Ostalgie und Realität: Von Diktatur keinen blassen Schimmer
Je länger die DDR Geschichte ist, desto häufiger wird sie als positiv wahrgenommen. Das ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern auch gefährlich.
D ie DDR war ein repressiv-diktatorischer Staat. Punkt. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Und das hat nichts damit zu tun, dass es im Osten auch einen Alltag gab, in dem gelebt, geliebt, gelacht wurde. Wer aber im Betrieb, in der Schule oder in der Uni etwas Falsches sagte oder sich öffentlich über die „größte DDR aller Zeiten“ lustig machte, durfte ganz sicher damit rechnen, dass er das nicht ungestraft tat. Daran können sich die meisten Älteren noch sehr genau erinnern. Hoffentlich.
Dennoch macht sich seit einigen Jahren verstärkt Ostalgie breit. Doch eine Verherrlichung des toten Landes ist nicht nur Geschichtsvergessenheit, sie ist vor allem gefährlich. Insbesondere wenn zunehmend Jüngere, die nach dem Mauerfall geboren wurden, sich ein DDR-Bild aneignen, das mit der realen DDR nichts zu tun hat. Das stellt auch Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke fest: Je länger das Land Geschichte sei, desto stärker werde es positiv bewertet, heißt es in ihrem aktuellen Bericht.
Mutmaßlich sind es Eltern und Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln ein wie auch immer geartetes Ostgefühl einpflanzen. Immer häufiger fallen Sätze wie: „In der DDR gab es ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Heute gibt es das nicht mehr.“ Das mag sein. Unterschlagen wird dabei aber, dass dieses solidarischere Miteinander vielfach geprägt war von Misstrauen und Kontrolle. 1989 gab es rund 280.000 hauptamtliche und inoffizielle Stasispitzel – also in jeder Brigade, in jeder Seminargruppe, in nahezu jedem Wohnhaus, selbst in Schulklassen. Mit Freiheit und Selbstbestimmung, wie wir sie heute kennen, hatte das nichts zu tun.
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Wer sich die DDR zurückwünscht – auch das hört man heute – verharmlost die Diktatur. Junge Menschen, die nach dem Ende der DDR groß geworden sind, haben allerdings keinen blassen Schimmer vom Leben in einer Diktatur. Was hilft dagegen? Reden und aufklären – gleichwohl ohne die DDR zu verteufeln. Denn Dämonisierung allein kann das Gegenteil befördern: Ostalgie.
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