5. - 16. Juni 2017

Georgien - Armenien

Reiseleiterin Barbara Oertel in Kooperation mit Tigran Petrosyan

Den Berg Ararat in der Türkei kann man von der armen. Hauptstadt Jerevan aus gut sehen - im Vordergrund das armenische Kloster Chor Virap. Bild: Tigran Petrosyan

Kutaisi – Batumi – Gori – Tbilissi (Tiflis) – Dilijan – Jerevan

"Es ist besser etwas einmal zu sehen als zehnmal darüber zu hören." So lautet ein georgisches Sprichwort. Und in der Tat: Zu sehen und zu erleben gibt es in der Südkaukasusrepublik, genauso wie beim Nachbarn Armenien, so einiges: Einzigartige Landschaften, ein vielfältiges kulturelles Erbe sowie die Gastfreundschaft der Menschen. Und zwei Gesellschaften im Auf- und Umbruch, die nach jahrzehntelanger Sowjetherrschaft neue Wege beschreiten.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: ab 2.350 Euro (DZ/HP/Flug)

VERANSTALTER: via cultus Studienreisen, Stutensee

Tel. 0721-9684773, info@via-cultus.de

 

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Bei dieser Reise werden wir mehrere Elemente kennenlernen: die schwierige innenpolitische Situation, die für Gesellschaften in einer Übergangsphase typisch ist und über die wir bei Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft Genaueres hören werden. Und das Paradiesische bei Ausflügen an die Schwarzmeerküste sowie in die Berge und Täler des Kaukasus - und natürlich bei Musik, Wein und gutem Essen.

ist Barbara Oertel, seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz

Tigran Petrosyan, freier Journalist aus Armenien, schreibt seit 2012 für die taz

 

 

Georgien

Die Kaukasusrepublik Georgien - zu Sowjetzeiten als Urlaubsparadies und Exporteur von Zitrusfrüchten und gutem Wein geschätzt - ist heute, 26 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit von Moskau, ein zerrissenes Land. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde Georgien durch Sezessionskriege mit den beiden abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien, die Tausende das Leben kosteten und knapp 400.000 Menschen zu Flüchtlingen machten, nachhaltig erschüttert.

Im August 2008 kam es zu einer Neuauflage des Konflikts, als sich Georgier und Russen mehrtägige Gefechte um Südossetien lieferten. Bei den Kampfhandlungen fielen Georgier in Südossetien ethnischen Säuberungen zum Opfer. Mehrere Ortschaften wurden bis zu 50 Prozent, ein nicht unerheblicher Teil der Infrastruktur sogar ganz zerstört. Mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens durch Russland scheinen diese beiden Gebiete für Georgien auf unabsehbare Zeit verloren zu sein.

Auch die Hoffnungen all jener Georgier auf eine nachhaltige Demokratisierung von Staat und Gesellschaft, die 2003 im Zuge der sogenannten Rosenrevolution mit wochenlangen Demonstrationen den Rücktritt der Regierung erzwangen, haben sich bislang allenfalls in Ansätzen erfüllt. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen kritisierten bald vehement den autoritären Regierungsstil des einstigen Hoffnungsträgers und späteren Präsidenten Michail Saakaschwili, der die Medienfreiheit einschränkte und Andersdenkende verfolgen und inhaftieren ließ.

Im Stadtzentrum von Tiflis. Bild: Archiv

Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2016 konnte die Partei „Georgischer Traum“ des Milliardärs Bidzina Ivanischwili, die vier Jahre zuvor die Partei Saakaschwilis in die Opposition geschickt hatte, ihren Sieg wiederholen. Ja, mehr noch: Sie verfügt jetzt sogar über eine Dreiviertelmehrheit der Mandate und hat angekündigt, die Verfassung in wichtigen Punkten ändern zu wollen. Wie bereits 2012 liefen auch die letzten Wahlen frei und fair ab – für den Südkaukasus und verglichen mit Armenien und Aserbaidschan ein Novum.

Wie sich die innenpolitische Situation unter Regierungschef Giorgi Kwirikaschwili, der seit Dezember 2015 im Amt ist, weiter entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Einige Reformen wurden jedoch bereits auf den Weg gebracht - so in den Bereichen Polizei und Justiz. Im Juni 2014 unterzeichnete die georgische Regierung mit der Europäischen Union ein Assoziierungsabkommen, das das Land näher an Europa heranführen soll. Insgesamt stellt Brüssel Tiflis ein positives Zeugnis aus. In diesem Jahr könnte endlich die Visapflicht für Reisen nach Europa fallen.

Armenien

Das Nachbarland Armenien ist noch weit von dieser Entwicklung entfernt. Das politische System zeichnet sich nach wie vor durch einen hohen Grad an Korruption und Vetternwirtschaft aus, die Wirtschaft stagniert. Daran hat auch der Beitritt des Landes zur von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion am 1. Januar 2015 nichts geändert, im Gegenteil. Die Landeswährung Dram schwächelt. Viele junge Menschen kehren - vor oder nach der Ausbildung - mangels Perspektiven ihrer Heimat den Rücken.

Dennoch regt sich etwas in der Zivilgesellschaft. So wurde in der Hauptstadt Jerewan mehrfach gegen eine drastische Erhöhung der Strompreise demonstriert. Ähnlichen Unmut erregte 2013 eine Verteuerung der Tarife für den öffentlichen Nahverkehr. Diese wurde nach massiven Protesten wieder zurückgenommen.

Viele Klöster Georgiens dienten auch als Wehrburgen. Bild: Markus Denzer

In einem Referendum im Dezember 2015 stimmte die Mehrheit der Armenier für eine Verfassungsänderung, die das präsidiale durch ein parlamentarisches Regierungssystem ersetzt und die Macht vom Präsidenten auf den Regierungschef verschiebt. Vor diesem Hintergrund kommt den Parlamentswahlen, die im April 2017 stattfinden, eine ganz neue Bedeutung zu.

Am 24. April 2015 jährte sich der Völkermord an den Armeniern durch die Türken zum 100. Mal. Hundertausende gedachten am neu gestalteten Genozidmahnmal in Jerewan der Opfer. Nach wie vor belastet dieses dunkle Kapitel der Geschichte die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien, die gemeinsame Grenze ist geschlossen. Aber auch auf diesem steinigen Weg zu einer Aussöhnung sind einige, wenn auch nur kleine, Fortschritte zu verzeichnen.

Die zwölftägige Reise gibt einen Einblick in die Arbeit ganz verschiedener Akteure der Zivilgesellschaft, die mitunter massivem Druck ausgesetzt sind. Besonders diejenigen, die sich um die Versöhnung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen auch über die Grenzen Georgiens und Armeniens hinaus bemühen und verdient gemacht haben, werden wohl noch einen langen Atem brauchen.