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Linksfraktion streitet über ihre DiätenVöllig entfremdet von der Arbeiterklasse

Marie Frank

Kommentar von

Marie Frank

Einige Linken-Abgeordnete verweigern eine Begrenzung ihrer Diäten. Dabei ist diese dringend notwendig, um glaubwürdig zu sein.

Prominentester Gegner ist Bodo Ramelow Foto: Michael Reichel/dpa/picture alliance

E in Gehalt von 2.850 Euro netto plus 350 Euro pro zu pflegendem Angehörigen oder Kind – viele Ar­beit­neh­me­r:in­nen in Deutschland würden sich darüber freuen. Für einige Linken-Abgeordnete scheint das allerdings eine Zumutung zu sein: Kurz vor dem Parteitag im Juni mehrt sich der Widerstand gegen einen Antrag des Parteivorstands, die Diäten der Linken-Abgeordneten in Höhe des Durchschnittslohns deutscher Ar­beit­neh­me­r:in­nen zu deckeln und den Rest zu spenden.

Prominentester Gegner ist Bodo Ramelow. Der scheint trotz seiner vergangenen Einnahmen als Ministerpräsident Thüringens in Höhe von monatlich rund 16.000 Euro auf die derzeit 11.833 Euro Abgeordnetendiät angewiesen zu sein: Per Eilantrag hat er die Schiedskommission der Partei aufgefordert, den Antrag umgehend aufzuheben. Sein Kollege Michael Moses Arndt, der das Vorhaben per Gutachten stoppen will, wähnt sich mit dem Durchschnittslohn schon am Existenzminimum – das liegt derzeit bei rund 1.000 Euro.

Diese abgehobenen Reaktionen zeigen, wie wichtig und richtig eine Deckelung der Abgeordnetengehälter wäre. Die steigen Jahr um Jahr automatisch an – zum 1. Juli um knapp 500 Euro auf 12.330 Euro plus steuerfreie Aufwandspauschale von rund 5.500 Euro –, Einkünfte aus Nebentätigkeiten nicht mitgerechnet. Während die arbeitende Klasse wochenlange Tarifkämpfe führen muss, um läppische 2,5 Prozent Lohnerhöhung durchzusetzen, die die Preissteigerungen nicht ansatzweise ausgleichen.

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Für die Linkspartei geht es hier um ihre Glaubwürdigkeit: Will sie die arbeitende Klasse vertreten, sollte sie auch ihre Realität kennen. Wer sich jedoch in einer Limousine kutschieren lässt, statt Öffis zu fahren, in einer Villa wohnt statt zur Miete und dazu noch privat versichert ist, kann die Sorgen und Nöte der großen Mehrheit der Bevölkerung schwer nachempfinden.

Das zeigen auch die Argumente der Deckelungs-Gegner:innen: Das Gehalt von Abgeordneten müsse der Bedeutung des Amtes und der anstrengenden Arbeit gerecht werden, heißt es. Das trifft allerdings auch auf Krankenpfleger:innen, Reinigungskräfte oder Bus­fah­re­r:in­nen zu. Wer glaubt, besser als sie zu sein, hat in der Linken nichts verloren.

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Marie Frank
Redakteurin
Redakteurin bei der taz mit Schwerpunkt soziale Bewegungen, Migration, Klassenkampf und soziale Gerechtigkeit. Hat politische Theorie studiert, ist aber mehr an der Praxis interessiert.
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88 Kommentare

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  • Niemand weiß, was z.B. die Altersversorgung der Abgeordneten monatlich kosten würde, wenn man die gleiche Versorgung z.B. bei einer Versicherung einkaufen müsste. Der Abgeordnete Merz versteht die Aufregung über versicherungsfremde Leistungen nicht, weil er selbst nicht pflicht- sondern privatversichert ist.

    Wenn ein Arbeiter als Abgeordneter - egal welcher Partei - in den Bundestag gewählt wird, ist er kein Arbeiter mehr sondern privilegierter Abgeordneter. Das hat natürlich Folgen.

    Etwas mehr Wählernähe würde dem Bundestag gut tun.

  • Ist doch völlig egal was linke Abgeordnete verdienen, die Arbeiterklasse wird die Linkspartei sowiso nicht wählen

  • "...Für die Linkspartei geht es hier um ihre Glaubwürdigkeit: Will sie die arbeitende Klasse vertreten, sollte sie auch ihre Realität kennen..."







    Hat irgendwann jemals jemand von der "klassischen" Arbeiterpartei SPD erwartet, dass ihre Abgeordneten für den Lohn eines Bauhelfers ihrem Beruf nachgehen?







    Ich bin absolut kein Fan der Politiker der Linken, habe aber Respekt vor denen, die tatsächlich freiwillig auf etliche Tausende Euro verzichten für eine aus ihrer Sicht guten Sache. Bei der Freiwilligkeit sollte es aber bleiben. Und die enttäuschten Linken-Wähler mit gutem Gehalt (soll´s ja auch geben) können gerne selbst Verzicht üben, bevor sie es von anderen erwarten.

  • Augen auf bei der Berufswahl! ICH bin Lehrer, nicht verbeamtet. Aber schon im Studium wusste ich worauf ich mich einlasse, was ich später mal ungefähr verdienen werde etc. Wenn ich Journalist werde, dann vermutlich nicht wegen dem großen Geld, wenn ich Jura und Finanzrecht studiere, hingegen vielleicht schon. ALL DAS suche ich mir selber aus, und nur weil unsere Reinigungskraft in der Schule knapp die Hälfte MEINES Gehalts hat, werde ich jetzt nicht anfangen und mich selbst auf 2500€ deckeln, damit ich mich moralisch dem Rest des Kollegiums überlegen fühlen kann (um nichts anderes geht es bei diesem Antrag nämlich). Wie hier auch schon einige Vorredner gesagt haben: gerne selber antreten und sich wählen lassen. Dann kann ja jeder von sich aus sein Gehalt begrenzen. Und warum man an Glaubwürdigkeit gewinnt, nur weil man sein Gehalt spendet, verstehe ich ohnehin nicht. Ach übrigens: Wie wäre das dann mit Gysi? Müsste der in der Zukunft all seine Einnahmen (Bücher, Talkshowauftritte usw) ebenfalls deckeln und den Rest spenden? Denn ich denke man ist sich einig, dass er ohne seine Mandate innerhalb der Linkspartei vollkommen irrelevant wäre...

  • Das Gehalt hat wenig bis nichts mit der Trennung der Realitäten zu tun.



    Diese Trennung findet oft schon in der Schulzeit statt.



