 80% AfD Wählern an den Haustüren um Hilfe bitten als im Westen beispielsweise.

        • @Šarru-kīnu:

          "Ich würde als Asylbewerber der gerade über die Grenze gekommen ist lieber in meinem Heimatdorf mit 80% AfD Wählern an den Haustüren um Hilfe bitten als im Westen beispielsweise."

          Das ist nachweislich angesichts der massiv höheren Quote von Gewaltverbrechen gegenüber Asylbewerbern im Osten ein Statement, das das exakte Gegenteil der realen Welt ist.

        • @Šarru-kīnu:

          „Außerdem werden solche Organisationen historisch gesehen gern als Wurmfortsatz des Staates interpretiert wie in der DDR."

          Sportverein Schützenverein TennisclubReitverein Blaskapelle / Spielmannszug



          Gesangverein (Chor)Geschichtsverein



          Freiwillige Feuerwehr



          Burschenschaft etc. pp.

          Wenn Sie das glauben????

        • @Šarru-kīnu:

          Wer Vereine als Wurmfortsatz der Regierung sieht ist gedanklich wohl noch in der Vorwendezeit verhaftet, bei Menschen, die nach 1989 geboren sind tun sich bei mir Fragezeichen auf.

          Die AFD ist übrigens eine westdeutsche Partei, gegründet in meiner Heimatstadt Oberursel, da engagieren sich aber viele aus dem Osten, im Gegensatz zu der Partei deren erster Teil des Namens zu einer DDR-Partei gehört mit der sie sich vereinigt hat. Bündnis 90 Grüne...

          Das mit dem Gemeinsinn ist aus meiner Sicht eher ein Stadt-Land- als ein Ost-West-Thema, je kleiner das Dorf, desto ausgeprägter der Gemeinschaftssinn, so jedenfalls meine Erfahrungen mit dem Dorfleben.

        • @Šarru-kīnu:

          "Mitmenschlichkeit und Gemeinschaftssinn sind hier aber deutlich stärker ausgeprägt."

          Aha, Aue-Bad Schlema hat mindestens 30 Prozent Neonazisympathisanten, aber es sind wenigstens Neonazisympathisanten mit deutlich stärker ausgeprägter Mitmenschlichkeit, was?

          "Ich würde als Asylbewerber der gerade über die Grenze gekommen ist lieber in meinem Heimatdorf mit 80% AfD Wählern an den Haustüren um Hilfe bitten als im Westen beispielsweise"

          Wie kommen Sie denn auf diese Idee? Wer leugnet, dass es im Osten für Asylbewerber, Migranten, LGBT und Co viel gefährlicher ist als im Westen, ist Teil des Problems. Die Prämisse hinter Ihrer Aussage ist einfach komplett falsch.

        • @Šarru-kīnu:

          "Außerdem werden solche Organisationen historisch gesehen gern als Wurmfortsatz des Staates interpretiert wie in der DDR..."

          Das ist meiner Meinung nach DAS große Problem "der" Ossis: einerseits wollen sie mit dem Staat nichts zu tun haben und nicht von ihm behelligt werden, andererseits überfrachten sie ihn aber mit riesigen Erwartungen. Einerseits soll er einen in Ruhe lassen, aber andererseits doch bitteschön auch noch die Freizeit organisieren so wie früher.

          Ein Verhältnis zum Staat wie das eines Teenagers zu den Eltern: zahlen, Essen kochen und das Zimmer aufräumen, aber sonst bitte komplett in Ruhe lassen, sonst gibt es einen pubertierenden Wutanfall.

          Das kann nicht funktionieren.

        • @Šarru-kīnu:

          " Mitmenschlichkeit und Gemeinschaftssinn sind hier aber deutlich stärker ausgeprägt. Kollektivistische Denkweisen sind ebenfalls deutlich weiter verbreitet genau wie der Wunsch nach mehr Gleichheit. "

          Eine sehr steile These, zu der es wohl sicher keine belegbaren Informationen gibt. Die Mitmenschlichkeit in den östlichen Bundesländern beschränkt sich wohl stark auf das jeweils nähere Umfeld, also Familie und Bekannte. Sie endet hingegen deutlich bei Fremden, Zugezogenen und Ausländern.

