4.- 18. März/15.- 29. April/23. Sept.- 7. Okt./15.- 29. Okt. 2016 (alle ausgebucht)

Iran klassisch (Schiras-Isfahan)

Reiseleitung Charlotte Wiedemann (März) /Kurt Scharf (Sept.) /Hartmut Niemann (April u. Okt.)

Der zentrale Platz in Isfahan  Bild: Hartmut Niemann

 Teheran - Ghom - Isfahan - Yazd - Persepolis - Schiras

Von der Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen in Iran werden Sie überrascht sein und beeindruckt von grandiosen Bauwerken, schattigen Paradiesgärten und geschäftigen Basaren. Wir laden Sie ein zu einer Reise, bei der Sie auch Einblicke in Alltag und Gesell- schaft dieser alten Kulturnation erhalten. Wichtig dafür sind die persönlichen Begegnungen – denn unsere Gesprächspartner ermöglichen einen Blick in die iranische „Zivilgesellschaft“, die in der Öffentlichkeit nur schwer wahrnehmbar ist.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR

 

PREIS:  3.060 € (DZ/VP/Flug),

VERANSTALTER:

Orient Express, Göttingen,

Tel: 0551-486652,

H.Niemann@orientexpressonline.de

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Unsere Fahrt ist nicht nur eine Reise durch den Raum, sondern auch durch die Zeit: Wir beginnen in der Moderne, in Teheran, und enden im Süden in der Provinz Fars, dem Herzen des Achämeniden-Reichs, des ersten Großreichs der Antike.

Charlotte Wiedemann Autorin und freie Journalistin, u. a. für taz und Le Monde Diplomatique

 

Hartmut Niemann, Iranistik-Diplom, Autor d. Reiseführer Iran im Verlag Reise-Know-How.

 

Kurt Scharf, Autor und Übersetzer pers. Lyrik, 1973 bis 1979 stellv. Leiter Goethe-Institut Teheran

In Teheran beginnt die Reise, weil die rund 14 Millionen Einwohner zählende Metropole nicht nur die politische, sondern auch die kulturelle und wirt- schaftliche Hauptstadt des Landes ist. Hier leben besonders viele interessante Gesprächspartner: Künstler, Musiker, Schriftsteller, Soziologen und Publizisten, auch Mitarbeiter einer NGO, die sich um die Bildung afghanischer Flüchtlingskinder bemüht; bei einzelnen Reiseterminen treffen wir auch Mitarbeiter der Iranisch-deutschen Handelskammer sowie StudentInnen des Deutschen Sprach- Instituts Teheran.

Die Zivilgesellschaft ist in Iran weniger in Vereinen und öffentlich aktiven Gruppen, also nach westlichem Muster, sondern in privaten sozialen Netzwerken organi- siert. Die enge private Vernetzung führt zu einem Charakteristikum der iranischen Gesellschaft: im privaten Bereich existiert eine gesellschaftliche Realität jenseits der offiziellen Vorschriften und Regelungen.

In Iran kann sich dieses Phänomen auf die – im gesamten islamischen Kulturkreis – große Bedeutung einer Trennung zwischen ‚öffentlich‘ und ‚privat‘ stützen, die auch staatliches Handeln beeinflusst. Zivilgesellschaftliche Aktivitäten finden dank digitaler Netzwerke über private, sagen wir „halb-öffentliche“ Einladungen statt – es gibt private Hauskonzerte oder Lesungen, zu der mehr Zuhörer kommen, als zu einer öffentlichen Lesung in einem deutschen Literaturhaus.

So treffen sich auch Jugendliche beider Geschlechter in privaten Gruppen, es wird Musik gemacht und Theater gespielt und wenn man sich gut kennt, wird auch Alkohol getrunken. Über Internet werden you-tube-Videos diskutiert und in diversen digitalen Netzwerken Ansichten und Informationen ausgetauscht. Diese sehr iranische Variante einer Zivilgesellschaft lernen Sie bei der Reise durch Begegnungen mit Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern kennen.

Fliesen mit Blumenmuster  Bild: Anne Quirin

Erlauben Sie noch einen Hinweis in eigener Sache: bei Iran-Reisen wird ein Problem verstärkt, das im Prinzip bei jeder taz-Reise besteht: schon Monate vorher eine Programm-Vorschau zu formulieren, obwohl alle Begegnungen erst kurz vor Reiseantritt definitiv vereinbart werden können. Wir weisen stets darauf hin, dass „Änderungen im Detail möglich“ sind.

Denn jede taz-Reise ist ein Unikat: schöne Bauwerke und Landschaften kann man immer besichtigen, aber die Begegnungen müssen für jede Reise neu arrangiert werden. Ein geplanter Gesprächspartner kann zum Reisetermin verhindert sein oder aktuelle Ereignisse lassen ganz neue Gesprächspartner interessant werden: dann muss der Reiseleiter das Programm kurzfristig umstellen, eine andere Person für ein Gespräch gewinnen.

2016 wird dies bei Iran-Reisen schon deswegen vorkommen, weil es bei allen 9 taz-Reisen ein Programm in Teheran gibt: da kommen wir um wechselnde Gesprächspartner nicht herum. Im Programm werden daher mehrfach verschiedene Alternativen genannt.

Hinzu kommt eine Iran-spezifische Grenze der Vorhersagbarkeit: Wir müssen das konkrete Programm jeder Reise mit den geplanten Begegnungen kurz vor Reiseantritt vom Ministerium genehmigen lassen; dabei kann passieren, dass ein Gesprächspartner nicht genehm ist, wir ihn also nicht treffen können – es wurde in den letzten Jahren sogar ein und derselbe Gesprächspartner mal genehmigt, mal nicht.

