Soziologin über Magnus-Hirschfeld-Stiftung

Forschung für Talkshows

Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich wissenschafliche Ergebnisse sofort in die politische Praxis übersetzen lassen, sagt die Soziologin Nina Degele.

Könnten auch kulturell verarbeitete Forschungsergebnisse sein: Queerkünstler Mario Montez und Peaches.   Bild: dpa

taz: Frau Degele, wie kann die neue Bundesstiftung Politik überhaupt beeinflussen?

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Nina Degele: Ich glaube, man sollte sich keine Illusionen darüber machen, wissenschaftliche Ergebnisse sofort in die politische Praxis zu übersetzen. Das funktioniert nicht. Eine Stiftung kann Grundlagen liefern, politischen und gesellschaftlichen Akteuren etwas anbieten - aber was dann genau damit passiert, ist nicht mehr in der Handlungsmacht der Stiftung selbst.

Besteht denn bei einer so aufs Akademische ausgelegten Stiftung nicht die Gefahr, dass das alles im Elfenbeinturm bleibt?

Nein, so sehe ich die Lage nicht. Die Gesellschaft muss Rechenschaft ablegen darüber, was sie mit ihrem Geld macht, da gibt es ja auch ein Kuratorium, das entscheidet, welche Forschungsprojekte gefördert werden, wie und was mit den Ergebnissen passiert. Das wird sich sehr stark daran orientieren, wie die Ergebnisse weiterverarbeitet werden können - also, ob und wie sie publiziert und ob sie dann in Sportveranstaltungen, bei kulturellen Anlässen, in Talkshows usw. verwendet werden. Die, die sich da um Forschungsförderung bemühen, sind keine Menschen, die im Elfenbeinturm sitzen wollen, sonst würden sie sich ein anderes Thema suchen.

Sie sind ja selbst Professorin. Beschäftigen Sie sich in Ihrem akademischen Alltag auch mit queeren Themen?

Jahrgang 1963, ist Direktorin des Instituts für Soziologie in Freiburg/ Breisgau. Schwerpunkte: Modernisierung, Gesellschaftstheorie und Soziologie der Geschlechterverhältnisse.

Ja, sicher. Ich bin Soziologin und Geschlechterforscherin. Aktuell arbeite ich über Sexismus, Rassismus und Homophobie im Fußball. Themen von Ausgrenzung sind ein grundlegender Bestandteil meiner Forschung. Und es ist eines der letzten großen Tabus, im Fußball über Schwule zu sprechen. Das ist sehr komplementär: Richtige Männer spielen Fußball und können nicht schwul sein. Wenn aber eine Frau Fußball spielt, ist es das Vorurteil schlechthin, dass sie nur lesbisch sein kann. Frauen werden qua Geschlecht ausgegrenzt - Männer qua Sexualität. So läuft das mit Ausgrenzungen: Jemand, der oder die nicht in die heteronormativ geschlossene Familie gehört, auszumachen - da sind die Mechanismen immer ähnlich.

Nina Degele spricht auf dem tazlab über queere Forschungen mit dem „Polizeiruf 110“-Kommissar und Schauspieler Jaecki Schwarz sowie dem Vorstand der Magnus Hirschfeld Stiftung, Jörg Litwinschuh

 

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