    Heidi Reichinnek dürfte im Studium eine ganz andere Realität als ein einfacher Arbeiter gehabt haben. Und das ändert sich später auch meistens nicht, egal wieviel man verdient.

  • Echt jetzt!



    Das der sinnfreie Vorschlag von den Linken kommt, geschenkt!



    Das die überwiegende Mehrheit hier in den Kommentaren dafür ist, erschreckt mich.



    Von mir aus kann ein Bu-Tag-Abgeordneter 20k€ bekommen, dafür erwarte ich auch herausragende Leistungen und Einsatz.

    Aber, bei den Linken ist man mit dem Bundesdurchschnitt zufrieden, na ja dann .......

    Ach ja nur zur Feststellung, wenn alle das gleiche bekämen, dann kann ja auch der Gärtner den Blinddarm entfernen.



    Damit spart man sich auch das aufwendige Studium

  • Anstatt die Diäten zu begrenzen sollte man lieber verbieten, dass Politiker Nebeneinkünfte haben dürfen.

  • Das ist wirklich nicht nötig für mich als Arbeiter. Gute Politik ist nötig und nicht irgendwelche symbolpolitischen Maßnahmen.

    Da die Linkspartei schon wieder außenpolitisch verstrahlt abgebogen ist, wird das der Grund sein, warum ich sie nicht wähle.

    Vielleicht einfach mal innenpolitisch auf die dringendsten Themen wie Miete, Wohlstandsverteilung usw konzentrieren, dann wird das auch was mit der Wahl

  • „Bedeutung des Amtes und die anstrengende Arbeit müssen fair eingeordnet werden“, heißt es oft.



    Ich lese auch häufig Kommentare über die „harte Arbeit“ von Abgeordneten. Sicher ist politische Arbeit nicht einfach – Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu tragen ist belastend.



    Trotzdem habe ich den Eindruck, dass viele politische Entscheidungen weit von der Lebensrealität vieler Arbeiter entfernt sind. Ich empfehle jedem, einmal selbst auf einer Baustelle zu arbeiten: Bei 35 °C heißen Teer zu verlegen, im Rohbau Material ohne Fahrstuhl zu schleppen oder wochenlang auf Montage zu sein – oft mit echter Unfallgefahr. Ähnlich belastend ist Arbeit in der Produktion am Schmelzofen oder in Schichtsystemen.



    Der Lohn liegt dort oft bei ca. 2.900–3.100 € brutto im Monat, Pflegekräfte verdienen im Schnitt etwa 3.200 € brutto trotz Schicht- und Wochenendarbeit.



    Die Frage ist: Steht politische Arbeit in einem angemessenen Verhältnis zur körperlich belastenden und systemrelevanten Arbeit dieser Berufe – oder ist die gesellschaftliche Wertschätzung unausgewogen?

    • @Pawel_ko:

      Komplett richtig, dass die Entlohnung vieler Berufe in keinem Verhältnis zu Anstrengung, Risiko und Systemrelevanz steht. Dafür muss man nicht mal millionenschwere Vorstandvergütungen heranziehen.



      Die Löhne auf Baustellen sind allerdings keine politischen Entscheidungen, die in der Pflege allenfalls mittelbar.

  • Mir persönlich wäre wichtiger als der Verzicht auf einen Teil der Diäten, dass alle Politiker in den gesetzlichen Krankenkassen versichert sind und Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen müssen. Ich erhoffe mir davon eine fairere und kenntnisreichere Gesetzgebung gegenüber den gesetzlich Versicherten. Dass sich die Politiker zusätzlich privat absichern ist zu erwarten, aber sie hätten doch einen besseren und tieferen Einblick in die Materie. Und, vielleicht würden sie das Ungleichgewicht dann doch als auch persönlich Betroffene deutlicher wahrnehmen, sprich, sie würden stärker "fühlen", dass dieses System nicht "gerecht" ist. Im besten Fall würden Politiker sich dann für mehr Gerechtigkeit einsetzen.

  • Ich finde den Vorstoss sehr mutig und bin mir sicher, das würde der Partei viel Sympathiepunkte in der Bevölkerung einbringen und der linken Politik wieder ein bisschen Glaubwürdigkeit zurückbringen.



    Und wer weiss, vielleicht ziehen andere sogar nach?



    Ich kann da nur Positives für die Partei und die gesamte Politik sehen, Daumen hoch dafür.

    Das Einkommen zzgl. Spesenentschädigungen etc. wäre noch immer fürstlich und mehr als ausreichend. Es gibt viele Berufsgruppen die arbeiten ebenso hart und haben bei weitem nicht so viel zur Verfügung.

  • Die Neiddebatte ist im vollen Gange. Ein Abgeordneter arbeitet sicher 50+, teilweise auch deutlich mehr Stunden. Jede Stunde über der 40igsten in der Woche tut weh. Und wenn das so attraktiv ist: Einfach bei der nächsten Wahl aufstellen lassen.

    • @Strolch:

      Das Argument der "Neiddebatte" zeigt einzig und allein, dass keine anderen Argumente verfügbar sind. Es ist keine Neiddebatte, wenn man die Selbstbedienungsmenatlität vieler Politiker*innen kritisiert - es ist dringend notwendig, vor allem vor dem Hintergrund, dass gerade diese Leute allenthalben davon schwadronieren, dass gespart werden müsse.

  • Ob es klug von der Linken war, diese Diskussion öffentlich auszutragen? Sicher gibt es Argumente pro und contra Diätendeckelung. Was aber gerade geschieht (auch hier im Forum) war erwartbar. Für die Einen sind die Befürworter*innen einer Deckelung päpstlicher als der Papst, für die Anderen sind Jene, die eine Deckelung ablehnen, nur Bewahrer*innen eigener Pfründe.



    Eine Diskussion, die so oder so nur einmal mehr den Populist*innen nützt.

    • @Klabauta:

      Der mit Abstand beste Kommentar, der das ganze genau auf den Punkt bringt.

  • Ich hielte eine Begrenzung der Diäten für sinnvoll, die 2850 € aber für zu gering.



    Letztlich geht es ja um eine symbolische Aktion und ich kann mich noch daran erinnern, wie sehr mich in den 80er Jahren eine entsprechende Regelung in der Bundestagsfraktion der Grünen mich in meiner Wahlentscheidung für diese Partei (damals) bestätigt hat. Die Abgeordneten damals zahlten einen Teil ihrer Diäten in einen Topf, aus dem außerparlamentarische Initiativen gefördert wurden.Das fand ich toll damals ... und fänd ich toll heute.

  • Warum es immer schwarzweiß sein muss.



