17. - 28. Sept. 2018 (Warteliste)

Georgien / Armenien / Baku

Reiseleiterin Barbara Oertel in Kooperation mit Tigran Petrosyan

Den Berg Ararat in der Türkei kann man von der armen. Hauptstadt Jerevan aus gut sehen - im Vordergrund das armenische Kloster Chor Virap. Bild: Tigran Petrosyan

Baku - Kutaisi – Gori – Tschiatura - Tbilissi – Sevan – Jerevan

„Es ist besser etwas einmal zu sehen als zehnmal darüber zu hören.“ So lautet ein georgisches Sprichwort. Und in der Tat: Zu sehen und zu erleben gibt es in der Südkaukasusrepublik, genauso wie bei dem Nachbarn Armenien und in Aserbaidschan, so einiges: Einzigartige Landschaften, ein vielfältiges kulturelles Erbe sowie die Gastfreundschaft der Menschen. Und drei Gesellschaften im Auf- und Umbruch, die nach jahrzehntelanger Sowjetherrschaft versuchen, neue Wege zu beschreiten.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: ab 2.100 Euro (DZ/HP/Flug)

VERANSTALTER: via cultus Studienreisen, Stutensee

Tel. 0721-9684773, info@via-cultus.de

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Bei dieser Reise werden wir mehrere Elemente kennenlernen: die schwierige innenpolitische Situation, die für Gesellschaften in einer Übergangsphase typisch ist und über die wir bei Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft Genaueres hören werden. Und das Paradiesische bei Ausflügen in die  so vielfältigen, wunderschönen Landschaften des Kaukasus - und das alles natürlich bei landestypischer Musik, Wein und gutem Essen.

ist Barbara Oertel, seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz

Tigran Petrosyan, freier Journalist aus Armenien, schreibt seit 2012 für die taz

 

 

Aserbaidschan

Die Republik Aserbaidschan ist mit knapp zehn Millionen Einwohnern, von denen die Mehrheit schiitische Muslime sind, der bevölkerungsreichste Staat in der Region. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 37,85 Milliarden Dollar (2016) ist das an Öl- und Gasvorkommen reiche Land, das nach der Unabhängigkeit einen rasanten Aufschwung hingelegt hat, auch die größte Volkswirtschaft im Südkaukasus. Nicht zuletzt dieser Umstand hat Aserbaidschan zu einem einflussreichen Spieler in der Region werden lassen. Seit 2003 regiert hier Staatspräsident Ilham Alijew mit eiserner Hand. So erhielt noch keine Wahl seit seinem Amtsantritt das Gütesiegel „frei und fair“. Widerspruch duldet Alijew, der sich bei einem Referendum im Jahr 2016 vom Volk mit größeren Vollmachten ausstatten ließ, nicht.

Baku Bild: Archiv

Andersdenkende jedweder Couleur landen nicht selten im Gefängnis. Kritische Medien, die die weit verbreitete Korruption innerhalb des Alijew-Klans unter die Lupe nehmen, werden mundtot gemacht. So führt die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen in ihrem Index über die Pressefreiheit 2017 Aserbaidschan auf Platz  162 von insgesamt 180 Staaten.

Angesichts des herrschenden Autoritarismus hat es die Zivilgesellschaft schwer, sich zu entwickeln und zu behaupten. Und doch gibt es einige, wenn auch kleine, Fortschritte zu verzeichnen. Dabei sind besonders die Menschenrechtsaktivisten zu erwähnen, die an einer politischen Lösung des Konfliktes um Berg-Karabach arbeiten und sich damit um eine Aussöhnung mit dem verfeindeten Nachbarn Armenien bemühen. Das ist allerdings ein ständiger und stets risikoreicher Balanceakt.

Georgien

Die Kaukasusrepublik Georgien - zu Sowjetzeiten als Urlaubsparadies und Exporteur von Zitrusfrüchten und gutem Wein geschätzt - ist heute, 27 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit von Moskau, ein zerrissenes Land. Im August 2008 kam es zu einer Neuauflage des Konflikts, als sich Georgier und Russen mehrtägige Gefechte um Südossetien lieferten. Bei den Kampfhandlungen fielen Georgier in Südossetien ethnischen Säuberungen zum Opfer. Mehrere Ortschaften wurden bis zu 50 Prozent, ein nicht unerheblicher Teil der Infrastruktur sogar ganz zerstört. Mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens durch Russland scheinen diese beiden Gebiete für Georgien auf unabsehbare Zeit verloren zu sein. Davon zeugt auch der Umstand, dass, trotz einer ständigen Beobachtermission der Europäischen Union, sich die mittlerweile de facto-Grenze zu Südossetien immer weiter auf georgisches Territorium vorschiebt.

