Brief an die Fans von Sahra Wagenknecht

Es gibt keine Querfront!!1!

Fans von Sahra Wagenknecht wollen eine Bewegung, in der man nicht so viel Energie gegen Rechts aufwendet, sondern sich vorwärts bewegt. Endlich!

Ein Feuerwehrfahrzeug steht in Bautzen (Sachsen) vor einem brennenden Haus. In einer geplanten Flüchtlingsunterkunft war in der Nacht ein Feuer ausgebrochen.

Ein brennendes Haus mit Flüchtlingen in einer ostdeutschen Kleinstadt? Ups, Imageschaden! Foto: dpa

Liebe Facebook-Gruppe „Wagenknecht – Neue linke Sammlungsbewegung ++inoffiziell++“,

schön, dass endlich mal jemand für etwas kämpfen will und nicht gegen etwas. So steht es in Euren Gruppenregeln und da machte mein Herz einen kleinen Dreisprung vor Freude. Gut, wofür Ihr kämpfen wollt, steht da nicht, aber Ihr seid ja eine Bewegung und was sich bewegt, das findet auch ein Ziel oder wie man bei Flugzeugen zu sagen pflegt: Runter kommen sie immer.

Jedenfalls für etwas sein, nicht gegen etwas. Das ist gut, denn die Linken streiten einfach zu gerne mit sich selbst, statt sich endlich mal wieder hinter etwas zu versammeln. Oder hinter jemandem. Vor allem bei Twitter. Da schreiben zum Beispiel Menschen mit Namen, die nicht aus Deutschland sind, dass auch Linke rassistisch sind, und die sind einfach echt doof und erkennen gar nicht, wie sehr sie sich damit selbst schaden und die Nazis an die Macht bringen mit dieser ständige Diskutiererei.

Da macht man doch lieber was mit Menschen zusammen, mein Gott, ja, auch wenn die halt die NPD gut finden oder so, also, das steht ja bei Euch schon so drinne, dass man mitmachen soll, „unabhängig davon, ob und welche Partei er unterstützt“, jedenfalls kann man sich seinen Volkskörper halt nicht immer aussuchen, nicht wahr?

Nicht dass Euch einer falsch versteht! „Keine feindselige Stimmungsmache (Hetze)“, das schreibt Ihr nämlich auch, „insbesondere nicht gegen Geflüchtete“, wahrscheinlich weil das bei der Sahra, nun sagen wir, da mit ihrer Haltung an der einen oder anderen Stelle ja auch mal falsch verstanden hätte werden können, aber da seid Ihr ganz klar: Nicht mit Euch! Aber dann eben auch nichts Böses gegen „rechte Gruppierungen“, weil Sahra da an der einen oder anderen Stelle mit ihrer Haltung ja auch mal falsch verstanden hätte werden können. Das ist nur konsequent und fair.

„Die Sammelbewegung ist links aber der Kampf ‚Links-gegen-Rechts‘ soll hier nicht geführt werden – jeder versteht unter diesen Begriffen ohnehin etwas anderes.“ Also ganz ehrlich, mal unter uns, wenn ich an dieser Stelle vielleicht mal sachlich kritisieren dürfte (Punkt 2, letzter Satz der Gruppenregeln), dann könnte dieser Satz vielleicht die Gefahr des einen oder anderen Imageschadens bergen, weil Linke ja im Allgemeinen schon zu wissen glauben, wo rechts ist, also da wo sie nicht sind, und wenn ihr da so etwas schreibt, das könnte echt ein falsches Bild abgeben. Also versteht ihr, wie in diesen Meldungen über irgendsoeine ostdeutsche Kleinstadt, in der ein Haus mit Flüchtlingen brennt und zack, Imageschaden, obwohl es da gar keine Nazis gibt.

Dafür stimmt mich der Satz danach wieder sehr versöhnlich (Immer das Positive sehen!!!). „Überlegt Euch im Zweifel, wie Sahra über ein Thema denken würde.“ Schön! Nein, echt jetzt, wirklich schön. Ich bin ja in einer sehr strengen christlichen Gemeinschaft aufgewachsen, noch ordentlich mit keinem Fernseher und keinem Kino und so. Und hat es mir geschadet?

Jedenfalls sagten unsere Priester immer: „Wenn ihr mal nicht sicher seid, ob das richtig ist, was ihr gerade macht, dann fragt euch doch, was Jesus dazu sagen würde.“ Religion kommt ja heute bei vielen nicht mehr so gut an, aber ich sage mal eins: Die katholische Kirche gibt es seit 2000 Jahren, die SPD hat Glück, wenn sie ihren 200sten noch im Stadtrat von Herne feiern darf. Nur wer glaubt, bewegt die Ewigkeit.

Falls Ihr da noch Beratung braucht, ich verfüge über ein hohes Maß an der Glaubenslehre entnommenen rethorischen Dehn- und Stretchfiguren, die sich auch im politischen Diskurs herrlich unkopmliziert anbringen lassen. Da wäre zum Beispiel der China-Vergleich. Anwendung: Man will Ihnen etwas nicht glauben, weil man es nicht selbst erlebt hat (also die Existenz Gottes, oder den Zusammenhang: Wenn wir uns um arme Deutsche kümmern, verschwindet die AfD von selbst, und die einfache Tatsache, DASS ES KEINE VERDAMMTE QUERFRONT GIBT, IHR WIDERLICHEN SYSTEMKUGELSCHREIBER!!1!!11!), dann sagt man: Aber in China wart Ihr doch auch noch nie und die Existenz Chinas würdet Ihr doch nicht bezweifeln! Geht übrigens auch mit Russland. Da wisst Ihr doch auch, dass es ein Paradies ist, obwohl Ihr noch nie da wart.

(Okay, außer Andreas Maurer von der Linkspartei, aber der fährt ja meistens auf die Krim. Und die ist nicht Russland. Und die AfD fährt auch hin. Nichts gegen rechte Gruppierungen. Vielleicht ist die Krim genau der richtige Ort, um sich sachlich miteinander auseinanderzusetzen.)

Was noch? „Sollte es wieder zur Problemen kommen, markiert bitte die Moderatoren oder Admins und schickt bitte eine Nachricht an die Seite, die zu dieser Gruppe gehört.“ Probleme? Welche Probleme? Ich sehe nur Möglichkeiten!!1!

Schwungvolle Grüße,

Daniel Schulz

PS: Es sei denn, das war wieder dieser Hürtgen von der Titanic. War der aber nicht, oder?

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