    Ein "Gehalt von 2.850 Euro netto" finde ich schon wenig. Ich verdiene etwas mehr und kann nicht behaupten, dass ich im Geld schwimme und die Sorgen, zB der Putzfrau in unserem Büro, nicht nachvollziehen kann.



    Aber "zum 1. Juli um knapp 500 Euro auf 12.330 Euro plus steuerfreie Aufwandspauschale von rund 5.500 Euro" finde ich schon etwas abgehoben, zumal da Dienstfahrzeug und Spesen ja noch drauf kommen.



    Also ein geldsorgenfreies Leben ist auch in einer teuren Stadt mit weniger zu führen.



    Wo sind die guten (alten?) Kompromisse geblieben?

    ...das die LINKE immer wieder unnötige Aufreger produtziert scheint schon fast im Pateiprogramm zu stehen.

    • @MYGM:

      Ich kann Ihnen da nur zu 100% beipflichten, vernünftige Kompromisse scheint es nicht mehr zu geben. Mir geht es ähnlich wie Ihnen. Ich weiß, dass ich mit einem Gehalt das ungefähr den 2850 € entspricht schon ein wenig priviligiert bin, aber da die meisten Abgeordneten weit mehr Stunden arbeiten als ich, gönne ich ihnen auch mehr. aber die 12330 + Zulagen finde ich auch abgehoben, warum gibt es keinen Mittelweg...

  • Es interesssiert mich ehrlich gesagt kein Stück, ob die paar Abgeordneten der Linken ihre Diäten begrenzen, ob sie 1000 Euro mehr oder weniger verdienen. Das mag symbolisch Einigen das Gewissen beruhigen, hilft dem Mindestlöhner aber kein Stück. Genau genommen ist dieser Streit da das emeplarische Abbild der Linken. Man beschäftigt sich in erster Linie mit sich selbst.



    Und wenn man wissen will, wie weit die Linke von der Arbeiterklasse weg ist, muss man sich nur anschauen, welche Themen den innerparteilichen Diskurs und das Bild nach außen bestimmen. Ganz viel Nahostkonflikt, Ukraine Krieg, NATO, Identitätspolitik, Bundeswehr und natürlich die üblichen Querelen zwischen einzelnen Strömungen. Ein bisserl Putin Verstehen hier, ein bisserl "Antizionismus" da und gegen die Bundeswehr sowieso.



    Das ist das Bild, warum sie keine Glaubwürdigkeit als Partei der Arbeiterklasse hat und nicht die paar Euro mehr oder weniger, die da im Bundestag verdient werden.

    • @Deep South:

      Abgesehen davon, dass ich @esgibtnureinengott zustimme, was die Wahrnehmung der Linkspartei betrifft, stellt sich doch die Frage, inwieweit man allgemein noch von Arbeiterparteien sprechen kann. Ist es etwa die AfD, die (mit einigem Erfolg) großspurig für sich reklamiert, die neue Arbeiterpartei zu sein? Ist es das inzwischen wieder in der Versenkung verschwindende BSW mit seiner Synthese aus sozialen und rechten las-and-Order-Themen?



      Die SPD ist schon lange keine Arbeiterpartei mehr und die Union war es nie (ohne den wenigen aufrechten CDA‘lern auf die Füße treten zu wollen). Daran gemessen ist die Linkspartei - programmatisch gesehen - tatsächlich eine Arbeiterpartei, wenn auch nicht die Stärkste der Parteien, wie es in der Internationale so schön heißt.



      Aber kann man von einer Arbeiterklasse überhaupt noch sprechen, in soziologischem Sinne? In letzter Zeit scheint das ja wieder en vogue zu sein, nachdem die Arbeiterklasse zuvor schon von der Bildfläche verschwunden bzw. es verpönt war, überhaupt noch von sozialen Klassen zu reden.

    • @Deep South:

      In meiner Welt befasst die Linke sich viel mit sozialen Themen: Mindestlohn, Mieten, Unterstützung von Gewerkschaften, Finger in die Wunden legen, wenn es um Arbeitsverhältnisse von Pflegekräften o.ä. geht.



      Dazu reden sie sehr viel über das verkleinern der Schere zwischen Arm und Reich durch Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuer, niedrigere Einkommensteuer für Geringverdiener und höhere für sehr hohe Einkommen, Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel etc.

      • @esgibtnureinengott:

        Natürlich formuliert Die Linke seit Jahren Forderungen zu Mindestlohn, Mieten, Steuern und Umverteilung – das bestreitet kaum jemand. Entscheidend ist aber nicht, was im Programm steht, sondern was den politischen Schwerpunkt, den innerparteilichen Diskurs und die öffentliche Wahrnehmung prägt.

        Genau hier liegt der Bruch zur Arbeiterklasse: Die sozialen Kernthemen tauchen zwar regelmäßig in Anträgen und Pressemitteilungen auf, dominieren aber weder die innerparteilichen Auseinandersetzungen noch die mediale Außenwirkung. Stattdessen werden enorme Energien auf außenpolitische Symboldebatten, ideologische Grabenkämpfe und moralische Positionsfragen verwendet, die für viele abhängig Beschäftigte schlicht keine Priorität haben.

        Hinzu kommt: Viele der genannten Forderungen bleiben abstrakt und folgen einem stark akademisch-moralischen Duktus. Wer im Schichtdienst arbeitet, steigende Preise spürt und wenig Zeit für politische Theorie hat, fühlt sich davon oft nicht konkret angesprochen. Wenn soziale Politik nicht verständlich, konfliktfähig und alltagsnah vermittelt wird, verpufft sie – unabhängig davon, wie richtig sie inhaltlich sein mag.

      • @esgibtnureinengott:

        Ich hab ja auch nicht von deiner Welt gesprochen oder von dem, was Linken Wähler so denken. Sondern über das, womit die Partei Schlagzeilen macht. Und klar redet man auch über Reichensteuer, Mietendeckel, etc. Aber Parteiaustritte wg. Streiterein zu Nahost, Landesverbände, die sich "antizionistisch" nennen, gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, Demos gegen eine vermeintliche Wehrpflicht, Genderdebatten, Bürgergeld und andere Themen, vornehmlich außenpolitisch bestimmen das Bild. Die Partei hat unter Geringverdienern nahezu keine Anhänger mehr. Das kommt halt nicht von ungefähr.

  • Anstatt sich jetzt über so etwas "aufzuregen", sollte man sich lieber mal mit den Nebeneinkünften der Politiker (Spitzenreiter ist die CDU) beschäftigen. Die Nebentätigkeiten der Bundestagsabgeordneten sind vielfältig und reichen sogar bis zu gut bezahlten Mandaten in der Wirtschaft. In der laufenden Periode wurden insgesamt schon über 51 Millionen Euro an Nebeneinkünften gemeldet.