Auch die Hoffnungen all jener Georgier auf eine nachhaltige Demokratisierung von Staat und Gesellschaft, die 2003 im Zuge der sogenannten Rosenrevolution mit wochenlangen Demonstrationen den Rücktritt der Regierung erzwangen, haben sich bislang allenfalls in Ansätzen erfüllt. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisierten bald vehement den autoritären Regierungsstil des einstigen Hoffnungsträgers und späteren Präsidenten Michail Saakaschwili, der die Medienfreiheit einschränkte und Andersdenkende verfolgen und inhaftieren ließ.

In der georgischen Hauptstadt Tiflis Bild: Christian Meier

Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2016 konnte die Partei „Georgischer Traum“ des Milliardärs Bidzina Ivanischwili, die vier Jahre zuvor die Partei Saakaschwilis in die Opposition geschickt hatte, ihren Sieg wiederholen. Ja, mehr noch: Sie verfügt jetzt sogar über eine Dreiviertelmehrheit der Mandate und hat die Verfassung im Herbst 2017 in wichtigen Punkten geändert. Wie bereits 2012 liefen auch die letzten Wahlen frei und fair ab – für den Südkaukasus und verglichen mit Armenien und Aserbaidschan ein Novum.

Einige grundlegende Reformen wurden bereits auf den Weg gebracht – so in den Bereichen Polizei und Justiz. Wie sich die innenpolitische Situation unter Regierungschef Giorgi Kwirikaschwili, der seit Dezember 2015 im Amt und mit Staatspräsident Giorgi Margvelaschwili im Dauerclinch ist , weiter entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Viel wird auch von den Wahlen im Oktober dieses Jahres abhängen, bei denen der Präsident zum letzten Mal direkt vom Volk gewählt wird.

Auch bei der Annäherung an Europa sind Fortschritte zu verzeichnen. Im Juni 2014 unterzeichnete die georgische Regierung mit der Europäischen Union ein Assoziierungs-Abkommen, das das Land näher an Europa heranführen soll. Insgesamt stellt Brüssel Tiflis ein positives Zeugnis aus. Im Sommer 2017 fiel endlich die Visapflicht für Reisen nach Europa.

 Armenien

Das Nachbarland Armenien ist noch weit von dieser Entwicklung entfernt. Das politische System zeichnet sich nach wie vor durch einen hohen Grad an Korruption und Vetternwirtschaft aus, die Wirtschaft stagniert. Daran hat auch der Beitritt des Landes zur von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion am 1. Januar 2015 nichts geändert, im Gegenteil. Die Landeswährung Dram schwächelt. Viele junge Menschen kehren - vor oder nach der Ausbildung - mangels Perspektiven ihrer Heimat den Rücken.

Blick auf Jerevan Bild: Ruth Aping

Dennoch regt sich etwas in der Zivilgesellschaft. So wurde in der Hauptstadt Jerevan mehrfach gegen eine drastische Erhöhung der Strompreise demonstriert. Ähnlichen Unmut erregte 2013 eine Verteuerung der Tarife für den öffentlichen Nahverkehr. Diese wurde nach massiven Protesten wieder zurückgenommen.

In einem Referendum im Dezember 2015 stimmte die Mehrheit der Armenier für eine Verfassungsänderung, die das präsidiale durch ein parlamentarisches Regierungssystem ersetzt und die Macht vom Präsidenten auf den Regierungschef verschiebt.

Bei den Parlamentswahlen im April 2017 gewann die Republikanische Partei von Staatspräsident Sersch Sargsjan mit 58 von 105 Mandaten zwar erneut die Mehrheit. Aber mit dem Block „Yelk“ (Ausweg) ist jetzt auch eine Oppositionspartei mit neun Abgeordneten im Parlament vertreten – und das trotz bisweilen massiver Wahlfälschungen. Im kommenden Frühjahr finden Präsidentenwahlen statt. Interessant ist die Frage, ob Sargsjan  erneut antritt oder sich im das Amt des Regierungschefs bemüht. Mittlerweile hat er erkannt, dass es sich lohnen könnte die Beziehungen zur EU zu verbessern. Im November 2017 unterzeichnete er in Brüssel ein Partnerschaftsabkommen.

Am 24. April 2015 jährte sich der Völkermord an den Armeniern durch die Türken zum 100. Mal. Hunderttausende gedachten am neu gestalteten Genozid-Mahnmal in Jerewan der Opfer. Nach wie vor belastet dieses dunkle Kapitel der Geschichte die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien, die gemeinsame Grenze ist geschlossen. Aber auch auf diesem steinigen Weg zu einer Aussöhnung sind einige kleine positive Schritte zu verzeichnen.

Die zwölftägige Reise gibt einen Einblick in die Arbeit ganz verschiedener Akteure der Zivilgesellschaft, die mitunter massivem Druck ausgesetzt sind. Besonders diejenigen, die sich um die Versöhnung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen auch über die Grenzen Georgiens und Armeniens hinaus bemühen und verdient gemacht haben, werden wohl noch einen langen Atem brauchen.