Die Wahrheit

Traumgespinst

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Diesmal darf sich die Leserschaft an einem Poem über einen Albtraum mit Happy End erfreuen.

Zwei Menschen liegen aneinandergekuschelt in einem Bett, das unter freiem Himmel steht

Foto: ap

Der Mann starrt durch das Ofenrohr.

Das Kind geigt in der Ecke.

Die Frau sitzt seitlich links davor

und streichelt eine Schnecke.

Der Geograph im Nebenraum

dehnt ächzend seine Glieder,

betrachtet von dem Schottlandschaf

in Bürzelrock und Mieder.

Und obendrüber, schnapsbeschwingt,

singt der dicke Jürgen.

Sein Leibarzt, weil es gräuslich klingt,

sucht ihn zu erwürgen.

Im Keller brummt der Startenor

mit Wackelzahn und Mütze.

Im Garten ein gemischter Chor

in einem Fass voll Grütze.

Dann rufen alle „Sauerkraut!“

und schweigen elf Sekunden.

Ein Knall ertönt, der Morgen graut …

Und alles ist verschwunden.

Die Wahrheit auf taz.de

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