    Art. 48 Abs. 3 des Grundgesetzes: "Die Abgeordneten haben Anspruch auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung."

    Nun ja, von den 11.833 Euro (12.330 Euro ab 1. Juli 2026) können viele unserer "Volksvertreter" wohl nicht leben, deshalb müssen Politiker sich ja auch noch nebenher etwas dazu verdienen.

    Wenn man sich Art. 48 Abs. 3 GG mal genau anschaut, dann steht da etwas von "Unabhängigkeit sichernde Entschädigung". Ich will jetzt lieber nicht darüber nachdenken, ob Politiker wirklich noch unabhängig sein können, wenn sie Aufsichtsratsposten etc. neben ihren Politiktätigkeiten inne haben.

    In einer linken Zeitung sollte man sich lieber damit beschäftigen und nicht den Konservativen hier "Futter" geben, damit die sich über 'Die Linke' mal wieder künstlich aufregen können.

    • @Ricky-13:

      Genau das. Politiker*in sollte wegen mir ihre volle Diät bekommen, aber nur wenn sie dafür keinerlei Nebeneinkünfte mehr haben dürfen.



      Das die taz über die Unstimmigkeiten innerhalb einer Partei berichtet mag hier nicht hilfreich sein, aber immerhin ehrlich und in Anbetracht ähnlicher Artikel über andere Parteien folgerichtig.

    • @Ricky-13:

      Ja, ja immer diese Unionsabgeordneten. Oskar Lafontaine war zeitweise Bundestagsabgeordneter im Bundestag und saarländischen Landtag, hat gleichtig zwei Abgeordnetengehälter bezogen. Er selbst nennt sich Arbeiterführer . ("Arbeiterführer müssen nicht arm sein") Für Vorträge Zb. hat er 20000 € erhalten. Seine Frau Sarah Wagenknecht soll auch schon Milionärin sein. Er ist genauso wie Zb. Herr Gysi Multimilionär. Auch der hat Nebeneinkünfte Zb. durch Bücher schreiben

      • @Martin Sauer:

        @ Martin Sauer



        Sie vermuten tatsächlich in einem Land ohne humanistische Linke Wähler zu leben - Echt jetze - kaum zu verstehen.

    • @Ricky-13:

      Oder mensch könnte sich einfach mit beidem beschäftigen? Dass die Union bis ins Mark korrupt ist, ist nix neues und seit Jahrzehnten bekannt. Getan wird dagegen nix. Stattdessen wählen die Leute munter diese Truppe weiter. Das entkräftet allerdings nicht den Vorwurf an Die Linke.

    • @Ricky-13:

      Die Entfremdung von der Arbeiterklasse ist für eine linke Partei wie für eine linke Zeitung ein massives Problem.

      Wegen der Glaubwürdigkeit.

      Das soll eine linke Zeitung lieber weglassen, damit Konservative kein Futter bekommen?

      Dann wäre die taz das Parteiblatt der Linkspartei ohne journalistischen Anspruch.

      Ich würde sie nicht mehr lesen.

      Parteiblätter interessieren mich nicht.

      • @rero:

        @rero



        Was vermuten Sie eigentlich, wieviel % der Arbeiter aus den Opelwerken, BMW Werken & VW Werken, wohl irrtümlicher Weise, jahrzehntelang ihre Stimmen bei den Unionsparteien abgegeben haben ?

      • @rero:

        In der Herzkammer der Arbeiterpartei SPD NRW wollen nur noch 14 % die Partei wählen. Vor 2 Wahlperioden waren es noch 39 %.

        In Sachsen Anhalt will die SPD das die "medizinische Versorgung für *transpersonen und *nonbinäre verbessert wird". Nein ich habe nichts dagegen, besser aber man fordert das für alle Sachsen Anhaltiner die medizinische Versorgung verbessert wird. Vor allen Dingen für die Landbevölkerung. Schliessungen von Arztpraxen, Krankenhäusern,Apotheken und Rettungswachen betrifft alle.

        Und so ähnlich agiert auch die Die Linke

      • @rero:

        1.) Ich sprach hier lediglich ein klassisches Spannungsfeld der Demokratie an. Kein Politiker soll auf Spenden oder Nebenjobs angewiesen sein (so steht es jedenfalls in Art. 48 Abs. 3 GG) um sein Mandat auszuüben. Der Artikel 48 GG geht also davon aus, dass Abgeordnete 'Vertreter des ganzen Volkes' sind und dann auch für das ganze Volk täglich ihre Arbeit machen; und nicht noch nebenbei gut bezahlte Jobs in der Wirtschaft inne haben sollen. Wer neben seiner gut bezahlten Volksvertretung noch komplexe Aufsichtsratsmandate oder Anwaltskanzleien führt, vernachlässigt nämlich zwangsläufig seine parlamentarischen Pflichten.

        2.) Ich habe auch nicht von "lieber weglassen", sondern von "lieber beschäftigen" geschrieben. Wir beide hatten ja schon einige politische Meinungsverschiedenheiten hier in der taz ausgetragen, also sollten Sie wissen, dass ich solche 'Veränderung meiner Worte' sofort bemerke.

        3.) Ich habe auch nichts dagegen, wenn die in der taz schreibenden Konservativen und Neoliberalen sich zur Springer-WELT begeben, denn die WELT ist ja mit ihrer inhaltlichen Nähe zur CDU/CSU ohnehin schon lange das "Parteiblatt" der Union.

        • @Ricky-13:

          Konservative und Liberale schreiben in der taz? Huch!😉

  • Soso, mal wieder ne Verzichtsdebatte, mit der sich die fortschrittlichen Kräfte selbst zerfleischen.

    Wegen mir können die Abgeordneten gerne viel verdienen, so lange sie sich darum kümmern, dass Gehälter und Sozialleistungen stimmen. Und zwar bei allen, Arbeiter:innen, Erwerbslose, Rentner:innen, Migrant:innen

    • @derzwerg:

      Die Verzichtsdebatte zieht sich bis in den taz-Verlag, dessen politilogischer Autor Knapp eine Schuldenpolitik a la Kettensägenlindner propagiert: taz.de/Die-sieben-...ierung/!vn6177812/

      Recht hat er nur damit, dass die zweckgebundenen Sondervermögen auch bitte nur für ihren Zweck ausgegeben werden sollten. Allerdings klingt sein Beitrag darüber hinaus sehr nach "schwarzer Null", ein parteienübergreifendes Projekt, das weder glaubwürdig funktioniert hat noch noch besteht: Die Sondervermögenspolitik von Olaf Scholz, der selber mal "Schwarze Null"-Finanzminister war, war hart begründet, etwa mit "Bundeswehr steht blank da". Die neuen Wehr-Sparmethoden aus Ukraine und Iran (billige Drohnen statt teurer Marschflugkörper) waren da noch nicht bekannt.

