07.01.2016

taz Bremen-Initiative Mahnmal zur NS-Geschichte des Konzerns Kühne + Nagel – Ideenwettbewerb

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Erst kurz vor Weihnachten hatte die taz Bremen ein Crowdfunding organisiert, um € 4.400,- zum Kauf eines Areals am Weserufer zusammen zu bekommen. Gesammelt wurden nun bereits über € 25.000,- - ein riesiger Erfolg für das Ansinnen der Bremer, ein „Arisierungs-Mahnmal“ zu initiieren. Im Fokus steht die weitgehend unaufgearbeitete NS-Geschichte des Konzerns Kühne + Nagel, darüber hinaus soll das Mahnmal die Diffusion von Verantwortung im Umgang mit der eigenen Geschichte thematisieren. Denn die von Kühne + Nagel zu den „Judenauktionen“ transportierten Besitztümer der Deportierten „geistern“ noch heute als Erbstücke durch viele deutsche Familien.

Mit dem Crowdfunding-Geld kann die taz ihr Kaufgebot für vier Quadratmeter nun um das Doppelte der Summe überbieten, die Kühne + Nagel pro Quadratmeter bezahlen soll. Dieses Angebot wurde dem Bremer Senat übermittelt. Außerdem soll es einen Ideenwettbewerb für das Mahnmal geben.

Die Bremer Redaktion der taz hatte im Dezember 2015 den Verkauf eines städtischen Areals am Weserufer an den Logistikkonzern zum Anlass genommen, sich für ein Mahnmal an die NS-Vergangenheit von Kühne + Nagel zu engagieren. Vier Quadratmeter dieses Areals sollen gekauft werden, um mit einem „Arisierungs-Denkmal“ an die zweifelhafte Vergangenheit des Konzerns zu erinnern. Und um auf das bis heute lückenhafte Verantwortungsbewusstsein von Kühne + Nagel hinzuweisen. Kühne + Nagel gilt als Monopolist für den Transport  des gesamten Besitzes der aus Westeuropa deportierten Juden, verweigert Historikern jedoch bis heute die Einsicht in das Firmenarchiv.

Anlass der Aktion war der geplante Verkauf eines öffentlichen Platzes durch den Bremer Senat zum Preis von € 900,-/qm an Kühne + Nagel. Durch den herausragenden Erfolg des taz-Crowdfundings kann die taz diesen Preis nun mit einem Gebot von € 2.000,-/qm um mehr als das Doppelte überbieten. Der weltweit drittgrößte Logistikkonzern plant den Neubau des Firmensitzes auf rund 1.000 Quadratmetern des innerstädtischen Areals am Bremer Weserufer und ist in Kaufverhandlungen mit dem Bremer Senat.

„All' das ist nur möglich dank der großen Unterstützung des Crowdfunding- Aufrufs, den wir auch als politisches Signal verstehen“, sagt taz-Redakteur Henning Bleyl, der die Aktion initiiert hat. Und die taz-Geschäftsführung bittet in ihrem Angebot gegenüber den zuständigen senatorischen Stellen um Nachricht, falls ein noch höheres Angebot eingehen sollte. – um das eigene Angebot entsprechend erhöhen zu können.

Außerdem ruft die taz zu einem Ideen-Wettbewerb auf, um gestalterische Ansätze für das „Arisierungs“-Denkmal zu entwickeln. „Kann man den Abtransport von fast 70.000 Wohnungs-Einrichtungen bildlich fassen? Die Erosion von Empathie und Menschenwürde, die Diffusion von Verantwortung darstellen?“ fragt Henning Bleyl, der fachliche Unterstützung hinzuziehen will: Der Wettbewerbs-Jury werden neben zwei taz-Redakteuren weitere Experten aus den Bereichen Politische Bildung, Bildhauerei und Kunstvermittlung angehören, so Arie Hartog als Direktor des Bremer Marcks-Hauses und Marcus Meyer, wissenschaftlicher Leiter des Denkors Bunker "Valentin".

Der Wettbewerb auf einen Blick: Die taz.nord sucht Ideen für ein Denkmal am Bremer Weserufer, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stammsitz der Spedition Kühne + Nagel.

Das Thema: Ausraubung der jüdischen Bevölkerung, die „Verwertung“ kompletter Haus- und Wohnungseinrichtungen der Deportierten bis hin zu kleinsten Gebrauchsgütern, die Verdrängung dieses Geschäfts, die Diffusion von Verantwortlichkeit

Die Frist: 20. Februar 2016. Früher eingereichte Ideen haben die Chance auf unverbindliche Vorab-Publizierung.

Die Einsende-Adresse: 4qmWahrheit@taz.de

Überweisungen können erfolgen an die Postbank Berlin, IBAN: DE85100100100282997104 BIC: PBNKDEFF Stichwort: Kühne und Nagel.

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Unsere Pressemitteilung mit dem Crowdfunding-Aufruf und weiteren Informationen finden Sie hier.

Wir freuen uns über Berichte zum Thema. Rückfragen sind möglich bei Henning Bleyl, bleyl@taz.de, Tel. 0421-960 26 422.

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