          Und der Gemeinschaftssinn ist ebenfalls geprägt durch fehlende Vereine und Kirche. Er wird anders praktiziert wie in den westlichen Bundesländern. Beide Richtungen haben ihre Vorzüge, aber ganz sicher ist der Gemeinschaftssinn in den Ostländern nicht besser. Auch hier gilt (meine) These: die Gemeinschaft endet ganz abrupt bei Fremden jeglicher Art.

        • @Šarru-kīnu:

          Vereine wachsen auch im Westen nicht auf mit D-Mark gedüngten Bäumen. Die muss jemand gründen und sich kümmern.

  • „Daran können sich die meisten Älteren noch sehr genau erinnern".

    Die meisten nicht, denn es gab viel zu viel Opportunisten (Mitläufer) unter den „meisten".



    Die „meisten" waren damals auch nicht auf den Straßen.

    Schöner Satz von Wolf Biermann:

    „Die, die zu feige waren in der Diktatur, rebellieren jetzt ohne Risiko gegen die Demokratie.“

    67 - Ossi

    • @Thomas Böttcher:

      Ach ja unser Wolf...



      Biermann wurde ausgebürgert, weil er dereinst im Westen Alltagswahrheiten über die DDR sang. Für mich schon damals unverständlich. Habe das Konzert im TV gesehen - man wollte schließlich wissen, was hinter all der Aufregung steckte. Der Mann war ja außerhalb Berlins eher unbekannt. Ja: Profaner Alltagskleinkram, den jeder DDRler ohnehin wusste. Kleingeistig also vor allem dieser lächerliche Rauswurf.



      Aber Biermann ist mittlerweile ein alter Herr, der sich gelegentlich drüber ausgreinte, dass "seine Ossis", als deren geistiger Mit-Befreier er sich wohl zumindest zu Teilen betrachtet, ihm nicht widerspruchslos auf den einzig richtigen Pfad der Demokratie gefolgt sind.



      Wenngleich sein Satz eines wahren Kerns keineswegs entbehrt: Biermann hat zweifelsohne viel Mut bewiesen, bewegte sich aber selbst zwischen zahlreichen bekannten Intellektuellen, so dass er sich (vermutlich) in gewissem Maße geschützt sah. Ähnlich bekannten Schauspielern wie M. Krug. Das Risiko des namenlosen Bürgers dürfte ungleich größer gewesen sein.

  • Zum Untertitel: Logisch, wenn die positiven Vergleichskriterien sehenden Auges zerstört werden.

  • Der "Witz" an der Geschichte: die Romantisierung der DDR verkennt, dass in den zurückliegenden 40 Jahren die komplette Menschheit sich verändert hat. Die Globalisierung ist stärker als damals und die Social-Medias haben uns ebenfalls stark verändert.



    Denn auch in den westlichen Bundesländern ist der Zusammenhalt nicht mehr so groß wie damals, der Wettbewerb härter und die soziale Leichtigkeit verflogen.

    In der Psychologie gibt es auch einen Fachausdruck dafür: Fading-Affect-Bias (Verblassungs-Effekt). Es ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der negative Erfahrungen schneller verdrängt als positive Erinnerungen. Wenn wir also das nächste Mal wieder von der guten, alten DDR schwärmen, sollten wir das Gefühl nicht zu ernst nehmen und es schlichtweg als (gelebte) Geschichte abhandeln.

    • @Mopsfidel:

      Eben. Da wird das gefühlt „Beste“ der DDR der 1980er mit dem gefühlt schlechtesten der Bundesrepublik in den 2020ern verglichen.

      Das alte Westdeutschland existiert aber auch nicht mehr. Das Land, in dem man gefühlt (!) mit Abi eine Wohlstandsgarantie hatte, sich mit dem Studium gerne auch mal ein paar Jährchen länger Zeit lassen konnte und bei Arbeitslosigkeit erstmal zwei Jahre halbwegs entspannt leben konnte, in dem sich ein Arbeiter irgendwann ein Häuschen kaufen konnte und Dörfer noch Kneipen hatten, gibt es auch nicht mehr. Wenn es denn je so existiert hat.

      • @Suryo:

        Das Land gab es tatsächlich, zumindest bis Ende der 1970.



        Ich habe bis 1976 in so einem Dorf gelebt. Und die Gasstätte haben wir betrieben.



        Richtig ist aber auch das das nach und nach wegfiel.

  • Uff! Eine Wohltat, dieser Kommentar. Herzlichen Dank!