      Bei den Diäten klingt das mit dem Abgeordnetengehaltsverzicht der Linken prozentual zu hoch angesetzt. Abgeordnete reisen gern hin und her zwischen Hauptstadt und Wahlkreis. Das bringt genuin hohe Kosten mit sich. 5000 Netto sollten also MINDESTENS übrig bleiben statt verkrampfter 2.850 Euro pro Linkenabgeordnetennase. Selbst ideologisch ist so arger Sozialneid gegen noch so linke Abgeordnete nicht begründbar.

  • Entschuldigung, aber: So ein Quark. Die Arbeit als Bundestagsabgeordnete*r ist, wenn man sie richtig ausführt, arbeitsintensiver, umfangreicher und geistig anstrengender als der Durchschnittsberuf und sollte auch höher vergütet werden. Die Geschichte hat gezeigt, dass eine zu schlechte Bezahlung von Abgeordneten letztendlich eine Einladung zur Korruption ist, weil diese dann nicht ausreichend Geld zurücklegen können, um für den Fall vorzusorgen, dass sie plötzlich ihr Mandat verlieren, was mit jeder Wahl passieren kann. Nicht in jedem Beruf kann man sofort danach wieder starten, und wenn man dann keine Rücklagen hat, verarmt man plötzlich. Das kann doch nicht das Ziel sein.

    Wer ein konkretes historisches Beispiel will, sollte sich die sog. "Gilded Age" in den Vereinigten Staaten ansehen, in der Abgeordnete auf Bundesstaatenebene gar nicht (!) bezahlt wurden und Korruption so normal war, dass man als Idiot galt, wenn man sich nicht bestechen ließ.

    • @Agarack:

      Nu ja, fakt ist doch, das Politiker*innen jetzt korrupt sein können (und zu großteilen sind) und das nichtmal strafbar ist. Nennt sich halt Nebeneinkünfte vermittelt durch eine Lobby. Dagegen eine Handhabe zu haben wäre also eventuell sogar hilfreich im Kampf gegen Korruption. Der Korruption nicht die Tür öffnen bringt halt relativ wenig, wenn das Scheunentor am Hintereingang offen steht.

    • @Agarack:

      Generalisiert kann nicht von einer Einladung zur Korruption gesprochen werden. Die meisten Abgeordneten wollen nicht korrupt sein. Aber das was zu vermeiden wäre bleibt für viele dann unvermeidlich: Der Nebenjob! Ich bin Gegner von Abgeordnetennebenjobs. Die Leute sind gewählt, um sich über das Wohl des Landes und seiner Bevölkerung Gedanken zu machen, und zwar sinnvolle. Das ist mühsame Arbeit in Ausschüssen. Die sollte keinE AbgeordneteR schwänzen müssen wegen eines oder gar mehrerer Nebenjobs!

      • @Uwe Kulick:

        Ich meine gar nicht unbedingt nur klassische Korruption im Sinne von direkter Bestechung, denn auch die Abhängigkeit von Nebenjobs kann ja, je nach Beruf, durchaus zu Interessenkonflikten führen. Wenn ich z.B. für eine große Firma arbeite, deren wirtschaftliche Lage maßgeblich von der aktuellen Politik abhängt (was praktisch immer der Fall ist), dann bin ich ja auch beeinflussbar, selbst wenn ich es nicht sein möchte. Auch die anwaltliche Vertretung einer Firma kann diesbezüglich schon problematisch sein.

        Insofern haben Sie völlig Recht.

      • @Uwe Kulick:

        Absolut. Jeder, der da nebenbei noch eine Anwaltskanzlei ernsthaft führt oder einen Großbauernhof leitet, hat nicht ausreichend Zeit sich um seinen staatlich bezahlten Job als "Volksvertreter" zu kümmern.

  • Über den Mechanismus der Abgeordnetendiäten kann man sicher streiten aber "2.850 Euro netto plus 350 Euro" ist in etwa die Besoldung eines 30 jährigen Sachbearbeiters im öffentlichen Dienst oder das, was ein Akademiker mit 25 in Deutschland mindestens an Einstiegsgehalt erwarten kann.

    Die Abgeordneten sollen damit im Zweifel weniger bekommen als ihre eigenen Büroangestellten obwohl sie deutlich mehr Verantwortung tragen und wahrscheinlich auch deutlich mehr arbeiten?

    Wie will man erwarten, studierte und "im Leben stehende" Menschen damit finanziell unabhängig zu machen?

  • Wie immer ist es bei der Die Linke: Moral predigen funktioniert hervorragend – solange sie nur für andere gilt. Von Unternehmen, Vermietern und „den Reichen“ wird permanent Verzicht, Bescheidenheit und Solidarität eingefordert. Doch sobald es um die eigenen Diäten geht, wird plötzlich ganz realpolitisch argumentiert: Verantwortung, Lebensstandard, Attraktivität des Mandats.

    Dass viele Abgeordnete bereits jetzt mehr verdienen als die große Mehrheit der Menschen, für die sie angeblich Politik machen, scheint dabei kein Problem zu sein. Im Gegenteil: Kürzungen werden als Zumutung dargestellt, während man gleichzeitig anderen erklärt, sie müssten halt „den Gürtel enger schnallen“.

    Diese Debatte zeigt weniger soziale Sensibilität als vielmehr eine bequeme Selbstbedienungsmentalität. Wer ständig mit erhobenem Zeigefinger auf andere zeigt, sollte wenigstens den Mut haben, die eigenen Maßstäbe auch selbst anzulegen. Andernfalls bleibt von all den großen Worten über Gerechtigkeit nur eines übrig: heiße Luft – gut bezahlt, versteht sich.

    • @Zippism:

      "Von Unternehmen, Vermietern und „den Reichen“ wird permanent Verzicht, Bescheidenheit und Solidarität eingefordert."

      Das stimmt so nicht. Die Linke will keine Almosen von den Reichen, sondern ordentliche Steuergesetzgebung, das hat mit Verzicht und Bescheidenheit etc. nichts zu tun.

      • @derzwerg:

        Hä ich bin ein großer Befürworter einer Umverteilung und hohen Steuern für die Reiche, also was stellen sie sich unter einer Reichensteuer genau vor? Die Reichen müssten dann ganz sicherlich auf vieles doch Verzichten???