Trommler im Zur-khaneh („Krafthaus“) in Isfahan  Bild: Joachim Wieshofer

Und gerade bei kurzfristigen Änderungen von Gesprächspartnern, die ja im Prinzip Freunde oder Bekannte des Reiseleiters sind, wird am deutlichsten: jede taz-Reise trägt auch die Handschrift ihres Reiseleiters – nun gibt es bei der Klassik-Reise gleich drei, darunter eine Reiseleiterin! Die Reisen werden sich also unterscheiden, obwohl Route und Grundverlauf bei allen vier Reiseterminen gleich ist.

Zu Ihrer Orientierung: Charlotte Wiedemann ist als Journalisten eher gegenwarts-orientiert mit einem Blick für die Lebenssituation von Frauen; Kurt Scharf war 1973 bis 1979 stellv. Leiter des Goethe-Instituts Teheran, übersetzt iranische Lyrik und Prosa ins Deutsche und interessiert sich besonders für kultur- und religionshistorische Aspekte; Hartmut Niemann, ebenfalls mit Hang zur Gegenwart, hat Iranistik studiert, bereist Iran seit 35 Jahren, ist Geschäftsführer unseres Reiseveranstalters Orientexpress und Autor eines Iran-Reiseführers.

Aspekte zur gesellschaftlichen Entwicklung Irans

Demokratisches Gedankengut hat in Iran eine über hundertjährige Tradition. Bereits mit der ersten demokratischen Revolution im Nahen und Mittleren Osten im Jahre 1906 entstanden Grundlagen einer modernen demokratiefreundlichen Gesellschaft in Iran, die in der Folgezeit ausgebaut wurden.

Entsprechend gibt es zivilgesellschaftliche Strukturen bereits seit langem. Allerdings ist die Zahl in diesem Sinne aktiver Gruppen – vor allem im humanitären und im Umwelt-Bereich – erst seit den 1990er Jahren drastisch gestiegen. Da die iranische Gesellschaft dem Prinzip einer "Führung durch die Rechtsgelehrten" gehorcht, ist die freie Meinungs-äußerung in aller Öffentlichkeit nur insoweit erlaubt, wie es die machthabende Geistlichkeit mit Gottes Gebot für vereinbar hält.

Doch das bietet überraschend viel Raum für oft heftige Debatten und Kritik zwischen den verschiedenen religiösen Lagern. Dabei ist die rote Linie nicht immer einfach zu erkennen, und zivilgesellschaftliche Initiativen müssen die Grenzen des Möglichen immer wieder aufs Neue ausloten.

70 % der Menschen sind jünger als dreißig und damit nach der Revolution 1979 geboren (etwa 50 von 72 Mio.). Doch der Staat kann mit seiner Wirtschaftspolitik nicht genügend Arbeit generieren, um allen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Die große Mehrheit der Bevölkerung hat Zugang zum Satellitenfernsehen. Die Zahl der Analphabeten ist minimal, aber es gibt etwa zwei Millionen Studenten, davon sind mehr als die Hälfte Frauen.

Vor einer Moschee in Ghom  Bild: Hartmut Niemann

Zwei Fünftel der Bevölkerung nutzen regelmäßig das Internet, die Zahl der Blog-Seiten betrug 2006 zwischen siebzig- und hunderttausend. Farsi hält heute weltweit Rang 4 unter den Weblog-Sprachen. Die Modernisierung ist ein Selbstläufer geworden, die auch durch Repressionen nicht wirklich aufgehalten werden kann. Dies alles sind Zeichen der Hoffnung für die iranische Demokratie.

Ihre Blütezeit erlebte die Zivilgesellschaft unter der achtjährigen Präsidentschaft von M. Chatami (1997-2005). Dies war die erste Ära, in der zivilgesellschaftliche Aktivitäten teilweise gefördert, teilweise aber ungewollt waren und widerwillig geduldet wurden. Häufig tolerierte das Regime, das die Lethargie der jungen Bevölkerung in Aktivismus umschlug.

Ab 1999/2000 wurden Tausende von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) in Iran gegründet, die sehr aktiv das Ziel einer demokratischen Transformation der politischen Verhältnisse verfolgten. Die Agilität der iranischen Zivilgesellschaft nahm in dieser Zeit eine Sonderstellung in der gesamten islamischen Welt ein, vielleicht abgesehen von der Türkei und Marokko.

Die NGOs vernetzten sich stark im In- und Ausland und nahmen an internationalen Symposien teil. Ausländische Institutionen konnten in Iran Konferenzen über menschliches und technisches ‚Know-how’ des modernen ‚Networking’ durchführen. Diese Möglichkeiten sind seit der Parlamentswahl im Sommer 2009 und der anschließenden Protestbewegung sehr eingeschränkt worden. Seitdem wird die Arbeit vieler NGOs behindert – leicht erscheinen sie verdächtig, nicht-islamischen Vorstellungen anzuhängen und dabei durch ausländische Freunde unterstützt zu werden.

Auf unserer Reise durch die wunderschöne Landschaft Zentralirans werden wir – neben der Besichtigung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie im Programm beschrieben – einige Initiativen und Vereine mit ihren Tätigkeitsfeldern kennenlernen, für die ein solcher Kontakt keine Gefährdung ihrer Arbeit bedeutet.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 15.12.2015

Bitte beachten Sie: Frauen müssen in Iran in der Öffentlichkeit (d.h. außerhalb ihrer Wohnung) eine Kopfbedeckung tragen, das gilt auch für Ausländerinnen.