Die Wahrheit

Ein Ei von Herzen

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über ein verlorenes Fruchtbarkeitssymbol erfreuen.

Foto: Reuters

Eines Sonntags im August

wandelte ich unbewusst,

lyrisch sinnend durch den Garten.

„Meine Füße lang nicht traten

diese grasbewachs’nen Wege!

Mir will scheinen, etwas Pflege

brächte dieser Wildnis Nutzen!

Nun wohlan, ich werd’ sie putzen!“

Also sprach ich, kniete nieder,

wo ich grad noch stand: beim Flieder.

Und begann sofort zu rupfen

und zu reißen und zu zupfen,

was das Zeug hielt. Und schon balde

prangte eine prächt’ge Halde

ausgerissener Pflanzen kühn

in dem, was noch eben grün.

Meine Augen blickten kahle

Erd’ nun an. Mit einem Male

mischte sich da etwas weiß

und in Forme eines Eis

in das, was ansonsten braun.

Klatsch! Vor meine Stirne haun –

und zwar kräftig! – folgte itzo,

dazu rief ich aus: „Schon schizo-

phren zu sein und ohn’ Verstand,

als ich jenes Ei nicht fand,

welches ich zu Ostern legte

hier ins Gärtchen, Brauchtum pflegte,

dachte ich. Doch nun ist klar,

dass nicht doof ich bin, noch war!“

Ach, mir fiel vom Herz’ ein Stein.

Ich pellte’s Ei und biss hinein.

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