      • @derzwerg:

        Doch, genau darum geht es sehr wohl. Wenn man höhere Steuern, Abgaben oder Regulierungen fordert, bedeutet das faktisch immer auch Verzicht – nämlich weniger verfügbares Einkommen, geringere Renditen oder eingeschränkte Handlungsspielräume. Das kann man politisch für richtig halten, sollte es dann aber auch ehrlich benennen.

        Entscheidend ist der Doppelstandard: Während von anderen „gesellschaftliche Verantwortung“ eingefordert wird, gilt diese plötzlich nicht mehr, wenn es um die eigenen Bezüge geht. Dann heißt es auf einmal, Kürzungen seien unzumutbar oder gefährdeten die Attraktivität des Mandats.

        Genau diese Argumentationslogik wird Unternehmen, Vermietern oder Gutverdienenden sonst regelmäßig abgesprochen. Wer solche Maßstäbe anlegt, sollte sie auch auf sich selbst anwenden – alles andere wirkt unglaubwürdig, unabhängig davon, ob man es Steuerpolitik oder Verzicht nennt.

  • >12.330 Euro plus steuerfreie Aufwandspauschale von rund 5.500 Euro<

    Da fehlt noch was. Die Abgeordneten bekommen anscheinend noch Geld für mehrere Mitarbeiter. Das wird anscheinend nicht kontrolliert. Afd-Abgeordnete nutzen das aus, um Freunde und Bekannte schein-zu-beschäftigen. Andere Abgeordnete nicht?

    Das ist dann eine erhebliche weitere Zuwendung als Gegenleistung für das Abgeordneten-Mandat.

  • Druck auf Abweichler, die wagen, nicht alles mitzumachen, was sich da irgendwelche Leute ausgedacht haben, das hat in gewissen Parteien und ihren Vorgängerparteien Tradition.

    • @Katharina Reichenhall:

      Ist auch andernorts üblich nicht alles mitzumachen, was sich irgendwelche Leute ausdenken und muss nicht per se falsch sein...



      Denke schon, dass Abgeordnete, die, wenn sie ihren Job ernst nehmen, erheblich aufwendiger und länger arbeiten als Durchschnittsbürger auch Anspruch auf eine höhere Entlohnung haben sollten als solche. Wie hoch die dann real ausfallen "muss" sollte freilich in einem sinnvollen Kontext stehen... Und nicht zwingend öffentlich ausgehandelt werden.

    • @Katharina Reichenhall:

      Das hat in allen Parteien Tradition.

  • Ich habe doch Zweifel daran, daß das Einkommen der Abgeordnete der Hauptfaktor ist, der Linke und Arbeiter voneinander trennt.

    • @Klaus Franz:

      Ich halte das auch bestenfalls (!) für ein Symptom und nicht für die Ursache.



      Aber die Menschen können sich natürlich wunderbar das Maul über dieses Sommerlochthema zerreißen. Was natürlich alle freut, die nicht möchten dass DieLinke mal irgendwann ernstgenommen wird.

  • Einfach die Diät an den Mindestlohn (oder das soziale Existenzminimum) mit einem bestimmten Faktor binden.



    Und insgesamt mal wieder zu einer egalitäreren Gemeinschaft zurückfinden, das ist gesünder.

  • Ich lese ganz zu Beginn:



    "Ein Gehalt von 2.850 Euro netto plus 350 Euro pro zu pflegendem Angehörigen oder Kind – viele Ar­beit­neh­me­r:in­nen in Deutschland würden sich darüber freuen."



    Ganz ehrlich: Wenn ich auf meine Lohnsteuerbescheinigung von 2025 schaue, wäre ich wohl nicht einmal mit dem Dreifachen zufrieden.



    Sorry, aber ein(e) Abgeordnete(r), die/der auf 4 Jahre gewählt ist und danach nicht genau weiß, wie es weitergeht (den Linken winken da nicht durchweg gut bezahlte Jobs in der freien Wirtschaft), kann durchaus das erhalten, was auf einem vergleichsweise anspruchsvollen Posten in der freien Wirtschaft bezahlt wird - und das ist mehr als das Doppelte von 2850€.



    Die Diäten ermöglichen den Abgeordneten auch (was oft nötig ist), sich einen Berliner Zweitwohnsitz zu leisten.



    Man kann ja von den Abgeordneten halten, was man will, aber die Arbeitsbelastung ist erheblich und eine entsprechende Entlohnung sollte auch helfen, nicht nach anderen finanziell vergüteten Aktivitäten schielen zu müssen, wie wir es z. B. von Abgeordneten der CDU/CSU kennen.

    • @Aurego:

      Wer Geld für die primäre Belohnung hält, mag seine Bezüge hier andeuten und, bis das Totenhemd keine Taschen hat, froh auf Erden wandeln. Einfach hierzu mal auf zugängliche Statistiken schauen, ist mein einziger Hinweis.



      Bei Politik erwarte ich Menschen, die da anders denken, denen ein anständiges Salär reicht und die sich über Einfluss und Macht und Wirksamkeit freuen. Geldfixierte MdBs - besser nicht (gälte auch für persönliche Eitelkeit und Neurosen und ...)!



      Wer mit 2850,- nicht auskäme, macht wohl etwas falsch.

      Aber dass MdB ein Knochenjob ist, incl. Wochenenden, zwei Wohnorte etc., mit entsprechenden Risiken für Gesundheit und Familienleben, das natürlich auch. Schelte über Politikers also gezielt auf die wenigen Korruptniki und Familienklüngler darunter.

      • @Janix:

        Geld IST die primäre Belohnung. Das ist seit ungefähr 3.000 Jahren so.

    • @Aurego:

      "Die Diäten ermöglichen den Abgeordneten auch (was oft nötig ist), sich einen Berliner Zweitwohnsitz zu leisten."



      Jeder Abgeordnete erhält pauschal eine steuerfreue 'Aufwandsentschädigung' von 5.500 €, für die er keinerlei Rechenschaft ablegen muss. Die kann er ins Casino tragen, in Bier und Schnaps umsetzen oder sich eine Wohnung mieten, was selbst in Berlin zu dem Preis möglich sein sollte. Diese Aufwandsentschädigung ist so üppig, dass sich viele Abgeordnete die Wohnungssuche für die paar Wochen in Berlin lieber sparen und stattdessen in teuren Hotels wohnen und dann immer noch jeden Monat von ihrer Aufwandsentschädigung locker ein paar tausend € übrig haben.



      Übrigens: Reisekosten müssen sie auch nicht aufwenden; dafür bekommen sie eine Bahncard 100 in der 1. Klasse geschenkt!



      Welcher normale Arbeitnehmer erhält neben seinem Lohn noch derart üppige Zulagen?

      • @Tiene Wiecherts:

        Wir reden hier nicht von "normalen Arbeitnehmern". Das muss wohl gelegentlich klargestellt werden.



        In der freien Wirtschaft gibt es Leute, die die Entlohnung der Abgeordneten als finanziellen Abstieg betrachten würden.

      • @Tiene Wiecherts:

        Das privatwirtschaftliche Äquivalent zum Abgeordneten ist das Mitglied eines Aufsichtsrats und nicht der normale Arbeiter.

        Abgesehen davon werden Sie bei hochspezialisierten und entsprechend gefragten Arbeitnehmern ähnliche Zulagen finden.

  • Die SPD (da gab es im Westen die Linken noch nicht) ist früher mal mit der Forderung angetreten, auch Arbeiterkindern die Chance auf den Aufstieg zu ermöglichen. Ja, lang, lang ist es her, Das schreibt ein Arbeiterkind, der es geschafft hat, sich in die 42%-Einkommensteuerklasse plus Soli hochzuarbeiten, auch dank Studenten-Bafög (zurückzahlbar, aber damals zinslos und damit finanzierbar).



    Wie sich die Zeiten ändern: Die Linke will jetzt ihren Abgeordneten den finanziellen Aufstieg zu verbieten :-)



    Im Übrigen: wenn alle nur maximal den Durchschnittsverdienst des letzten Jahres verdienen, dann sinkt dieser Durchschnittsverdienst im nächsten Jahr (das zu erkennen, dazu sollte auch Schulmathematik reichen).

  • Statt der Deckelung der Diäten sollte die Linke-Fraktion mal darüber nachdenken, ob sie einen Audi A8 im Wert von 100.000 € braucht.

    Und außerdem noch, ob es irgendetwas besser macht, wenn hervorgehoben wird, der Wagen gehöre ja gar nicht der Spitzenfrau selbst, sondern sei ja nur ein Leasing-Fahrzeug der Fraktion.

    Da fehlt es selbst der Diätendeckelung am Glaubwürdigkeit.

    • @rero:

      Da der Wagen geleast wurde, vermutlich zu sehr günstigen (sehr günstigen) Konditionen kostet er auch keine 100.000 €.

      Diese Hetze gegen die einzige Partei, die sich glaubwürdig für die 'kleinen Leute" einsetzt, ist entlarvend.

      Rechte haben mit einem gemieteten Auto offensichtlich mehr Probleme, als mit drin kriminellen Handlungen der AFD-Fraktion oder dem großflächigen Sozialabbau der Regierungskoalition.

  • Deckelungs-Gegner:innen: sofort zurück treten!!!

    • @A.W. :

      Deckelungsbefürworter_innen auch.

      Eine linke Partei braucht keine Heuchler.

      • @rero:

        In der CDU/CSU findet man solche "Heuchler" natürlich nicht, denn da deckelt keiner seine Abgeordnetenentschädigung.

        Von Jens Spahn - der den Steuerzahlern Milliarden Euro kosten wird (Maskendeals) - würde man sich eine Deckelung seines "Gehalts" zwar wünschen (damit er wenigstens etwas von dem vielen Geld zurückzahlt), aber der "werte Herr" bekommt als Fraktionsvorsitzender der Union sogar das Doppelte ausgezahlt.

        Während die CDU/CSU Geldbeträge nicht so gerne detailliert veröffentlicht - wie etwa die Grünen und 'Die Linke' - liegt das "übliche Niveau" für Unions-Fraktionsvorsitzende allerdings bei einer 'Zulage' von rund 12.000 Euro zusätzlich pro Monat. Insgesamt beläuft sich das Brutto-Monatseinkommen (ohne Pauschalen und Nebeneinkünfte) von Jens Spahn auf ca. 24.000 Euro. Spahn erzielt zusätzlich auch regelmäßig Einkünfte aus Nebentätigkeiten, beispielsweise durch Vorträge oder Buchveröffentlichungen. Details zu seinen aktuellen Nebenverdiensten werden auf Abgeordnetenwatch veröffentlicht.

        Und wer würde dem netten Herrn Spahn diese 24.000 Euro (plus Nebeneinkünfte) im Monat missgönnen? 😉

        Lasst uns also lieber weiterhin auf 'Die Linke' einprügeln, denn das macht mehr Spaß.

  • Ich weis ja nicht, wieviel Stunden so ein Abgeordneter arbeitet - aber sicher mehr als 39 Wochenstunden. 2850 € scheinen mir da doch zu wenig zu sein. Vielleicht sollte man es den Abgeordneten überlassen, wieviel sie spenden wollen und nur Empfehlungen aussprechen. Es gehört sicher mehr dazu, die Arbeiter und ihre Situation zu verstehen als bloß deren Gehalt zu teilen.

  • Generell finde ich eine Begrenzung sehr sinnvoll. Diese muss aber auch die Lebensumstände der Abgeordneten berücksichtigen. Wenn z.B. eine Abgeordnete aktuell einen Hauskredit abbezahlen muss, den sie mit ihrem normalen Gehalt z.B. als Lehrerin oder Ingenieurin gut bedienen könnte, könnte sie mit dem Durchschnittseinkommen und den hohen Lebenshaltungskosten in der Berlin schon Probleme bekommen. Falls für solche Fälle keine Lösungen vorgesehen sind finde ich auch die Kritik daran berechtigt.

    • @Henne Solo:

      Niemand "muss" einen Hauskredit abzahlen, oder? Dass mensch die Spesen abziehen kann (ein abschließbares Zimmer in Radentfernung des Reichstags), halte ich aber für eine sinnvolle Einschränkung, ob das jetzt schon berücksichtigt ist oder nicht.

  • Die Frage ist doch, auf welcher Grundlage die Partei in die Rechte der Angeordneten eingreifen wollen würde. Die Diäten fließen den Abgeordneten zu; die Parteien haben damit nicht zu tun. Eine Partei kann dann allenfalls auf Freiwilligkeit setzen. Eine Partei, die in so einer Frage auf Zwang setzt, wäre mir zuwider.

    Anders verhält es sich natürlich mit den Bezügen der von der Partei angestellten Personen.

    • @DiMa:

      Die KPD früher hatte undatierte unterzeichnete Rücktrittserklärungen in der Schublade für solche Fälle. Dahin nicht zurück!



      Zu konstatieren ist gleichwohl, dass die eher linkeren Parteien eben auch nicht die Daueralimentierung durch Fossil-Konzerne, Gesamtmetall & Co. genießen, sondern deren teure PR-Kampagnen sogar abwehren müssen.

  • Millionen Arbeiter und Rentner müssen jetzt so langsam aufstehen und für ihre hart erkämpften Rechte und bessere Renten auf die Straße gehen. Ansonsten haben wir bald nur noch Knechte und Armutsrentner. Staatsdiener, wie Politiker, Beamte und Pensionäre werden natürlich weiter mit üppigen Gehältern und fetten Pensionen versorgt. Die LINKE ist teilweise auch sehr gierig.

    • @KLaus Hartmann:

      Die Linke ist wohl trotzdem die noch am wenigsten gierige partei im bundestag

    • @KLaus Hartmann:

      Mögen Sie das auch belegen? Amigo-Affären kennt man ja sonst vor allem von Union, AfD und FDP…

  • Entschuldigung, das ist total surreal - und einfach Quatsch. Das große Problem mit der LINKEN ist, dass sie sich keineswegs für ein gutes Leben für alle einsetzt.



    Sondern eben nur wieder für die sog. "arbeitende Bevölkerung" - was sich nur auf Erwerbsarbeit bezieht, dabei ist die unbezahlte Arbeit vom Volumen (Stundenzahl) und von der gesellschaftlichen und ökonomischen Relevanz eigentlich an erster Stelle.

    Insofern is die Deckelung der Diäten ein rein gesinnungsethischer, man könnte auch sagen "kosmetischer" oder "Show-Biz"-Ansatz. Leute, macht einfach mal Euren Job, dann hat auch niemand ein Problem damit, wenn Ihr dafür gut bezahlt werdet!

    • @Eric Manneschmidt:

      Kritisieren Sie, dass sich die Linke nicht für ein besseres Leben reicher Rentiers einsetzt oder dass sie sich vermeintlich nicht für nicht erwerbstätige Carearbeiterinnen einsetzt?

  • Sind zwei Abgeordnete von 64 im Bundestag jetzt schon "einige"?



    Das klingt doch eher wie eine vollkommen zu vernachlässigende Minderheit.

  • Danke für den Betrag. Wenn es ums Verteilen von Geld anderer geht, sind die Linken immer mit dabei (auch Ramelow) . Aber wenn es darum geht, selbst einen Beitrag zu leisten, unterscheiden sie sich doch kaum von CDU, SPD, AfD und Grünen.

    Wären alle Abgeordneten gesetzlich krankenversichert, und würden nur gesetzliche Rentenansprüche erwerben, und nicht die relativ gesehen gigantische Altersvorsorge von Abgeordneten, würden wir sicher nicht mehr über Einschnitte bei der Rente und der Kranken- und Pflegeversicherung reden. Der Satz, das wäre nicht finanzierbar, würde im Parlament kaum noch zu hören sein.

    Und danke für ihre beiden letzten Sätze. Dass Abgeordnete vergessen, für wen sie arbeiten, und keinen Respekt für die Leistung derjenigen zeigen, die sie mit ihren Steuern finanzieren, ist genau so unerträglich, wie Richter, die höhere Beamtenbezahlung fordern, und von ihrem eigenen Urteil erheblich mehr profitieren als der Polizist, der deren Gesetze verteidigen muss.

    Wenn die Linke hier einknickt, ist sie es nicht Wert, gewählt zu werden und sollten sich allenfalls noch Partei der schein-linken Gier nennen.

    • @Torben2018:

      Ob 600 Leute gesetzlich versichert sind oder nicht, ist für die Finanzierung ein Rundungsfehler. Das wäre eher Symbolpolitik (die nicht immer falsch oder unnütz sein muss).

    • @Torben2018:

      Wenn es ums Verteilen von generalisierten Urteilen zu anderen geht, ist dann gerade wer mit dabei?



      Nun ja, wer ohne Sünde ist ... und ich mag etwa eine allgemeine eine Krankenkasse auch aus Ihrem Grunde durchaus.

  • Da muss man ja dem Bodo mal ne böse Mail schreiben. Ich als Linke Wählerin finde es inakzeptabel wenn meine Abgeordneten so viel bekommen. Ich würde so gern bei rechten Wählern drauf verweisen dass meine Abgeordneten sich nicht berreichern. Wenn das alle machen täten wäre das einfach nen mega credibility Zeichen.



    Selbst wenn sie Teile der Bezüge dann für Parteiwerbung/Arbeit aufwenden täten anstatt direkt zu spenden wäre es einfach stark.



    Der Bodo soll sich schämen.

    • @Jasmin Reeh:

      Mandatsträgerabgaben gibt es doch schon in fast jeder Partei.

  • Immer wieder schön, von anderen etwas zu fordern, von dem man selbst nicht betroffen ist. Warum nicht für alle den Durchschnittslohn? Egal ob Politiker, Arzt, Anwalt, Fußballprofi, Krankenpfleger oder Taxifahrer. Das hätte doch was

    • @Ahnungsloser:

      Hier wird allerdings von der Linken-Fraktion etwas gefordert, von dem sie selbst und alle anderen nicht betroffen wären.

    • @Ahnungsloser:

      Dann würde der Durchschnittslohn aber stark fallen, eine Abwärtsspirale.

      • @ZTUC:

        Wenn alle den Durchschnittslohn bekommen, wie soll der denn dann fallen? 😂

        • @Wurstfinger Joe:

          Wie soll der denn auch ermittelt werden. Weder jeder Durchschnittslohn verdient, kann der auch bei 1 Euro liegen. Nicht so toll..



          Zum anderen musst du irgendwie erhöhte Verantwortung und Risiko finanziell abbilden.



          Ein Arzt oder Chirurg der ständigem Druck ausgesetzt ist keinen Fehler zu machen, weil es Menschenleben kosten kann und dementsprechend auch psychisch belastet wird, kann doch nicht wie ein Rezeptionist bezahlt werden zb.

          • @Walterismus:

            Wie soll der Durchschnittslohn plötzlich einen Euro betragen, wenn er doch bei über 2800 liegt? Der Durchschnitt ist halt dann das, was jeder real bekommt, rein mathematisch betrachtet. Deshalb ist rein mathematisch betrachtet sowohl die Aussage, daß der Durchschnitt sinken würde, wie auch, er wäre nicht mehr feststellbar, einfach lächerlich.



            Und seit einem Vorfall in Leipzig sollten wir doch wissen, daß Rezeptionisten eigentlich brutal gefährlich leben und auch mehr Gehalt verdienen. 😁

  • Das ist absolut richtig. Nur - es gilt auch für alle !!!! anderen Parteien gleichermaßen...